Donnerstag, 9. Februar 2017

Wolfe, Swain: Die Frau, die in der Erde lebt



Meine Ausgabe stammt aus dem Bertelsmann Verlag 1993 und ist nur noch antiquarisch zu erhalten.



















EIN ÖKOLOGISCHES MÄRCHEN...




In einer archaischen, geschichtslosen Zeit, vor der Erfindung moderner Maschinen - oder lange nach ihrem Untergang - begegnen wir Sarah, dem Mädchen mit den Mandelaugen. Eine seit Monaten anhaltende Dürre bedroht die Existenz ihrer Eltern, die einen kleinen Bauernhof bewirtschaften. Im Dorf herrschen Furcht und Aberglauben, jeder beobachtet den anderen mit Misstrauen.


Sarah geht mit offenen Augen durch die Welt; die Natur und ihre Geheimnisse faszinieren sie, Tiere betrachtet sie als gleichwertige Lebewesen. So rettet sie einmal einen Fuchs vor der grausamen Spielwut der Dorfkinder - einen ganz besonderen Fuchs, will es scheinen, denn er kann in Gedanken nicht nur mit dem Mädchen sprechen, sondern zeigt ihr auch, wie es ist, ein Falke, ein Blume oder ein Baum zu sein.


Von ihrer Urgroßmutter Lilly erfährt Sarah, dass vor uralten Zeiten Gelbe Seefahrer an dem Ort lebten, wo nun der Bauernhof der Familie steht. Als Sarah die Seele eines der längst verstorbenen Gelben Seefahrer begegnet, erzählt dieser ihr von der Frau, die in der Erde lebt. Und plötzlich ahnt Sarah, wie sie die Dürre des Landes und auch die Dürre in den Herzen der Menschen vertreiben kann...


"... wurde sie geblendet von dem grellen Rechteck, das die Türöffnung mit dem Hof dahinter bildete. Mitten in diesem Licht, mitten auf dem Hof stand der Brunnen, angestrahlt von der gleißenden Sonne. Einen Augenblick schien der Brunnen verschwinden zu wollen, (...) zitternd zu verblassen und nur der grelle Lichtfleck übrigzubleiben, eingerahmt vom staubigen Dunkel des Schuppens (...) ob er versiegen würde?" (S. 13)


Seit nunmehr 21 Jahren stand dieses Buch ungelesen im Regal und fiel mir jüngst wieder in die Hände. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern! Und bereits nach wenigen Stunden klappte ich das Buch zu, immer noch im Bann der mythisch anmutenden Erzählung, traumartig, poetisch, voller eigenartiger Bilder.


 Swain Wolfe, der in Colorado und Montana aufwuchs und in jungen Jahren Holzfäller, später Bergarbeiter war, schrieb mit 'Die Frau, die in der Erde lebt', sein erstes Buch. Die Themen dieses ökologischen Märchens beschäftigen ihn seit Jahrzehnten. Träume, Erfahrungen aus seinen verschiedenen Jobs, die immer mit der Natur zu tun hatten, seine Auseinanersetzung mit Mythen und Erzählungen vergangener, darunter auch indianischer Kulturen - all dies ging in die Geschichte mit ein.


Dieses traumartig anmutende Gefühl beim Lesen war durchaus angenehm, wenn auch befremdlich. Die mythischen Elemente woben sich konsequent durch die Zeilen, und weil ich beispielsweise mit den indianischen Kulturen nicht vertraut bin, wirkte dies so fremdartig auf mich, gleichzeitig aber auch faszinierend. Dem Vergleich mit 'Der kleine Prinz' von Antoine de Saint-Exupéry - so der Klappentext einer anderen Ausgabe dieses Buches - hält die Erzählung nicht stand, denn sie ist einfach anders.


Mir gefällt der klare, unverstellte Blick, mit dem Sarah die Dinge um sich herum betrachtet, und mit welcher Selbstverständlichkeit sie die teilweise unglaublichen Geschehnisse hinnimmt. Die Geschichte hat auch sehr spannende Momente, denn die Bedrohung, die von der Dürre und den Menschen ausgeht, ist deutlich spürbar.


Ein sehr besonderes Buch, das es verdient hat, endlich von mir wahrgenommen und gelesen zu werden. Ein ökologisches Märchen, das deutlich macht, wie wichtig es ist, den Menschen mit der Natur wieder zu versöhnen. Gerade in der heutigen Zeit kann dies nicht deutlich genug gesagt werden...



© Parden

Dienstag, 7. Februar 2017

Barton, Fiona: Die Witwe








Ein liebender Ehemann oder ein kaltblütiger Mörder ... Was weiß sie wirklich? 

Der Bestseller aus Großbritannien und den USA

Wie viel wisst du wirklich wissen?


Die Frau. Jean Taylor führt ein ganz normales Leben in einer englischen Kleinstadt: Sie hat ein hübsches Haus und einen netten Ehemann. Glen und sie führen eine gute Ehe.


Der Mann. Dann kommt der Tag, der alles ändert: Sie nennen Glen jetzt das Monster. Er soll etwas Unsagbares getan haben. Und Jeans heile Welt zerbricht.


Die Witwe. Jetzt liegt Glen auf dem Friedhof, und Jean ist frei. Frei, das Spiel endlich nach eigenen Regeln zu spielen ... Jean Taylor wird uns sagen, was sie weiß.



(Klappentext Wunderlich / rowohlt Verlag)



  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (21. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Sabine Längsfeld
  • ISBN-10: 3805250975
  • ISBN-13: 978-3805250979
  • Originaltitel: The Widow


















GEHEIMNISSE EINER EHE...



Die kleine Bella Elliott ist verschwunden - mit ihren gerade einmal zwei Jahren spurlos aus dem Garten vor ihrem Haus. Die Mutter Dawn ist verzweifelt, nur kurz hat sie ihre Tochter unbeaufsichtigt gelassen. Aber sie glaubt fest daran, dass Bella noch lebt. Doch wer hat das kleine Mädchen entführt? Und weshalb?

