Mittwoch, 3. August 2016

Groeper, Kerstin: Im fahlen Licht des Mondes




Die Schlacht am Little Bighorn ist geschlagen. Brevet General G.A. Custer ist tot. Es wird der letzte große Sieg der vereinigten Stämme der Lakota und Cheyenne sein, die 7th. Cavalry schwört Rache. Die Cheyenne haben sich in ihr Winterlager zurückgezogen. Zu der Gruppe gehört auch Moekaé. Gerade verheiratet mit Hekovetse, einem jungen Krieger, der den Blue Soldiers angehört. Nein das sind nicht die Blauröcke, dies ist ein Kriegerbund. Plötzlich schlagen Kugeln in ihr Tipi. So beginnt die erste Flucht. Die Tochter von Moekaé´s Schwester, das kleine Mädchen Rotes Blatt muss sie mitnehmen. Doch bald werden sie gestellt und so beginnt der lange Marsch der Cheyenne, der in eine weit entfernte Reservation in ungewohntem Klima führt. Oklahoma legt sehr weit südlich von der kühlen nordlichen Heimat entfernt.

Die Häuptlinge Little Wolf und Dull Knife haben eine schwere Aufgabe. Als die Zustände immer schlimmer werden, insbesondere die Verpflegung der Indianer ist zu wenig, beschließen sie, zurückzukehren in den Norden. Doch in Fort Robinson, nördlich des North Platte River müssen sie sich ergeben. Doch auch dort geht es den Menschen schlecht. Die durch eine Vergewaltigung hochschwangere Moekaé wagt mit anderen erneut einen Ausbruch. Verfolgt von Soldaten und weißen Siedlern trifft sie eine Kugel im Schneesturm.
Doch sie wird gerettet. Von weißen Farmern. Bei denen wird sie vorerst bleiben. Mit dem kleinen Mädchen Rotes Blatt und dem bald Neugeborenen…


Quellen: Wikipedia


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Historischer Roman steht auf dem Buchdeckel. Ja, es ist ein historischer Roman, auch wenn die Hauptfiguren fiktiv sind. Aber die grundlegende Geschichte beruht auf Tatsachen. Dies lässt sich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich auf die Spuren von Dull Knife begibt. Die Geschichte seiner Familie hat der amerikanische Autor Joe Starita nieder geschrieben in Häuptling Dull Knife – Die Geschichte einer Indianerfamilie. [1]  Darin ist auch ausführlich erzählt, wie die beiden Häuptlinge den Zug ins sogenannte Indianer-Territorium nach Oklahoma nicht verhindern konnten und wie sie 1878 beschlossen, ihr Volk wieder in den Norden zu führen. Auch die Flucht aus Fort Robinson ist da so beschrieben, wie sie Kerstin Groeper aus Sicht ihrer Heldin erzählt.


Der Marsch der Ceyenne

In der weiteren Geschichte sieht Moekaé die Häuptlinge wieder, sie bestärken die junge Frau, bei der Farmerfamilie zu bleiben. Die Gruppen der verfolgten und zerstreuten Cheyenne leiden Hunger. Bisons gibt es nur noch wenige. Moekaé hilft ihnen. Dull Knife wird später in der Lakota Reservation Pine Ridge unterkommen, seine Frau ist eine Lakota und Verbindungen zwischen diesen beiden Stämmen gab es öfter.

Als ich Im Licht des fahlen Mondes las, stutzte ich mehrmals und zog dann die genannte Familiengeschichte aus dem Regal. Manches kam mir bekannt vor. Von Dull Knife und seinen Nachkommen wird in diesem Blog noch zu sprechen sein.

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Kerstin Groeper erzählt eine duale Geschichte. Die schwere Arbeit der Siedler, der Prärie ein Stück Farmland abzutrotzen um dort Rinder, Pferde und später Bisons zu züchten beschreibt sie genaus so präzise und bildhaft, wie das Schicksal derer, die von eben diesem Land auf Reservationen vertrieben wurden. Auch das Zusammentreffen der Religionen ist ein Thema, wenn es zum Beispiel um das Bestatten geht.

