Sonntag, 12. Oktober 2014

Ken Folletts TRILOGIE DES 20. JAHRHUNDERTS... Teil III

Von Mauerbau bis Mauerfall und ein wenig darüber hinaus.

Achtung: Könnte etwas "spoilerhaft" sein...




Im Jahre 1961 beginnt der dritte Teil der Jahrhundertsage von Ken Follett. Nach STURZ DER TITANEN und WINTER DER WELT kam nun endlich im September 2014 KINDER DER FREIHEIT auf den Büchermarkt.

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Wir begegnen den bekannten Familien nun in der Generation der Enkel und Urenkel der Familien PESCHKOW (Sowjetunion und USA), FITZHERBERT und WILLIAMS (Großbritannien), VON ULLRICH und FRANCK (BRD und DDR) und DEWAR (USA). Wir begegnen aber auch noch den Großeltern selber: Grigori und Lew, Fitz und Maud und Ethel Leckwith – Williams. Insgesamt blicken wir in allen drei Bänden auf eine Zeit von 1911 bis 2008 zurück – wahrlich ein Jahrhundert.

Im dritten Band nun geht es natürlich um den Bau der Mauer im August 1961, welcher die Familie ULLRICH / FRANCK zerreißen wird. Die Kuba – Krise, das Schweinebuchtdesaster der CIA ist Thema in den USA, George JAKES, Nachkomme von Lew PESCHKOW arbeitet für Robert F. Kennedy, Justizminister seines Bruders John F. Kennedy.* Auf der anderen Seite begegnen wir als Mitarbeiter des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chrustschow dem Enkel von Grigori PESCHKOW, dem Dimka DWORKIN.

Dave WILLIAMS, Enkel von Ethel WILLIAMS und Earl FITZHERBERT wird als Bandleader einer Rockgruppe** berühmt werden, vor allem weil er auf Walli FRANCK trifft, begnadeter Gitarrist, der wie seine adoptierte Schwester REBECCA in den Westen geflohen ist. Wallis Großmutter ist Lady MAUD von ULLRICH, Schwester des alten Earl Fitzherbert.

Ein großes Thema ist auch die Bürgerrechtsbewegung in den USA und deren großer Vertreter Dr. Martin LUTHER KING.
 


Bis zum Fall der Mauer, den DIMKA an der Seite Michail Gorbatschows erlebt und Cameron DEWAR in den Reihen der CIA, begleiten wir die Familien, erleben Glück und Trauer, Erfolge und Niederlagen, die hier meist nicht nur familiär sondern immer auch verbunden sind mit der Politik und den Geschehnissen in der Welt. Die Angst der Figuren vor einem Atomkrieg während der Raketenkrise ist förmlich spürbar, die Freude als sich die Familie FRANCK in Ungarn wiedertrifft Anfang der achtziger Jahre ebenso. Berührend die Szene, als ETHEL, die inzwischen als Angehörige des englischen Oberhauses von Enkel DAVE per Rollstuhl ins Parlament geschoben wird und beide dort auf den alten FITZ stoßen. Eine alte Liebe wird da noch einmal auf wenigen Zeilen und doch groß dargestellt, eine Liebe, die wegen der gesellschaftlichen Umstände und der Standesunterschiede eines Hausmädchens und eines englischen Earls nicht halten konnte. Ein großer Bogen wird geschlossen, als FITZ und Enkel DAVE zur Beerdigung von Maud von ULLRICH nach Ostberlin fahren und dort auf die Familie FRANCK treffen.

Die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten der USA ist das Schlussbild des Romans, George Jakes sitzt, nun auch schon über 70 Jahre alt im Kreise seiner Familie vor dem Fernseher und verfolgt das Geschehen.
 

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Es ist ein riesiges Projekt, welches Ken FOLLETT da bewältigt hat. Die Recherche muss gewaltig gewesen sein. Am stärksten wirkten auf mich die Zeiten der Kuba – Krise und der Bürgerrechtsbewegung. Natürlich waren auch die Szenen unmittelbar nach dem Mauerfall berührend, aber immer dann, wenn Follett die Zustände und das Umfeld in der DDR und der Sowjetunion beschrieb, hatte ich nicht so ein gutes Gefühl. Zugegeben, die Familie FRANCK ist eine Familie, die sich in der DDR nie wohl fühlte und dies hat FOLLETT auch dargestell. Staatsnah dagegen war die Familie PESCHKOW, sieht man mal von DIMKAS Zwillingsschwester TANJA ab, die einem Dissidenten hilft, seine Werke im Westen zu verlegen – Romane und Geschichten aus dem GULAG.***  Ich habe schon einmal geschrieben, dass man FOLLETT als klassischen Antikommunisten bezeichnen könnte, zugleich natürlich ist er Realist und Demokrat. Doch hinter dem Eisernen Vorhang ist für ihn alles einheitlich grau in grau. Nur der Beginn der Perestroika oder auch die Geschichte der polnischen Gewerkschaftsbewegung der SOLIDARNOSC im Teil DIE WERFT (Gdansk / Lech Walesa) sind da etwas bunter, wenn ich das mal so schreiben darf.

