Freitag, 22. Juli 2016

Bayer, Thommie: Weißer Zug nach Süden (Hörbuch)


Chiara stammt aus Italien. Warum sie nach Deutschland gekommen ist, geht niemanden etwas an. Jetzt führt sie das Leben, das ihre Freundin Leonie ihr hinterlassen hat: Sie wohnt in deren Haus auf dem Hügel und hat auch ihren Job übernommen. Sie putzt. Es gefällt ihr, in fremde Wohnungen zu schauen und die Dinge in Ordnung zu bringen. Die Wohnung von Herrn Vorden übt dabei eine besondere Anziehung auf sie aus. Und auch er scheint eine tiefere Verbindung zu ihr zu haben denn jede Woche findet Chiara auf seinem Schreibtisch einen Stapel Blätter mit einer Geschichte ...

(Klappentext Audio Media Verlag)

  • Audio CD: 3 Seiten (ungekürzte Lesung)
  • Verlag: audio media verlag GmbH; Auflage: 1. (18. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Sprecherin:  Petra Schmidt-Schaller
  • ISBN-10: 3868044345
  • ISBN-13: 978-3868044348
















VON LEBENSENTWÜRFEN UND ENTTÄUSCHUNGEN...



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Der kurze Roman erzählt von Chiara, einer jungen Italienerin, die aus ihrem Heimatdorf Castelnuovo, unweit von Rom, nach Deutschland geflohen ist. Den Grund dafür erfährt der Leser zunächst nicht, aber Chiara hat die Möglichkeit, in das Leben ihrer Freundin Leonie zu schlüpfen, in deren Haus zu wohnen und deren diverse Jobs zu übernehmen, da Leonie für einige Zeit nach New York geht. Chiara wohnt in dem kleinen Häuschen ihrer Freundin, putzt in den zehn Wohnungen, die Leonie zuvor geputzt hat und ist erst einmal zufrieden - sie mag es, die fremden Wohnungen zu betrachten, Rückschlüsse auf die oftmals nicht anwesenden Besitzer zu ziehen und die Dinge in Ordnung zu bringen.

Eine der Wohnungen gefällt ihr besonders, dort fühlt sie sich wie zu Hause, wie angekommen. Die Wohnung des ihr unbekannten Herrn Vorden ist geschmackvoll und kultiviert eingerichtet und entspricht genau ihrem Geschmack. Jedes Mal, wenn Chiara dort geputzt hat, schaut sie dort aus dem Fenster dem weißen Zug nach, der gen Süden fährt, und steigt am Ende in die Badewanne voll duftenden Schaums und fühlt sich wohl, gestattet sich für eine kurze Zeit das Gefühl, tatsächlich dort zu Hause zu sein. Als Chiara eines Tages die beschriebenen Blätter zur Hand nimmt, die jede Woche aufs Neue auf dem Schreibtisch des Herrn Vorden liegen, beginnt sie sich zu fragen, ob dieser Mann ihre Gedanken lesen kann. Seine Geschichten, die sie fortan jede Woche liest, verschaffen ihr das Gefühl, dass der Mann sie und ihr Leben kennt. Aber wie kann das sein?

144 Seiten hat das Buch lediglich, das ungekürzte Hörbuch entsprechend nur eine Länge von 3h 35 Min. Petra Schmidt-Schaller liest die sehr ruhig angelegte Geschichte in einem angemessenen Tempo und in einer unaufgeregten und damit passenden Modulation. Und was ich nicht für möglich gehalten hätte: die Erzählung ist derart kompakt, vielschichtig und raffiniert gestrickt, dass ich am Ende das Gefühl hatte, einen deutlich längeren Roman gelesen zu haben. Denn Thommie Bayer gelingt es, seine Hauptfigur derart deutlich zu zeichnen, die Betrachtung wie unter einer Lupe zu fokussieren, dass ich Chiara letztlich beinahe wirklich zu kennen glaubte - und auch die anderen Charaktere schälen sich zunehmend plastischer heraus, obschon sie größtenteils gar nicht wirklich auftauchen.

