Donnerstag, 14. November 2013

Werner; Behling: Teddy Brumm

BRUMMTARA & BRUMMTARI
das ist DIE Kindergeschichte schlecht hin, denn mit dieser sind wir groß geworden.
TEDDY BRUMM von Nils WERNER, illustriert von Heinz BEHLING.

So ging es los:

Liebe Kinder, hört die Mär
von dem kleinen Teddybär, 
der sich nachts im Wald verlief
und dort ganz alleine schlief.

Doch nun gebt erst einmal acht, 
was der Klaus mit Teddy macht.

Klaus schlief früher niermals ein
ohne Brumm, sein Teddylein..
Aber dann, wie grausam:
"Aber gestern sagte Klaus:
"Teddy, hee, wie siehst Du aus?
Denkst Du, mit Dir spiel ich noch?
Nein, Dein Fell hat ja ein Loch! 
Geh, Du alter Teddybär,
Du gefällst mir gar nicht mehr.""

Und so verschwand der Teddy in den Märchenwald um neue Freunde zu finden. Da kommt ihm eine Bärenfamilie in den Weg.

"Dann sah sich der Teddy um,
denn er hörte ein Gebrumm.
Und die kleinen braunen Bären
meinten, dass sie Brüder wären.
Teddy rief:"Wie wunderlich,
alle drei sehn aus wie ich!"
...
Brummtrari und brummtrara,
hoch das Bein und hopsasa,
eins und zwei und brummelbrumm,
links und rechts im Kreis herum.

Brummtrara und brummtrari,
Bären sind kein Federvieh.
Honigmaul und Stummelschwanz,
ja so geht der Bärentanz."
 
Ach dieser Bärentanz. Ich glaube, dies war vielleicht das erste Gedicht, dass wir auswendig konnten. Am Ende bringt Vater Bär den kleinen gelben Teddy, der so viele Abenteuer erlebt hat, mit der Laterne durch den dunklen Wald wieder nach Hause.


"Endlich nach drei Wanderstunden,
hat er seinen Klaus gefunden.
Teddy rief, als er ihn sah:
"Hallo, ich bin wieder da!"
Etwas seltsam war ihm doch
und sein Herz ging poch, poch, poch.

"Ach mein Teddy", lachte Klaus,
"reiß mir bitte nie mehr aus!
Komm, wir reparieren schnell,
dieses dumme Loch im Fell.
Du und ich, mein Teddylein,
wollen immer Freunde sein." 



Damals wars... (aus meinem Kinderalbum)
* * * 

Bei ► Hugendubel gibt es eine schöne Gelegenheit, in die bücher hineinzu schauen. Teddy Brumm gibt es ► hier


Heinz Behling (* 9. Oktober 1920 in Berlin; † 5. Juni 2003 ebenda) war ein Künstler der DDR.
Behling arbeitete als Pressezeichner, Schriftsteller, Karikaturist, Kunsterzieher, LPG-Bauer, Grafiker und Kinderbuchautor und zeichnete unter anderem das Staatswappen der DDR. Er fertigte zahlreiche Pressezeichnungen für verschiedene Zeitungen an. Außerdem gab er über 100 eigene Ausstellungen, schuf einige Bühnenbilder, Plakate und Programmhefte. Behling illustrierte zudem viele Kinderbücher, die heute z.T. Kultstatus erreicht haben wie ► Alarm im Kasperletheater.
Er studierte an der ► Kunsthochschule Berlin-Weißensee, arbeitete anfangs als Kinoreklamemaler. Er ist Mitbegründer der DDR-Satirezeitschrift ► „Eulenspiegel“ und trat Ende der 1950er Jahre gelegentlich auch als Kabarettist im Fernsehen der DDR auf.1985 wurde ihm der ► Goethepreis der Stadt Berlin verliehen. (wiki)

* * *

Nils Werner (* 30. Januar 1927 in Erfurt; † 28. August 1989) war ein deutscher Dichter und Kinderbuchautor.
Werner lernte zunächst Werkzeugmacher und studierte von 1947 bis 1950 Musik am Konservatorium in Erfurt. Von 1950 war er bei der Satire-Zeitschrift ► Frischer Wind tätig, später bei deren Nachfolger ► Eulenspiegel. Dort lernte er ► Hannes Hegen kennen, mit dem er einige gemeinsame Projekte ausführte. Seit 1953 arbeitete er als freischaffender Schriftsteller.(wiki)

 * * *

Alarm im Kasperletheater?  Wer erinnert sich da nicht an das Teufelchen, dass die vielen gestohlenen Pfannkuchen gegessen hatte und dann soches Bauchweh bekam? Das Krokodil auf "Rädern"? Und die Großmana, die am Ende auch dem Teufelchen nicht böse sein konnte...
Warum kommt mir das nicht so vor wie letztes "Jahrtausend"?

Es gibt doch Klassiker, die schon immer Grenzen überschritten haben. Ich denke da noch an ► Otfried Preußler.





 * * *

Teddy Brumm ► DNB / Eulenspiegel-Verlag / Berlin / 2009 / ISBN: 3-359-00756-5 / 24 S.
Alarm... ► DNB / Eulenspiegel-Verlag / Berlin / 2004 / ISBN:3-359-00757-3 / 26 S.

Nils Werner ► DNB
Heinz Behling ► DNB

© Bücherjunge


Montag, 11. November 2013

Giordano, Paolo: Die Einsamkeit der Primzahlen

Buch - Film - Hörbuch
meine Gesamtrezension zu Paolo Giordanos  

DIE EINSAMKEIT DER PRIMZAHLEN
La solitudine dei numeri primi



Die Vorgeschichte:
Auf Buchgesichter.de habe ich dazu schon einmal etwas geschrieben. Nun, in diesem Falle möchte ich das nicht einfach widerholen. Doch zuvor die Geschichte, wie ich überhaupt auf dieses Buch kam.

