Samstag, 6. August 2016

Oskamp, Nils: Drei Steine




Vor einigen Wochen machte ein Buch aus dem Panini-Verlag eine Runde, welches sich als sogenannte Graphic Novel mit dem Thema rechter Gewalt beschäftigte. Es stellt sich mir wiederholt die Frage, inwieweit dieses Medium nun Geschichte oder Politik vermitteln kann. Es ist strittig, was denn nun eine Graphic Novel von einem Comic unterscheidet. Wird ein Comic zur Graphic Novel, wenn es thematisch und in Buchform daherkommt? 



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Dieses hier erzählt eine Geschichte, die ist in eine Rahmenhandlung eingebettet ist. Ein Vater erwacht aus einem Alptraum, sein kleiner Sohn hat ihn geweckt und möchte wissen, was den Vater so erschreckt hat. Der Junge fragt auch nach seinem Namen. Es ist der Name eines Freundes des Vaters. Sie schauen sich Fotos an. Der Vater erinnert sich: Wilhelm-Busch-Realschule in Dortmund.

Passt zum Thema: Comic lesen war verboten, so mitten in den 80zigern. Trockener Geschichtsunterricht. Holocaust. Mitschüler, die ihn in der Pause leugnen. Nils Oskamp, der dagegen spricht, Schlägerei. Auf dem Nachhauseweg kommt Nils, der Autor erzählt seine persönliche Geschichte, an einem jüdischen Friedhof vorbei, die Grabsteine wurden umgeworfen und mit Hakenkreuzen beschmiert. „Es gibt keine Gräber nach 1938…. Wenn es hier seit 45 Jahren kein jüdisches Leben mehr gibt, wie kann man dann behaupten, dass es den Holocaust nie gegeben hat?“ (Seite 20). Er nimmt DREI STEINE von einem Grabstein mit. So beginnt die Geschichte.  Nils steht ziemlich allein da. Nur einer wird zu ihm stehen, Thomas. Zuerst aus Gründen der Gerechtigkeit. Viele gegen Einen, dass macht er nicht mit.

Die, sagen wir mal jugendlich schnoddrige Art, mit der Nils gegen andere Schüler aufbegehrt, stößt auf kein Verständnis bestimmter Lehrer, so potenziert sich nach und nach der Ärger. Außerdem sind wohl einige der älteren Lehrer echt "von gestern" gepolt.

Die Erinnerungen vor Augen, beginnt Nils Oskamp seine Geschichte zu zeichnen. Die Auseinandersetzungen gehen weiter. Thomas hatte Kontakt zu einer richtigen Neonazitruppe. Doch er löst sich von ihr. 

Welchen Weg nehmen die drei Steine?

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Die Geschichte ist sehr authentisch, weil sie autobiografisch ist. Im Nachwort erklärt Nils Oskamp die Tradition der Steine auf den Grabsteinen oder Grabplatten. Den dritten Stein hat er selbst nach Yad Vashem gebracht. Eine Interpretation lautet, dass das hebräische Wort Stein aus den Silben Vater und Sohn besteht. „Was geben die Väter ihren Söhnen weiter? Den Irrglauben einer menschenverachtenden Ideologie oder Mitgefühl? Im Dortmund der 1980er Jahre waren es Altnazis, die die erste Generation von Neonazis radikalisierten. Heute haben wir es mit der zweiten und dritten Generation von Neonazis zu tun.“ (Seite 121)

Zu den drei Steinen erklärt er: „Am Anfang meiner Geschichte stehen die drei Steine für das Gedenken, ihre ursprüngliche Bedeutung. Der erste Stein wird zur Waffe, der zweite Stein zum Symbol dafür, nicht zu töten, und der dritte Stein verweist dann wieder zurück auf das Gedenken.“ (ebenda)

Das Buch schließt ab mit einem ausführlichen Bericht über die Entwicklung rechtsextremer Gruppen im Ruhrgebiet bis in die Gegenwart.

Betrachtet man nun dieses Buch in seiner Gesamtheit, dann haben wir es tatsächlich nicht mit einem Comic zu tun, sondern einer Bildergeschichte, wenn man Graphic Novel mal so übersetzt. 