Und vieles packt der Autor in die kleine Erzählung hinein, ohne dass diese auf irgendeine Art überfrachtet wirkt. Chiara, die Ordnung in ihr Leben bringen will, die in ein fremdes Leben schlüpft, übergangsweise, die Einblicke in anderer Leute Leben erhält und sich dadurch auch viele Gedanken über sich selbst macht, die Sehnsucht nach einem Ziel im Leben, nach einer Heimat, nach einem Ankommen, nach einem Neuanfang... Und dazu die Geschichen des Herrn Vorden, die geschickt in die eigentliche Erzählung eingeflochten sind und Fantasie und Wirklichkeit gekonnt miteinander verknüpfen. Thommie Bayer erzählt ebenso souverän wie empathisch von den kleinen Dingen des Alltags, von Lebensentwürfen wie von Enttäuschungen, und das alles auf eine sehr ansprechende poetisch leichte Art, gewürzt mit einigen unaufdringlichen erotischen Einschüben.

Mich konnte diese kleine Erzählung wirklich positiv überraschen, und sicher wird dies nicht mein letztes Buch von Thommie Bayer gewesen sein. Der hält sicher noch so manche Entdeckung parat...


© Parden









Der Piper Verlag schreibt über den Autor:

Thommie Bayer, 1953 in Esslingen geboren, studierte Malerei und war Liedermacher, bevor er 1984 begann, Stories, Gedichte und Romane zu schreiben. Neben anderen erschienen von ihm »Die gefährliche Frau«, »Singvogel«, der für den Deutschen Buchpreis nominierte Roman »Eine kurze Geschichte vom Glück« und zuletzt »Weißer Zug nach Süden«.

► übernommen vom Piper Verlag

Sonntag, 17. Juli 2016

Palisander - Der Verlag



Chemnitz, Sachsen. Hier hat ein kleiner, ein spezieller, ein sehr feiner Verlag seinen Sitz. Es ist der Palisander-Verlag. Blogger knüpfen im Laufe ihres Blogger-Daseins vermutlich zu mehreren Verlagen Kontakt. Dieser hier aber wurde in relativ kurzer Zeit intensiver.

Die Gründung.
Viola Rott sowie Anja und Frank Elstner gründeten den Verlag im Jahr 2003. Zwei Germanistinnen und ein promovierter Physiker und Übersetzer. Ursache für die Gründung war die fortgesetzte Beschäftigung mit den Kampfkünsten. Ein Autor hatte es dem Trio wohl besonders angetan, der Elsässer Roland Habersetzer und seine vielen Bücher, die es galt, in Deutschland zu vertreiben.

Später kam ein  zweites Thema dazu. Die Indianerliteratur. Ein alter Indianer mit Namen John Okute Sica war ein Ausgangspunkt, das interessierte insbesondere Frank Elstner. Jedoch war mit der vielfältigen Literatur über Kampfkünste der Verlagsaufbau besser zu betreiben, wie Frank Elstner mir auf der Leipziger Buchmesse 2016 gestand.

Den Blogger, welcher hier schreibt, kennt man unter dem Nicknamen KaratekaDD, also einen Karateka aus Dresden. Eigentlich wäre das schon genug Grund, den Verlag zu beachten. Allerdings wurde der Blogger zuerst auf das zweite Thema aufmerksam.

Die Indianerliteratur.

"Indianische Welten ermöglichen einen Einblick in unsere früheren Epochen der Menschheitsgeschichte." (F. Elstner)

Autorenseite
Es war eine Biografie, die mir in die Hände fiel. Erik Lorenz verfasste im Palisander Verlag das Buch Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer - Eine Biografie.