Glen Taylor gerät in den Fokus der Ermittlungen. Er lebt alleine mit seiner Frau in einem kleinen Häuschen und arbeitet für ein Lieferunternehmen. Für seine Frau Jean steht fest, dass es sich hier nur um einen riesigen Irrtum handeln kann, zumal Glen stets beteuert, dass sich alles aufklären wird. Doch die Polizei findet immer mehr Indizien und nimmt Glen schließlich fest.

Bob Sparkes ist der ermittelnde Kommissar, und trotz all seiner Berufserfahrung geht ihm der Fall nahe. Er setzt alles daran, den Fall zu lösen und Bella zu finden - lebendig oder tot. Dafür arbeitet er sogar mit der Journalistin Kate Waters zusammen, die alles daran setzt, gute Schlagzeilen für ihre Zeitung zu bekommen. Doch vor Gericht muss Sparkes eine bittere Niederlage einstecken - Glen Taylor wird freigesprochen und bekommt dazu noch eine finanzielle Entschädigung.

Kurze Zeit später ist Glen Taylor tot und Jean Witwe. Die Frau, die während der Ehe stets ein graues Mäuschen war und sich der Dominanz ihres Mannes gebeugt hat, gerät nun in den Fokus des Interesses der Polizei wie der Presse. Was weiß die Witwe?


Ich erzähle ihr, wie es mir damals ging: dass ich zu schockiert war, um zu sprechen, und noch eine Stunde, nachdem die Polizei wieder weg war, starr wie eine Statue mitten in der Diele stand. - "Hatten Sie je Zweiefel an ihm? Kam Ihnen je der Gedanke, er könnte darin verwickelt sein, Jean?" - Ich schlucke einen Mundvoll Kaffee hinunter und schüttle den Kopf. Auf diese Frage habe ich gewartet - das hat mich die Polizei wieder und wieder gefragt (...) "Wie hätte ich je glauben können, er wäre in so etwas Schreckliches verwickelt gewesen?", sagte ich. "Er liebte Kinder. Wir beide liebten Kinder." (S. 337 f.)


Fiona Barton präsentiert hier keinen reißerischen Thriller, sondern psychologische Spannung mit vielen Wendungen. Über vier Jahre spannt sich der Bogen der Erzählung, vier Jahre Suche nach der kleinen Bella, vier Jahre Ermittlungen, vier Jahre Eheleben, vier Jahre Sensationsjournalismus. Durch wechselnde Perspektiven und Zeitsprünge gewährt die Autorin Einblicke in die Gedankenwelt vieler in den Fall involvierter Personen - Jean als Ehefrau des Verdächtigen steht dabei neben ihrem Mann im Fokus des Geschehens.

Der Versuch, die Ehe trotz allem aufrecht zu erhalten, kostet Jean alle Kraft, und hätte sie ihre Pillen nicht, ihre kleinen bunten Helfer, würde sie unter dem ständigen Druck vermutlich zusammenbrechen. Die Polizei, die nicht locker lässt, auch nicht nach dem Freispruch vor Gericht, die Journalisten, die seit Jahren immer wieder vor ihrem Haus stehen und versuchen, ihr oder ihrem Mann etwas zu entlocken oder zumindest einen Schnappschuss zu ergattern, die zahllosen Anfeindungen der Öffentlichkeit - und Glen, der Jean immer fremder wird. Doch was weiß Jean überhaupt?

Bei diesem Roman - das Buch wird auf dem Cover nicht als Thriller benannt - gibt es viele Momente, wo einem beim Lesen übel werden kann. Die Verzweiflung der Mutter, die jahrelang um ihr verschwundenes Kind bangt. Die Enge des Ehelebes und die zunehmende Isolierung von Glen und Jean Taylor, die sich irgendwann nichts mehr zu sagen haben. Die Vorstellung, was mit der kleinen Bella passiert sein könnte. Die Sisyphusarbeit der Polizei, die mühselig und über Jahre hinweg versuchet, kleinste Puzzleteile zu finden und anschließend zu einem Bild zusammenzulegen, doch das entscheidende Teil einfach nicht finden kann. Und die Arbeit einer Journalistin, bedrängend, verführend, schmeichelnd, versprechend - und dann alles vom Tisch wischend, nur um eine gute Schlagzeile zu erhalten. Fiona Barton, die selbst lange bei der 'Daily Mail' sowie bei der 'Mail on Sunday' gearbeitet hat, schildert gerade diese Seite sehr eindrücklich und authentisch, und manchesmal ekelte es mich richtig an.

Für mich lebte der Roman von der psychologischen Spannung und der Frage hinter allem: was ist wirklich geschehen? Die Neugierde auf den Ausgang der Geschichte trieb mich immer weiter durch die Seiten, und das Ende fand ich schließlich überraschend aber passend.

Insgesamt für mich ein gelungenes Debüt mit kleinen Schwächen, das ich gerne gelesen habe.


© Parden
















Der Wunderlich Verlag (rowohlt) schreibt über die Autorin:

Fiona Barton wurde in Cambridge geboren und arbeitete lange bei der «Daily Mail», beim «Daily Telegraph» und bei der «Mail on Sunday». Für ihre Tätigkeit gewann sie den britischen Preis «Reporter of the Year». Viele Jahre war sie als Prozessbeobachterin und Gerichtsreporterin für verschiedene Medien tätig. Heute arbeitet sie als Medientrainerin. «Die Witwe» ist ihr erster Roman.

übernommen vom Wunderlich Verlag (rowohlt)

HIER erfährt man, wie Fiona Barton auf die Idee zu ihrem Buch kam.

Montag, 6. Februar 2017

Fante, John: 1933 war ein schlimmes Jahr



Gefangen in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren, wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Baseball-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten. Aber Dominic hört nicht auf zu träumen.

