Freitag, 6. Januar 2017

Schilddorfer, Gerd: Der Nostradamus-Coup


Die Prophezeiungen des Nostradamus sind auch heute noch kryptisch. Kein Wunder – hatte Nostradamus sie damals doch selbst gestohlen und die Zeilen nie ganz verstanden ... Als John Finch ein Notizbuch mit verschlüsselten Texten und der Fotografie eines Gemäldes in die Hände fällt, ahnt er nicht, dass es ihn auf die Spur genau dieser Prophezeiungen führt. Und damit zu einem Geheimnis, das so spektakulär und atemberaubend ist, dass John sich bald auf einer gefährlichen Verfolgungsjagd quer durch Afrika und Europa befindet. Denn die Prophezeiungen sind gar keine Voraussagen, sondern eine Schatzkarte zu einem der legendärsten Schätze der Geschichte – mitten in Europa ...

(Klappentext Bastei Lübbe Verlag)


  • Taschenbuch: 800 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch) (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404174259
  • ISBN-13: 978-3404174256
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
  • Reihe: John Finch (Band 3)












FILMREIF!


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/df/Douglas_DC-3,_SE-CFP.jpg/300px-Douglas_DC-3,_SE-CFP.jpg
Der Rosinenbomber - eine Douglas DC-3

ENDLICH! kann man den dritten Band um den Abenteurer John Finch lesen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters einfach nicht sesshaft werden will. Hier ergreift er gleich die Gelegenheit beim Schopf, als ihm zu Ohren kommt, dass eine Douglas DC-3 zum Verkauf steht, der legendäre Rosinenbomber, ein Flugzeug, mit dem mit die West-Alliierten seinerzeit die Blockade Berlins durch die Sowjetunion durchbrachen. John Finch ist begeistert, denn als passionierter Pilot für alle Lebenslagen fliegt er am liebsten Oldtimer. Dass er das Flugzeug von einem verlassenen Flughafen in der libyschen Wüste abholen muss, stört Finch nicht weiter, denn schließlich ist er ja ein Weltenbummler - und da seine langjährige Kollegin Amber mit von der Partie ist, sollte das alles auch gar kein Problem sein. Dumm nur, dass die beiden nach dem Start feststellen müssen, dass sich blinde Passagiere an Bord geschlichten haben. Und keine harmlosen, wie nur zu bald klar wird. Uuuuund schon geht die Achterbahnfahrt los, und Finch stürzt unversehens wieder in ein neues Abenteuer - ein geheimnisvolles Notizbuch wird zum Gegenstand der Jagd quer durch Europa.


"Es sieht so aus, als hättet ihr mit euren Recherchen in Rom etwas ausgelöst, als hätten alle nur auf einen Startschuss gewartet, um aktiv zu werden, und ihr habt ihn abgefeuert." (S. 218)


Alte Bekannte wie Major Llewwelyn, der ehemalige britische Geheimdienstchef Peter Compton oder auch Sparrow, der Papagei, sind natürlich wieder mit von der Partie, doch wer schon einmal ein Buch von Gerd Schilddorfer gelesen hat, der weiß: es erwarten einen eine Vielzahl an Handlungssträngen, Zeitebenen, historischen und gegenwärtigen Ereignissen, Organisationen, Orte und Personen, dazu ein paar mysteriöse Stichworte wie 'Nostradamus' oder 'Templer'. Dabei kocht jedes Grüppchen sein eigenes Süppchen - und keiner weiß, welches Spiel der andere wirklich spielt. Ich gebe zu, zu Beginn der Lektüre leichte Anzeichen von Verwirrung verspürt zu haben, die ich mit Hilfe von Notizblock und Bleistift zu sortieren versuchte. Doch irgendwann warf ich einfach alles hin und vertraute auf die Geschichte. Denn alles, was anfangs scheinbar vollkommen zusammenhanglos erscheint, wird letztlich logisch zusammengeführt. Darauf kann man sich bei Gerd Schilddorfer verlassen.

http://www.erhoehtesbewusstsein.de/wp-content/uploads/2016/01/nostradamus_20160104_093547.jpg 

"Wenn Nostradamus gewusst hätte, was er in Händen hielt, dann hätte er es niemals veröffentlicht. Ganz im Gegenteil."