Lieselotte Welskopf-Henrich gehört unzweifelhaft zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen, das Buch sah ich in irgendeiner Buchhandlung, dass es im Palisander-Verlag erschienen war, hatte ich (vorerst) als völlig nebensächlich betrachtet.






Rezension
Der Verlag erhielt meine Aufmerksamkeit, als er mit folgendem Cover für eine Pentalogie der Schriftstellerin warb. DAS BLUT DES ADLERS. Auf meine Frage, ob es denn wahr sei, dass die fünf Bände in einem 2000seitigem Druckwerk für 86 € herauskämen, bekam ich die Antwort "natürlich nicht". Die Fünf Einzelcover stellte der Verlag in meiner Erinnerung erst später unter den Text zur Pentalogie.







Rezension
Von dieser Ausgabe war ich begeistert. Nicht nur die Bücher an sich, es war auch das jeweilige Zusatzmaterial, welches überzeugte. "Palisander" hatte nämlich eine Reihe von Literatur zusammengestellt, die die Handlung der Romane hervorragend ergänzten. Dazu zählt unter anderem das Buch DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN, von John Okute Sica, ein alter Lakota, den besagte Liselotte Welskopf-Henrich auf ihrer ersten Amerikareise in den sechziger Jahren kennen lernen durfte. Dr. Elstner erwarb später die Rechte und brachte das Manuskript endlich zur Veröffentlichung. Außerdem besorgte er die Übersetzung.





Rezension
Neben der Herausgabe hervorragender Sachbücher wie DIE LIEDER DER ALTEN LAKOTA von Francis Densmore über die Musik der Prärieindianer (einschließlich einer CD mit Beispielaufnahmen) und der Geschichten, Märchen und Mythen in ROTER VOGEL ERZÄHLT von Zitkala-Ša stellte der Verlag im Jahr 2015 seine Zuneigung zu Liselotte Welskopf-Henrich erneut unter Beweis, indem er ihr erzählerisches Gesamtwerk im eBook-Format herausbrachte.Teile davon sind auch als Paperback zu haben.


Der sechsbändige Roman DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN ist hierbei das Hauptwerk. Diese Neuauflage des Jahres 2017 des wohl bekanntesten Romans von Welskopf-Henrich folgt dem Text der ersten Auflagen.



Im Jahr 2015 wurde bereits das eBook dazu herausgegeben.



Ergänzt durch die bereits genannte Ausgabe der Pentalogie DAS BLUT DES ADLERS ist der Palisander Verlag der einzige, welcher sich so umfangreich dem Werk der Althistorikerin gewidmet hat.





Rezension
Kaum jemand kennt die weiteren Bücher der Professorin für Alte Geschichte, die auch autobiografische Züge tragen. Zu nennen wären hier Jan und Jutta und Zwei Freunde. Begeistert war ich von der Erzählung Der Bergführer, der Jahrzehnte nicht mehr aufgelegt wurde.
Erstmals verlegt wurde Bertholds Neue Welt, ein Fragment aus dem Nachlass der Autorin, welches die beiden soeben genannten Bücher einmal fortsetzen sollte.




Rezension
Rezension
Seinem Anspruch auf interessante und wahrhaftige Indianerliteratur wurde der Verlag ein weiteres Mal gerecht, als er Erik Lorenz´ Buch SITTING BULL im herausbrachte. die Vorstellung dieses wunderbar illustrierten Buches erfolgt nun auf der Buchmesse in Leipzig im Jahr 2016.









Leipzig 2016

Herr Frank Elstner, der auf der Buchmesse den "Sitting Bull" gemeinsam mit Erik Lorenz vorstellte, erzählte mir einen Teil der Verlagsgeschichte.

Dazu zählt auch, dass er für das folgende Buch extra einen Kurs in Großprojekt-fotografie besuchte. Die Gartenstadt Hellerau von Clemens Galonka und Frank Elstner bei Dresden, ein solches Buch hatte ich nicht im Sortiment vermutet. Es zeigt aber vor allem, dass, auch wenn zwei Sparten vorherrschen, der Verlag offen ist für vieles.