Irgendwann fand ich im Briefkasten mal eine Leseprobe. so ein kleines Heftchen von Thalia. Damals hatte ich Thalia noch nicht so richtig für mich entdeckt. In diesem fand ich die ersten Zeilen eines jungen italienischen Autors. Wie das so üblich ist, nach ein paar Seiten hört eine Leseprobe an der spannendsten Stelle auf. Nun ja, erstmal vergaß ich das Ganze.

Es kam die Zeit, da brauchte ich einen neuen Microwellendrehteller, denn meiner hatte den  Geist aufgegeben. Heißt, er war mir vor die Füße gefallen. Also zum Mediamarkt. Daneben Thalia. 
Ich also da rein und raus wieder mit: DAS GEHEIMNIS VON MEISSEN, DER DRACHENLÄUFER und DER SCHNEEMANN. Ersteres fiel neben den Hebammenbüchern auf, das Zweite war ne Buchgesichterempfehlung und das Dritte war nach dem LEOPARDEN eher obligatorisch. Zum Glück alles Taschenbücher. Danach in den Mediamarkt, klar, der Teller muss vorbestellt werden… 

Auf dem Rückweg fällt mir die Leseprobe ein. Also gleich noch einmal in die Buchhandlung:
"Guten Tag,… Leseprobe… Mädchen wird zum Skifahren gezwungen, macht sich in die Hose… Unfall…"
Die Verkäuferinnen kümmerten sich rührend um mich. Die Zweite dann meinte, ihr fiele dazu was ein. Und schon hatte ich das Buch in der Hand. augenscheinlich eins mit Mathematik. Nicht so mein Fall. Aber da war ja die Leseprobe. Okay, hab ich das auch noch mitgenommen. Wie die nächsten Zeilen zeigen werden, habe ich das nicht bereut.
* * *
Zum Buch:
Alice, ein kleines ungefähr neunjähriges Mädchen wird von ihrem Vater angehalten, mal eine große Skifahrerin zu werden. Also ab auf die Piste und zwar möglichst oft. Die Kleine hat nicht viel Lust und dann die heiße Milch und der drängelnde Herr Papa.  Oben auf der Piste, es ist auch noch sehr neblig, passiert das erste Unglück, sie muss mal… Mit nassen Unterhosen fährt sie steifbeinig in den Nebel. Da passiert das Unglück, sie stürzt und kann sich nicht mehr bewegen, nur die Fingerspitzen…
Der Autor erzählt nichts von der Rettung, klar wird aber nach einigen Seiten mehr, dass dies das Trauma ihrer Kindheit ist.
Hinzu kommt dann der Junge Mattia, beide kennen sich nicht. Mattia sitzt in der Schule neben seiner geistig behinderten Schwester. (Eigentlich gar nicht vorstellbar) Eingeladen zu einer Geburtstagsfeier, beide sollen hin, lässt er zum ersten Mal seine Schwester im Park allein; Michela wird nicht mehr gefunden. Der Autor erzählt nur ansatzweise, wie die Eltern reagieren, aus dieser Begebenheit wird sein Kindheitstrauma.
In der Schule lernen sichAlice und Mattia später kennen und ziehen einander in ihrer Besonderheit an.

Die magersüchtige Alice und der sich immer wieder selbst verletzende Mattia, die autodidaktische Fotografin und der Mathematikprofessor, begleiten den Leser nun über viele "Buchjahre". Werden beide zueinander finden? Das Primzahlenpaar, welches Mattia für sie beide gefunden hat besteht aus unbegreiflich hohen Zahlen...

* * *

So manche traurige Stelle hat dieses Buch, die Beschreibung aber ist keineswegs irgendwie mitleidig und trotzdem einfühlsam. Ein beeindruckender Schreibstil, sicher auch die Übersetzung aus dem italienischem, lässt den Leser gebannt weiterlesen. Eigentlich habe ich die Angewohnheit, eher zu schnell zu lesen. Bei diesem Buch habe ich jedoch viel langsamer und bewusster Seite für Seite aufgenommen. Die kleinen und größeren Gemeinheiten von Mitschülern, das Verhalten der Eltern werden erzählt von einer gewissen Entfernung aus und trotzdem entsteht eine große Nähe. Das war mein Eindruck und so zähle ich dieses Buch, dessen Geschichte dieses Jahr in die Kinos kommen soll, mit zu den besten, die jemals in meine Hände gelangten.

* * *
Das Hörbuch:
Auf einer Autobahnraststätte fand ich dann Mitte 2012 das Hörbuch. Dazu zitiere ich mich mal selbst:

Diese vermutlich gekürzte Fassung, von der Kürzung hab ich allerdings nicht viel mitbekommen, wird gelesen von Daniel BRÜHL. Fans von GOOD BYE LENIN kennen ihn. Und seit zwei Jahren sogar die Fans von QUENTIN T. Wenn der, also der Daniel, das Buch nicht gelesen hätte, dann wäre dieses Exemplar wohl nicht von mir an die Kasse getragen wurden.

Nun muss ich sagen, dass ich jeweils zwei CDs durchweg gehört habe und nur dreimal insgesamt einen Track erneut von Anfang an hab laufen lassen. Ich finde, der Mann hat mich erneut gefesselt. Vielleicht sollte ich zukünftig Hörbücher bevorzugen, deren Inhalt ich bereits gelesen habe.