Dabei macht es der Autor dem Leser nicht leicht. 9 Prologe, 10 Kapitel und 3 Epiloge hat die Geschichte, ständig werden die Erzählebenen gewechselt, und vieles löst sich tatsächlich erst ganz am Schluss auf. Über lange Strecken halten die Fragezeichen vor, wie diese ganzen Puzzlesteine überhaupt zueinander passen können. Doch die gesamte Struktur des Romans ist einfach genial konstruiert, so dass letztlich kaum eine Frage offen bleibt. Spannung und Wissenswertes halten sich hier wieder die Waage - denn wie immer nutzt Gerd Schilddorfer reale historische und örtliche Gegebenheiten und schreibt seine Geschichte 'einfach' drumherum. Das macht das ganze letztlich so authentisch und verführt nebenher dazu, zu manchen Hintergründen auch im Internet weiter zu recherchieren. Dümmer wird man bei der Lektüre jedenfalls nicht! Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz - manche Szenen sind hier echt zum Schießen...


"Stellen Sie sich ein Schachbrett voller Hinweise vor. Die richtigen Sprünge mit dem Reiter bringen Sie weiter, die falschen führen in die Sackgasse und unweigerlich zum Schachmatt." (S. 285)


Für mich war dieses Abenteuer wieder einmal filmreif. Bildhafte Schilderungen, ein flüssiger Schreibstil und fiese Cliffhanger locken dazu, immer weiter zu lesen. Dabei ist keine der 800 Seiten des Thrillers überflüssig - bis hin zu den Epilogen ist jede Zeile wichtig, um letztlich alles zu verstehen. Und auch wenn ich mit solchen 'dicken Schinken' gewöhnlich so meine Probleme habe - hier herrschte am Ende das Gefühl vor: oooh, schon vorbei.

Doch im Herbst 2017 soll schon Band vier um John Finch herauskommen, und eines ist gewiss: ich bin wieder mit dabei!


© Parden









Bisher in der Reihe um John Finch erschienen - und gern gelesen in unserem Blog:


► Band 1

meine Rezension

Uwes Rezension







► Band 2

meine Rezension

Uwes Rezension






► Band 3

meine Rezension 

Uwes Rezension















Gerd Schilddorfer - AutorDer Bastei Lübbe Verlag schreibt über den Autor:

Gerd Schilddorfer wurde 1953 in Wien geboren. Als Journalist arbeitete er bei der Austria Presse Agentur und danach als Chefreporter für verschiedene TV-Dokumentationsreihen (Österreich I, Österreich II, Die Welt und wir). In den letzten Jahren hat er zahlreiche Thriller und Sachbücher veröffentlicht. Gerd Schilddorfer lebt und arbeitet in Wien und Stralsund, wenn er nicht gerade auf Reisen für sein neues Buch ist.

übernommen vom Bastei Lübbe Verlag



Mittwoch, 4. Januar 2017

Lappert, Rolf: Nach Hause schwimmen


Wilbur, gerade einmal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine Mutter stirbt bei der Geburt, sein Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Als seine Großeltern ihn zu sich holen, erfährt er endlich, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Wilbur gerät aus der Bahn. Gern wäre er so stark wie Bruce Willis, doch er hält sich für einen ewigen Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen, zu leben.

(Klappentext: dtv)

  • Taschenbuch: 608 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verl.; Auflage: 1. (1. Dezember 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423138300
  • ISBN-13: 978-3423138307














LEBEN LERNEN...



Wilbur Sandberg ist gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alt, als er als suizidgefährdet in eine Klinik eingewiesen wird. Der festen Überzeugung, dort fälschlicherweise eingeliefert worden zu sein, beobachtet Wilbur zunächst einmal das Geschehen und versucht, sich an die Ereignisse vor dem Krankenhaus zu erinnern. Was hatte er als Nichtschwimmer und mit einer fast panischen Angst vor Wasser im Meer verloren? Wilbur merkt, dass ihm die Auszeit vom Alltag gut tut und beschließt, erst einmal in der Klinik zu bleiben.


"Ich bin nicht mehr und nicht weniger ein Fall für den Psychiater als die meisten Menschen, denen ich begegnet bin (...) Für mein Alter besitze ich eine umfangreiche Sammlung von Macken. Ich bin komplex, nicht verrückt (...) Mein Leben hat einen starken Hang zum Tragischen, nicht ich."