Kampfkünste.

R. HABERSETZER
Der Bereich der Kampfkünste wird hauptsächlich durch Fachbücher präsentiert. Dabei kommt das Karate (Leere Hand) nicht zu kurz, aber auch Tai Chi, Iaido (Kunst des Schwertziehens), Chi Gong sind in der Palette enthalten. Damit werden die Kampfkünste Japans und Chinas auf ziemlich breiter Basis vorgestellt.

Die Autorenschaft wird durch den Franzosen Roland Habersetzer angeführt, einem Kampfkünstler, der 70 Bücher geschrieben hat und den Titel eines Hanshi trägt, mit dem 9. Dan in Karate, welches er ab dem 16. Lebensjahr intensiv betrieben hat. Habersetzer forscht auch über die Kampfkünste und gründete dafür bereits 1974 das Centre de Recherche Budo (CRB). Es lohnt sich insbesondere für Kampfkünstler dort zu stöbern.



Beispielhaft sei hier vorerst das Buch  39 Karate Kata. in diesem werden die wichtigsten Kata der Stile Gôjû ryû, Wadô ryû und Shitô ryû vorgestellt. Sehr interessant für einen Wadôkai Karateka(DD), allerdings wartwt das Buch noch im Regal.

Habersetzer hat auch die Grundtechniken des Karate vom Weißgurt bis zum ersten Dan beschrieben. Natürlich gibt es auch ein Buch für Meister:
Karate der Meister - Mit Körper und Geist.




Im Herbst 2014, während der Karate WM in Bremen, hatte ich auf dem Milleniums-Lehrgang die Gelegenheit, eine Einheit bei Jamal Measara zu trainieren.

Es freut mich, im "Regal" des Palisander Verlages ein Buch von diesem Meister zu entdecken: Okinawa Sai-jutsu. Gerade Okinawa stellt ja ein "Mysterium" für Karateka dar. Darum möchte ich hier auf einen weiteren Titel dieses Meisters verweisen: Die verschollenen Traditionen des Okinawa-Karate.



Rezension
Doch sind es nicht nur die Fachbücher, dabei gibt es auch einen sehr interessanten historischen Roman des bereits genannten Roland Habersetzer: Amakusa Shiro. In diesem erzählt er die Geschichte eines aufstandes christlicher Samurai und Bauern in der Zeit des Iyaesu Tokugawa, des Begründers des gleichnamigen Shogunats.

Erzählungen und Geschichten um berühmte Samurai, Ronin und Ninja sind im Buch Die Krieger des alten Japan von eben diesem Autor enthalten.



* * *

Ein Nischenverlag? Vielleicht. Auf jeden Fall aber ein sehr sympatischer und einer, zu dem sich eine irgendwie persönliche Beziehung ergeben hat. Schuld daran: Erik Lorenz und Liselotte Welskopf-Henrich. Und natürlich Frank Elstner, den kennenzulernen, eine große Freude für mich darstellt, zumal es durchaus auch in Bezug auf ganz andere Genre gemeinsame Interessen gibt.

"Durchschnittsware" jedenfalls ist im Verlagsprogramm nicht zu finden.

Bedeutet es irgendeine Abhängigkeit, wenn sich Blogger mit bestimmten Verlagen einlassen? Nun, auch hier: vielleicht. Aber diese Abhängigkeit habe ich mir selber ausgesucht und hiermit schon einmal ein Versprechen eingelöst.

(Wird fortgesetzt)

© KaratekaDD (26.12.2017)

Samstag, 16. Juli 2016

Franley, Mark: Benutzt



Fassungslos müssen die beiden Kommissare Köstner und Groß dabei zusehen, wie tausende Menschen in den perfiden Plan eines Entführers hineingezogen werden. In seinem Spiel „Die Drei", nutzt er die abgestumpfte Sensationsgier der Medien gnadenlos aus und bringt Menschen wie dich und mich dazu, folgenschwere Entscheidungen zu treffen. Im Laufe der Ermittlungen wird der Fall immer undurchsichtiger. Die Grenzen zwischen Opfern und Täter verschwimmen mehr und mehr, denn „Unschuld" ist nur noch ein leeres Wort!