(Klappentext Blumenbar / Aufbau Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Blumenbar; Auflage: 1 (14. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Alex Capus
  • ISBN-10: 3351050313
  • ISBN-13: 978-3351050313
  • Originaltitel: 1933 Was a Bad Year








Herzlichen Dank an den Blumenbar Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen!










SCHÖNE WIEDERENTDECKUNG...



Der Amerikaner John Fante, (1909-1983), entstammte einer Familie von italienischen Einwanderern – und vor diesem biografischen Hintergrund spielen auch die meisten seiner Romane. Fante veröffentlichte 1938 seinen ersten Roman, später schrieb er Drehbücher für Hollywood, was ihm zumindest einigen Wohlstand bescherte. Erst nach Fantes Tod wurden dann auch nachgelassene literarische Texte entdeckt und veröffentlicht – und einer dieser Romane, "1933 war ein schlimmes Jahr", ist nun in der Übersetzung des Schriftstellers Alex Capus gerade auf Deutsch erschienen.

Dieser Roman führt uns, wie der Titel schon verrät, ins Jahr 1933: Amerika leidet unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, worunter auch die Bewohner der Kleinstadt Roper - in Colorado am Fuße der Rocky Mountains - sehr leiden. Dominic Molise ist mit seinen siebzehn Jahren für sein Alter zu klein, hat schiefe Zähne und Beine, und kann sich das selbst gegenüber sehr lakonisch eingestehen. Ein Körperteil allerdings hat dieser junge Mann, in das er alle seine Hoffnungen setzt: sein linker Arm, DER ARM, wie er ihn nennt, mit dem er nämlich auf meisterhafte Art und Weise den Baseball zu schleudern vermag.

Der Junge aus ärmlichen Verhältnissen träumt vom großen Aufstieg. Als linkshändiger Pitcher will er versuchen, ein Baseball-Star zu werden. Doch dafür muss er Roper und seine italienische Familie verlassen und bei den großen Mannschaften an der Küste vorspielen. Doch sein Vater, manchmal Maurer, manchmal arbeitslos, hat andere Pläne für seinen Sohn. Der soll bodenständig bleiben und sein Schicksal annehmen, das nach Meinung des Vaters darin besteht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt.

Dabei sind die gesamten Umstände so, dass man Dominic nur wünschen kann, dass er den Absprung schafft. Die Familie lebt in überaus ärmlichen Verhältnissen. Trotz seiner momentanen Arbeitslosigkeit versucht der Vater irgendwie, seine Familie zu ernähren und mit Billardspielen Geld zu gewinnen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger - und überdies kommt der Vater kaum noch nach Hause. Die Mutter sieht sich als Opfer der Umstände, immer schon hat der Vater sie belogen, und sie spielt ihre Rolle als sich aufopfernde Mutter, wenn sie nicht wieder ins Gebet vertieft ist und um Linderung der miserablen Umstände bittet. Doch gleichzeitig ist sie dem Vater nicht böse:


"Ich mache deinem Vater längst keine Vorwürfe mehr, ich bin selbst an allem schuld. Wenn du die Lügen eines Mannes hinnimmst, machst du dich mitschuldig. Dann bist du ein Lügner wie er."



Die Großmutter, die mit in der Familie lebt, hat nie verwunden, dass ihr Mann sie seinerzeit gezwungen hat, die Abruzzen in Italien zu verlassen und in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu ziehen. Sie ist verbittert, hasst alles und jeden und macht den Familienmitgliedern das Leben schwer. Üble Beschimpfungen sind an der Tagesordnung, und sie ist die einzige, die ein Zimmerchen für sich hat. Doch trotz dieser widrigen Umstände, versucht Dominic, seine Träume nicht zu verlieren.

Er besucht mit seinen fast 18 Jahren die von Nonnen geleitete High School und macht selbst nachts noch seine Hausaufgaben. Er trainiert hart seine Fähigkeiten als Baseballspieler und malt sich immer wieder Szenen seines Ruhmes aus. Sein bester Freund Ken träumt denselben Traum, und trotz ihrer unterschiedlichen Welten - Ken kommt aus einem überaus reichen Elternhaus - scheint ihre Freundschaft nichts trüben zu können.

Doch nach und nach sickert die Realität in die langgehegten Träume. Trotz des lakonischen, oft zynischen Stils hält die Pubertät Dominic und seinen Freund fest im Griff, und Dominic muss versuchen, den Spagat zwischen seinen Träumen und der Familie, die ihm ebenfalls viel bedeutet, zu beherrschen. Er muss herausfinden, ob seine Träume den harten Tatsachen des Lebens standhalten können, oder ob das Leben ihn nicht doch in eine ganz andere Richtung dirigiert. Ironie und Sarkasmus sind die Mittel, die oft eher traurigen Verhältnisse zu meistern.

Wer das Nachwort des Übersetzers Alex Capus liest, erfährt eine Überraschung. Dass ein Protagonist einiges vom Autor innehat, ist ja immer wieder mal zu vermuten. Aber diese Anzahl an Übereinstimmungen lässt ja nur den Schluss zu, dass in einer autobiographischen Darstellung lediglich der Name geändert wurde. Den zerrissenen Charakter nimmt man John Fante jedenfalls ab.


"In allen acht Romanen, die John Fante in einer Zeitspanne von fünfzig Jahren geschrieben hat, ist der Held unverkennbar (...) immer derselbe großspurige, großherzige Gernegroß, der seinen Mitmenschen doch mit tiefem Verständnis, großer Zärtlichkeit und intuitiver Weisheit begegnet."


Insgesamt war die Erzählung angenehm zu lesen, der Schreibstil flüssig und bildhaft, voller Metaphern, die oftmals recht ungewöhnlich sind - und trotz der fehlenden Absätze und der vielen Baseball-Anspielungen, mit denen ich persönlich nichts anfangen konnte, habe ich die Lektüre genossen.

Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben. Und eine schöne Wiederentdeckung, nachdem John Fante als Schriftsteller in Vergessenheit geraten und dieser Roman in einer Schublade verschwunden war und erst nach Fantes Tod wiederentdeckt wurde.


© Parden










Eine vierstimmige Empfehlung für das Buch vom Literarischen Quartett!











Der Blumenbar / Aufbau Verlag schreibt über den Autor:

John Fante, geb. 1909 in Denver als Sohn italienischer Einwanderer, zog als Mittzwanziger nach L.A. In einer Stadt, die aus Filmträumen bestand, war er mehr als fehl am Platz, und so entstand sein unnachahmlicher Stil aus innerer Zerrissenheit, Großmut und erlösenden Rachegelüsten. Sein erster Roman „Warte auf den Frühling, Bandini“ wurde 1938 veröffentlicht, im Jahr darauf folgte „Warten auf Wunder“. Er starb 1983 an einer Folge seiner Diabetes-Erkrankung. Posthum verlieh man ihm den PEN Award für sein Lebenswerk.
übernommen vom Blumenbar Verlag

Samstag, 4. Februar 2017

Hansen, Ule: Neuntöter (Hörbuch)


Es wurde Abend. Es wurde Morgen. Und niemand fand sie.

Berlin, Potsdamer Platz. Auf einem Baugerüst macht ein Junge eine grausame Entdeckung: Drei Leichen, einbandagiert in Panzertape, hängen in schwindelerregender Höhe an den Gerüststangen. Sie sehen aus wie Mumien und scheinen in dieselbe Richtung zu blicken, als würden sie auf etwas warten. Fallanalystin Emma Carow wird schnell klar, dass dieser Fall entscheidend für ihre Karriere ist. Doch je tiefer sie sich verbeißt, desto mehr droht ein altes Trauma sie in den Abgrund zu ziehen.

(Klappentext Random House Audio)

  • MP3 CD
  • Verlag: Random House Audio; Auflage: Gekürzte Lesung (29. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Lesung: Friederike Kempter 
  • Dauer: 12 h 47 min.
  • ISBN-10: 3837133419
  • ISBN-13: 978-3837133417







Ich danke dem Verlag Random House Audio ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Hörbuch als Rezensionsexemplar hören zu dürfen!
Random House Audio






MUMIEN...





"Carow, Sie sind der unglücklichste Mensch, den ich kenne..."


Es gibt die (Hör)-Bücher, die man mit einem Seufzer schließt. Bestenfalls mit einem Seufzer des Bedauerns, weil das Buch einen aus der ihm innewohnenden Welt entlässt, bevor man wirklich bereit dazu ist. Schlimmstenfalls, weil die Erleichterung groß ist, das Buch endlich beendet zu haben. Dieser Thriller gehört für mich leider zur letzten Kategorie - und der Seufzer war groß.

Beim Überfliegen der bisherigen Rezensionen hatte ich schon entdeckt, dass das Buch - und allen voran vermutlich die Ermittlerin Emma Carow - polarisiert. Von vollkommener Begeisterung bis zur absoluten Enttäuschung ist da alles dabei. Ich kann die enttäuschten Stimmen leider nur zu gut verstehen. Allein aufgrund des interessanten Tathintergrundes vergebe ich hier zwei Sterne statt einem, so viel schon einmal vorweg...

Zunächst einmal zum Fall selbst: mumienartig verpackte Leichen baumeln tagelang unentdeckt an einem Baugerüst - und als sich herausstellt, dass die Opfer davor schon etliche Tage noch lebendig mit dem Klebeband umwickelt waren und dadurch langsam verhungerten und verdursteten, hat der Täter seinen Spitznamen weg: 'Neuntöter'. Im Mittelalter glaubte man nämlich dass der so benannte Vogel, der seine Beutetiere auf Dornen aufspießt, zunächst neun Opfer sammelt, bevor er sie verspeist.


"Warum tötet ein Mörder seine Opfer nicht?"


Diese Frage beschäftigt das Berliner Team um die Fallanalystin Emma Carow, und noch eine Reihe anderer Fragen dazu. Wie beispielsweise schafft es jemand, unerkannt mehrere Leichen oben auf ein Gerüst zu wuchten und sie dann aufzuhängen? Was könnte das Motiv hinter den Morden sein? Waren das schon alle Opfer? Doch diese durchaus interessanten Fragestellungen und der eigentlich brisante Fall geraten rasch in den Hintergrund, denn hier geht es vor allem um eines: um Emma Carow.

Schwer traumatisiert seit einer Vergewaltigung mit 19 Jahren, kann sich Emma zwar in komplizierte Mörderseelen hineinversetzen, vor Menschen im Allgemeinen hat sie jedoch Angst. Und so tappt sie sozial inkompetent von einem menschlichen Fettnäpfchen ins nächste und hat es nur der Fürsprache ihres Chefs zu verdanken, dass sie nicht längst hat umschulen müssen. Im Laufe der Erzählung gerät der Fall tatsächlich immer wieder aus dem Fokus, und Emmas Leben und Entscheidungen stehen im Mittelpunkt. Ihr Umgang mit Männern beispielsweise oder die wiederaufkeimende Angst, nachdem ihr Vergewaltiger nach einigen Jahren in Haft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde - noch dazu mit einer Buchveröffentlichung, in der es um genau diese Tat geht, geschildert aus der Sicht des Täters.


"Wenn Emma ihre Nichte anschaute, sah sie ein kuscheliges Bündel Vertrauen, das rein zufällig dem sexuellen Ideal der meisten Exhibitionisten, Voyeure, Vergewaltiger und Mörder entsprach."