Wilbur ist in seinem bisherigen Leben tatsächlich nicht vom Glück verfolgt worden. Seine Mutter starb gleich bei seiner viel zu frühen Geburt, sein Vater war darüber so geschockt, dass er auf Nimmerwiedersehen verschwand. Nach Wochen im Brutkasten kam Wilbur für einige Zeit in ein Kinderheim, bis die Eltern seiner Mutter ihn zu sich nach Irland holten. Dort fasste der verschlossene aber hochintelligente Junge ganz allmählich Vertrauen zu seiner Großmutter Orla, die für ihn einige Jahre lang den Mittelpunkt der Welt darstellte. Die Schule behagte Wilbur dagegen nicht. Immer kleiner geraten als die anderen Kinder, war es für ihn schwer, Anschluss zu finden, und seine geistigen Fähigkeiten waren dem Schulstoff weit voraus. Ausgerechnet sein einziger Freund Conor verursachte schließlich auch noch einen Unfall, bei dem Wilburs Großmutter starb. Der Freund kam in die Erziehungsanstalt, Wilbur zu Pflegeeltern, in Kinderheime, schließlich auch in die Jugendbesserungsanstalt.


"Er war elf Jahre alt. Und das Leben schien ihm nicht mehr der Mühe wert zu sein (...) Nichts von dem, was jetzt noch geschehen mochte, würde von Bedeutung sein. Den Monaten und Jahren, die vor ihm lagen, fehlte alle Wärme und jeder Funke Hoffnung."



In wechselnden Zeitsträngen erzählt Rolf Lappert die Geschichte dieses zu klein geratenen jungen Mannes (ohne Schuhe ist er gerade einmal 1,62 m groß), der auch im Leben stets zu kurz gekommen ist. In der Gegenwart erfährt der Leser von Wilburs Erlebnissen nach der Einweisung in die Klinik, in der Vergangenheit rollt der Autor chronologisch die Kindheit des Jungen vor den Augen des Lesers auf. Doch obwohl Wilbur eindeutig auf der Verliererseite des Lebens steht, ist dies kein bedrückender Roman. Im Gegenteil - Wilbur hadert nie mit den Menschen, die in sein Schicksal verstrickt sind, nur mit dem Schicksal selbst, das es oftmals nicht gut mit ihm meint. Tragikomisch und in einem ruhigen Erzählfluss lässt der Autor Wilburs Geschichte entstehen, starke Bilder prägen die Erzählung, und bis hin zu den Nebenfiguren sind die Charaktere fein gezeichnet, so dass beim Lesen Verständnis für alle Figuren entseht.


"Aber die Zeit hatte längst aufgehört unendlich zu sein und voller Versprechen."


Rolf Lappert schildert die Notlage einer menschlichen Seele, doch gelingt es ihm dabei gleichzeitig stets, seinen unbeschwerten Erzählstil beizubehalten. Andere Rezensenten vergleichen Lapperts Stil mit dem von John Irving, doch da ich immer noch kein Buch des Amerikaners gelesen habe, kann ich zu diesem Vergleich nichts sagen. In jedem Fall nahm mich der melancholisch-heitere Ton der Erzählung gefangen, berührte mich vieles von dem, was ich da las, und ich hätte seitenweise Zitate herausschreiben können, da viele der Formulierungen so unglaublich poetisch-kraftvoll waren.

Ein Zufallsfund, der mich darin bestärkt, Bücher nach dem Bauchgefühl auszuwählen. Titel und Klappentext sprachen mich an, und der Inhalt hielt, was ich mir davon versprach. Erst nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, erfuhr ich, dass der Roman den Schweizer Buchpreis 2008 gewann und auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008 stand.

Für mich eines der Lese-Highlights des vergangenen Jahres!


© Parden













Portrait des Autors Rolf LappertDer dtv schreibt über den Autor:

Rolf Lappert, geboren 1958 in Zürich, absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, bevor er sich entschloss, Schriftsteller zu werden. In den Achtzigerjahren unterbrach er für längere Zeit das Schreiben, gründete mit einem Freund einen Jazzclub und reiste kreuz und quer durch Amerika. Zwischen 1996 und 2004 arbeitete er als Drehbuchautor, u.a. für eine Serie im Schweizer Fernsehen. Sein dritter Roman, ›Nach Hause schwimmen‹, wurde 2008 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Für sein Jugendbuch ›Pampa Blues‹ erhielt er 2012 den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Rolf Lappert lebt seit Ende 2011 nach vielen Jahren im Ausland wieder in der Schweiz.