  • Format: Kindle Edition
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 290 Seiten
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00BN6PWV2
  • Reihe: Mike Köstner (Bd. 2)















WAHRHEIT!



Die Cover im Wandel der Zeiten - mein eBook hat noch das schwarze Cover...

Ich habe mich richtig gefreut, dem Hauptkommissar Mike Köstner wiederzubegegnen in seinem zweiten Fall. Er hat sich noch kaum von dem bitteren Geschehen im ersten Fall erholt, als ihn eine zunächst harmlos anmutende Ermittlung erwartet. Ein junger Mann wurde in einem Waldstück von einem Lieferwagen überfahren - doch die untersuchenden Ärzte finden einige Verletzungen, die nicht durch den Unfall erklärlich sind. Der Pathologe geht den Verdachtsmomenten nach, und bald steht fest: hier handelt es sich um Mord. Doch wer ist der junge Mann überhaupt? Und weshalb wurde er umgebracht?

Noch während Mike Köstner und sein Kollege Peter versuchen, die Identität des Opfers herauszufinden, werden drei junge Mädchen entführt. Es gehen keine Erpressungsschreiben ein, doch bei Youtube taucht ein Video auf: der Trailer zu einem Realitygame - "Die Drei" -, das demnächst live starten soll. Zu sehen ist im Trailer der junge Mann, der vom Lastwagen überrollt wurde. Doch auch als allmählich Zusammenhänge klar werden, tappen die Ermittler lange weiter im Dunkeln - und vor allem weiß niemand, wo die drei Mädchen versteckt wurden. Der Coutnown läuft, und landesweit beginnen sich Menschen an dem perfiden Spiel des Entführers zu beteiligen, in dem es um die 'Wahrheit' geht. Die Klicks der Zuschauer entscheiden darüber, was den Mädchen widerfährt - und sie sind live dabei...

Wieder legt Mark Franley ein hohes Tempo vor, wobei zwischendurch zumindest für kurze Einblicke in das Privatleben Mike Köstners Zeit bleibt. Natürlich ist es nach den Vorfällen im ersten Band interessant zu verfolgen, wie Köstner es geschafft hat, über alles hinweg zu kommen - oder eben nicht. Doch in erster Linie geht es hier um den aktuellen Fall, denn die Ermittler arbeiten gegen die Uhr. Niemand weiß, wie weit der Täter gehen wird, und es scheint fraglich, ob es gelingen kann, die drei Mädchen noch rechtzeitig vor Ablauf des 'Spiels' zu retten. Teilweise lässt Franley den Leser beängstigend nahe an das perfide Geschehen um die entführten und misshandelten Mädchen heran, und der Plot ist durchweg spannend. Allerdings bedingt das hohe Tempo zuweilen eine gewisse Oberflächlichkeit, die ich punktuell auch als störend empfand. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass sich die Erzählung mehr Zeit lässt.

Was Franley wie bei 'Hochmut' auch hier gekonnt demonstriert, ist das Verwischen der Grenze von gut und böse, richtig und falsch. Die Grenzen zwischen Opfern und Täter verschwimmen mehr und mehr, so dass "Unschuld" zunehmend zu einer hohlen Phrase wird. Dieser Aspekt hat mir einmal mehr gut gefallen. Auch die Kritik an der Sensationsgier der Menschen, die vor nichts halt zu machen scheint, wird hier geschickt ins Geschehen eingewoben.

Insgesamt ein gelungen konstruierter Thriller, der sich vielleicht manchmal zu wenig Zeit nimmt, insgesamt aber spannende Unterhaltung bietet und Lust auf mehr macht. Band 3: ich komme!