Dazu kommt, das Buch, welches ich 2010 las, ließ bei aller Begeisterung ein wenig Wehmut zurück ob des fehlenden Happy Ends. Verblüffenderweise kommt mir das Ende der Hörbuchfassung gar nicht so vor. Gehört scheint es, als würden ALICIA und MATTIA nicht bloß ihren Weg gefunden haben, sondern auch dem Glück auf diesem Weg entgegen gehen können. Wenn auch nicht in eine Richtung. Was ein Hörbuch so auslösen kann…
 
* * *
Der Film:
In einer Kooperation Deutschlands, Frankreichs und Italien wurde dieser überaus erfolgreiche Erstlingsroman auch ► verfilmt.

Quelle: moviepilot
Nun bin ich ja an sich der Auffassung, dass Filme mit den ihnen zu Grunde liegenden Büchern nicht verglichen werden sollten. Hier allerdings komme ich nicht umhin. Soeben ist der Film beendet, den ich heute als kostenlosen Stream im Internet fand. Als bewegte Illustration ist er ganz gut: Wenn man die Geschichte kennt. Die Bilder, stark in Szene gesetzt, zeigen Mattia und Alice so wie sie ausgesehen haben könnten. Als Kinder, als Teenager und Erwachsene. Berührend der kleine Junge, der seine behinderte Zwillingsschwester allein lässt. Ebenso die Schülerin, die sich freut eine tolle, wenn auch falsche Freundin zu bekommen. Viele Szenen aus dem Buch finden sich so wieder. Auch der Schluss passt hervorragend. Kennt man den Roman oder das Hörbuch aber nicht, dann wird es schwer. Der Titel erschließt sich einem gar nicht, die selten Zwillingsprimzahlen die der Mathematiker Mattia für sich und Alice gefunden hat kommen gar nicht zur Sprache. Einmal blitzt auf, dass der Junge ein mathematisches Talent besitzt.

Auch die wichtige Arbeit als Fotografin wird nur äußerst gering angedeutet. Dass das Mädchen an Bulemie leidet erkennt der Zuschauer schnell. Dass Mattia sich selbst verletzt weil er das Trauma der durch seine Schuld verloren gegangenen Schwester nicht bewältigen kann, ist für den Zusachauer ohne Roman nur schwer zu durchschauen. Das liegt auch daran, dass der Film ständig Zeitsprünge vor und zurück beinhaltet.  Schade, denn der Film (► Film Webseite) hätte ein guter werden können. Die Schauspieler boten das Potential dazu. Tröstlich ist es dann, wenn die Schlussszene auch als kleines Happy End gedeutet werden kann.


* * *

Der Autor, Paolo ► Giordano ist in Turin geboren und hat Physik studiert. "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist sein erster Roman und war 2008 das meistverkaufte Buch in Italien. Er bekam den wichtigsten italienischen Literaturpreis. Er ist mit 27 Jahren der jüngste Preisträger. Der Roman wurde in zwei Dutzend Länder verkauft. Momentan allerdings schreibt er laut wikipedia an seiner Dissertation. (wiki)







  • Interview bei Spiegel-Online 
  • Paolo Giordano in der DNB
  • Hörbuch in der DNB
  • DNB /  Blessing Verlag / München / 2.2009 / ISBN: 978-3-89667-397-8 / 364 S.

* * *

PS: Die Thalia Fillialen in Dresden habe all ein gut sortiertes Dresden Regal. A diesem Satz kann man erkennen, dass ich diese inzwischen wohl ganz gut kenne. Als ich die PRIMZAHLEN erwarb, bestellte ich auch gleich noch zwei Exemplare von DER GOLDENE REITER UND SEIN VERHÄNGNIS. Von einem ► Kurt Arnold Findeisen. Doch dazu später einmal mehr. Diese Bücher verschenke ich nämlich öfter. Neben meinem habe ich noch eines. Das muss diese Woche auch noch auf den Weg und hätte es eigentlich schon sein sollen… 

© Bücherjunge


Mittwoch, 6. November 2013

Das Blut des Adlers - Geschafft.

Das Blut des Adlers
Pentalogie von Liselotte Welskopf - Henrich 
Rezension aus Anlass der Neuveröffentlichung des Palisander-Verlages im Jahr 2013

Band 1: Nacht über der Prärie
Band 2: Licht über weißen Felsen
Band 3: Stein mit Hörnern
Band 4: Der siebenstufige Berg
Band 5: Das helle Gesicht

Es ist geschafft. Im Juli gab es regen E-Mail - Verkehr mit dem Palisanderverlag in Chemnitz. In Folge dessen stellte mir Herr Dr. Frank Elstner die fünf Bände dieser Pentalogie zur Verfügung. 
Nicht hätte ich gedacht, dass das Rezensieren bis in den November hinein dauert. Aber, ich hatte zwischendurch ja immer auch was anderes zu lesen. Hinzu kam, dass die Recherche zur Geschichte immer umfangreicher wurde. Einige Wochen später und nach einem kleinen Missverständnis bekam ich auch noch den ersten Roman DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN als Rezensionsexemplar vom Eulenspiegel - Kinderbuchverlag. Die las ich dann parallel (Bin aber noch nicht fertig).

Sehr interessant war, dass ich beim lesen merkte, dass die US-Miniserie INTO THE WEST, produziert u.a. von Steven SPIELBERG ungeahnt genaue "Bilder" zu beiden Romanreihen der Autorin lieferte. Das fängt bei der Büffeljagd an, setzte sich über die ersten Reservationen fort und endete beim Geistertanz am Wounded Knee. Mit Hilfe dieser Serie und noch mehr mit den Anhängen in den fünf Bänden dieser Pentalogie wurden mir Dinge klar, die ich im Laufe der Jahre und des wiederholten Lesens noch nicht so gesehen hatte.