Langatmig, langweilig, viel zu ausschweifend und teilweise wenig glaubwürdig - so empfand ich diese Passagen um die Person Emmas im Wesentlichen. Dazu kommt, dass ich etliche Schlussfolgerungen, die Emma bezüglich des Falls zieht, selbst nach mehrfachem Lesen z.T. nicht nachvollziehen konnte oder schlichtweg nicht verstand. Die Zufälle, die den Fall mit dem Privatleben Emmas verquickten, waren für mich ebenfalls des Guten eindeutlig zu viel. Und die Handlungen Emmas waren für mich darüberhinaus oftmals mehr als fragwürdig. Insgesamt empfand ich die Figur der Fallanalystin als schwer gestört und sehe hier bei aller vermeintlichen Genialität in ihrem Fach eher einen Fall für die Psychiatrie denn eine geeignete Person für den Kampf gegen die Kriminalität.

Der langatmige Effekt wurde dann für mich leider von der Lesung durch Friederike Kempter noch verstärkt. Seltsam distanziert selbst an spannenden Stellen empfand ich den Vortrag, so dass selbst heftige Szenen, an denen mal gebrüllt wurde, wenig glaubhaft wirkten. Für mich leider nicht die ideale Besetzung.

Ich gehöre jedenfalls zu denjenigen, denen sich der (geschürte) Hype um das (Hör)-Buch in keinster Weise erschließt. Von einem Thriller erwarte ich mehr: mehr Spannung, mehr Glaubwürdigkeit, mehr Authentizität, mehr Ausgewogenheit zwischen Fall einerseits und Ermittlerhintergründen andererseits. Für mich hatte das Ganze etwas von 'Durchquälen'. Sehr schade...


© Parden




















Ule Hansen
Die Verlagsgruppe Randomhouse schreibt über die Verfasser:

Ule Hansen ist das Pseudonym eines Berliner Autorenduos. Astrid Ule ist zudem Lektorin, Eric T. Hansen freier Journalist. Gemeinsam haben Sie bereits mehrere Dreh- und Sachbücher verfasst. Sie teilen eine Leidenschaft für nächtliche Gespräche bei gutem Whisky, exzentrische Halloweenpartys und ziellose Streifzüge durch die vergessenen Ecken der Stadt. NEUNTÖTER ist ihr erster Thriller.

übernommen von der Verlagsgruppe Randomhouse

zum SPECIAL zu »Neuntöter« von Ule Hansen, Heyne Verlag

Freitag, 3. Februar 2017

Gold, Robert: Flieg ich durch die Welt


Zum Abitur schenken sich die Freunde Angelo und Pascal eine Reise. Sie wollen raus aus Ostberlin und planen, gemeinsam mit dem Abenteurer Wolle im Sommer ’89 ans Schwarze Meer zu trampen. Bevor ihr Leben richtig beginnt, wollen sie die kleine große Welt des Ostblocks sehen, losgelöst von Konventionen und elterlichen Ratschlägen, eine Idee von Freiheit im Kopf. Zehn Jahre später zeigt sich, wohin die politischen Umwälzungen, spontane Entschlüsse und amouröse Erlebnisse die jungen Männer gebracht haben. Während Pascal mit einer Werbeagentur erfolgreich ist und Wolle einen Underground-Schuppen eröffnet, bleibt Angelo in den Karpaten verschollen. Ihre Jugend ist vorbei, doch erwachsen sind sie nicht, stattdessen auf dem Weg in eine Zukunft, die vieles verspricht und nur weniges halten kann. --- Ein aufwühlender Roman, der in die spannende Zeit des Umbruchs entführt.

(Klappentext Eulenspiegel Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Eulenspiegel Verlag; Auflage: 1 (21. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3359024974
  • ISBN-13: 978-3359024972












WENDEZEIT...



Pascal und Angelo haben das Abitur in der Tasche und Träume für die Zukunft im Kopf. Und sie stecken voller Abenteuerlust. Mit ihrem Freund Wolle machen sie sich auf den Weg in die rumänischen Karpaten - auf der Suche nach Freiheit, Unabhängigkeit und sich selbst. Nur in Richtung Osten kann es für die drei Berliner Jungs gehen. Als sie durch Ungarn trampen, im Sommer 89, ist auf einmal die Grenze zum Westen durchlässig. Sie treffen Entscheidungen, die ihr Leben aus den vorgezeichneten Bahnen werfen und ihre Jugend jäh enden lassen. Ihre Wege trennen sich. Während Wolle in Amerika sein Glück versucht und sich Angelos Spur zu verlieren scheint, kehrt Pascal zurück. Das alte Leben gibt es nicht mehr, doch auf das aufregende, erstehnte neue fallen die Schatten der Vergangenheit.

Ein Wenderoman, eine Coming-of-Age-Erzählung - mein Zwei-Jahres-Projekt. Vor ungefähr zehn Monaten gehörte ich zu den Gewinnern der Verlosung dieses Buches. Selbst im Westen aufgewachsen, interessiert mir doch die Zeit vor und während der Wende in der ehemaligen DDR, einfach auch weil sie Teil der jüngeren deutschen Geschichte ist. Dies war der Grund, weshalb ich mich bei der Verlosung beworben hatte. Der Autor, geboren 1970 in Ostberlin, lässt hier offenkundig seine eigenen Erlebnisse der 80er und 90er Jahre sowie die seines Freundeskreises in die Erzählung einfließen, was in meinen Augen für Authentizität bürgt.

Die Idee hinter dem Buch fand ich wirklich interessant, und auch den Aufbau der Erzählung empfand ich als positiv. Erzählt wird hier aus wechselnden Perspektiven - meist aus denen von Wolle, Pascal und anfangs auch von Angelo, gelegentlich aber auch aus der Perspektive einer Nebenfigur, was verdeutlicht, wie die Hauptfiguren von außen wahrgenommen werden. So schält sich allmählich ein Bild der zu Beginn Jugendlichen, später der jungen Erwachsenen heraus und lässt den Leser teilhaben an deren Entwicklung.

