Dienstag, 27. August 2013

Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist tot!

Wolfgang Herrndorf

Vorhin las ich die Nachricht, dass der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf in der Nacht zum 27. August 2013 verstorben ist. Er litt seit einigen Jahren unter einem inoperablen Gehirntumor, ist aber wohl nicht an den Folgen seiner Krankheit gestorben, sondern soll sich lt. eines Twitter-Eintrags seiner Autoren-Kollegin Kathrin Passig selbst das Leben genommen haben.

Herrndorf, der genau einen Tag später geboren wurde
Bestseller "Tschick"
als ich, wurde nur 48 Jahre alt. Sein sicherlich bekanntester Roman "Tschick" wurde zum Überraschungserfolg des Jahres 2010. Das Buch stand monatelang auf den Bestsellerlisten, erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 und hat sich inzwischen mehr als eine Million mal verkauft.
In seinem Blog "Arbeit und Struktur" schrieb Herrndorf am 12.10.2011 selbst zu seinem Buch: "Tschick jetzt Schullektüre auf Costa Rica, Bilder einer blauuniformierten Klasse, die unter Palmen sitzt und liegt und liest. In Baden-Württemberg dagegen läuft der Buchverkauf so schleppend, daß jugendliche Straftäter zur Lektüre verurteilt werden müssen: Buch kaufen, lesen, fünfseitige handschriftliche Inhaltsangabe, und falls das nicht klappt, »kann ich bis zu vier Wochen Ungehorsamsarrest verhängen«. Richter Hamann, Amtsgericht Reutlingen."

In seinem Blog setzte er sich jedoch v.a. öffentlich mit der Krankheit auseinander. So entstand eine bittere Chronik seines Leidens, aber auch das Tagebuch eines Schriftstellers, der über den Tod ebenso nachdenkt wie über das Leben.
Am 14.07.2012 schrieb er beispielsweise: "Man kann nicht leben ohne Hoffnung, schrieb ich hier vor einiger Zeit, ich habe mich geirrt. Es macht nur nicht so viel Spaß..."

Das Buch "Tschick" liegt hier schon seit einiger Zeit und wartet geduldig darauf, gelesen zu werden. Ich habe es zu einem Geburtstag, der ja fast auch der Geburtstag Herrndorfs ist, erhalten - von meiner Tante, die einst Literatur studiert hat. Vollkommen begeistert erzählte sie von dem Roman, immer noch berührt, war allerdings gleichzeitig auch immer noch entsetzt von der Buchhändlerin, bei der sie das Buch erworben hatte.
Mit wichtigtuerischer Miene hatte diese das Buch in eine Tüte gepackt und kopfschüttlend verkündet: "Der
"Sand" erhielt den Leipziger Buchpreis
wird wohl kein Buch mehr schreiben. Der ist ja schon

todkrank". Meine Tante regte sich fürchterlich auf über die scheinheilige Wichtigtuerei dieser Verkäuferin. Und es war ihr sozusagen ein innerer Reichsparteitag, als sie im Jahr darauf den nächsten Roman von Wolfgang Herrndorf "Sand" in ebendieser Buchhandlung kaufen konnte...
 

Die Süddeutsche.de berichtet, dass Herrndorf seit seiner Krebsdiagnose zurückgezogen in Berlin lebte. "Keine Anfragen, keine Interviews, keine Lesungen, keine Ausnahmen", schrieb er auf seiner Internetseite. Nur die Freunde, die Lebensgefährtin C. und die Arbeit gaben seinem Leben Struktur. Ein Roadmovie "Isa" wollte er noch fertigbekommen und eine Buchfassung seines Blogs.
Doch nun gab es nur noch einen letzten Eintrag in seinem Blog, und die Überschrift lautet: "Schluss"... 



© Parden 



W. Herrndorf
 
Bücher des Autoren:
  • In Plüschgewittern
  • Diesseits des Van-Allen-Gürtels
  • Tschick
  • Sand



Kommentare:

  1. Bei mir liegt noch "Sand" noch auf dem SuB. Das hab ich mir letztes Jahr vom Geburtstagsgeld geleistet.

    AntwortenLöschen
  2. Gelungener Nachruf, Anne. Tschick liegt schon seit einem Jahr auf meinem SUB. Ich sollte endlich mal anfangen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Tim, freut mich - die Nachricht vom Tod Herrndorfs hat mich einfach berührt...

      Tschick möchte ich in diesem Jahr auch unbedingt noch lesen!

      Löschen