Freitag, 6. Dezember 2013

Scheuer, Norbert: Peehs Liebe


Rosarius Delamot weiß nicht, wer sein leiblicher Vater ist, vielleicht ein Archäologe, der das Straßennetz des antiken Römischen Reiches kartographiert hat und in Nordafrika verschollen blieb. Rosarius hat nur seine Mutter Kathy, er ist in seiner Jugend kleinwüchsig und spricht die ersten dreiundzwanzig Jahre seines Lebens kein Wort. Aber er sieht die Dinge anders als gewöhnliche Menschen, sein Gehirn scheint ein unendlicher Speicher von kleinsten Wahrnehmungen und Erinnerungen zu sein. 
Als Kind hat er sich in Petra verliebt, die er nur 'Peeh' nennen kann. Später, als normalgroßer Erwachsener, der Sprechen gelernt hat, wird eine Liebesgeschichte daraus. In seinen Träumen und in der Wirklichkeit lebt Rosarius sein eigenes Leben, in dem er die ganze Welt bereist und die Eifel, in der er mit Vincentini ein elektrisches Akupunkturgerät verkauft, das gegen jede Krankheit helfen soll. Als alter Mann im Heim wird er von Annie liebevoll gepflegt, ihm ist, als wäre seine Peeh endlich wieder da, als würde er ihr jetzt im Alter die abenteuerliche Geschichte seines Lebens erzählen, eine Geschichte über die Liebe, das Altern und das Vergessen. 

In seinem neuen, bewegenden, melancholisch-lichten Roman zeigt sich Norbert Scheuer wieder als ein großer, poetischer Erzähler. 





Die Melodie der Worte...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 03.12.2013


In Kall, einem kleinen Ort in der Eifel, wächst Rosarius auf...

Rosarius Delamot, der lange kleinwüchsig bleibt und summt statt spricht, lebt in seiner eigenen Welt, nimmt die Dinge anders wahr als gewöhnliche Menschen. Er wächst bei seiner Mutter auf, seinen vermeintlichen Vater, einen Archäologen, der das Straßennetz des antiken Römischen Reiches kartographiert hat und später verschollen blieb, lernt er nie kennen. In Peeh findet Rosarius jene Frau, die er ein Leben lang lieben wird.
Als alter Mann trifft er auf die Pflegerin Annie, in der er seiner Peeh wieder begegnet. Ihr erzählt er die sonderbare und außergewöhnliche Geschichte seines Lebens.

 

Benannt wurde Rosarius nach einen Ururgroßonkel, der einst als Hausierer in der Eifel unterwegs war. Ob Kathy tatsächlich Rosarius Mutter war, wird nicht deutlich, aber sie versteckt das seltsame Kind vor den Nazis und kümmert sich liebevoll um ihn. Weil Rosarius bis zu seinem 23. Lebensjahr nicht spricht, sondern summt, und sich auch ansonsten "seltsam" verhält, glaubt jeder, dass er dumm ist und nichts versteht. Dadurch erfährt Rosarius aber vieles, was die Menschen ansonsten eher für sich behalten würden:
"Auch wenn ich nicht sprechen konnte, behielt ich fast alles, wovon aber niemand wusste. Weil ich keine Wörter für die Dinge hatte, dachte alle, ich sei blöde und könne mir nichts merken. Sie dachten, man könne sich nur auf ihre Weise erinnern. Daher benahmen sich die Menschen in meiner Gegenwart, als sei ich nicht vorhanden, redeten und taten, was sie wollten, denn ich würde es ohnehin niemandem sagen können. Ich fühlte mich, als würde ich mit einer Tarnkappe herumlaufen, war jemand, der gar nicht vorhanden war." (S. 53)

 


viele abgespeicherte Straßennamen...
In Rückblenden erzählt Rosarius im Alter von seiner Lebensgeschichte, kleine Ausschnitte immer nur, die sich wie ein Puzzle allmählich zu einem Bild zusammensetzen, das von Höhen und Tiefen geprägt ist. Unterbrochen werden die Erzählungen immer wieder durch das ständige murmelnde Herunterrasseln von Straßennamen, die Rosarius irgendwann einmal gehört oder gelesen und seither nie mehr vergessen hat. In seinem Nachwort meint Norbert Scheuer hierzu, dass diese Straßen ein Labyrinth darstellen, das Labyrinth von Rosarius Liebe zu Peeh, der ewigen und vergeblichen Suche nach seinem Ursprung.
Die Pflegerin Annie ist diejenige, der Rosarius seine Geschichte erzählt, als er nach einem Schlaganfall ins Altersheim kommt. In ihr glaubt er seine Peeh wiedergefunden zu haben, was ihn mit dem Leben versöhnt. "Bei manchem, was Rosarius ihr erzählte, wusste Annie nicht, ob es tatsächlich stimmte. Vielleicht erträumte er sich auch nur eine Geschichte, so wie wir alle mehr oder weniger unser Leben in Träumen erschaffen." (S. 138)

 


Die Sprache ist eine ganz besondere. Voller Wärme, bildgewaltig und poetisch, dabei ganz leise und zart. So taucht man behutsam ein in die Gedanken- und Gefühlswelt von Rosarius, manchmal auch von Annie, lässt sich treiben im ruhigen Fluss.
Immer wieder finden sich Passagen von Hölderlins "Hyperion", einem lyrisch-

elegischen Roman von Liebe und Sehnsucht. Der Lebensgefährte von Rosarius Mutter hat dieses Buch ständig gelesen, auch laut, und Rosarius kann ganze Passagen auswendig. So werden immer wieder Zitate eingestreut: "Und wenn ich oft dalag unter den Blumen und am zärtlichen Frühlingslichte mich sonnte und hinaufsah ins heitre Blau, das die warme Erde umfing." (S. 77) Aber auch die Gedanken von Rosarius und Annie vermischen sich immer mehr mit der Sprache Hölderlins.

 

 
Als Kind summte Rosarius den Hyperion - er erkannte die Melodie der Worte...



Ein wunderschönes Buch, das etwas anklingen lässt im Leser, zart berührt und lächelnd zurücklässt.

© Parden









 Norbert Scheuer liest 10 Seiten aus "Peehs Liebe"












Norbert Scheuer
 Hier geht es zur Biographie von Norbert Scheuer...