Die Bilder sind sehr genau gezeichnet, die Texte sind gut lesbar. Eine sehr gute Idee sind die verschiedenen Farbschemata für die unterschiedlichen Zeitebenen von Rahmenhandlung und Rückblick. Heraus sticht die rote Farbe, sie wurde nur eingesetzt bei den Gewaltszenen mit entsprechenden Verletzungen. Die Bilderfolge ist ähnlich eines Storyboards, die Seiten laufen wirklich fast ein Film vor den Augen ab. Die Farbgestaltung gefällt mir damit besser als zum Beispiel die Bilder im Buch Jerusalem, ebenfalls aus dem Panini-Verlag.


Interessant sind auch Vorzeichnungen und Konzeptzeichnungen, die Charakterstudien über verschiedene Personen am Ende des solide gebundenen Buches. 

Ich denke schon, dass dieses Buch, einerseits wegen der kompakt erzählten Geschichte und andererseits wegen der informativen Anhänge ein interessantes Unterrichtsmittel für deutsche Geschichte bzw. die politische Bildung an Schulen ist. Grapic Novels brauchen dafür vor allem auch solche Anhänge und Erläuterungen, im Text eines Buches lassen sich vie Gedanken sicher besser unterbringen.

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Momentan äußert sich Fremdenfeindlichkeit weniger im Antisemitismus, als vielmehr gegen muslimische Flüchtlinge. Dies bedeutet aber nicht, dass Ersterer, gegebenenfalls gepaart mit der Leugnung des Holocausts, abgelöst wurden wäre.

Der das Buch abschließende Bericht benennt Bedrohungen von Abgeordneten, Rathausbesetzungen, Körperverletzungen auf und mehrfache Verbote sich immer wieder neugründender "Vereine" unter neuem Namen. Extremismus bildet sich am schnellsten dort, wo die sozioökonomische Lage schwierig wird. Zechen wurden geschlossen, Stahlwerke stillgelegt oder entsprechend modernisiert, die Zahl der Arbeitslosen stieg. In einer ehemals "arbeitgebenden" Region für Abertausende, auch tausende Gastarbeiter der ersten Generation, fühlen sich heute wohl viele an den Rand gedrängt. 

Dem östlichen Teil der Republik wird nachgesagt, dass der Boden für fremdenfeindliche, rechtsextreme Handlungen und Gruppenbildung insbesondere nach dem Fall der Mauer fruchtbar war. Da ist was dran, vor allem, wenn man oben geschilderte Aspekte bedenkt. Überlegenswert dürfte aber sein, dass für solche sich relativ schnell gebildeten Gruppen ein gewisser Anschub notwendig war und dieser dürfte auch aus den rechten Gruppen und Parteien im Westen der Republik erfolgt sein. Die in diesem Buch beschriebenen Altnazis, die junge Leute um sich scharten, dürften nach der Wende ein dankbares Betätigungsfeld gefunden haben. Zum Beispiel in Gera, Zwickau, in der Sächsischen Schweiz, wie der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) und Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) zeigen.
Meine Schulzeit lag in Dresden ebenso genau in den 1980er Jahren. Solche Lehrer allerdings wie von Nils Oskamp beschrieben kannte ich nicht, sie wären so auch nicht möglich gewesen.

Fünfundzwanzig Jahre nach der deutschen Einheit dürfte sich das relativieren. Altnazis gibt’s nicht mehr viele, schon gar keine aktiven, aber wie wir wissen, ist „der Schoß fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Brecht). Auch Nils Oskamp erwähnt die zweite und dritte Generation.

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Quelle Webseite Nils Osborn
Nils Oskamp wurde 1969 in Bochum geboren und wuchs in Dortmund auf. Er studierte Illustrator, arbeitete als solcher und als Grafiker. Er hat eine Ausbildung in Storyboard- und Charakter-Design. Daher wohl auch der oben beschriebene Eindruck. Mehrfach erhielt er auch Auszeichnungen für seine Arbeiten. *


Die Geschichte erhält mit folgendem Beitrag noch einmal eine Verstärkung, denn ehrlich gesagt hatte ich das Bild einer Schulhofklopperei vor Augen, zwar mit sehr ernstem Hintergrund und keineswegs harmlos, aber Nils Oskamp gibt in diesem kurzen Beitrag auf arte selbst noch einige Informationen dazu. Denn dieselben Leute sind heute immer noch aktiv.


Dies ist wieder ein Buch gegen das Vergessen. Davon gibt es hier im Blog schon so einige. Die Panini-Bücher Israel verstehen und Jerusalem gehören dazu wie auch Hanas Koffer, Manja oder Die Bücherdiebin.