© Parden



Die Reihenfolge der bisher erschienenen Thriller um Mike Köstner von Mark Franley:

1. Heuchler
2. Benutzt
3. Karla
4. Nachtkalt
5. Hochmut
6. Seelenfeind





Ich danke Mark Franley ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen!






Auf der Autorenseite ist zu erfahren:

Mark Franley wurde im Jahr 1972 in Nürnberg, Deutschland, geboren, wo er auch heute noch mit seiner Frau und dem Hund Buddy lebt und arbeitet. Obwohl seine Karriere als Schriftsteller erst mit Ende dreißig begann, schaffte es bereits sein erster Thriller „Heuchler“, ohne Umwege in Amazons deutsche Top 10 Kindle-Charts. Die Hauptfigur des Werkes, Mike Köstner, erfreute sich so großer Beliebtheit, dass auch die Nachfolgebände „Benutzt", „Karla“, "Nachtkalt" und "Hochmut" innerhalb von wenigen Tagen in den Top 5 zu finden waren.

Aufgrund des großen Erfolges in Deutschland erschien Anfang 2014 der erste Band der „Kommissar Köstner“-Reihe in englischer Sprache (Titel: Charlatans). Außerdem wurde „Heuchler“ durch audible.de als Hörbuch produziert und ist seit Herbst 2014 auf dem deutschen Markt erhältlich.

► übernommen von Mark Franleys Website

Donnerstag, 14. Juli 2016

Bazyar, Shida: Nachts ist es leise in Teheran.



Manchmal „schiebt“ man nicht nur Bücher vor sich her, auch die Rezensionen müssen gegebenenfalls etwas warten. So war das auch bei diesem Buch, welches ich während der Buchmesse in Leipzig 2016 am Stand von Kiepenheuer & Witsch erhielt. NACHTS IST ES LEISE IN TEHERAN. So heißt das Buch der 1988 geborenen Shida Bazyar.

* * *

Vierzig Jahre umspannt diese ungewöhnliche Familienchronik, in der im Abstand von jeweils 10 Jahren Vater, Mutter, Tochter, Sohn zu Wort kommen. Das Ganze beginnt in Teheran 1979. Es herrscht eine revolutionäre Stimmung, denn der Schah musste abdanken. Der erste Erzähler ist Behsad, ein kommunistischer junger Revolutionär. Seine Freunde und er wollen eine neue, eine fortschrittliche Ordnung. Doch die Macht erhält Ajatollah Chomeini, der eine Regentschaft der Geistlichkeit einführte und eine islamische Republik ausrief. Kein besonders gutes Feld für junge idealistische säkulare Revolutionäre. 

Behsad, der im Kreise dieser jungen Leute die literaturdurstige schöne Nahid findet, die Liebe seines Lebens, geht außer Landes. Chomeini, das eigentliche Symbol des Kampfes gegen die Monarchie, setzt auch Gewalt gegen anders Denkende ein. Behsad und Nahid gehen mit ihren Kindern Laleh und Morad nach Deutschland.

1989. Nahid erzählt von ihrem Leben in Deutschland. Sie haben Freunde aus der westdeutschen linken Szene, die irgendwie vom Mauerfall überrascht sind und wirken, als wüssten sie nicht mehr so richtig, wo sie stehen sollen. Sie hängen oft am Radio um Nachrichten aus der Heimat zu empfangen. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Was gibt es neues aus der Heimat? Zwei Revolutionen erlebt. Die zu Hause und nun den Mauerfall im Exil, einem Land, in das sie nicht so richtig zu gehören scheinen. Tragisch erscheint das vor allem für Nahid. Von der lernenden, lesebesessenen jungen Frau scheint nicht viel übrig geblieben zu sein. Sie kümmert sich um Familie und Mann, lernt nicht so gut Deutsch und entspricht äußerlich wohl viel dem Klischee, dass viele Menschen von Muslima haben, dabei ist sie gar keine. Die Kontakte, dies sie mit Deutschen hat beschränken sich auf wenige Personen. Bindeglied sind die noch kleinen Kinder. Arbeit? Kinder und die Wohnung. In ihr zeigt sich dem Leser das Elend des Exils. 