Bibliographie



Der Steinesammler
Schöffling
Frankfurt a. M., 1999


Flußabwärts
C. H. Beck
München, 2002


Kall, Eifel C. H. Beck
München, 2005


Überm Rauschen
C. H. Beck
München, 2009


Peehs Liebe
C. H.Beck
München, 2012


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Blogging 4 Charity

 

















Kinder-Hospiz Sternenbrücke

Seit 2003 hilft die Sternenbrücke Kindern, Jugendlichen und seit 2010 auch jungen Erwachsenen bis zu einem Alter von 27 Jahren mit verkürzter Lebenserwartung, ein würdevolles Leben bis zu ihrem Tod führen zu können.

Weitere Informationen:
www.sternenbruecke.de


 

Geschenke 



Bonprix spendet 50 Euro pro teilnehmendem Blog. Eine schöne Möglichkeit zu helfen, finden wir!

Nach Abschluss der Aktion am 26.12. übergibt Bonprix den gesammelten Spendenbetrag an die unterstützte Einrichtung. Wie viele Spenden zusammengekommen sind, erfährt man dann auf der Website des Unternehmens. 


 

Noch mehr Gutes tun: Selber spenden und weitererzählen


Sternenbrücke:
Spendenkonto Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke:
Konto-Nummer: 19 099 100
Bankleitzahl: 201 900 03
Hamburger Volksbank

Zudem besteht auch die Möglichkeit, mit Sachspenden zu helfen:
www.sternenbruecke.de/wunschliste.html




Wir wünschen der Aktion viel Erfolg!

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Rosenthal, Donna: Die Israelis


Es gibt schon einen Grund, warum ich plötzlich das Thema Israel aufgreife. Heute gab es bei uns einen Vortrag eines ehemaligen Bombenentschärfers der israelischen Polizei. Begleitet wurde er von den beiden Kollegen, die im Jahr 2009, als ich auf einer Studienreise in Israel war, die Reiseleitung inne hatten. Schön, die beiden, den Sven und den Yalon, wiederzusehen. Auf den sehr spezifischen Vortrag möchte ich hier nicht eingehen aber eine etwas ältere Rezension eines sehr interessanten und informativen Buches vorstellen.

DIE ISRAELIS von DONNA ROSENTHAL
zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 21.02.2010
unter GDP Israelreisen ebenfalls veröffentlicht


* * *
Quelle
Nicht größer als das Bundesland Hessen, mehr als 100 Nationen aus aller Welt werden dort beherbergt. Es gibt Christen aller Konfessionen, Araber christlicher und muslimischer Religionszugehörigkeit, Drusen, Beduinen und Fellachen und natürlich Juden, säkulare, orthodoxe, ultraorthodoxe, welche, die Militärdienst ableisten müssen und welche die davon befreit sind. Juden, die im heutigen Gebiet von Israel geboren wurden (Sabra) und Juden, die aus umliegenden Ländern (Mizrahim) einwanderten oder als sogenannte Ashkenasim insbesondere aus Osteuropa stammen.

Donna Rosenthal schreibt über das "Israeli werden", über das Wohnen in den unsichersten Wohnvierteln der Welt, über die Partnersuche, den Militärdienst in einer "Armee des Volkes" und immer wieder über die Wirtschaft.

"Eine Nation, viele Stämme" erklärt die Herkunft und Denkweise der Ashkenasim, deren Holocausterfahrungen über Generationen wirken , der Mizrahim, der nach Zusammenbruch der Sowjetunion in Massen eingewanderten "Russen" und der aus Äthiopien stammenden Juden, die sich über Jahrhunderte den Glauben bewahrten und der restlichen Welt förmlich unbekannt waren.

Das Kapitel "Grabenbrüche zwischen Juden und Juden" erklärt die Widersprüche zwischen orthodoxen und nicht orthodoxen Juden. Welche Rolle spielen die strenggläubigen Haredim im Land, welche vom Wehrdienst befreit sind, weil deren Oberrabbinat dies politisch durchsetzen konnte in einem "säkularen" Staat? Warum drängt sich der Vergleich von Jezhiwaschülern (Jungen und Männern, die ihr (fast) ganzes Leben die Thora und den Talmud studieren) und den Koranschülern der Taliban auf? Dieser Vergleich ist sicher nicht umfassend und viel zu vereinfacht.

© URDD 2009: Bar Mitzwa
Es gibt weltoffene Städte (Tel Aviv, Haifa) und Städte, in denen die strengreligiöse jüdische Lebensweise vorherrscht. In El-AL Flugzeugen gibt es Sektionen, in denen Haredim-Männer (die Gottesfürchtigen), mit Gebetsriemen versehen (Tefillin mit kleinen Schachteln die Thorasprüche beinhalten) betender Weise durch das Flugzeug wandeln. An der Westmauer des Tempels in Jerusalem (Klagemauer) beten Frauen und Männer getrennt, selbst wenn gerade die Bar Mitzwa (für Jungen) oder die Bat Mitzwa (für Mädchen) gefeiert wird. Schwer zu verstehen für Europäer, die gelegentlich "nur" über gegebenenfalls unterschiedliche Arbeitslöhne von Frauen und Männern oder über die nichterlaubte Priesterordination von Frauen in der katholischen Kirche diskutieren.

Der vierte Teil des Buches behandelt die "Nichtjuden in einem jüdischem Staat". Israelische Araber oder arabische Israelis, die voll anerkannte Staatsbürger sein wollen, in Polizei und Militär dienen aber, je nach Anschauung, die Unabhängigkeitserklärung des Staates als Katastrophe ansehen und den Fernseher ausschalten, wenn die Nationalhymne erklingt, die HATIKWAH, die "HOFFNUNG auf Zion". Erzählt wird auch über die Drusen, Menschen die eine eher geheime Religion haben und von den besonders viele in den Streitkräften dienen, die besonders todensmutig sein sollen, weil sie an die Reinkarnation glauben.

© URDD 2009 / Beduinen
Donna Rosenthal gibt hier den Überblick über Muslime, Beduinen, Drusen und Christen in Israel. Sie schreibt, dass es nur ein Überblick ist, ihnen allen wäre ein "eigenes" Buch zu würdigen.

SHALOM / SALAAM / FRIEDEN: Der Epilog zeigt noch einmal auf, dass es Bestrebungen gibt, vom Staat, in Dörfern und Gemeinden, in Privatinitiativen, gemeinsam an sozialen Projekten zu arbeiten um das durch Übergriffe gegenüber arabischen Bürgern und die regelmäßigen Terrorangriffe gegen Juden und den Staat äußerst verletzliche Zusammenleben in diesem Nationenschmelztiegels auf normaler Basis wieder zu entwickeln. Ganz besonders für die Zukunft, die Kinder, deren Berührungsängste zueinander erst durch Eltern, Schule, Anschauungen und Religion entstehen.