Das Bild zeigt eine Auswahl der Graphic Novels, die teilweise bereits auf unserem Blog besprochen wurden. Jerusalem, Israel verstehen, Die drei Steine und Die Stern-Bande stammen aus dem Panini-Verlag **, bei dem ich mich für die Zusendung des Buches recht herzlich bedanken möchte.






 ► DNB / Panini-Verlag / Stuttgart 2016 / ISBN: 978-395798-646-7 / 144 S.
 ► Vorschau auf die digitale Ausgabe

© KaratekaDD
aktualisiert: 15.08.2016

 *  siehe http://www.oskamp.de/about/
** Schaut man auf die erste Seite dieses Links, vermutet man solch aktuell politischen Bücher eher nicht. Da muss man schon mal suchen



Mittwoch, 3. August 2016

Groeper, Kerstin: Im fahlen Licht des Mondes




Die Schlacht am Little Bighorn ist geschlagen. Brevet General G.A. Custer ist tot. Es wird der letzte große Sieg der vereinigten Stämme der Lakota und Cheyenne sein, die 7th. Cavalry schwört Rache. Die Cheyenne haben sich in ihr Winterlager zurückgezogen. Zu der Gruppe gehört auch Moekaé. Gerade verheiratet mit Hekovetse, einem jungen Krieger, der den Blue Soldiers angehört. Nein das sind nicht die Blauröcke, dies ist ein Kriegerbund. Plötzlich schlagen Kugeln in ihr Tipi. So beginnt die erste Flucht. Die Tochter von Moekaé´s Schwester, das kleine Mädchen Rotes Blatt muss sie mitnehmen. Doch bald werden sie gestellt und so beginnt der lange Marsch der Cheyenne, der in eine weit entfernte Reservation in ungewohntem Klima führt. Oklahoma legt sehr weit südlich von der kühlen nordlichen Heimat entfernt.

Die Häuptlinge Little Wolf und Dull Knife haben eine schwere Aufgabe. Als die Zustände immer schlimmer werden, insbesondere die Verpflegung der Indianer ist zu wenig, beschließen sie, zurückzukehren in den Norden. Doch in Fort Robinson, nördlich des North Platte River müssen sie sich ergeben. Doch auch dort geht es den Menschen schlecht. Die durch eine Vergewaltigung hochschwangere Moekaé wagt mit anderen erneut einen Ausbruch. Verfolgt von Soldaten und weißen Siedlern trifft sie eine Kugel im Schneesturm.
Doch sie wird gerettet. Von weißen Farmern. Bei denen wird sie vorerst bleiben. Mit dem kleinen Mädchen Rotes Blatt und dem bald Neugeborenen…


Quellen: Wikipedia


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Historischer Roman steht auf dem Buchdeckel. Ja, es ist ein historischer Roman, auch wenn die Hauptfiguren fiktiv sind. Aber die grundlegende Geschichte beruht auf Tatsachen. Dies lässt sich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich auf die Spuren von Dull Knife begibt. Die Geschichte seiner Familie hat der amerikanische Autor Joe Starita nieder geschrieben in Häuptling Dull Knife – Die Geschichte einer Indianerfamilie. [1]  Darin ist auch ausführlich erzählt, wie die beiden Häuptlinge den Zug ins sogenannte Indianer-Territorium nach Oklahoma nicht verhindern konnten und wie sie 1878 beschlossen, ihr Volk wieder in den Norden zu führen. Auch die Flucht aus Fort Robinson ist da so beschrieben, wie sie Kerstin Groeper aus Sicht ihrer Heldin erzählt.


Der Marsch der Ceyenne

In der weiteren Geschichte sieht Moekaé die Häuptlinge wieder, sie bestärken die junge Frau, bei der Farmerfamilie zu bleiben. Die Gruppen der verfolgten und zerstreuten Cheyenne leiden Hunger. Bisons gibt es nur noch wenige. Moekaé hilft ihnen. Dull Knife wird später in der Lakota Reservation Pine Ridge unterkommen, seine Frau ist eine Lakota und Verbindungen zwischen diesen beiden Stämmen gab es öfter.

Als ich Im Licht des fahlen Mondes las, stutzte ich mehrmals und zog dann die genannte Familiengeschichte aus dem Regal. Manches kam mir bekannt vor. Von Dull Knife und seinen Nachkommen wird in diesem Blog noch zu sprechen sein.