Allerdings war es auch der Palisanderverlag, der mir, für mich allerdings ziemlich unbewusst, half, Hintergrundwissen zu erwerben. Dies geschah durch Erik Lorenz´: Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer. Eine Biografie. Diese hatte ich in einer Buchhandlung vor vielleicht zwei Jahren erstanden.

Ganz sicher werde ich mir die Anhänge noch zulegen, welche ich in den jeweiligen Rezensionen nicht außer acht gelassen habe. Das heißt, das Thema nordamerikanische Indianer ist noch nicht beendet.

Nochmals danke ich Herrn Dr. Elstner für diese fünf herrlichen Bücher. 

Durch ihn kam ich, auch das eine für mich besonders schöne Sache, in Kontakt mit Herrn Dr. Rudolf Welskopf, dem Sohn der Wissenschaftlerin und Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich, die als Professorin für alte Geschichte an der Humboldt - Universität zu Berlin lehrte. Dieser Kontakt beschert weiterhin Neues, wovon ich zu gegebener Zeit natürlich berichten werde.

Aber nun ist erst mal (kurz) Indianerpause.

Euer Bücherjunge





 


LWH: Das helle Gesicht

Das Blut des Adlers V: DAS HELLE GESICHT
Pentalogie von Liselotte Welskopf - Henrich 
Rezension aus Anlass der Neuveröffentlichung des Palisander-Verlages im Jahr 2013

Band 1: Nacht über der Prärie
Band 2: Licht über weißen Felsen
Band 3: Stein mit Hörnern
Band 4: Der siebenstufige Berg
► Band 5: Das helle Gesicht


* * *
Die Handlung:
Chikago. Großes Tipi. Versammlungsort der Indianer. Ein Häuptling aus der Prärie steht in der Mitte. Im Schmuck der Adlerfedern. Ein junger Bursche steht neben ihm. Im Rund der Teilnehmer an der großen Versammlung ein 14jähriges Mädchen mit ihrer Grußmutter. Das Mädchen trägt einen alten Namen: Ite-ska-wih, Das Helle Gesicht. Es bricht ein Schuss, der Häuptling sinkt zusammen. Seine Augen brechen. Inya-he-yukan der Jüngere, Joe Stonehorn King ist tot. Der Bruder des Mädchens tötet den Schützen. Auf der Flucht sind nun Hanska, Ray, Untschida und Ite-ska-wih. Sie fahren in die Schwarzen Berge. Neben der Großen Bärin legen sie die Hoffnung der Reservation in der Decke des alten Büffelstieres nieder.

Es ist nicht nur dieses Unglück. Wo ist Queenie Tashina abgeblieben? Und wo sind ihre Kinder? Die Zwillinge Harry und Mary? Sie wurde in eines der Schulinternate außerhalb der Reservation gesteckt. Mit der Zeit wird es immer mehr Gewissheit: auch die junge indianische Malerin wurde Opfer der Bande des Killer Chiefs auf der Reservation nahe den Badlands im Kernland der Lakota Oglala.

Hanska bringt die Kinder zu den Verwandten nach Kanada. Hier leben die Nachkommen der Bärenbande und der Siksikau, die Enkel des Schlauen Biebers, Tschetansapas und des Donner vom Berge.

Nun hat der siebzehnjährige Hanska die Verantwortung. Dem Vermächtnis seines Wahlvaters gemäß geht er zu den aufständigen Indianern nach Wounded Knee. Es ist das Jahr 1973. Auch Hugh Mahan ist im Ring. Tatokala, seine Frau und Hetkala, seine Mutter versorgen mit anderen und nun auch mit Ite-ska-wih die Aufständigen mit Lebensmitteln.

Die Polizei- und Militärmacht der Vereinigten Staaten wagt es aber nicht, erneut ein Massaker an diesem Geschichtsträchtigem Ort anzurichten. Nach mehr als zweimonatiger Belagerung kommt es zu Verhandlungen. Das ist ein großer Sieg für die immer besser organisierten Indianer. Die Ergebnisse der Verhandlungen sind dagegen nicht so sehr gut, denn die Zustände auf der Reservation sollen sich erst mit der nächsten Wahl des Stammesrates ändern.

Bei der Rückkehr auf die Reservation stellen sie fest, dass die King Ranch vom Chief President einem weißen Farmer übergeben wurde. Aber Meyers ist noch einer vom alten Schrot und Korn. Man wird sich auf bestimmte Dinge einigen können.

Derweil machen die Spitzel des "Killer Chiefs", wie der Chief President des Stammes genannt wird, Jagd auf die Teilnehmer am Aufstand. Hanska und Hugh müssen sich ihrer erwehren. Dabei kommt auch Robert Yellow Cloud um Leben, der von Kanada zur Unterstützung seiner Freunde wieder auf die Reservation gekommen ist. Während Hanska bei einem Angriff in der Nacht zwei Killer erschießt, was aber nie bewiesen wird, kommt Hugh Mahan vor Gericht mit Mordanklage: Er hat in Notwehr einen der Mörderbande erschossen.

Nur durch einen guten Rechtsanwalt, den die indianische Bruderschaft bezahlt und der von Wakiya Byron Bighorn unterstützt wird, entgeht Wasescha einer Verurteilung. Sinngemäß gibt einer der ehemaligen Indianerpolizisten, James Laughlin, zu, dass durch den Killer Chief Verbrechen angeordnet waren.