Ein interessantes, umfassend informierendes Buch über die Menschen in einem Land in dem Krieg und Frieden, Religion und Atheismus, Geschichte und Moderne, HighTec und Armut, höchste Bildung und Analphabetentum so dicht beieinander liegen wie in keinem anderen Land der Welt.

* * *
Donna Rosenthal hat für die New York Times, die Washington Post. die Los Angeles Times und Newsweek geschrieben. Sie war TV-Produzentin in Israel und Reporterin für das israelische Radio sowie die Jerusalem Post. sie lehrte an der Hebrew University und erhilt den Lowell Thomas Award für die beste investigative Berichterstattung und Reiseberichte. Sie hat aus Iran, dem Libanon, Ägypten und Jordanien berichtet.
www.donnarosenthal.com

Lovelybooks:
Seit über 50 Jahren stehen Israel und der Nahostkonflikt im Zentrum des weltpolitischen Interesses. Wie sich aber das alltägliche Leben in diesem heterogenen, stets im Wandel begriffenen Land darstellt, ist weit weniger bekannt. Dieses Buch erzählt von den ganz normalen Menschen, ihren Hoffnungen und ihrem Alltag in Israel. Donna Rosenthal zeigt uns ein Land voller Widersprüche und kultureller Gegensätze. 

Wir lernen den ultra- orthodoxen Juden kennen, der schaut, ob religiöse Frauen in Bussen auch getrennt von Männern sitzen; wir treffen die Braut, deren in Äthiopien geborene Eltern ihren Ehemann ablehnen, weil er ihnen nicht jüdisch genug ist; wir begegnen der jungen mutigen Beduinin, die gegen den Widerstand der Familie und des Stammes ein Studium in der Stadt aufnimmt, oder lernen muslimische Israelis kennen, die von ihren Enttäuschungen, ihrer Verzweiflung und ihren Hoffnungen berichten. Wir erleben die junge, säkulare jüdische Generation, deren Helden nicht mehr Generäle sind, sondern Menschen, die ein zweites Silicon Valley im Land errichteten und Israel zu einem High-tech-Land gemacht haben. Die Autorin zeichnet ein farbiges Panorama dieses widersprüchlichen Landes. Sie erzählt die Geschichten der Menschen in ihren kollidierenden Welten zwischen einem traditionellen und einem radikal modernen Leben. Entstanden ist ein äußerst lebendiges, intimes und faszinierendes Bild einer Gesellschaft im Umbruch.

► Donna Rosenthal in der DNB
DNB / C.H. Beck / München / 2008 / ISBN:  978-3-406-57384-2 / 409 Seiten

© Bücherjunge

Zweig, Stefan: Brief einer Unbekannten


Aus dem Buch:
"Als der bekannte Romanschriftsteller R. frühmorgens von dreitägigem erfrischendem Ausflug ins Gebirge wieder nach Wien zurückkehrte und am Bahnhof eine Zeitung kaufte, wurde er, kaum dass er das Datum überflog, erinnernd gewahr, dass heute sein Geburtstag sei. Der einundvierzigste, besann er sich rasch, und diese Feststellung tat ihm nicht wohl und nicht weh. Flüchtig überblätterte er die knisternden Seiten der Zeitung und fuhr mit einem Mietautomobil in seine Wohnung. Der Diener meldete aus der Zeit seiner Abwesenheit zwei Besuche sowie einige Telephonanrufe und überbrachte auf einem Tablett die angesammelte Post. Lässig sah er den Einlauf an, riss ein paar Kuverts auf, die ihn durch ihre Absender interessierten; einen Brief, der fremde Schriftzüge trug und zu umfangreich schien, schob er zunächst beiseite. Inzwischen war der Tee aufgetragen worden, bequem lehnte er sich in den Fauteuil, durchblätterte noch einmal die Zeitung und einige Drucksachen; dann zündete er sich eine Zigarre an und griff nun nach dem zurückgelegten Briefe.
Es waren etwa zwei Dutzend hastig beschriebene Seiten in fremder, unruhiger Frauenschrift, ein Manuskript eher als ein Brief. Unwillkürlich betastete er noch einmal das Kuvert, ob nicht darin ein Begleitschreiben vergessen geblieben wäre. Aber der Umschlag war leer und trug so wenig wie die Blätter selbst eine Absenderadresse oder eine Unterschrift. Seltsam, dachte er, und nahm das Schreiben wieder zur Hand. "Dir, der Du mich nie gekannt", stand oben als Anruf, als Überschrift. Verwundert hielt er inne: galt das ihm, galt das einem erträumten Menschen? Seine Neugier war plötzlich wach. Und er begann zu lesen:"







Dir, der Du mich nie gekannt...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 02.12.2013


 
Wien, 1920



Die Geschichte - erstmals erschienen 1922 - beginnt mit der Schilderung eines Schriftstellers, der nach einem Bergurlaub in seine Heimatstadt Wien zurückkehrt. Als ihm in seinem Zuhause die Post der vergangenen Tage gereicht wird, ist darunter auch ein schweres Couvert ohne Absender: Darin ist ein Brief, in dem eine unbekannte Frau ihr Leben schildert, das von der unerwiderten Liebe zu dem Schriftsteller bestimmt ist.
Dieser Brief ist die leidenschaftliche Lebensbeichte einer Frau, deren Lebensmittelpunkt er war. Doch sie ist für ihn nur eine belanglose Geliebte unter vielen geblieben, letztlich eine Unbekannte. Wann immer sie sich wiedertrafen - er erkannte sie nicht...


 

"Ich klage Dich nicht an, mein Geliebter, nein, ich klage Dich nicht an", verspricht sie, und doch stellen ihre glühenden Worten das Leben dieses Mannes, der "nur das Leichte, das Spielende, das Gewichtlose" lieben kann und vor Bindungen zurückscheut aus "Angst, in ein Schicksal einzugreifen", vollständig in Frage.