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Kerstin Groeper erzählt eine duale Geschichte. Die schwere Arbeit der Siedler, der Prärie ein Stück Farmland abzutrotzen um dort Rinder, Pferde und später Bisons zu züchten beschreibt sie genaus so präzise und bildhaft, wie das Schicksal derer, die von eben diesem Land auf Reservationen vertrieben wurden. Auch das Zusammentreffen der Religionen ist ein Thema, wenn es zum Beispiel um das Bestatten geht.

Etwas unverständlich erschien mir die Verwendung der Namen. Neben der indianischen (Moekaé) gab es die englische Form (Little Wolf) und auch die deutsche (Rotes Blatt).  Kerstin Groepers schrieb mir einmal, dass dies eine bewusste Entscheidung ist. Zum Beispiel kann mit Little Wolf ein interessierter Leser etwas anfangen, mit Oh-cum-ga-che, dem Cheyenne-Namen eher nicht. Sie würde gern immer die indianischen Namen nehmen, aber dies wäre für die Leser schwieriger. Historische Persönlichkeiten sind eher erkennbar, auch entstehen, z.B. bei "deutschen" Namen eher Bilder im Kopf.

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Kerstin Groeper möchte mit ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Wissenswertes vermitteln, schreibt sie in einem historischen Abriss, den sie dem Roman angehängt hat. Dabei beschäftigte sie sich viel mit den Cheyenne.
Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ [2]


Buchmesse Leipzig 2016 - Beim Traumfängerverlag

Ich lernte die sympathische Autorin am Stand des Traumfänger-Verlages auf der Buchmesse 2016 in Leipzig kennen. Der Verlag war mir damals noch unbekannt. Eigentlich seltsam, dass er mir noch nicht aufgefallen war. Im Programm stehen sehr verschiedene Arten von Indianerliteratur. Vom Krimi, über historische Romane, Jugendbücher bis zu Sachliteratur und Musik reicht die Palette. Ein Verlag, den es im Auge zu behalten gilt.

Ich bedanke mich für dieses Buch, dass ich freundlicherweise am Buchmessenstand erhielt.

DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 1.2015 / ISBN: 978-3-941485-48-8 / 582 S.

© KaratekaDD




Quellen & Abbildungen


Dienstag, 2. August 2016

BlogPost Nr. 75: Unsere Neuerwerbungen im Juli 2016


Mal schauen, ob dieser Sommermonat uns auch Sommerlektüre beschert?

Anne Parden

Hier nicht? Das ist neu! ;)

TinSoldier



"Herrndorfs Kultroman als illustriertes Reisetagebuch! 

Tschick ist einer, mit dem man seinen Sohn nicht unbedingt befreundet wissen will. Kaum neu in der Klasse kommt Andrej Tschichatschow, so der volle Name, betrunken zum Unterricht. Und ist er wirklich bei der Russenmafia, wie einige Mitschüler vermuten? Maiks Eltern kümmern sich nicht um den Umgang ihres Sohnes – oder ihren Sohn. Die Mutter hat mit ihrem Alkoholproblem zu kämpfen, der Vater verabschiedet sich auf Geschäftreise mit seiner Geliebten. Dann sind Ferien und Tschick taucht unverhofft mit einem „geliehenen“ hellblauen Lada bei Maik auf. Er will in die Walachei, zu seinem Großvater. Ohne einen Plan (und einen Schimmer, wo eigentlich die Walachei ist), fahren die beiden los. Das ist der Beginn einer wunderlichen Freundschaft und eines Roadtrips durch Deutschland, der Millionen Leser, Hörer und Zuschauer begeistert hat. "

(Quelle: Büchergilde Gutenberg )

"tschick" ist ein außergewöhnlicher Roman, das hier in einer schönen Ausgabe der Büchergilde Gutenberg vorliegt. Bücher dieser Art zählen normalerweise nicht zu meinem Repertoire - aber hier zeigte sich, dass es lohnt, auch einmal abseits der eigenen Lesegewohnheiten zu wandeln.
Ein sehr gutes Buch!


KaratekaDD

Schon wieder Harry Potter? Dabei habe ich die Bücher seit dem "Feuerkelch", die ersten drei hatte ich gar nicht im Bestand, doch vor einigen Monaten verkauft. Aber diese illustrierte Ausgabe, die hat was. Und so habe ich inzwischen auch den Stein der Weisen gelesen. Schönes Buch. Reizt zum Sammeln. Wird wohl so kommen.