Hanska holt mit Unterstützung seines ehemaligen Lehrers, den gerechten Mr. Ball, Harry und Mary aus den Schulinternaten zurück. Gerade Harry war auf einem, welches für seine Grausamkeiten berüchtigt war. Dort herrscht Mr. Wyman, bekannt aus dem 3. Band und grausamer Lehrer von Wasescha und Magasapa,  dessen verstorbener ersten Frau. Harry flieht und kommt irgendwann selbst in der Reservation an. Mit Harry und Mary sind auch Zeugen für den Mord an Queenie vorhanden.

Hanska, der seinem Wahlvater immer ähnlicher wird, erreicht, dass die King Ranch und das alte Blockhaus ihm übergeben wird. Das alte Häuptlingszelt von Inya-he-yukan dem Alten wurde gestohlen. Aber die Verwandten aus Kanada gaben ihm das nicht weniger prächtige Tipi des Schwarzfalken mit. Hanska bringt auch wieder die Büffel zurück, Sinnbild von Freiheit und Eigenständigkeit der Prärieindianer.

Ite-ska-wih wird Mutter. Damit endet der Roman mit einem hoffnungsvollen Bild. Vereinte Familie, neues Leben aber auch neue Kämpfe, neue Herausforderungen. Hanska, das weiß der geneigte Leser seit langem, ist der richtige Nachfolger für Joe, dessen Grab ein besonderes Symbol für die weitläufige Familie des Tokei-ihto ist. Ite-ska-wih tritt in die Spuren von Tashina.

So schließt sich der Kreis von Harka, dem Sohn Mattotaupas in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Hanska Bighorn, dem jungen Indianer in der Reservation in South Dakota im den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

* * *
Die Geschichte hinter diesem Buch:
Die Geschichte um den Killer Chief ist wahr. Der Mann hieß ► Dick Wilson und wehrte sich mit aller Macht gegen die Anhänger des ►American Indian Movement (AIM). Gegen diesen Mann kam es im Jahr 1973 zum Aufstand auch mit Geiselnahme durch die Indianer und insbesondere durch das AIM. Sie den Ort Wounded Knee, da dieser schon einmal Ort eines Massakers an den Reservationsindianern war. Wie kam es dazu?

Ab dem Jahre 1860 entstand unter den Indianern eine neue Religion, in der der christliche Erlösungsgedanke einfloss. Grundgedanke war, dass die Toten und die Büffel wiederkommen.[1]

Liselotte Welskopf - Henrich beschreibt dies im letzten Band DER SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN (► Erstausgabe). Es ist der Moment, in der Tokei-ihto (Inya-he-yukan der alte) die Bärenbande aus der Reservation fortfüren will.

"Tokei-ihto entzündete die Pfeife mit seinem eigenen Feuer­zeug, und nun kam der Augenblick, dem alle in verborgener und großer Spannung entgegensahen. Es war Sitte, dass der Häuptling vor Beginn eines großen Unternehmens dem Ge­heimnismann die heilige Pfeife zum Rauchen anbot. Nahm der Zauberpriester die Pfeife und rauchte sie, so erklärte er sich da­mit bereit, den Häuptling zu begleiten. Nahm er sie nicht, so lehnte er das Unternehmen ab. 
»Wir brechen auf!« 
Der Greis zögerte. 
»Wir ziehen fort!« 
Die Augen des Zaubermanns weiteten sich wie in einer Vi­sion. »Ich höre das Brüllen der Büffel und die Stimmen unserer Väter. Zu den Bergen der Großen Bärin ziehen wir zurück! Die Toten und die Büffel kommen wieder!« 
»Vorwärts über den Missouri - führt uns der Name Tashun-ka-witko!« 
Die Krieger erschraken, denn aus dem schroffen Wort des Häuptlings brach schon der Zwist hervor. Was sollte der Schwur der heiligen Pfeife bestätigen? 
»Wir ziehen fort...« Tokei-ihto hatte die Pfeife zum Brennen gebracht und bot sie dem Greis. 
Der Alte hob die Hand, und er nahm die Pfeife. »Wir ziehen fort.« Nach dieser letzten Entscheidung herrschte Stille im ganzen Rund. Fiel jetzt nur ein einziges Wort, so musste Hawand­schita die Pfeife fortgeben, und sie konnte nicht mehr geraucht werden."[2] 



"Ich höre das Brüllen der Büffel und die Stimmen unserer Väter. Zu den Bergen der Großen Bärin gehen wir zurück!"

(Szenenfoto aus DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN: Geheimnismann Hawandschita)




 "Und weiter über den Missouri führt uns der Name Tashunka - witko"

(Szenenfoto: Tokei-ihto)



Der Gedanke der Rückkehr alter Zeit war also bereits in den Indianern verankert.

"Die Zeit würde kommen, wo sich die Indianer, Lebende und Tote, vereinigen würden, um zusammen glücklich zu leben, ohne Tod, Unglück und Elend. Die riesigen Büffel- und Pferdeherden, die über Jahrhunderte die Lebensgrundlage der Prärieindianer dargestellt hatten, würden zurückkommen."[3]

Die in den Reservationen von South Dakota, als in den ► Badlands, auch in der bereits mehrfach erwähnten Pine Ridge Reservation auf ärmsten Niveau lebenden Lakota nahmen sich dieser Bewegung besonders an. Äußeres Zeichen waren die Geistertanzhemden, welche angeblich kugelfest sein sollten.

"Nachdem der Geistertanz im Oktober 1890 in den Lakota-Reservaten begann und von den weiterhin angesehenen Anführern wie ► Sitting Bull propagiert wurde, der sich nach jahrelangem Exil in Kanada, mit einigen Getreuen ergeben hatte und nach zweijähriger Gefangenschaft in dem Reservat lebte, traten Spannungen auf. Die Reservatsbehörden sahen die Massenbewegung als politischen und religiösen Protest der 25.000 in Reservaten lebenden Sioux an und reagierten mit Zwangsmaßnahmen, um einen möglicherweise drohenden Aufstand bereits im Vorfeld zu ersticken…. 