übernommen vom dtv

Dienstag, 3. Januar 2017

Harris, Robert: Konklave

Wahlen bestimmen (mehr oder weniger) die Politik in einem Staat.
In aller Regel dauert so eine Wahl für ein Parlament auch nur einen Tag, plus Auszählung der Stimmen ein wenig länger. Bei Staaten, deren Territorium sich über mehrere Zeitzonen erstreckt, kann es auch mehrere Tage dauern. Dann kommt es hier und da zu Überprüfungen der Wahlen bezüglich der korrekten Durchführung. Diverse Gerichte beschäftigen sich dann mit der möglichen Wiederholung. Außerdem gibt es unter den Staaten auch noch Diktaturen, in denen Wahlen von vorn herein fragwürdig erscheinen.

Letztlich gibt es noch einen Staat, in dem ist alles anders. Dies ist der Vatikanstaat. Da kommt das „Wahlvolk“ aus allen Teilen der Welt in die Stadt am Tiber. Man könnte die Wahlteilnehmer auch Wahlmänner nennen. Diese Wahlmänner wurden nie gewählt, sie wählen Kraft ihres Amtes ihr Oberhaupt. Das ist der Pontifex Maximus. Dessen Vor- oder auch Vorvorgänger hat die Wahlmänner mal in diese Funktion ernannt. Nach der Ernennung nennen sie sich Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalis. Die Kardinäle, nie mehr als 120 [1], wählen manchmal tagelang das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Sie wählen geheim - denkt man. Außerdem werden sie eingeschlossen, damit sie von außerhalb nicht beeinflusst werden können. Aber schon zu Zeiten des Rodrigo Borgia, bekannt geworden als Papst Alexander VI. (1431 - 1503), gab es Mittel und Möglichkeiten, dieses Gebot zu umgehen. Rodrigo Kardinal Borgia kommunizierte mit einem Spiegel mit der Außenwelt um den „Kollegen“, die damals nur einfachste Speisen erhielten, mit einem Brathuhn etwas „Gutes“ zu tun: Im Brathuhn waren diverse geldwerte Versprechungen eingebacken.[2]

Montag, 2. Januar 2017

Wittenfeld, Uwe: Ruhrzaster



Ein Studienrat im Münsterland, geboren im „äußersten Zipfel Ostwestfalens, ein Ruhrpottstudent der Elektrotechnik und Spzialpädagogik hat das Schreiben für sich entdeckt und auch seine Gruppe von Helden entwickelt. 

Bereits zum zweiten Mal sind Hugo, Jenny, Olga und Karl gemeinsam mit Erwin und Olga unterwegs, diesmal auf Spuren des Geldes, welches dem Finanzamt vorenthalten werden soll. Na eigentlich haben zwei IT-Sicherheitsexperten, Herbert und Sabine, Schutz gesucht, sie haben die Daten bei einer Züricher Bank abgezweigt und dies scheint jemandem nicht zu gefallen. Olga Paschke hat gerade erst angefangen als Privatdedektivin, sie arbeitet mit Erwin Bosetzky zusammen, einem Anwalt in Bochum, der sich seine Skrupel bewahrt hat, sie zog der Liebe wegen nach Bochum. Aus Bochum stammt auch Hugo, der mit der Dresdnerin Jenny liiert ist. Und immer wenn Hugo Koslowsky in die Szene tritt, erzählt er (Uwe Wittenfeld) selbst.

Wer macht noch so mit?