Zehn Jahre später. 1999. Den Faden spinnt jetzt Laleh weiter. Den Hauptteil ihrer Erzählung nimmt eine Reise mit ihrer Mutter nach Teheran ein. Das Mädchen kommt in eine für sie fremde Kultur. Sie trifft auf eine große, eine herzliche, freundliche Verwandtschaft. Laleh bringt diese neuen Erlebnisse mit ihren Kindheitserinnerungen nicht richtig zusammen. Es ist schwer für das Mädchen, inmitten der Frauen und Mädchen sich über Geheimnisse und Schönheitsrituale zu unterhalten und dabei sich auf der Straße verhüllen zu müssen. Lalehs Sprache ist ganz anders als die ihrer Eltern. Hier merkt man die offene Gesellschaft in der neuen Heimat – für Laleh hat der Begriff Exil wenig Bedeutung. Sie ist es, die feststellt, dass es tagsüber laut, in der Nacht aber leise ist in Teheran.

Schwieriger wird es für ihren Bruder Morad. Der ist weitere zehn Jahre, im Jahr 2009,  ein ziemlich lotterhafter Student, eher Feten und Bierdosen zugeneigt als dem ernsthaften Studium. Mo hat wiederum eine andere, eine schon sehr differenzierte Sicht auf seine Eltern und dazwischen steht die ältere Schwester, trennendes und bindendes Glied. Mo besteht beide nicht richtig. Mutter und Vater hören immer noch ständig Nachrichten aus dem Iran. Laleh ist „mehr“ Iran als er. Der Freund des Vaters aus Jugendtagen ist wohl umgebracht worden, Behsad hadert mit sich, dass er in der Fremde ist, weil er vermutet, immer noch gesucht zu werden.

* * *

Qelle Verlag
Shida Bazyar hat literarisches (kreatives) Schreiben studiert, mehrfach Stipendien erhalten und vor diesem ersten Roman Kurzgeschichten und Anthologien veröffentlicht. Dass sie schreiben kann, merkt die Leserin bzw. der Leser vor allem an der sich ändernden Sprache oder besser Erzählweise, bei der die Generationen sehr gut getroffen sind. Autobiografische Züge hat der Roman wohl auch. Shida ist wie Tara, die jüngste Tochter von Behsad und Nahid, bereits in Deutschland geboren. Auch Shidas Eltern kamen nach der islamischen Revolution nach Europa. Insofern hat sie die hier niedergeschriebene Geschichte sicherlich in Teilen zu Hause oder bei Bekannten erlebt. Ich halte nicht nur deswegen das Buch für sehr gelungen.
Für ihren Roman erhielt sie 2016 den den Kulturförderpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover 2016.


* * *

Am tragischsten emfand ich hier die Erzählung von Nahib. Da war nichts mehr von der studierenden, politisch interessierten, lesehungrigen Iranerin, irgendwie allein in einem fremdgebliebenem Land. Für ihre Tochter Tara ist der Iran viel weiter weg. Einige Jahre später ist sie mit ihrer Nichte unterwegs. Aber plötzlich ist der Iran wieder in aller Munde. Der Westen nähert sich an, der Gottesstaat wird offener – Ein Symbol gegen den Terror in der Region? Wenige Seiten schließen die Geschichte mit Taras Worten und doch beginnt sie von neuem. Wird sie gut? Hoffen wir, dass dies wirklich so sein wird.

Dem Verlag danke ich für dieses Exemplar, es fügt sich ganz hervorragend in mein Bücherregal ein.