(Quelle YouTube: Aus Into the West)

James McLaughlin, Verwalter der ► Standing Rock Reservation, in der Sitting Bull lebt, hatte die Geistertänzer schon länger mit Argwohn betrachtet und befürchtete einen Aufstand. Sitting Bull, der sich mit kämpferischen Worten geweigert hatte, die Bewegung zu verbieten und als einer ihrer Führer galt, sollte durch die Stammespolizei in wohlüberlegter Provokation am 15. Dezember 1890 verhaftet werden. Als seine Getreuen gegen die grobe Behandlung des alten Mannes Widerstand leisteten, wurde Sitting Bull von dem Indianer-Sergeant Red Tomahawk durch einen Kopfschuss getötet. Außer ihm starben weitere 14 Menschen - fünf Stammes-Polizisten und sieben Anhänger des alten Häuptlings, darunter auch Sitting Bulls 14-jähriger Sohn. Beim Abtransport wurde Sitting Bulls Leiche durch den Bruder eines getöteten Polizisten geschändet. Die Verweigerung der Beerdigung auf dem christlichen Friedhof sorgte für weiteren Unmut. Der tote Häuptling wurde schließlich auf dem Friedhof von Fort Yates in einer einfachen Holzkiste begraben.

Viele Lakota, darunter viele Geistertänzer flohen in die nahegelegenen ► Badlands. Unter den Flüchtenden befand sich auch ► Häuptling Big Foot [eigentlich Spottet Elk - der Verfasser] mit Geistertanzanhängern aus der ► Cheyenne River Reservation. Die Armee verfolgte Big Foot und seine Leute und stellte sie. Der als friedlich geltende Big Foot ergab sich, und die Gruppe sollte in die ► Pine Ridge Reservation überführt werden. Am 29. Dezember 1890 sollte Big Foots Gruppe in der Nähe des ► Wounded Knee Creek entwaffnet werden. Dabei fiel ein Schuss, wahrscheinlich versehentlich auf Seiten der Indianer. Die Soldaten der 7. Kavallerie schossen daraufhin wahllos auf die wehrlosen Indianer und verübten ein Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Selbst nach Stunden wurden noch Verwundete getötet. Sogar die Pferde der toten Indianer wurden erschossen. Insgesamt starben an diesem Tag etwa 350 Indianer."
[4] 

Quelle You Tube: Aus Into the West

Dieser Vorfall ging als das Massaker von Wounded Knee in die Geschichte ein. In der bereits mehrfach erwähnten US-Miniserie ► INTO THE WEST ist dieser Vorfall schonungslos dargestellt.


(Quelle YouTube: In diesem Ausschnitt fotografiert Margret Heller Schein das Massaker. Die Bilder sind vermutlich original.) 

Wounded Knee (Quelle)
Im Jahr 1973 erinnerten Mitglieder des American Indian Movement durch Besetzung des Ortes an das Massaker und protestierten gegen Bedingungen in der ► Pine Ridge Reservation. Dieser Protest richtete sich gegen den oben bereits erwähnten Killer Chief und er dauerte 71 Tage. Der Mann hatte während seiner Amtszeit eine Art Bürgerwehr aufgebaut, die durch Gewaltanwendungen gegenüber den Reservationsbewohnern bekannt wurde. Ursprünglich war Wilson ein Mann des AIM, entzweite sich aber mit Russel Means. Erst 1976 konnte er abgewählt werden.[5]

Dennis Banks (Quelle)
Russel Means (Quelle)
Das eigentliche Ziel des Aufstandes wurde nicht erreicht. Trotzdem galt [6]
der Aufstand für das AIM als Erfolg, denn erstmal machten sie medienwirksam auf das elend in den Reservationen aufmerksam. Von den Aktivisten ► Russel Means und ► Dennis Banks war bereits die Rede in den vorherigen Berichten. Mit diesen war auch Liselotte Welskopf - Henrich bekannt und unterstütze das Anliegen der Stämme.

Quelle

* * *
Über das Buch:
Es ist ein Schock für den Leser: Joe und Queenie ermordet. Schnell kommt wieder Spannung und auf Hanska wird der Held des Buches, doch nicht nur er.

Der letzte Band der Reihe BLUT DES ADLERS beendet die Geschichte um den Reservationsindianer und ehemaligen Gangster, den Nachfahren von Tokei-ithos Schwester Uhinonah. Es ist ein hoffnungsvolles Buch, das von der bekannten Unterstützung der Autorin für die Indianer wiederholt zeugt. Die handelnden Personen sind einem an das Herz gewachsen. Spannend und kenntnisreich berichtet die Autorin eine fiktive aber eng an aktuellen Ereignissen orientierte Geschichte nicht ohne Rückgriff auf ihren ersten großen Roman von dem sie schon als Mädchen und junge Frau träumte.

Der Schutzumschlag zeigt ein freundlich, skeptisch schauendes Mädchengesicht. Das heilige Viereck, welches schon das Zelt des Häuptlings Mattotaupas zierte, ist auf allen Schutzumschlägen prägendes Element.  