Olaf Müller, ein Schwarzfahrer, der mehr weiß als er sagt und stirbt. Hinzu kommt Magdalena Moneto, deren Nachname und Spitzname, die Eiskönigin, Programm ist. Aber sie ist lernfähig. Das Spielkind Klaus Kipowski gerät in ein tödliches Spiel, sein Tod wird im Havelgebiet sicherlich Legende werden. Eine unkonventionelle Staatsanwältin ist Susanne Vries, die keine Steuersünder mag. Dann gibt es noch den Stadtrat Meyers, der nicht nur seine Stadt mag, sondern auch zusätzliches Geld. Angeblich zur Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört Dr. Schulz. Allerdings stellt er in deren Namen allzu seltsame Fragen, so dumm sind eigentlich nicht mal Geheimdienstmitarbeiter. Ebenfalls korrupt ist ein Dieter Kreimeier, dessen Leben auch nicht lange dauern wird. Gleichermaßen auf Zuverdienst erpicht ist ein Holger Schibulsky. Ein Jannick Gustavson ist der Oberschurke und dann kommen da noch so einige hinzu. Zum Beispiel ist einer aus dem Gefängnis entlassen wurden, den Jenny, Hugo, Karl und Erwin einst hineingebracht haben. Das war das Ergebnis von Mauerzwillinge, dem ersten Roman Wittenfelds. Der sucht nun nach Sabine und Herbert.
Alles in allem also ziemlich verzwickt und wenn nicht ein Baum durch einen Sturm entwurzelt worden wäre, dann hätte diese Eiskönigin nie eine Privatdedektivin gebraucht.

* * *

Bereits in Mauerzwillinge arbeitete der Autor mit verblüffenden Zeitsprüngen und Rückblenden. Hier nun waren diese sogar noch undurchsichtiger.  Der Leser ahnt eigentlich auch nur, wer da nun die Mordaufträge erteilt hat, kann aber nicht unbedingt nachvollziehen, wer denn die Aufträge tatsächlich übernommen hat. Das ist ein kleines Manko, welches ich anmerken möchte.

Uwe Wittenfeld wurde auf der Buchmesse SCHRIFTGUT in Dresden von diversen Besuchern vorgehalten, er könne ja als Nichtdresdner gar kein Dresdenbuch schreiben. Oh doch, er kann. Und er kennt sich in Dresden wie in Leipzig und in der Gegend um Potsdam auch gut aus. Dass ihm diese Orte gefallen, das erzählte er mir bei unserer Begegnung vor einigen Wochen. Uwe Wittenfeld hat auch Spaß daran diese Orte mit seiner Heimat, dem Ruhrgebiet zu verknüpfen, was hoffentlich Appetit auf „gegenseitige“ Besuche macht.
Möge Uwe Wittenfeld mal wieder in den Koslowsky-Modus geraten.

DNB / swb-media-publishing / Waiblingen 2016 / ISBN: 978-3-946686-09-5 / 278 S.

© KaratekaDD


Sonntag, 1. Januar 2017

BlogPost Nr. 85: Zusammenfassung der Beiträge im Dezember 2016


Etwas weniger aktiv waren wir im Dezember, aber immerhin kam doch noch einiges zusammen... 

Auf diesem Wege möchten wir uns herzlich bei unseren Lesern, Bloggerkollegen und Folgern bedanken für ein lebendiges Bloggerjahr voller neuer Anregungen, interessanter Neuentdeckungen und lebhaften Austauschs. Wir wünschen allen ein spannendes neues Lesejahr und ein hoffentlich friedvolles und gesundes Jahr 2017!





Diesmal gab es wieder zwei BlogPosts zum Monatsbeginn. Nr. 82 zeigte unsere Neuerwerbungen im November, Nr. 83 die Zusammenstellung unserer Beiträge im Vormonat. Wieder einmal eine bunte Mischung..





Uwe traute sich an dieses nicht einfache Werk Der Friedhof in Prag des mittlerweile verstorbenen Umberto Eco heran. Stimmt. Und mit dem Hörbuch bin ich auch gut zurecht gekommen. Eco hat sich gelegentlich dem Thema Verschwörungstheorien gewidmet. Diese hier hatte aber auch politische Folgen, die zum Beispiel in der Affaire Dreyfuss gipfelten. Die Dokumente dazu fälschte die (fiktive) Hauptfigur und sie schrieb auch die Protokolle der Weisen von Zion. Eine Fälschung mit weitreichenden antisemitischen Folgen.
Hier gehts zur Rezension.



Ganz selten kommt es vor, dass Anne sich an solch ein Buch begibt. Insgesamt ist IMMER WENN ES STERNE REGNET von Susanna Ernst ein angenehm zu lesender Liebesroman mit einigen mystischen Elementen, die sich aber gut ins Gesamtkonzept integrieren. Wer an die 'Magie der wahren Liebe' glaubt, so wie es der Klappentext verspricht, dem sei diese Lektüre wärmstens empfohlen...