 

Diese tragisch-schöne Novelle von Stefan Zweig besticht zum einen durch die feine und poetische Sprache, zum anderen aber auch durch eine perfekte Inszenierung. Mutet die Anrede "Dir, der Du mich nie gekannt" noch an wie das Schreiben einer vollkommen Unbekannten, entpuppt sich Stück für Stück, dass sich die Frau und der Autor durchaus einige Male begegnet sind, sehr intim sogar. Allmählich erst wird die Tragik eines Lebens offenbar, das sich einzig der Liebe zu diesem Autor verschrieben hat - und doch unerhört blieb.
"Was war mir Freundschaft, was meine Existenz gegen die Ungeduld, wieder einmal Deine Lippen zu fühlen, Dein Wort weich gegen mich gesprochen zu hören. So habe ich Dich geliebt, nun kann ich es dir sagen, da alles vorbei ist und vergangen. Und ich glaube, riefest Du mich von meinem Sterbebette, so käme mir plötzlich die Kraft, aufzustehen und mit Dir zu gehen."

 

Eine faszinierende Lektüre, mit dem Gefühl, fast schon verbotenerweise einen Blick in einen sehr persönlichen Brief tun zu dürfen und dabei verzaubert und ergriffen von Zeile zu Zeile zu gleiten.


 

© Parden 








Stefan Zweig
Stefan Zweig war ein bedeutender österreichischer Schriftsteller. Geboren am 28. November 1881 in Wien als Sohn von Moritz Zweig, einem wohlhabenden jüdischen Textilunternehmer und Ida Brettauer, die ebenfalls aus einer reichen Kaufmannsfamilie stammte. Zusammen mit seinem Bruder wuchs er in Wien auf. Seine Kindheit wurde nicht durch die jüdischen Wurzeln geprägt. Am Wiener Gymnasium Wasagasse legte er seine Matura ab. Bereits während seines Studiums erschienen seine ersten Veröffentlichungen. 1901 veröffentlichte er seine ersten Gedichte unter dem Titel Silberne Saiten. 1904 erschien seine erste Novelle. Neben eigenen Erzählungen und Essays arbeitete Zweig auch als Übersetzer der Werke Verlaines, Baudelaires und insbesondere Émile Verhaerens sowie als Journalist. Seine Bücher erschienen im Insel-Verlag in Leipzig. Zweig pflegte einen großbürgerlichen Lebensstil und reiste viel, unter anderem besuchte er 1910 Indien und 1912 Amerika. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Militär und wurde wegen seiner Untauglichkeit ausgemustert und im Archiv des Kriegsministeriums eingesetzt, in welchem er zusammen mit Rilke arbeitete. Der Kriegsverlauf machte Zweig immer mehr zum Kriegsgegner - auch unter dem Einfluss seines Freundes, des französischen Pazifisten Romain Rolland. 1917 wurde Zweig vom Militärdienst beurlaubt, später ganz entlassen. Er zog nach Zürich in die neutrale Schweiz. Nach Kriegsende kehrte Zweig nach Österreich zurück, er lebte in Salzburg und heiratete im Januar 1920 Friderike von Winternitz. Als engagierter Intellektueller trat Stefan Zweig vehement gegen Nationalismus und Revanchismus ein und warb für die Idee eines geistig geeinten Europas. 1928 bereiste Stefan Zweig die Sowjetunion, wo seine Bücher auch auf Russisch erschienen. 1930 widmete er sein Buch Die Heilung durch den Geist Albert Einstein, den er in seinem Exil in Princeton (USA) in der Kirche und im Leseraum der Christian Science besuchte. Zweig emigrierte daher 1934 nach London - die Kontakte nach Deutschland rissen nicht ab, obwohl seine Bücher in Deutschland nicht mehr erscheinen durften (lediglich noch in Wien). 1936 wurden Zweigs Bücher in Deutschland verboten. Seine erste Ehe wurde 1938 geschieden, seine zweite Ehe ging er 1939 mit Charlotte Altmann ein. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm Stefan Zweig die britische Staatsbürgerschaft an. Er verließ London und gelangte über die Stationen New York, Argentinien und Paraguay im Jahr 1940 nach Brasilien. Am 22. Februar 1942 beging Stefan Zweig in Petrópolis (bei Rio de Janeiro) durch eine Medikamentenüberdosis Selbstmord. Seine Frau wartete seinen Tod ab und beging dann ebenfalls Selbstmord.  Quelle

 

Sonntag, 1. Dezember 2013

Klaviersdelikte - Steckbrief

Quelle
Klaviersdelikte sind Offizialdelikte, die von kabarettbegeisterten Besuchern verfolgt werden. Tatmittel ist in den meisten Fällen ein Klavier wobei auch eine Okulele bemerkt wurde und ein Klopfholz oder wie dieses Perkussionsinstrument sonst heißen mag. Rechts sehen wir einen gewalttätigen Vertreter dieser Deliktsform, der mit diversen Schlaghandschuhen das arme Tatwerkzeug bearbeitet.

Dem nicht kriminologisch gebildeten Leser dieses Blogs sei folgende Erklärung gewidmet:

* * *
In der Kriminologie wird die Bezeichnung Delikt als allgemeiner (eher soziologisch als juristisch definierten) Begriff für eine strafrechtlich relevante Verfehlung verwandt. In gleicher Weise sprechen Soziologie und Kriminologie vom Straftäter auch als von dem Delinquenten. Von Delinquenz wird in den Sozialwissenschaften sowohl bei der vollendeten Begehung krimineller Delikte (dann gleichbedeutend mit individueller Kriminalität) als auch im Sinne einer anhand objektiver Kriterien (in der Regel Handlungen) feststellbaren, subjektiv verankerten Neigung dazu gesprochen.
Kriminologisch werden bestimmte Arten von Straftaten oder Rechtsverstößen auch zu Deliktgruppen zusammengefasst:

  • Beziehungsdelikte
  • Drogendelikte
  • Gewaltdelikte
  • Sittlichkeitsdelikte
  • Verkehrsdelikte
Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man bei vorgeblich „entschuldbaren“ Taten auch von einem Kavaliersdelikt.(wiki)  Hier allerdings handelt es sich eben um Klaviersdelikte.

Die Delikte werden genaustens geplant, dies beweist folgendes liegen gebliebenes Beweisstück.

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Quelle
Der Täter ist ein am 21. Mai 1977 in Hamburg geborener junger Mann, der sein Musikstudium auf Lehramt (tatsächlich?) insofern schmiss, dass er nach dessen Abschluss keinesfalls Lehrer sondern eher Belehrender wurde. Außerdem betätigt er sich in seinen Unterrichtsstunden gelegentlich auch als Fremdsprachler, dem selbst allgäuisch, klingonisch oder gar mittelerdische Elbensprachen scheinbar geläufig sind.