Die Wahl der doch sehr verschiedenen Charaktere ermöglicht dem Leser nachzuvollziehen, auf welch unterschiedliche Arten seinerzeit mit den politischen Beschränkungen in der ehemaligen DDR umgegangen werden konnte, aber auch wie verschieden die neu gewonnene Freiheit nach der Wende genutzt wurde. Die Verwendung typischer Begriffe im damaligen Ostdeutschland (z.B. 'schauestes Mädchen', 'Kraxe' oder 'urst') verstärken hier noch das Gefühl der Authentizität des Geschilderten.

Leider konnte die Geschichte der drei befreundeten Teenager, die justament zum Mauerfall ins Erwachsenenleben starten, mich dann letztlich aber nicht wirklich überzeugen. Die Möglichkeiten der zahlreichen Perspektivwechsel bergen auf der anderen Seite auch Gefahren, denen der Autor leider aufgesessen ist. So hat er sich oftmals in Details und Nebenhandlungen verloren, und die gesamte Erzählung weist so teilweise unglaubliche Längen auf, die den Lesefluss wirklich erschweren. Dies ist auch der Grund, weshalb ich das Buch immer wieder einmal weggelegt und 'vertagt' habe, wodurch sich die Lesedauer auf 10 Monate hinauszog. Kein übliches Vorgehen bei mir.

Die Schilderung der Charaktere ist neben der Langatmigkeit des Romans mein Hauptkritikpunkt. Obwohl sich durch die langsame Erzählweise allmählich ein deutliches Bild der drei Hauptfiguren herausschälte, fehlte mir persönlich hier der Zugang zu den Personen. Die Gefühle derjenigen, aus deren Perspektive jeweils erzählt wird, bleiben hier weitestgehend außen vor, so dass mir die Möglichkeit genommen wurde, empathisch zu sein. Manchen Leser mag diese eher nüchterne Erzählweise ansprechen - ich gehöre jedoch nicht unbedingt dazu.

Insgesamt halten sich hier für mich die Stärken des Romans und seine Schwachpunkte in etwa die Waage, so dass ich mich für eine Bewertung im mittleren Bereich entschieden habe. Einen interessanten Einblick in das Leben vor, während und nach der Wende in der ehemaligen DDR habe ich durchaus erhalten, doch hatte ich oftmals Mühe, mein Interesse an dem Roman noch wachzuhalten. Das Gefühl der Authentizität der Erzählung ging jedoch zu keinem Zeitpunkt verloren.


© Parden






Der Titel des Buches ist übrigens angelehnt an den Titel eines Songs der Gruppe 'City', die 1972 in Ost-Berlin gegründet wurde:









Robert GoldDer Eulenspiegel Verlag schreibt über den Autor:

Robert Gold, geboren 1970 in Ostberlin, absolvierte ein Diplomstudium der Kommunikation an der HdK Berlin. Nach seinem Abschluss gründete er die Filmproduktionsfirma »Bigfish«. Seit 2014 arbeitet Gold als Creative Producer für die NDR-Serie »Der Tatortreiniger«. Heute lebt er wieder in Berlin-Prenzlauer Berg. »Flieg ich durch die Welt« ist sein erster Roman.

übernommen vom Eulenspiegel Verlag

Donnerstag, 2. Februar 2017

BlogPost Nr. 87: Zusammenfassung der Beiträge im Januar 2017


Das Jahr begann wieder kunterbunt - wir lassen uns eben auf kein Genre festlegen...







Erneut starteten wir mit zwei BlogPosts zum Monatsbeginn. Nr. 84 zeigte unsere Neuerwerbungen im Dezember, Nr. 85 die Zusammenstellung unserer Beiträge im Vormonat. Wieder einmal eine bunte Mischung..




RUHRZASTER. Eine Fortsetzung oder auch keine. Uwe Wittenfeld meinte mal, es wäre keine. Ich meine, es ist eine. Eine Fortsetzung von MAUERZWILLINGE. Wieder ermitteln ein paar Freunde auch dem Ruhrgebiet und Sachsen, die der Tod eines MAUERZWILLINGS zusammengebracht hat. Diesmal gilt es, zwei IT-Spezialisten zu schützen, die meinten, dass sie, wenn sie schon Zugriff auf die Konten einer Schweizer Bank haben, auch was gegen deutsche Steuersünder tun können. sie geraten an einen, der dabei keinen Spaß versteht.
► Rezension Mauerzwillinge
► Rezension Ruhrzaster


Robert Harris. Um den schleiche ich schon lange herum. Gelesen hatte ich noch keines. Gelegentlich hab ich ihn mit Thomas Harris verwechselt. Nein, verwandt sind die beiden wohl nicht (Thomas Harris ist der Schöpfer von Hanibal Lecter) Von Robert Harris stammen die Geschichten VATERLAND und ENIGMA. Die Filme habe ich gesehen und nun, habe ich mal zugeschlagen.

Wer werd der vermutlich nächste Pabst? Etwas makaber, denn der Papst der hier vor dem KONKLAVE stirbt hat viel von Pabst Franziskus. Die Ränkespiele und die Wahlen: Nicht mehr und nicht weniger ist Inhalt des Buches. Einige Terroranschläge machen die Kardinäle zwar unruhig, aber sie werden einen Pabst wählen. Alle aussichtsreichen Kandidaten haben Macken. Und der Neugewählte? Wer als Pabst in das Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus, heißt es ...
► Hier geht es zur Rezension


Anne stellt ein Highlight aus dem vergangenen Lesejahr vor. NACH HAUSE SCHWIMMEN war ein reiner Zufallsfund, und zukünftig will Anne bei der Bücherauswahl weiterhin auf ihr Bauchgefühl vertrauen. Rolf Lappert schildert hier die Notlage einer menschlichen Seele, doch gelingt es ihm dabei gleichzeitig stets, seinen unbeschwerten Erzählstil beizubehalten. Andere Rezensenten vergleichen Lapperts Stil mit dem von John Irving, doch da Anne immer noch kein Buch des Amerikaners gelesen habe, kann sie zu diesem Vergleich nichts sagen. In jedem Fall nahm Anne der melancholisch-heitere Ton der Erzählung gefangen, berührte sie vieles von dem, was sie da las, und Anne hätte seitenweise Zitate herausschreiben können, da viele der Formulierungen so unglaublich poetisch-kraftvoll waren.