WALKÜRENRITT, ein eBook von Heiger Ostertag. Man stelle sich vor, dass dass Attentat auf Hitler glückt, indem Stauffenberg den Führer in der Wolfsschanze erschießt. Wie sieht die Welt im Jahr 2015 aus? Nicht nur die dauernd expandierende Türkei scheint eine Bedrohung für ein Europa, das in eine westeuropäische Union und eine großdeutsche Union geteilt ist. Ohne Nationalsozialismus. Aber er ist wohl noch nicht ausgemerzt. Und gefährlich...

Ähnlich: KAISERTAG in der Hansestadt Lübeck von Oliver Henkel. Im Jahr 1988 regiert Kaiser Wilhelm V. Der erste Weltkrieg fand nicht statt. Irgendwie hat sich alles verlangsamt, die Autos haben teilweise noch Winkblinker, und die Atombombe gibt es erst jetzt. Außerdem gibt es einen Mord an einem Geheimdienstoffizier. Es ermittelt ein Privatdedektiv. Unterstützt von einer Polzeipräsidentin. Und das im konservativsten Deutschland, dass man sich vorstellen kann.



Montag, 1. August 2016

BlogPost Nr. 74: Zusammenfassung der Beiträge im Juli 2016


Ist der Juli weniger verregnet als der vorherige Monat? Das ist zu hoffen, denn Lesen in der Natur macht noch einmal so viel Spaß! So oder so - hier ist wieder einiges zusammen gekommen.






Wie immer wurde der Monat eröffnet mit zwei BlogPosts: Nr. 72 zeigte eine Zusammenfassung unserer Beiträge im vergangenen Monat, und  Nr. 73 präsentiert unsere Neuerwerbungen im Juni. Da gab es diesmal nicht ganz so viel. Angesichts der SUBs einiger Blogbetreiber hier kann man dennoch wohl kaum von einer Bücherflaute sprechen...


Der Monat begann für Anne direkt mit einem 'wow'! ETTA UND OTTO UND RUSSELL UND JAMES ist das Debüt von Emma Hooper und ist einfach wundervoll. Poetisch, berührend, wortgewaltig, nachdenklich stimmend - letztlich aber voller Hoffnung und Lebensfreude. Ein Roman, der dazu ermutigt, eigene Lebensträume nicht aus den Augen zu verlieren.


DIE UNVOLLENDETE ist das erste Buch, das Anne von Kate Atkinson gelesen hat. Und auch dieser Roman erwies sich als ein richtiger Glücksgriff. Ein spannendes Gedankenexperiment hat die Autorin hier verfolgt - was wäre, wenn Fehler im Leben durch eine Wiedergeburt korrigiert werden könnten? Neben dem interessanten Gedankenansatz begegnet dem Leser ein vielschichtiger Familienroman, eingebunden in ein Stück Zeitgeschichte - hier v.a. der Zweite Weltkrieg, in einem angenehm zu lesenden, wenn auch anspruchsvollen Schreibstil. Ein weiteres Highlight für Anne!

DIE GLÜCKLICHEN ist ein beeindruckender Debütroman von Kristine Bilkau. Ein melancholisch gestimmter Roman, der aber nicht in die Hoffnungslosigkeit abgleitet, sondern eine Perspektive bietet, der Titel durchaus passend gewählt. Neben sehr authentischen Charakteren präsentiert Kristine Bilkau darüber hinaus mit der Infragestellung von Lebensentwürfen ein Thema, das auch den Leser mit einbezieht. Jeder kann seiner Situation entsprechend etwas aus der Erzählung herauslesen, für sich als wesentlich und bedeutsam herausfiltern, wird dazu verführt, sich mit Themen und Fragen des Lebens zu beschäftigen. Für Anne eine überraschende Entdeckung, die sie hiermit sehr gerne weiterempfiehlt!


Mal wieder eine Challenge! Mögen die Mitstreiter auch die Augen verdrehen - Anne gefällt so was. Diesmal ist es die 'Hausbau-Challenge', die von Claudes Schatzkiste ins Leben gerufen wurde und vom 01.07.2016 bis zum 30.06.2017 läuft. Anne ist sehr gespannt, welche passenden Bücher sie da so entdecken wird!