Der Täter trat früher öfter dadurch in Erscheinung, dass er die Revers von Hemden in grellen Farben über dem Kragen des Jacketts eines meist blaufarbenen Anzugs schlug. Diesmal wollte Bodo, so heißt der Knabe wohl, weniger auffallen, denn das getragene weiße Hend blieb kragenmäßig unter dem Revers. Es sollte noch bemerkt werden, dass der brünette junge Mann ca. 170 bis 185 cm groß ist und eine Brille trägt.

Der Täter ist sich nicht zu schade, seine mittels Klavier begangenen Taten 
auch im Internet zu verbreiten:

http://www.bodowartke.de/programme


Auch seinen Lebenlauf bietet er der Öffentlichkeit im Internet dar. Die ermittelnden Beamten versucht er zu narren, denn in eben diesem Medium spielt er wohl mit ihnen Versteck:


Gestern, 2000 301113 (taktische Zeit), ist es einem Ermittler gelungen, besagten Bodo Wartke in Neubrandenburg aufzuspüren. Mehrere hundert Zeugen sind allerdings für die Ermittlungen nicht zu gebrauchen, durch anhaltendes Klatschen und Trampeln und ständiges Gelächter muss angenommen werden, dass sämtliche Zeugen eher Zeugen der Verteidigung werden könnten. (Der ermittelnde Schreiber dieser Öffentlichkeitsfahndung ist ebenfalls schwankend geworden).

Wer nun noch so richtig weiß, ob er sich ebenfalls auf Fahndung gegen den nunmehr in Berlin lebenden Klavierverbrecher begeben sollte, kann hier etwas von ihm hören oder sehen oder lesen.


Der in Bezug auf Bodo Wartke angesetzte Zielfahnder fordert alle Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, Kollegen, Karatekas, Wadokaier, Hatorianer, Buchgesichter, Buchblogger, Kommissarsanwärter, Dresdner, Berliner, Deutsche, Europäer, Kabarettisten und andere auf, sich an der Fahndung zu beteiligen. Spesen werden ersetzt, wenn der Zivilfahnder auf einer Veranstaltung persönlich mit Hinweis auf diese Öffentlichkeitsfahndung angesprochen wird. Zu beachten ist, dass wegen § 111 OWiG bei falscher Namensangabe in diesem Fall Verdruss droht. 
An weibliche Geschöpfe mit seltsamen Namen jedoch verteilt der Begeher der Klaviersdelikte kostenlose Machwerke bzw. Momentaufnahmen seiner Klaviersdelikte.


Viel Spaß und viel Erfolg bei den eigenen Ermittlungen.

© Bücherjunge
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Dienstag, 26. November 2013

Frame, Janet: Wenn Eulen schrein


Die Familie des Eisenbahners Bob Withers in der Kleinstadt Waimaru wird von Unglück und Krankheit geplagt: Eine Tochter, Francie, stirbt durch einen tragischen Unfall, eine andere, Daphne, erkrankt psychisch so schwer, dass sie in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss, ihr Bruder Toby hat epileptische Anfälle. Hinter dem Drama der Familie werden aber auch gesellschaftliche Konflikte sichtbar: Kann man im ganz anders gearteten Kosmos Neuseelands einfach die Werte und Bildungsstandards des weißen Europa vermitteln, ohne Rücksicht auf die angestammte Kultur? Vor allem die grandiose, poetische Sprache dieses Romans, seine Fähigkeit, besonders in die Gedanken- und Wahnwelt Daphnes einzudringen, seine menschliche Feinfühligkeit und erzählerische Objektivität machen ihn zu einem Meisterwerk der Literatur des 20. Jahrhunderts. 




So hoffnungslos einsam und trostlos...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 25.11.2013

 
Waimaru, eine Stadt in Neuseeland, zwischen Südpol und Äquator, 45. Längengrad


Erzählt wird die Geschichte einer armen Eisenbahnerfamilie aus Neuseeland. Bob Withers verdient als Eisenbahner gerade so viel, dass die Familie das Nötigste zum Leben hat, oft genug müssen sie im Laden anschreiben lassen, und neue Dinge sind ein nicht zu leistender Luxus. Vier Kinder leben in dem kleinen Haus in ärmlichen und dreckigen Verhältnissen, sind oft genug aufeinander angewiesen, weil sie überall sonst eher Außenseiter sind.
Hinzu kommt, dass die Familie von Unglück und Krankheit verfolgt wird. Francie,
Armut kennzeichnet die Familie
die älteste Tochter, hat mit 13 gerade die Schule verlassen und ihre erste Arbeitsstelle angetreten, als sie tödlich verunglückt. Daphne, die Zweitälteste, entwickelt eine psychische Erkrankung, die die Eltern schließlich veranlasst, ihre Tochter in eine Heilanstalt zu geben, wo sie jahrelang verbleibt. Der Sohn Toby erleidet epileptische Anfälle und bleibt in der Schule hinter seinen Altersgenossen zurück. Einzig die jüngste Tochter, Teresa, scheint ohne große Narben aufzuwachsen, heiratet dann aber früh und zieht weg aus der Kleinstadt.

 

In zwei Teilen wird das Buch erzählt - einmal über die Geschehnisse rund um den tödlichen Unfall von Francie, das Leben der Kinder und der Familie, die Ärmlichkeit, der Dreck, die Suche nach Schätzen auf der Müllhalde - und einmal 20 Jahre später über das Erleben einzelner Familienmitglieder, ihre Tätigkeit, ihre Ziele, ihr Denken, ihre Gefühle, ihre Pläne für die Zukunft.
Dabei ereignet sich nichts von wirklicher Bedeutung, jeder scheint gefangen in seiner Welt, tagein tagaus derselbe Ablauf, alles vorhersagbar, so wie es war von Anbeginn aller Zeiten. Vieles wird nur angedeutet, angerissen, alles verharrt stumpf in einer resignierten Verzweiflung - es wird sich doch nichts ändern. Die Bemühungen, dem Leben einen Sinn zu geben, eine andere Bahn, wirken hilflos und traurig. Geld anzuhäufen und dabei nach wie vor vom Müll zu leben versucht der eine, ein krampfhaftes Buhlen um gesellschaftliche Anerkennung die andere: "Was kann ich mehr vom Leben verlangen, als gern gesehen und beliebt zu sein." Die einzige, die die Verlogenheit und Vergeblichkeit der Bemühungen zu durchschauen scheint, ist ausgerechnet Daphne, die, sprachlos zwar und seit Jahren weggesperrt, dafür aber ungeheuer klarsichtig hinter die Dinge zu schauen vermag.