Ganz aktuell ist dieser Artikel der Autorin, in welchem sie sich zu ihrem "Sicherheitsgefühl" äußert, im Angesicht der Bestrebungen des aktuellen US-Präsidenten, die Einwanderung für z.B. Iraner auszusetzen. (11.02.2017)

► DNB / Kiepenheuer & Witsch / Köln 2016 / ISBN: 978-3-462-04891 / 275 S.
► Leseprobe

© KaratekaDD

Mittwoch, 13. Juli 2016

Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor

DER MENSCH IST NICHT MEHR HERRSCHER ÜBER DIE URGEWALTEN.

Eine ganz kurze Rezension.


Das war er nie, Herrscher über die Urgewalten. Die hier haben es in sich. Und dabei hat Wolfgang Hohlbein den fantastischen Roman mit wissenschaftlichen Bahnkolorit bereits 1993 geschrieben. Da war das Wetter noch in Ordnung, die Computerkapazität sehr überlichtlich, so dass die Computerzentrale der Bahn mitten im Bergmassiv, durch den Gridone, bei Ascona zu dieser Zeit fantastisch anmutet.

Die Bahn hat einen Tunnel gebaut. Als dann mal ein ICE durchbraust, kommt er an als wäre er hunderte von Jahren alt. Die Insassen sind mumifiziert. Und der Entfernungslaser eines nunmerigen Alkoholikers (oder fast) zeigt plätzlich eine Tunnellänge von mehreren Lichtjahren an. Der Alkoholiker heißt bezeichnenderweise Warstein und ist auserkoren...

Was hat der Tunnebau nun eigentlich ausgelöst? Fantasykenner lesen das aus dem Titel des Romans bestimmt heraus. Rächt sich die Natur für die Sünden der Menschheit?

* * *

Wer mich und meinen Lesegeschmack kennt, der weiß, dass Fantasy nicht so hundertprozentig mein Fall ist. Aber es ist schon verblüffend, wenn sich Fantasy mit hochmodernen technischen Neuheiten paart. Verblüffend ist es auch, wenn diese bereits ein knappes Viertel Jahrhundert zurück liegen. Oder Fünf Jahre, denn Hohlbein hat ja bestimmt in die Zukunft geblickt.

* * *

Wirklich gut ist die Beschreibung der Naturkatastrophen, auch wenn es ab einem bestimmten Punkt übertrieben scheint. Wenn der Autor mich also soweit hat begeistern können, dass ich durchgehalten habe, dann ist er wohl gut. Aber er hat so viele Fans, der Wolfgang Hohlbein, dass meine Meinung da nicht sonderlich viel zählt.


► DNB / Wilhelm Heyne Verlag / München 1993 / ISBN: 3-453-08843-3 / 542 S.
► Webseite von Wolfgang Hohlbein

© KaratekaDD


Sonntag, 10. Juli 2016

Wangenheim, Inge v.: Spaal

SPAAL, oder dreißig Jahre danach

Spaal! Das klingt irgendwie geheimnisvoll. Das hat was von mehreren Jahrhunderten. Nun ja, zumindest zurück bis in die Zeit eines gewissen Geheimrates, der dem Herzog von Sachsen – Weimar diente. Zurück in die Zeit, als dieser, der Geheimrat, eine gewisse Charlotte liebte. Eigentlich ist das nur ein Aufhänger. Die sich hier nun Liebenden heißen nicht Johann Wolfgang und Charlotte, sie heißen schlicht und einfach Juliane und Lutz. Juliane wohnt in Weimar und Lutz ist vor einiger Zeit nach Weimar gezogen. An das NATIONALTHEATER. Lutz ist Schauspieler, noch jung und daher bar der großen Rollen. Und Juliane arbeitet für den „VEB Klassik“. Es ist das Jahr 1975. 

Wie jedes Jahr findet in Weimar der Zwiebelmarkt statt. Die Zwiebelzöpfe sind sehr begehrt in Stadt und Land. Von überall kommen sie her und nicht nur aus der DDR.