Nach den etwas ernsteren Themen in der letzten Zeit, brauchte Anne mal etwas Leichtes für zwischendurch. MEIN TAG IST DEINE NACHT von Melanie Rose erfüllt diese Vorgabe perfekt. Ein flüssig zu lesendes Buch, das eine nicht neue Idee auf originelle Weise umsetzt. Die Charaktere bleiben zwar ein wenig oberflächlich, und der Schluss ist für Annes Geschmack zu abrupt, doch insgesamt ist die Geschichte schlüssig und macht Spaß zu lesen...


Auch Hörbücher kommen bei Anne nicht zu kurz. Eher zufällig entdeckte sie das dritte Buch aus der Feder von Jonas Jonasson und war sehr gespannt auf MÖRDER ANDERS UND SEINE FREUNDE NEBST DEM EINEN ODER ANDEREN FEIND. Dieses Buch lässt sich nicht mit dem Hundertjährigen oder der Analphabetin vergleichen - und Anne will dies auch gar nicht erst versuchen. Dieser Roman war für sie jedenfalls ein unterhaltsames Hörvergnügen mit vielen amüsanten Stellen und einigen echt witzigen Momenten. Ein netter Schelmenroman mit vielen skurrilen Ideen - für Anne darf es gerne mehr davon sein!


Nur durch Zufall geriet Anne an die Biografie von Stephan Urbach. In NEUSTART gewährt er tiefe Einblicke in seine Arbeit als Netzaktivist im Untergrund, der zu Zeiten des Arabischen Frühlings den Menschen in den betroffenen Ländern geholfen hat, ein Stück Freiheit im Internet zu behalten. Sehr persönliche Einblicke in seine Gefühls- und Gedankenwelt bietet das Buch, und trotz des oftmals etwas zu pathetischen Schreibstils beeindruckte Anne das Buch letztlich sehr. Es lohnt sich eben zu kämpfen für das, was einem wichtig ist, auch wenn irgendwann die Erkenntnis kommt, dass man nicht die ganze Welt verändern kann. Aber eben doch ein kleines Stück...


Wenn eine Rezension letztlich 30 Jahre dauert, dann hat es nur zum Teil damit zu tun, dass Uwe erst seit 2009 versucht, welche zu verfassen. Diese hat so lange gedauert, weil er das Buch so Anfang der Achtziger gelesen hat und nun, vor drei Monaten erst die Fotos dazu schoss. Auf dem Zauberweg nach Spaal in mitten verknorpelter Linden und vor einem Schloss, welches einst die Kindheit einer gewissen Juliane von Pappenheim sah. Lily, die sich in den Schauspieler Lutz verliebt. Geschrieben von Inge von Wangenheim.


Eine der kürzesten Rezensionen hat Uwe über einen fast fünfundzwanzig Jahre alten Fantasyroman des damals schon bekannten Wolfgang Hohlbein geschrieben: Das Druidentor. Was passiert, wenn die Deutsche Bahn einen Tunnel durch ein Bergmassiv im Tessin treibt? Die Natur spielt verrückt. Naja, Fantasy. Gepaart mit Wissenschaft und Technik, die vor einem Viertel Jahrhundert wie ein Blick in die Zukunft aussah und heute Standart ist, könnte man sagen. Insofern war der Blick zurück auch interessant.


Es dauert eben eine Weile, bis man sich so durch einen Bücherstapel liest, den man bei drei Tagen Buchmessebesuch (Leipzig 2016) so zusammen sammelt. Zu danken ist diesmal dem Verlag Kiepenheuer & Witsch, der mir ein "Arbeitsexemplar" von Shida Bazyars Nachts ist es leise in Teheran überließ. Ein Buch, in dem eine Familie in einem Zeitraum von vierzig Jahren über ihre ureigensten iranisch-deutschen "Beziehungen" refelktiert. Vater, Mutter, Töchter und Sohn erzählen die Geschichte aller zehn Jahre beginnend mit der islamischen Revolution im Iran, im Jahr 1979.


Zwischendurch darf es für Anne immer auch gerne mal ein Thriller sein. BENUTZT ist der zweite Band der Reihe um den Ermittler Mike Köstner, und wieder legt Mark Franley hier ein rasantes Tempo vor. Teilweise gerät das Geschehen dadurch für Annes Geschmack etwas zu oberflächlich, aber insgesamt ist es ein gut konstruierter Thriller, der spannende Unterhaltung bietet. An einem einzigen Tag war das Buch daher verschlungen...