 

Unterstrichen wird die hoffnungslose Einsamkeit jedes einzelnen Familienmitglieds durch die besondere Sprache Janet Frames. Poetisch aber nicht lieblich, dafür voller Metaphern und meist düsterer Bildhaftigkeit. Selbst sonst oft positiv besetzte Dinge wie die Sonne oder das Meer bekommen hier eine düstere Ausstrahlung bis hin zur Bedrohlichkeit.
Manche Kapitel, meist dann wenn von Daphne die Rede war, gerieten sprachlich nahezu ins Surreale, weil die Autorin dort dem Mädchen in die psychische Erkrankung folgt. Das waren Momente äußerster Bedrückung für mich, sowohl was die angedeuteten Erlebnisse anbelangt (Elektroschocks, Isolierung) als auch die wirre und gleichzeitig real wirkende Gedankenwelt Daphnes. Aber stellenweise war der Text für mich auch einfach unverständlich, selbst nach mehrfachem Lesen der Passagen erschloss sich mir deren Sinn nicht wirklich.

 

Nachhaltig bedrückend wird der Text mit dem Hintergrundwissen, dass die Autorin viele autobiographische Bezüge in den Roman eingearbeitet hat. Auch Janet Frame stammte aus einer armen Eisenbahnerfamilie in Neuseeland und verbrachte viele Jahre in der Psychiatrie. Sie galt zu Unrecht als schizophren.  
Hier gibt es mehr Informationen zu ihrem Leben...
 


Insgesamt hat mich der Roman eher beeindruckt als bezaubert. Die Sprache ist beachtlich - nicht umsonst wurde Janet Frame seinerzeit auch für den Nobelpreis nominiert.
Doch diese hoffnungs- und trostlose Einsamkeit eines jeden Einzelnen will auch erst einmal ertragen werden. Mir fiel es manchesmal recht schwer...


 

© Parden












Janet Frame wurde 1924 in Neuseeland als drittes von fünf Kindern eines Eisenbahnarbeiters geboren. In ihrer Familie häuften sich tragische Ereignisse. George, ihr Bruder, litt an einer schweren Epilepsie, zwei ihrer Schwestern, Myrtle und Isabelle, ertranken. Bei ihr selbst wurde fälschlicherweise Schizophrenie diagnostiziert, weshalb sie acht Jahre, von 1947 bis 1954, in Nervenheilanstalten verbrachte, wo sie mit 200 qualvollen Elektroschocks "therapiert" wurde. Die Erinnerungen an diese Zeit verarbeitet sie 1961 in ihrem Roman "Gesichter im Wasser" (Faces in the Water).
Sie schrieb insgesamt elf Romane, wie „Wenn Eulen schrein“ (Owls do cry), einige Kurzgeschichtensammlungen, eine Poesiesammlung und ihre Autobiographie "Ein Engel an meienr Tafel" (An Angel at my Table), die von Jane Campion 1990 verfilmt wurde. Im Jahr 2003 galt sie als eine Anwärterin auf den Literaturnobelpreis. Am 29. Januar 2004 starb sie im Alter von 79 Jahren an Leukämie.




 

Trailer zu "An Angle at my Table" von Jane Campion







Samstag, 23. November 2013

Findeisen, K.A.: Flügel der Morgenröte


Vierzig Jahre Dresden im 18. Jahrhundert
Von den Befreiungskriegen bis zur Revolution 1848.
 auch unter Dresdner Bücherjunge 

Es ist schon viele Jahre her, dass ich auf eine besondere Empfehlung hin, ein Buch dieses  Kurt Arnold Findeisen las. Über Der Goldene Reiter und sein Verhängnis wird aber an anderer Stelle noch die Rede sein. Vorerst genügt der Link zur  Buchgeschichte.

Hier nun ein weiterer Dresden-Roman dieses Schriftstellers. Er lebte von 1883 bis 1963 und wurde in Zwickau geboren.  Er war Lehrer und Krankenpfleger, Leiter der Schulfunkabteilung des Mitteldeutschen Rundfunks (1931) bis zu seiner Entlassung 1933.  Er schrieb über  Karl Stülpner,  Robert Schumann,  Franz Schubert,  Brahms,  Bach,  Händel und  Johann Strauß. Texte von Findeisen wurden von  Rudolf Mauersberger im  Weihnachtszyklus der Kruzianer vertont. Spätestens hier wird nun klar, der hat mit Dresden unmittelbar zu tun.[1] Großartig bekannt ist er wohl nicht. Ums so mehr ist dies ein Grund, sich mit Findeisen näher zu beschäftigen.

Doch kommen wir erst einmal zu den Flügeln der Morgenröte. Nein, auf den Psalm 139 möchte ich nicht eingehen, vielleicht muss ich auch das Buch noch einmal lesen, denn mir will schier nicht einfallen, ob ich diesen Bezug gefunden hatte…



Zur Geschichte:

Freitag, 22. November 2013

Nesbø, Jo: Koma


Der zehnte Fall um Harry Hole: 


Ein junges Mädchen wird tot im Wald gefunden. Sie wurde brutal vergewaltigt. Zehn Jahre später wird an derselben Stelle ein Polizist getötet, sein Gesicht ist grausam entstellt. Eine Sonderkommission ermittelt unter Hochdruck. Doch es geschehen weitere Morde. Die Polizei hat keine Spur, und ihr bester Ermittler Harry Hole fehlt. 
In einem Krankenhaus liegt ein schwerverletzter Mann im Koma. Das Zimmer wird von der Polizei bewacht. Niemand soll erfahren, wer der geheimnisvolle Patient ist. Denn er hat einen Feind. Und der ist überall. 


Spannung pur!









Ein absoluter Pageturner...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 22.11.2013






Ein junges Mädchen wird tot im Wald gefunden. Sie wurde brutal vergewaltigt. Zehn Jahre später wird an derselben Stelle ein Polizist getötet, sein Gesicht ist grausam entstellt. Eine Sonderkommission ermittelt unter Hochdruck. Doch es geschehen weitere Morde. Die Polizei hat keine Spur, und ihr bester Ermittler Harry Hole fehlt.
In einem Krankenhaus liegt ein schwerverletzter Mann im Koma. Das Zimmer wird von der Polizei bewacht. Niemand soll erfahren, wer der geheimnisvolle Patient ist. Denn er hat einen Feind. Und der ist überall.