Etwas unverständlich erschien mir die Verwendung der Namen. Neben der indianischen (Moekaé) gab es die englische Form (Little Wolf) und auch die deutsche (Rotes Blatt).  Kerstin Groepers schrieb mir einmal, dass dies eine bewusste Entscheidung ist. Zum Beispiel kann mit Little Wolf ein interessierter Leser etwas anfangen, mit Oh-cum-ga-che, dem Cheyenne-Namen eher nicht. Sie würde gern immer die indianischen Namen nehmen, aber dies wäre für die Leser schwieriger. Historische Persönlichkeiten sind eher erkennbar, auch entstehen, z.B. bei "deutschen" Namen eher Bilder im Kopf.

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Kerstin Groeper möchte mit ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Wissenswertes vermitteln, schreibt sie in einem historischen Abriss, den sie dem Roman angehängt hat. Dabei beschäftigte sie sich viel mit den Cheyenne.
Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ [2]


Buchmesse Leipzig 2016 - Beim Traumfängerverlag

Ich lernte die sympathische Autorin am Stand des Traumfänger-Verlages auf der Buchmesse 2016 in Leipzig kennen. Der Verlag war mir damals noch unbekannt. Eigentlich seltsam, dass er mir noch nicht aufgefallen war. Im Programm stehen sehr verschiedene Arten von Indianerliteratur. Vom Krimi, über historische Romane, Jugendbücher bis zu Sachliteratur und Musik reicht die Palette. Ein Verlag, den es im Auge zu behalten gilt.

Ich bedanke mich für dieses Buch, dass ich freundlicherweise am Buchmessenstand erhielt.

DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 1.2015 / ISBN: 978-3-941485-48-8 / 582 S.

© KaratekaDD




Quellen & Abbildungen




[1] Siehe Starita, Joe: Häuptling Dull Knife… / Droemer Knaur / München 1996 / ISBN: 3-426-26758-6


[2] Vgl. http://www.traumfaenger-verlag.de/index.php/kerstin-groeper.html, 02.08.2016, 15:30 Uhr



Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese ausführliche Rezension ... sie hat ja bald die gleiche Recherchearbeit, wie bei meinem Buch! Es ist wirklich eine Bereicherung, wenn jemand meine Bücher rezensiert, der sich auskennt, oder der wirklich nachforscht, wer ich bin und was ich schreibe. Ich schreibe nicht einfach "so" einen Roman, sondern mir sind sowohl die historische Recherche, aber auch Mythologie, Lebensumstände, Sprache und Gewohnheiten dieser Menschen sehr wichtig. Und das erfährt man eben nicht nebenbei, sondern das geht nur über Kontakte, Besuche und indem man wirklich an dem Thema dranbleibt. Vielen Dank, dass du das erkannt hast! Das ist wirklich die schönste Wertschätzung ... abgesehen davon, dass dir das Buch gefallen hat. Da schreibe ich gern weiter .... freue mich schon auf die nächste Messe und hoffe, dich wiederzusehen.
    Kerstin Groeper

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    1. Vielen lieben Dank für deine Worte. Einfach so runterlesen kann ich nur selten.

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  2. Ein tolles Buch, das mich sehr beeindruckt hat!
    Liebe Grüße
    Martina

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  3. Ich bin ja erwiesenermaßen jetzt nicht so der Indianerfan. Aber ich finde es sehr beeindruckend, welchen Anteil am Schicksal der Indianer Nordamerikas Du und mit Dir noch jede Menge anderer Deutscher heute noch nehmt. Ist das in anderen Ländern eigentlich ähnlich? Oder ist das ein deutsches Phänomen? Die Buchbesprechung hier ist jedenfalls einmal mehr sehr anschaulich und lesenswert...

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    1. Das kann ich dir gar nicht so beantworten, nehme aber an, dass diese Beschäftigung mit den Indianern in Deutschland stärker vertreten ist, als in anderen Ländern.

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