Dieser Roman um die Schlacht bei Stalingrad ist anders. Unmittelbare Zeugen haben sicherlich schon viel darüber geschrieben, dieser Zeuge hier, Heinrich Gerlach, schrieb den Roman in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft und erst jetzt wurde das Originalmanuskript in den Archiven des sowjetisch / russischen Geheimdienst gefunden. Es ist ein sehr eindringlicher Roman, der durch einen umfangreichen Rechercheteil ergänzt wird: Seine Enstehungsgeschichte. Durchbruch bezeichnet wohl weniger eine geplante und gescheiterte militärische Operation, als vielmehr den Durchbruch im Denken des Teilnehmers an der Schlacht, dem Autoren. Hier könnt ihr die Rezension lesen.




Ich komme doch immer wieder daruf zurück: Das Indianerthema. Hier ist es wieder einmal ein Roman, der bereits mehrfach erwähnten Thüringer Autorin Brita Rose-Billert. Diesmal muss sich eine Lakota-Ärztin auf der großen bekannten Reservation Pine Ridge einiger Angriffe nach einem Mord auf Pine Ridge erwehren, der eigentliche Täter und dessen Motiv sind wirklich erst am Ende zu erkennen. Maggie Yellow Cloud wird in noch weiteren Romanen eine Rolle spielen. Hier die Rezension.



Bei solchen Weihnachtsgeschichten hat Anne im Vorfeld stets die Befürchtung, es könnte zu kitschig für sie sein. Doch Richard Preston ist es mit DAS BOOT DER TRÄUME gelungen, die Situation von Will und Lila so eindringlich zu schildern, dass Anne zeitweise das Gefühl hatte, ihnen fast schon über die Schulter zu schauen und an ihren Gedanken teilzuhaben. Amüsante Szenen ließen sie hell auflachen, andere Passagen dagegen berührten sie sehr. Trotz der Kürze der Erzählung hat Preston es für Anne geschafft, die Magie der Weihnacht zu entfachen.




Was für ein Thriller! Während Anne die erste Hälfte von DER INSEKTENSAMMLER beim Lesen zwischenzeitlich nahezu einlullte - die Hitze, der Sumpf, der Schweiß, das Summen der Insekten waren nahezu präsent, der Fall schien klar, die Herausforderung annehmbar - trumpfte die zweite Hälfte mit einem Feuerwerk an Überraschungen und ungeahnten Wendungen auf. Das Gefühl der Bedrohung manifestiert sich mit jeder Seite, die Ereignisse münden mehr als einmal ins Aussichtslose, und selbst am Ende dreht Jeffery Deaver dem Leser noch eine lange Nase, zerschlägt die gesichterten Erkenntnisse kurz und klein und ordnet alle Elemente mit zwingender Logik neu, so dass sie in einem ganz anderen Licht erscheinen. Fassungslosigkeit, Staunen und Gänsehaut wechselten sich bei Anne zum Schluss hin ab - eine überzeugende Leistung!


https://buch-findr.de/media/der-palio-des-toten-politikers_9783941485518.jpg
Nein, hier wurde kein Politiker mit einem Schal (Palio) erwürgt. Der Palio, so wird ein zweimal jährlich ausgetragenes Pferderennen mitten im Zentrum der italienischen Toskana-Stadt Siena genannt. So verrückt wie das Rennen sind auch die Einwohner in dieser Zeit. Commissario Marchetti ermittelt den Mord an einem deutschen Politiker, unterstützt von einem deutschen Kriminalbeamten aus München. Doch eigentlich hat er dafür keine Zeit...
Kerstin Groeper schreibt aus eigener jahrelanger Ansicht und Erfahrung. Hier meine empfehlende Rezension.