Uwe stellt den Palisander Verlag vor, der seine Interessensgebiete so hervorragend bedient...


Anne hat noch ein weiteres Hörbuch gehört - ihr erstes von Thommie Bayer. WEISSER ZUG NACH SÜDEN ist eine kurze Erzählung, die jedoch durch ihre Intensität und Vielschichtigkeit viel länger wirkt. Der poetisch leichte Schreibstil, die Themenvielfalt und der Anklang an die Fragen des Lebens waren einige der Kriterien, die Anne postiv überrascht haben. Sicher nicht ihr letztes Buch dieses Autors!


Ein überraschendes Debüt von Corinna Vossius hat Anne hier gelesen. SEH' ICH SO AUS, ALS HÄTT' ICH SONST NICHTS ZU TUN? ist eine charmant-skurrile Geschichte vom Aufbrechen und Ankommen, vom Vergessen und Sich-Erinnern, vom Loslassen und Festhalten, eine Geschichte mit bissigem Witz, aber dennoch voller Herzenswärme.


Selten zwar, aber es kommt vor - Fantasy in unserem Blog. Anne ist endlich einmal eingetaucht in die Tintenwelt Trilogie. TINTENHERZ ist der erste Band von Cornelia Funke, und Anne war sehr angetan von dem Buch. Eine schöne Geschichte hat Cornelia Funke hier gesponnen. Die Verwebung von Realität und Fiktion erscheint lückenlos und überaus gelungen, die Erzählung in gleichem Maße fantastisch und vorstellbar. Die Autorin lässt dem Leser Zeit, sich in die Geschichte einzufinden und die verschiedenen Charaktere kennenzulernen. Anne freut sich nun schon auf Band 2!


DAS SOMMERBUCH ist einer von zehn Romanen, die Tove Jansson für Erwachsene geschrieben hat. Stark autobiografisch geprägt sind die Schilderungen der Monate auf der Sommerinsel der finnischen Schären, die ein Kind mit ihrer Großmutter dort verbringt, und die Liebe zu diesen Erinnerungen und zu der kleinen Insel ist in jeder Zeile spürbar. Ein Roman, der entschleunigt, der einen tief eintauchen lässt in den langen finnischen Sommer, und der vor Augen führt, dass man auf angenehme Weise auch gemeinsam einsam sein kann. Für Anne war das Buch eine wundervolle Entdeckung.


Ein Krimi darf es zwischendurch auch immer mal gerne sein für Anne. UNSTERBLICH WIE DER TOD ist der erste Band der Reihe um die Kommissare Armin Stahl und Birger Harms aus der Feder von Stefanie Baumm. Leider konnte dieser Krimi nicht wirklich überzeugen. Nach vielversprechendem Beginn driftet das Buch ab in eine weniger gelungene Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte und Mystikroman. Aber weil Anne weiß, dass Stefanie Baumm (alias Alex Berg) es besser kann, wird sie demnächst auch Band zwei eine Chance geben...


Mit einem Paukenschlag endet Annes Lesemonat. HERR MOZART WACHT AUF ist das sehr erstaunliche Debüt von Eva Baronsky - ein Buch wie eine Umarmung! Bei Baronsky ist Mozart der liebenswerte, verspielte und manchmal lustvoll kindische Leichtfuß, dem Musik über alles geht, der mit dem Geld nicht hauszuhalten weiß, Verpflichtungen eher aus Übermut oder Liebeskummer verschludert denn aus Desinteresse und das Genie, dem Musik aus allem, was ihn umgibt, anzufliegen scheint. Eine liebevolle Annäherung an ein Genie, tragikomisch, voller melancholischer Poesie und Musik... Für Anne eine absolut bezaubernde Entdeckung!


Es dauert seine Zeit, bis diverse "Verpflichtungen" erfüllt werden. Die Rezension zu Tanz mit Schlangen von Ulrich Wißmann ist so eine. Das Buch erhielt Uwe am Stand des Traumfänger-Verlages der Leipziger Buchmesse 2016.
Es geht um Mord. Mord bei den Hopis, einem Indianerstamm, der zu den Pueblo-Indianern gehört. Ursache ist ein immer weiter währender Konflikt zwischen Traditionalisten und "modernen" Stammesangehörigen. Spannendes Buch, dass auch über Leben, Sprache, Religion und Traditionen auf unterhaltsame Art und Weise informiert.