Nach Uwe hat auch Anne endlich Band 3 um den Abenteurer John Finch gelesen. DER NOSTRADAMUS-COUP von Gerd Schilddorfer erschien in einem anderen Verlag als die ersten beiden, aber Anne hat sich gefreut, dass es endlich weiter ging mit der Reihe! Das filmreife Abenteuer punktete durch bildhafte Schilderungen - ein flüssiger Schreibstil und fiese Cliffhanger locken auch  dazu, immer weiter zu lesen. Dabei ist keine der 800 Seiten des Thrillers überflüssig - bis hin zu den Epilogen ist jede Zeile wichtig, um letztlich alles zu verstehen. Und auch wenn Anne mit solchen 'dicken Schinken' gewöhnlich so ihre Probleme hat - hier herrschte am Ende das Gefühl vor: oooh, schon vorbei.


TinSoldieres Zeichenblog(ck)
Eine neue Zeichnung steuerte TinSoldier für seinen Zeichenblog(ck) bei, denn Zeichnen ist neben Büchern ein weiteres Steckenpferd, dem er sich widmet. Wer seine bisher eingestellten Zeichnungen vergleicht, kann durchaus eine Entwicklung feststellen, wobei zu betonen ist, dass TinSoldier (nicht nur) in dieser Disziplin Autodidakt ist...


DER GAST IM GARTEN von Takashi Hiraide ist für Anne ein kleines Schmuckstück. Das schmale Buch über das flüchtige Glück des Daseins erscheint als Hardcover-Ausgabe in einer außergewöhnlich hübschen Aufmachung. Die Bilder von Quint Buchholz illustrieren die geschilderten Szenen vortrefflich und spiegeln deren klare Poesie. Für Anne  eine überaus gelungene Kombination.


Hörbücher vernachlässigt Anne auch im Jahre 2017 nicht. DAS HAUS, DAS IN DEN WELLEN VERSCHWAND ist das neueste Werk von Lucy Clarke. Einiges war etwas vorhersehbar, manche Passagen empfand Anne auch als langatmig. Doch insgesamt ist dies ein Roman, wo die latente Spannung meistens präsent ist und die überraschenden Wendungen zwischendurch für neuen Schwung sorgen. Trotz der gekürzten Fassung durchaus hörenswert, befand Anne.


Alte Schätze im Regal - dieses Werk gehört auf jedem Fall dazu. Ludwig Anzengruber hat sich dem Theater verschrieben, und so ist auch DER PFARRER VON KIRCHFELD ein Volksstück - vier Akte mit Gesang. 1870 entstanden, ist die Sprache gewöhnungsbedürftig - nicht nur altertümlich, sondern von breitestem Dialekt durchzogen, machte sie Anne das Lesen etwas schwer. Letztendlich waren die 159 Seiten jedoch recht rasch gelesen, und manche der angeschnittenen Themen sind auch heute noch aktuell.


Nicht abgesprochen, aber dennoch passend zum vorherigen Beitrag dann eine Buchbesprechung vom TinSoldier:
Ein Besuch am Geburtshaus des Schriftstellers Peter Rosegger inspirierte TinSoldier zur erneuten Lektüre der Lausbubengeschichten vom Waldbauernbuben, die in dem Buch Waldheimat gesammelt sind. Die Geschichten Roseggers haben autobiografischen Charakter, sind mithin keineswegs frei erfunden. Und lesenswert sind sie allemal - auch heute noch!


DAS BÖSE KOMMT AUF LEISEN SOHLEN ist ein eher unbekanntes Werk von Ray Bradbury. Ein Buch voller Symbolik und Allegorien, das nicht immer einfach zu lesen ist, das aber den Leser fordert, in die Abgründe hinter den Zeilen einzutauchen. Eine ürberaus bildhafte und metapherschwangere Sprache, doch gleichzeitig ein immer wieder anschwellendes Grauen, das einem da den Rücken hochkriecht. Anstrengend, letztlich aber lohnenswert. 'Fahrenheit 451' von Bradbury möchte Anne in jedem Fall noch lesen!


Mit WIR FANGEN GERADE ERST AN von Catharina Ingelman-Sundberg hoffte Anne, auf ein unterhaltsames Buch mit viel Seniorenpower, mit Charme und Witz, schwungvoll und bissig und mit dem Esprit der Geschichten eines Jonas Jonasson oder dem Wohlfühlcharakter der Romane eines Fredrik Backman zu stoßen. Doch dem Roman merkte man das Alter seiner Charaktere an: Unterhaltung mit Längen, teilweise eher lahme Dialoge, eine von zu vielen Zufällen geprägte Handlung und alles in allem eine zu bemüht und konstruiert wirkende Erzählung. Da bleibt noch Luft nach oben - und Anne möchte demnächst gerne testen, ob der zweite Band um die Seniorengang hält, was sie sich davon verspricht...


SCHWIMMEN ist der Debütroman von Nicola Keegan und verdeutlicht sehr ausdrucksstark, welche Bedeutung das Schwimmen für den Hauptcharakter hat: es bietet Halt im Leben, eine Welt, in der nichts anderes existiert als der Rhythmus der Bewegungen, in der Sorgen ausgeschaltet und von Erschöpfung überlagert werden, ein Abtauchen aus dem Leben, ein Übersetzen der Gefühle in gerichtete Energie - alles ist erträglich, solange es diese Welt gibt. Dieses Buch fand Anne außergewöhnlich,wortgewaltig und gefühlsstark - jedoch teilweise düster und nicht immer leicht zu lesen...