Wenn man sich einmal eingehört hat in die altertümlich anmutende Sprache, nimmt einen der Zauber der Geschichte auch nach über hundertfünfzig Jahren noch gefangen.
Nikolaj Wassiljewitsch Gogol schafft in DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN kein bepuderzuckertes bonbonrosafarbenes kitschweihnachtliches Märchen, sondern führt den Hörer in ein armes ukrainisches Dorf im tiefsten Winter, wo die Bewohner die Kargheit des Lebens und die Eiseskälte vor allem mit Schnaps betäuben. Jeder ist auf seinen eigenen kleinen Vorteil bedacht, trickst den Nachbarn aus und merkt dabei gar nicht, wie er selbst hereingelegt wird. Eine kleine Dorfgemeinschaft voll gesundem Misstrauen, das mehr als berechtigt ist. Und doch hat diese eine Vorweihnachtsnacht es in sich: Geheimnisse kommen zutage, Schicksale wenden sich, alle Dorfbewohner werden in das wilde Treiben mit hineingezogen - bis schließlich am Ende doch das Gute über das Böse siegt...



Tinsoldier hat ebenfalls ein jahreszeitlich passendes Buch gelesen. WUNDERBARE WEIHNACHTSMORDE beinhaltet 9 Kurzkrimis. "Todernst", aber oft auch gewürzt mit einer guten Prise Ironie und hintergründig-schwarzem Humor, nehmen uns die Autoren mit auf eine kurzweilige Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche. Das ist ein etwas anderes Lesevergnügen, weil es so gar nicht zur friedlichen Weihnachtsstimmung zu passen scheint. Man darf das alles halt nicht zu ernst nehmen. Unterhaltsam ist es jedenfalls sehr!




https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/512c4v6fe9L._SX365_BO1,204,203,200_.jpgUnd auch Anne hat eine kleine Sammlung von Weihnachtskrimis gelesen. DER CLUB DER TOTEN WICHTEL beinhaltet sechs Kurzkrimis von verschiedenen Autoren, die alle ihren Reiz haben. Wunderschön illustriert ist das kleine Büchlein von Kordula Röckenhaus. Anne hat sich über das nette Geschenk zu Heiligabend sehr gefreut und findet für diese schöne Ausgabe sicher einen angemessenen Platz in ihrem Regal!



Auch Band zwei der Reihe um Maarten S. Snijder und Sabine Nemetz konnte Anne wieder überzeugen. Andreas Gruber avanciert immer mehr zu einem von Annes Lieblingsautoren. In TODESURTEIL ermitteln die Fahnder in einer Reihe von ungelösten Fällen, und die Spuren führen schließlich bis nach Wien. Dank des flüssigen Schreibstils, der häufig wechselnden Perspektiven und dem zunehmenden Wunsch, beide Handlungsstränge weiter zu verfolgen, flogen die Seiten wieder rasch vorbei. Noch einige Seiten vor dem Schluss hatte Anne keine Idee, wie die Figuren da wieder heile rauskommen sollten - und so muss doch ein Thriller sein! Spannend, mit interessanten Figuren und einem Blick in die menschlichen Abgründe. Gerne mehr davon!



Keine leichte Kost stellte dieser Debütroman von Philipp Winkler für Anne dar. HOOL landete auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises und stellt einen jungen Hooligan in den Mittelpunkt des Geschehens. Insgesamt ein außergewöhnliches Buch mit einer nichtalltäglichen Thematik, die hier sprachlich gut umgesetzt wurde. Die Virtuosität des Autors, der manchmal nur ein Wort benötigt, um eine Situation kippen zu lassen und dem es gelingt, selbst skizzenartig aussagekräftige Bilder zu schaffen, ist bemerkenswert. Doch bei allen Pluspunkten war das Buch für Anne nicht einfach zu lesen...



Langes Autofahren lässt mich beim Tanken gelegentlich am Hörbuchregal "halten". "Gehört" hatte ich davon schon, aber bei knapp 1000 Posts erinnerte ich mich nicht sofort daran, dass dieses Werk des Schweden Jonas Jonasson bereits einmal behandelt wurde. Von Anne. Thema ist die Gier nach immer neuen Geschäftsideen, religiöse Heuchelei und die menschliche Dummheit. Gut gelesen von Jürgen von der Lippe.
Hier nun meine Rezension und die von Anne Parden.



Uwe arbeitet nach und nach seine Schätze ab, die er von der Schriftgut mitgebracht hat. KÄLTETOD von Patricia Holland Moritz reizte ihn schon gleich nach der Lesung auf der Messe, und er wurde nicht enttäuscht. Das Verweben der beiden Handlungen, die zwar eine Verknüpfung aufweisen aber sonst nichts miteinander zutun haben, verdichten den Roman auf eine Art und Weise, die die Spannung sehr stark hebt. Patricia Holland-Moritz hat es geschafft, die Lösung des Falles, eigentlich letztlich ja der Fälle bis zum Schluss hinauszuschieben.                       