 

So schwer wie diesmal ist mir lange keine Rezension gefallen. Denn dieser Thriller ist derart verwoben und schließt so nahtlos an den Vorgänger dieser Reihe an, dass man zum Inhalt kaum etwas schreiben kann, ohne gleich zu viel zu verraten. Denn Band 9 "Die Larve" hörte mit einem solch heftigen Cliffhanger auf, dass es überhaupt fraglich schien, ob diese Reihe noch fortgesetzt werden konnte. Und als Band 10 angekündigt wurde, war die drängendste aller Fragen: lebt Harry Hole - und wenn ja: wie geht es ihm?!
In zahlreichen Rezensionen, die ich zu "Koma" bisher gelesen habe, wird diese Frage leider locker flockig beantwortet, was ich überaus ärgerlich finde. Vor allem, wenn man sie vor dem Thriller selbst liest. Denn das Buch selbst verrät es nicht. Lange jedenfalls. Und dann ist doch alles anders als man denkt... Also am besten vor der Lektüre KEINE REZENSION zu diesem Buch lesen!







Spannend ist der Thriller. Verwoben. Undurchsichtig. Mit zahlreichen Sackgassen, Irreführungen, Wendungen. Düster. Grausam. Manchmal bis zur Grenze des Erträglichen. Gekonnt und logisch konstruiert. Ein Strudel aus Bangen, Hoffen und dunkler Vorahnungen...
Ein Pageturner ist dieses Buch. Ständig lockt Nesbø den Leser auf eine falsche Fährte, oft genug hält man den Atem an und denkt: das gibt es jetzt doch nicht! An manchen Stellen will man gar nicht erst weiter lesen und weiß doch, man muss jetzt wissen, wie es weiter geht. So fliegen die Zeilen vorbei, und spätestens nach zwei Tagen sind die über 600 Seiten ausgelesen. Vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt, wo man plötzlich merkt, dass man doch nicht aussteigen kann und die Loopings, die Übelkeit und Angst verursachen, im Fahrpreis inbegriffen sind.

 

In meinem Freundeskreis gibt es noch mehr Fans dieser Reihe, und zu einigen stand ich während des Lesens in Kontakt.

 

Freund: "Ist das nun mit oder oder Harry?"
Ich: "Wird nicht verraten. Selbst lesen macht schlau!" und weiter: "Und es lohnt sich, kann ich echt sagen. Momentan zieht sich echt immer wieder alles zusammen bei mir - Bauchschmerzen, weil Entscheidungen anstehen, von denen keine gut ist. Und Herzjagen weil wieder etwas unerträglich spannend ist, dann plötzlich wieder der freie Fall. Ich muss weiter lesen!"

 

Und als eine Freundin das Buch nach mir las, bekam ich plötzlich eine SMS: "(Name eines Charakters im Buch, wird hier natürich nicht verraten) uuuuuuuhhhhhschluchzuuuuuuhhhh." und Sekunden später noch eine weitere: "...Doofer, doofer Nesbø!"

 

Dies muss an dieser Stelle reichen. Und hat hoffentlich deutlich machen können, dass dieses Buch nicht nur toll zu lesen ist. Es ist ein ERLEBNIS!

 

Wirklich ein Muss für jeden Thriller-Fan - allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass man zumindest ein oder zwei direkte Vorgänger dieses Bandes gelesen haben sollte, um wirklich alle Zusammenhänge begreifen zu können.


 

© Parden




 









Und hier zur besseren Übersicht noch einmal alle Fälle Harry Holes in chronologischer Reihenfolge:
  1. Der Fledermausmann
  2. Kakerlaken
  3. Rotkehlchen
  4. Die Fährte
  5. Das fünfte Zeichen
  6. Der Erlöser
  7. Der Schneemann
  8. Der Leopard
  9. Die Larve
  10. Koma







Jo Nesbø

Jo Nesbø wurde am 23. März 1960 als Sohn einer Bibliothekarin in Oslo geboren. In seiner Jugend wollte er Profi-Fußballer werden, musste diesen Traum aber nach einigen Kreuzbandrisse aufgeben. Nach der Schule begann er eine Ausbildung als Diplom-Kaufmann nd Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen. Anschließend war er als Makler und Journalist tätig und konzentrierte sich auf seine musikalische Karriere als Sänger und Komponist der Popgruppe »Di Derre«, die er schon 1992 gemeinsam mit seinem Bruder Knut, sowie Magnus Larsen jr. und Espen Stenhammer gründete. Bereits 1999 brachte Ullstein sein erstes Buch, »der Fledermausmann«, in deutscher Übersetzung heraus, wofür er u.a. den »Riverton-Preis« erhielt. Für das Hörbuch seines Buches »Leopard« erhielt er 2010 den »Corine«. Hauptperson seiner bisherigen Kriminalromane ist der alleinstehende, alkoholkranke Hauptkommissar Harry Hole, um den bis 2013 bereits zehn Fälle erschienen sind, zuletzt "Koma". Seine Werke wurden unter anderem ins Schwedische, Finnische, Dänische, Englische, Niederländische, Französische, Polnische und Deutsche übersetzt.


Von Lesern nominiert, von Lesern prämiert! 5 Jahre Leserpreis bei Lovelybooks.de...




Aus dem Text von Lovelybooks.de:

Es ist soweit - hier sind alle 35 von Euch nominierten Bücher und Autoren in 15 Kategorien! Stimmt jetzt ab für Eure Lieblingsbücher 2013 und entscheidet, wer den größten deutschsprachigen Literaturpreis erhält.

Nach der Nominierungsphase darf nun endlich abgestimmt werden! Vielen Dank für die große Teilnahme – mehr als 15.000 Leser haben über 4.000 verschiedene Bücher und Autoren beim *Leserpreis 2013* nominiert. Deine Stimme als Leser ist wichtig und hilft anderen Lesern, tolle Bücher für sich zu entdecken.

Jetzt startet aber endlich die heiße Phase: Du stimmst darüber ab, wer den Leserpreis bekommt! Bis zum 28. November kann in jeder Kategorie einmal abgestimmt werden und am 29. November verkünden wir die offiziellen Preisträger. Hier findest du die Seite für die Stimmabgabe:












Auch ich habe bereits abgestimmt - zumindest in den Kategorien, in denen ich Bücher gelesen habe, die zur Abstimmung bereit stehen. 

