Samstag, 6. April 2024

Floquet, Sylvia: Mörderisches Barcelona

 

„Schuld sühnt man nicht, man trägt sie“. So hat Sylvia Floquet (oder der PIPER-Verlag) den Klappentext überschrieben. Was für eine Schuld trägt die begabte Tänzerin Julia, welche an einem Sonntag nach Mitternacht in Sants, dem Hauptbahnhof von Barcelona, vor eine durchfahrende U-Bahn gestoßen wird? Dolores Cánovas tappt erst mal im dicken Nebel, denn außer dass die Tänzerin soeben Primaballerina im Tanzensemble AGITA DANZA wurde und dabei zwei Kontrahentinnen das Nachsehen hatten, erfährt sie erst einmal nicht viel. Eine der beiden gibt Kurse in einer Ballettschule, in der Mila, die Tochter von Dolors, begeistert trainiert.

 

 


Pixabay

Außerdem ist der ehemalige Teamleiter von Dolors gerade krankheitsbedingt ausgefallen und so bekommt sie ausgerechnet einen neuen „Partner“ zugeteilt, der meint, den alten „ersetzen“ zu können. Achtjährige, und dann ist Dolors samt Mila und Pablo, ihrem Sohn, eher Hals über Kopf ausgezogen, weil sich der Vater der beiden nicht unbedingt wie einer benimmt. Also so, wie sich das die meisten Leserinnen und Leser und die Autorin vermutlich vorstellen. 

Dass Dolors und Xavi auch noch eine Leiterin haben, die den bekanntesten Filmklischees entspricht, kommt noch dazu. Also eine, die Ermittlungsergebnisse sofort haben will um die Journaille zu bedienen und die Ermittler mit Berichtspflichten traktiert. An dieser Stelle entsteht, dass sei kritisch angemerkt, ein Aspekt, der beim Rezensenten die Augen rollen lässt, zu oft begegnet man in Büchern, mehr noch in Kriminalfilmen, solchen Vorsetzten. Ich hätte gelegentlich gern mal eine oder einen, der sich mit Nachdruck vor seine Ermittler stellt. Ermittler und Ermittlerinnen haben in Filmen und Romanen oft ein paar Probleme zuviel, hier ist es die Familie von dolors. Während ich mir auch hier gelegentlich mal Kripobeamte ohne Knacks wünschen würde, hier zeigt die Autorin auch dadurch den ganzen irren Stress, dem Dolors ausgesetzt ist.

Ansonsten schafft es die Autorin durchaus, die Spannung langsam aufzubauen und allein schon dadurch zu halten, dass sie uns lange lange im Unklaren lässt, ergo, die Ermittlungen schleppen sich dahin. Trotzdem, und dadurch wird der Stress zwischen Familienproblemen, Wohnungssuche, ausbleibendem Ermittlungserfolg und neuem Partner deutlich, muss sich der Fall samt einem zweiten Mord innerhalb einer Woche klären, denn am nächsten Samstag um 11:20 Uhr ist alles geklärt.

Leserinnen und Leser erfahren so Manches über Tanz und über die Suche nach bezahlbaren Wohnungen in der katalanischen Hauptstadt, manches kann man googln, so zum Beispiel nach GRANER - Centro de creacion de danza y artes vivas, dem Zentrum für die Schaffung von Tanz und lebendiger Kunst - eine zentraler Punkt der Handlung. Das liegt mitten in Barcelona und bietet neben Trainingsmöglichkeiten auch Wohnraum für Künstlerinnen und Künstler. Da Lea Korte alias Sylvia Floquet Barcelona besonders liebt, hat sie viel von der Stadt beschrieben, es ist fast schon ein "Regionalkrimi" daraus geworden.

Ein spannendes Buch für Zwischendurch - eine Aufforderung, mal Barcelona zu besuchen.  

Lea Korte auf Litterae-Artesque: Die Maurin / Die Nonne mit dem Schwert / Morgen werden wir glücklich sein

  • DNB / Piper / 01.02.2024 / ISBN: 978-3-492-50450-8 / 352 Seiten


© Bücherjunge

1 Kommentar:

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.

Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.