Etwas danebengegriffen hat er glaube ich, mit der Geschichte um den jungen Dimka DWORKIN an der Seite Chrustschows. Ein enger Mitarbeiter im Kreml, der mit Kommilitonen ins „Ferienlager“ / Zeltlager fährt und seinen Herrn und Meister in von seiner Mutter selbstgenähten kurzen Hosen berät. Man sollte sich die Sowjetunion nicht allzu einfach vorstellen. Der Zusammenbruch der DDR hat allerdings auch gezeigt, dass in der Politbüros der kommunistischen Parteien durch aus seltsame und undemokratische Führungszustände geherrscht haben müssen.
Noch eines fand ich seltsam, das Wort AFGHANISTAN fiel überhaupt nicht. Weder der Einmarsch der Roten Armee zur Unterstützung der Regierung Nadschibullahs, nicht die Unterstützung der Mudschaheddin´s noch der Rückzug der Roten Armee spielte eine Rolle und sind doch wichtig gewesen im Zusammenhang mit den Stationierungen der Mittelstreckenraketen beider Bündnisse in Europa, welche durchaus eine Rolle in der Handlung spielte.

Interessant wiederum folgende Szene. Egon KRENZ, Staatsratsvorsitzender der DDR und Generalsekretär der SED sitzt im Herbst 1989 bei Gorbatschow in Moskau und "beichtet", dass die DDR, "das Kind der Sowjetunion", 12 Milliarden Dollar Schulden aufweist. Aber auch die DDR, wie in einer anderen Szene vorher Ungarn, wird "entlassen": Die UdSSR hat kein Geld mehr.****

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Ich äußere mich ja selten zur Gestaltung von Büchern. Im Falle der Jahrhundertsaga aber muss ich es tun. Schon die Schutzumschläge der Bücher sind aufwendig und dabei farblich dezent gestaltet. Natürlich ist im Fall von KINDER DER FREIHEIT das Brandenburger Tor das zentrale Element. Interessant auch der Stempelabdruck der DDR – Grenzkontrolle. Jeder Teil beginnt mit einer thematisch gut getroffenen Collage. Die Kapitel selber enden mit einem kleinen Bild, passend zum Land, welches gerade im Fokus stand. Also von der Freiheitsstatue über eine Lenin-Büste zum Brandenburger Tor. Sehr schön gemacht. Man schaut sich diese Collagen gern länger an und entdeckt zum Beispiel interessante eingebaute Texte. Zum Beispiel einen Brief: „Dear Mr. Kissinger….“, an den Secretary off State – als es um die Beendigung des Vietnamkrieges geht.


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Politisch und historisch interessierte Leser werden großen Spaß beim Lesen haben, schwierig ist höchstens, die einzelnen Figuren immer richtig den Familien zuzuordnen. Zum Glück ist das Buch mit Stammbäumen versehen und hält auf den ersten Seiten eine umfangreiche Liste der handelnden Personen bereit. Manchmal hätte ich mir noch ein paar Querverweise auf Nebenfiguren gewünscht. Der Vater von Dave zum Beispiel, Lloyd Williams, ist hoher Beamter im britischen Außenministerium, der hätte sicher etwas zur Politik Großbritanniens bei den 2+4 Verhandlungen „aussagen“ können.


Die Verknüpfungen der Familien sind schon spannend, wenn auch in der Realität kaum möglich. Hier ist es ein Roman über knapp 100 Jahre, da hält eine solche Geschichte hervorragend den Faden bereit, an dem man sich lang hangeln kann, man zieht sich förmlich am Ariadnefaden durch das Labyrinth weltpolitischer und „weltfamiliärer“ Verstrickungen.

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Uns liegt hier ein wirklich gutes Buch vor, bin gespannt, ob dieser Stoff verfilmbar ist, die Filmrechte, so las ich gestern sind wohl schon verkauft. Ken Follett bleibt unbedingt im Fokus meiner Bücherausschau.

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► Ken Follett - Autorenseite
DNB / Bastei - Lübbe / Köln 2014 / ISBN: 978-3-7857-2510-8 / 1208 Seiten 

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Zu empfehlen für Geschichtsinteressierte: ► DIE KENNEDYS. Eine Miniserie, welche die Rolle der Familie Kennedy, vom Vater über John F. bis Robert F. sehr ausführlich zeigt.

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Follett erzählt am Beispiel von Daves Rockgruppe PLUM NELLIE von den  berühmten ► "Mauerkonzerten"

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Ähnlichkeiten zu ► AlexanderSolschenizyn sind bestimmt beabsichtigt gewesen. Selbst hier gibt es dann eine Verbindung zu anderen wichtigen Personen aus der westlichen Hemisphäre, die Verlegerin des britischen Verlages ist mit den Williams bekannt.

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Fast genau wie im Buch beschrieben gibt es diese Szene im DOKU-Spielfilm         ►DEUSCHLANDSPIEL. Übrigens ist da in einer ganz tollen Nebenrolle Sir Peter Ustinov zu sehen, als Botschaftsrat  Igor Maximytschew. Hat Ken Follett sich diesen Film angesehen?


© KaratekaDD

Kommentare:

  1. Das scheint ja wirklich eine beeindruckende Trilogie zu sein!

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  2. Ich habe es nun geschafft auch den dritten Teil zu lesen und finde Ken Follett hat mit dieser Trilogie ein Meisterwerk geschaffen. Obwohl vielleicht ein paar Sachen wie Afghanistan fehlen.

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  3. Im Geschichtsunterricht habe ich weniger über das 21. Jahrhunderts gelernt als durch diese Bücher. Und ich habe Abitur...

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    1. Aber diese Bücher handeln ja gar nicht im 21. Jahrhundert. Nur ganz kurz... ;)

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