* * *
Der Anhang:
Folgerichtig kommt im Anhang des letzten Romans der Reihe noch einmal ► John Okute Sica zu Wort mit seiner Erzählung Ité-ská-wi, einer schönen Indianerfrau in den Wood Mountains. Das ist die Gegend in Kanada, in die Liselotte Welskopf-Henrich "ihre" Bärenbande sendete. Eine Liebesgeschichte ist diese, deren Ende das Helle Gesicht mit ihrem Liebsten in die Pine Ridge Reservation führt.[7]  Ungefähr so, wie die Mutter des Joe Inya-he-yukan Stonehorn King. Welskopf-Henrich begegnete dem Autor im Jahre 1963 ein Jahr vor seinem Tod. Den Namen Okute gab sie dem alten Inya-he-yukan (Harry Okute), der im ersten Band der Reihe aus Kanada in die Reservation kommt, um seinem jungen Nachfahren zu helfen. Das Buch ► DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN hat der Palisander Verlag ebenfalls heraus gebracht.

Den Bericht Liselotte Welskopf-Henrichs über die Begenung mit "dem Letzten der alten Lakota" finden Sie ► hier.

* * *
Damit endet unsere Geschichte, die in elf Büchern einer wunderbaren Schriftstellerin ab 1951 bis 1979 entstand. Leider verstarb die Autorin bereits vier Wochen nach der Fertigstellung von DAS HELLE GESICHT.[8]

„Zweifellos kommt Liselotte Welskopf-Henrich das Verdienst zu, als erste deutsche Autorin die Lebensverhältnisse in einer amerikanischen Indianerreservation in einem realistischen Gegenwartsroman thematisiert zu haben.“[9]

Wer sich für die Geschichte der Prärieindianer interessiert, kommt an Liselotte Welskopf-Henrich und ihren beiden Romanen DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und DAS BLUT DES ADLERS nicht vorbei. Es lohnt sich, mehr über diese Schriftstellerin und Wissenschaftlerin zu erfahren. Am besten geht das mit zwei Büchern:



Erik Lorenz: Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer. Eine Biografie. Palisander, Chemnitz 2013 und
  • Otto, Dr. Uli und Tim: Auf den Spuren der Söhne der Großen Bärin. KernVerlag, Regensburg 2001

* * *
Zum Schluss:
Noch einmal danke ich Herrn Dr. Frank Elstner vom Palisander Verlag, der uns DAS BLUT DES ADLERS für die nun hier beendeten Rezensionen zur Verfügung stellte. Der Verlag kann gewiss sein, dass ich mich nun, nachdem ich mich sehr weit "in die Geschichte vergraben" habe, auch die anderen seiner Bücher  über das Leben und die Kultur der nordamerikanischen Indianer rezensieren werde. Vierzig Jahre nach dem ersten Lesen der BÄRENSÖHNE. Vielleicht kommt die nächste Auflage von DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN ja doch aus dem Palisander - Verlag? Das wäre dann wohl doch noch ein Grund, dass ich mir diese auch noch zulegen würde.

Außerdem geht mein Dank für die Begleitung von Herrn Dr. Rudolf Welskopf, dem Sohn der der Autorin dieser Reihen. Zu danken habe ich auch für die Übersendung eines Exemplares der letzten dreibändigen Ausgabe der BÄRENSÖHNE.


► Das Helle Gesicht in der DNB
► LWH in der DNB
► LWH - Autorenseite

© Bücherjunge
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[1] diesen Wunsch äußerte schon Hawandschita, der Zaubermann der Bärenbande, als Tokei-ihto in die Reservation kommt und die Zelte seiner kleinen Gruppe nach Kanada bringen will.
[2] siehe LWH: Über den Missouri; Eulenspiegel - Kinderbuchverlag, Berlin 2010, Seite 99
[3] siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Geistertanz ; 05.11.2013; 18:55 Uhr
[4] siehe Ebenda
[5] siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Dick_Wilson_(Oglala),
[6] siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wounded_Knee; 05.11.2013; 19:30 Uhr
[7] vgl. LWH: Das Helle Gesicht, Palisander, Chemnitz 2013; Seite 351ff
[8] vgl. Lorenz, Eric: Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer. Eine Biografie. Palisander, Chemnitz 2010, S. 279
[9] Gina Weinkauff: Ent-Fernungen: Fremdwahrnehmung und Kulturtransfer in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur seit 1945, Band 1. Iudicium, München 2006, S. 199.

Samstag, 2. November 2013

The devil´s violinist - Frisch im Kino

Wiki
Das konnte ich mir nicht nehmen lassen. Vorgestern kam der Film DER TEUFELSGEIGER in die Kinos. Endlich mal wieder ein Musikfilm. THE DEVILS VIOLINIST ist David GARRETT. Da darf man das schon mal englisch schreiben, nicht wahr?
GARRETT vs. PAGANINI. So heißt die Doppel-DVD, welche unbedingt kein Soundtrack sein soll. Denn David GARRETT ist in erster Linie Geiger, darum steht die Musik im Vordergrund und das was er mit seinem Instrument alles anstellen kann. Das kann man auf der ► Filmhomepage nachlesen.




Quelle
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Ein gewisser Signor Urbani dient sich dem spielsüchtigen Meister als Manager an. Er dient ihm bis ans Lebensende, danach wird der Spieß umgedreht. Das hat doch schon mal etwas Teuflisches. Ein Londoner Konzertveranstalter braucht dringend Erfolg. Er lädt den Virtuosen ein und dank des Urbanis Hilfe kommt er irgendwann nach dem dritten leicht ruinösen Versuch auch. Nicht lange und das Publikum rast. Und dann ist da noch des Konzertveranstalters Töchterlein Charlotte, vom Italiener Niccolo liebevoll Carlotta genannt.

Der Trailer

David Garrett über den Film


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Der nächste Clip enthält, wenn man so will den Titelsong. ► David Garrett mit ► Nicole Scherzinger. Sie singt das Lied für die junge Andrea Deck, die Charlotte, das Töchterchen des Konzertveranstalters John Watson (►Christian McKay) dess Geliebte Elisabeth übriges von ►Veronica Ferres gespielt wird.