Es gibt schon einen aktuellen Grund, warum diese Graphic Novel von Heiner Lünstedt und Ingrid Sabisch jetzt gerade hier im Blog besprochen wird. Auch dieser wird ausführlich dargestellt. Hauptsächlich aber geht es um Sophia Magdalena Scholl, die als Mitglied der Weißen Rose im Februar 1943 in München unter dem Fallbeil sterben musste. Es waren junge Leute, die sich der Konsequenzen ihrer Handlungen gegen das Regime der Nationalsozialisten sehr wohl bewusst waren. Das genau gezeichnete Buch zeigt den Weg der jungen Frau unter Bezugnahme auf ihren Briefwechsel mit ihrem älteren Freund, dem Offizier Fritz Hartnagel.  ► lest selbst


Mittwoch, 1. Februar 2017

BlogPost Nr. 86: Unsere Neuerwerbungen im Januar 2017


Keine Bücher mehr im neuen Jahr? Mal sehen, wer von uns diesen Vorsatz durchhielt...




Anne Parden

Solche Vorsätze sind einfach nichts für mich...


Ein Rezensionsexemplar für eine Leserunde erreichte mich über Whatchareadin - hierfür einmal mehr ein herzliches Dankeschön! Der vergessene Roman eines Kultautors wurde wiederentdeckt und von Alex Capus übersetzt - ich bin sehr gespannt!

Gefangen in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren, wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Baseball-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten. Aber Dominic hört nicht auf zu träumen.



Mein Quartalskauf bei der Büchergilde Gutenberg - auf das Buch bin ich schon länger neugierig!

Lange leben die sprachbegabten Riesenmolche im Verborgenen. Als sie entdeckt werden, müssen sie als billige Arbeitskräfte schuften. Bis sie gegen uns Ausbeuter rebellieren. Zwischen Molch und Mensch entbrennt ein Krieg um die Weltherrschaft. Auch nach 80 Jahren ist Čapeks Werk von 1936 hochaktuell. Er parodiert die gesellschaftlichen Verhältnisse vor dem Zweiten Weltkrieg hellsichtig präzise. Immer wieder warnte der Autor in seinen Schriften vor den Gefahren von Diktaturen und den drei -smen: Faschismus, Nationalismus und Kommunismus. Wie recht er behalten würde, erlebte Čapek kaum mehr, er starb 1938. Bis heute ist er einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller. Ticha würdigt diese Materialsammlung quer durch alle Textsorten mit einer illustrativen Wundertüte an Stilrichtungen und Ideen.





Ich liebe einfach die Romane von Susann Pásztor! Bereits 'Ein fabelhafter Lügner' hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen, und 'Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts' zog dann gleich nach.

Als ich bei vorablesen.de sah, dass der neue Roman von Susann Pásztor verlost wurde, musste ich mich einfach bewerben - und tatsächlich habe ich ein Exemplar gewonnen! Darüber freue ich mich sehr!

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen. Er ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe – zu ihren Bedingungen. Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, ist es nur noch Phil, sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung – und verhilft Fred zu einer zweiten Chance. Susann Pásztor erzählt in ihrem dritten Roman eine berührende Geschichte über die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung – unpathetisch und humorvoll, einfühlsam und mit sicherem Gespür für menschliche Gefühlslagen.







KaratekaDD





Nach KONKLAVE musste es nun wohl sein. Robert Harris gleich fünf mal. Da wäre zum ersten der Roman VATERLAND, verfilmt mit Rudger Hauer, der wegen der Amazon-Serie DER MANN IM HOHEN SCHLOSS plötzlich wieder in meine Blickrichtung geriet. Zum anderen die sogenannte CICERO-Trilogie aus dem alten Rom, bestehend aus TITAN; IMPERIUM und DICTATOR. Harris hat noch mehr Bücher über das Römische Reich geschrieben, z.B. POMPEJI, aber hier habe ich wohl erst einmal genug Lesestoff.







TinSoldier



Schöne Bescherung.....

in der Dezemberausgabe unserer Neuerwerbungen konnte ich leider keinen Post veröffentlichen, denn auch Blogger machen schließlich mal Urlaub!
Deswegen sind unter den hier von mir vorgestellten Neuerwerbungen auch einige aus Dezember 2016, die ich hiermit nachtrage.....

Ich beginne mit Schöne Bescherung - Hinterhältige Weihnachtsgeschichten.

Ebenfalls bereits im Dezember erworben habe ich Der Krieg mit den Molchen von Karel Capek. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel Valka s mloky bereits im Jahre 1936. Die deutsche Übersetzung von Eliska Glaserova wurde erstmals 1964 veröffentlicht.
Capek´s Buch ist eine Parabel auf Nationalismus, Rassenwahn und Konformismus. In einer schönen Ausgabe der Büchergilde Gutenberg enthält es Illustrationen von Hans Ticha.

Das Taschenbuch Tödliche Gaben enthält wiederum spannende Weihnachtskrimis, u.a. von Simon Becket, Linwood Barclay, Sebastian Fitzek und eignet sich hervorragend als winterliche Urlaubs- oder Feierabendlektüre am warmen Ofen.

Meine Erste Neuwerwerbung 2017 ist wieder ein Buch aus der Büchergilde Gutenberg. Meine geniale Freundin von Elena Ferrante ist ein Roman, der von zwei Frauen handelt, die bereits als junge Mädchen enge Freundinnen waren. Nach sechs Jahrzehnten verschwindet eine von beiden spurlos.
Es ist eine Geschichte
"über die rettende und zerstörerische Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes Leben lang währt." (Umschlagtext).