BlogPost Nr. 84: Unsere Neuerwerbungen im Dezember 2016


Ob bei uns unter dem Christbaum auch Buchgeschenke lagen? Hier könnt Ihr es erfahren!


KaratekaDD


Ansich sollte ja kein Buch dazu kommen, denn die Buchmesse SCHRIFTGUT brachte ja genug Material. Und doch kam da noch etwas hinzu. DAwäre zum einen ein Hörbuch von Jonas Jonasson, der seinem Stil mit MÖRDER ANDERS UND SEINE FREUNDE NEBST DEM EINEN ODER ANDEREN FEIND treubleibt. Das Buch DRESDEN IN BIOGRAFIEN von Anett Kollmann ist ein Geschenk und erweitert die Dresdenbibliothek. Um AUGUSTUS von John Williams schlich ich schon länger drum rum, in der Buchhandlung Ludwig auf dem Leipziger Hauptbahnhof war es Ende Dezember dann soweit: Her damit und dazu auch gleich noch KONKLAVE von Robert Harris.



Ich behaupte trotzdem mal wieder: Im Januar wird bücherkäuflich pausiert!


Soeben bekomme ich den Hinweis, dass dies nicht alles gewesen sein kann. Da fehlen wohl noch zwei Bücher. Zum einen geht es um die Kirschkernspuckerbande, einen Roman von Gernot Griksch, der hier bereits einmal besprochen wurde. Und dann um den zweiten Teil von Beatrice´s Buchland, welches Markus Walther geschrieben hat. Beide sind ein Geschenk zur Jahreswende gewesen und eine große Freude.







Anne Parden



Ein ansprechendes Geschenk mit einer netten Widmung von einem lieben Freund erreichte mich zu Weihnachten. Darüber habe ich mich sehr gefreut! ► Hier geht es zur Rezension!

Hinterhältige Pläne, Verbrechen ohne Opfer und geheimnisvolle Keller zeigen, dass das perfekte Verbrechen vor Weihnachten nicht haltmacht. Können gutmütige Großmütter wirklich rücksichtslos werden, Exfreundinnen zusammenhalten oder liebevolle Ehepartner einander in die Falle locken? Bei so vielen Bosheiten sind wahrscheinlich fiese Wichtel am Werk. Heitere Geschichten namhafter Krimiautoren sorgen für spannende Unterhaltung zur Weihnachtszeit.


Ein Challenge-Gewinn erreichte mich dann noch gleich nach Weihnachten. Auch hierfür meinen herzlichen Dank!

Mia Price liebt es, vom Blitz getroffen zu werden. Es löst in ihr eine überwältigende Energie aus, nach der sie sich immer öfter sehnt. Als aber ein gewaltiges Erdbeben ihre Heimat Los Angeles fast komplett zerstört, geht es nur noch ums Überleben. Im Chaos der Nachbeben werben zwei rivalisierende fanatische Gruppen um Gefolgsleute. Beide versprechen, dass nur ihre Anhänger den nahenden Weltuntergang überleben werden, und beide wollen Mia auf ihre Seite ziehen. Ist sie etwa die Schlüsselfigur der bevorstehenden Apokalypse?


Ein Rezensionsexemplar vom Diogenes-Verlag bekam ich noch über 'Whatchareadin', wo ab dem zweiten Weihnachtstag eine Leserunde zum Buch stattfindet. Ein herzliches Dankeschön auch hierfür!

Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Bill« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.



Und ein weiteres Leserunden-Rezensions-Exemplar von Whatchareadin' erreichte mich, diesmal dankenswerterweise vom Aufbau Verlag. Interessantes Sujet! ► Hier geht es zur Rezension!

Jeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. HOOL ist die Geschichte von Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Philipp Winkler erzählt vom großen Herzen eines harten Jungen, von einem, der sich durchboxt, um das zu schützen, was ihm heilig ist: Seine Jungs, die besten Jahre, ihr Vermächtnis. Winkler hat einen Sound, der unter die Haut geht. Mit HOOL stellt er sich in eine große Literaturtradition: Denen eine Sprache zu geben, die keine haben.






TinSoldier

Hier gab es wol keinen Bücherzuwachs...