Der "Titelsong"

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Mag der Film auch nicht exakt sein und mag Garrett auch kein  Schauspieler sein: Es ist ein Musikfilm, der meiner Meinung nach wirklich gelungen ist. Wunderbare Musik, die auf einer wunderbaren Doppel - CD erworben werden kann. Garrett soll ja auch nicht schauspielern, er soll spielen und zwar auf der Geige. Viel Text hat er ja nicht. Und er spielt... Groopies, äh die Mädels, nein die jungen Damen Londons liegen ihm wie Groopies zu Füßen. Wie heute. Warum sind dann aber nur ca. ein Dutzend Menschen im sogenannten besten Alter im Kino? Wie der Maestro die Charlotte anschmachtet und wie diese dann auf der Bühne ihre erste große SoIoarie singt... Also, ich kann den Film nur empfehlen. Wer aber mehr über ► Niccolo Paganini wissen will, der sollte schon das Lexikon bemühen. Oder wikipedia. Wie immer.


© Sven Rudinsky

© KaratekaDD

Freitag, 1. November 2013

Ganzwohl, Kristin: Geliebter Mörder


Eine wahre Geschichte, so packend wie ein Thriller...

Kristin Ganzwohl lernt Claus bei einer Partnerbörse im Internet kennen. Ein Glücksfall, beide sind Anfang vierzig, und schon bald fühlt es sich an wie Liebe. Bis er ihr nach vier Monaten ein Geständnis macht, das Kristin ins Bodenlose stürzen lässt: Claus hat elf Jahre zuvor seine Freundin umgebracht – er ist ein verurteilter Mörder … Der packende Bericht einer Frau, die entscheiden muss, ob eine Liebesbeziehung mit einem Mörder möglich ist.




Wir müssen reden...

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  01.11.2013)


Viele von uns mögen Krimis und Thriller, die Spannung bei der Jagd nach dem Mörder, das Forschen nach dem Motiv, Einblicke in das Seelenleben von Opfer und Täter. Doch ist der Mörder einmal entdeckt und gefasst, endet das Buch meist an dieser Stelle.
Was ist jedoch, wenn man jemanden kennen und lieben lernt, eine feste Partnerschaft mit demjenigen eingeht und dieser Mensch nach vier Monaten sagt: "Wir müssen reden"? Angst taucht auf, denn dieser Satz läutet stets ein ernstes Thema ein. Fremdgegangen? Doch nicht die große Liebe? In dem Fall aber das Geständnis, dass der liebenswürdige Mensch, der einem da gegenübersitzt, elf Jahre zuvor seine Freundin umgebracht hat und ein verurteilter Mörder ist...

 



Der Journalistin und Autorin Kerstin Ganzwohl erging es genau so, und ihr wurde damit der Boden unter den Füßen weggezogen. Das (Hör-)Buch schildert die zahlreichen Phasen und Gedanken, die diesem Geständnis folgten. Der Schock, der Unglaube, auch Angst, oft unvermittelt und unvorhersehbar - und die Ungewissheit, ob man unter diesen Umständen überhaupt zusammenbleiben kann.
Wem soll und kann man davon erzählen? Wie werden die Reaktionen von Freunden und Bekannten, Verwandten ausfallen? Das einsame Wissen treibt in endlose Gefühlslabyrinthe: "Seit seinem Geständnis ... sehe ich Claus mit anderen Augen, immer noch. Ich bin unwillkürlich auf Distanz zu ihm gegangen und bin auch dort geblieben - ich bin vorsichtig, warte ab, zügle meine Gefühle, beobachte. Und kämpfe zugleich mit wirren, ständig wechselnden Emotionen ...". Alles sieht die Erzählerin nun durch die "Mörderbrille" - alle Verhaltensweisen des Freundes werden nicht mehr einfach nur hingenommen als das was sie sind, sondern vor dem Hintergrund interpretiert, dass er ein Mörder ist...

 

Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, aber auch der Versuch, die Tat und die Erlebnisse von Claus nachzuvollziehen, prägen dieses (Hör-)Buch. Daneben präsentiert die Autorin aber auch viel Hintergrundwissen bis hin zu einer Reportage der Journalistin über das Leben in einem Frauengefängnis.
Zentrals Thema ist jedoch, ob die Beziehung angesichts dieses schwerwiegenden Wissens auf Dauer tatsächlich eine Chance hat...

 

Ein interessanter Einblick in eine Thematik, mit der ich mich glücklicherweise persönlich noch nicht beschäftigen musste. Präsentiert wird der Text in flüssigem Schreibstil, viele Aspekte sind interessant und bedenkenswert, die Gedankengänge meist nachvollziebar. Allerdings empfand ich die Darstellung teilweise in ihrem Bemühen um Vollständigkeit gelegentlich zu detailliert.
Das ungekürzte Hörbuch wird gelesen von Dennenesch Zoudé und hat mir größtenteils als Lesung gefallen. Manchmal empfand ich die Betonung jedoch als zu dramatisch, was dem Text selbst an diesen Stellen nicht angemessen erschien.

 

Insgesamt jedenfalls ein interessantes (Hör-)Buch!


 

© Parden 









Hier gibt es ein Interwiew mit der Autorin in der Frankfurter Allgemeine vom 20.06.2013.




Und hier geht es zum Trailer zum Buch: 






Zur Autorin gibt es keine Bilder - ihre Eltern wissen bis heute nichts von der Vergangenheit ihres Freundes.
Bekannt ist von der Autorin lediglich, dass sie als Journalistin für Zeitschriften arbeitet und bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. Sie lebt in der Nähe von München.