So z.B. in der Kategorie "Romane":



Oder in der Kategorie "Krimis und Thriller":



Sowie in der Kategorie "Bestes Buchcover":

"Buchland" von Markus Walther - ein Buch, das ich hier im Blog sicherlich noch vorstellen werde, und für das ich auch in der Kategorie "Fantasy" abgestimmt hätte, wenn es dort ebenfalls den Sprung auf die Shortliste geschafft hätte...


Ich bin gespannt, wofür Ihr stimmen werdet!  








Donnerstag, 21. November 2013

Poznanski, Ursula: Fünf


Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind. In Plastikbehälter verpackte Leichenteile. Zeugen, die nach der Befragung sterben. Es ist eine blutige Version des Geocaching, eine grausige Jagd, auf die sich die Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary einlassen muss. Der Fall scheint unlösbar. Und plötzlich wird sie selbst zur Beute ...














Schnitzeljagd mit GPS...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 21.11.2013



Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt.
In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird ...

 
Welchen "Schatz" werden die nächsten Koordinaten zutage fördern?


In jedem Fall hat Ursula Poznanski hier eine originelle Idee in einem Thriller verarbeitet. Ich jedenfalls habe noch kein Buch dieses Genres gelesen, das sich mit der Thematik des Geocachings beschäftigt - und zwar durchgehend durch den gesamten Roman. Da jede Spurensuche ein wenig anders verläuft, wird dem Leser hier die ganze Bandbreite dieses beliebten Hobbies dargeboten.

 

Unter www.geocaching.de findet sich folgende Erläuterung zu der modernen Art der Schatzsuche:

"Geocaching lässt sich am besten als eine Art moderner Schatzsuche und Schnitzeljagd beschreiben.
Die Grundausrüstung des Geocachings
Kurz und generalisiert gefasst: Es gibt Leute, die verstecken irgendwo Dosen voller kleiner netter Dinge sowie einem Notizbüchlein, dem Logbuch. Und veröffentlichen das Versteck in Form von Koordinaten im Internet.  Dies lesen andere, merken sich die Koordinaten und nutzen ihr GPS-Gerät, um diese Schätze zu finden. Dann wird eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose ausgetauscht, der Besuch geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt - für den Nächsten ...
So weit zu den Grundregeln. Natürlich steckt viel mehr dahinter. Beispielsweise gibt es unterschiedlichste Cache-Arten, vom einfachen Cache, bei dem man praktisch fast mit dem Auto vorfahren kann über Caches, die nur mit speziellem Equipment erreichbar sind (z. B. mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung) bis hin zu Rätselcaches, die vor Ort oder sogar schon im Vorfeld Recherche und Knobelei erfordern."
 





In diesem Thriller handelt es sich jedoch um blutige Inhalte der Schatzkisten, und schnell wird klar, dass es nicht bei einer Leiche bleiben wird. Die Polizei gerät sogar in eine Zwickmühle: mit jeder Identifizierung eines weiteren potentiellen Opfers scheint dieses erst recht in die Gefahr zu geraten, von dem Serienmörder umgebracht zu werden. Doch die Ermittlungen ruhen zu lassen oder einzustellen, kommt natürlich auch nicht in Frage...
Vor allem die Ermittlerin Beatrice Kaspary wird zunehmend auch persönlich in den Fall verstrickt. Nicht nur, dass ihr der Täter immer wieder eine SMS zuschickt, nein, er weiß auch um ein Geheimnis aus ihrer Jugend, das sie nun wieder einzuholen scheint. Woher weiß der Täter davon - und was hat das mit den aktuellen Morden zu tun?

 

Spannend ist der Thriller in jedem Fall, wenn auch phasenweise etwas langatmig durch die immerwährende Wiederholung der Abläufe (neue Hinweise, Ermittlung der Koordinaten, das Auffinden weiterer Leichen oder Teile davon). Lediglich das Motiv bleibt lange im Dunkeln, auch wenn man als geübter Leser dieses Genres frühzeitig zu ahnen beginnt, wer der Täter sein könnte.
Besonders gefallen hat mir vor allem die Verstrickung der Beatrice Kaspary in den Fall, die dadurch und in Verbindung mit privaten Problemen (alleinerziehend, Streit mit dem Exmann) phasenweise sehr unter Druck geriet. Dieser Charakter wirkte sehr authentisch und glaubwürdig ausgearbeitet, aber auch die Kollegen gewannen zunehmend an Konturen.

 

Insgesamt ein gefällig zu lesender Thriller, außergewöhnlich im Zusammenhang mit der Thematik des Geocachings. Und in jedem Fall so spannend, dass ich gerne mehr von dem Ermittlerduo Kaspary und Wenninger erfahren würde. Band 2 "Blinde Vögel" wird also sicherlich demnächst von mir gelesen werden!


© Parden  








Ursula Poznanski im Interview zu "Fünf":







Ursula Poznanski
Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren und begann nach einem abwechslungsreichen Schul- und Studienleben als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag, für den sie immer noch tätig ist. Sie selbst sagt von sich, sie hätte sich schon immer gerne Geschichten ausgedacht, aber nie zu Papier gebracht. Wenn sie schrieb, dann nur Kurzgeschichten. Im Jahr 2000 nahm sie - leider erfolglos - an einem Drehbuchwettbewerb des ORF teil. Dadurch entdeckte sie, dass sie doch zu "längeren" Texten fähig war und fing Feuer. Sie sammelte Romanideen und schaffte es, mit "Buchstabendschungel" im Jahr 2003 ihr erstes Kinderbuch zu veröffentlichen. Es folgten Erstlesebücher, Kinderkrimis und ein Teenager-Liebesroman. Für ihre Werke wurde sie u.a. mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien ausgezeichnet und für den Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis nominiert. Bei Loewe legt sie im Frühjahr 2010 mit „Erebos” einen packenden Jugend-Thriller vor, der sich mit den Manipulationsmöglichkeiten virtueller Welten auseinandersetzt und gekonnt die reale mit der Welt des Online-Computerspiels verwebt. Ihr zweiter Thriller "Saeculum" für Jugendliche erschien im November 2011. Im Februar 2012 erschien ihr erster Thriller für erwachsene Leser mit dem Titel "Fünf" bei Rowohlt. Ursula Poznanski lebt mir ihrer Familie in Wien.