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Donnerstag, 12. Oktober 2017

Lehr, Thomas: Größenwahn passt in die kleineste Hütte


Denken geht oft deutlich schneller, als man denkt. „Ich saß in einem Café und hörte plötzlich eine faszinierend sichere und dunkle Frauenstimme sagen: ‚Ach, ich habe gleich gewusst, der Stoff gibt etwas her.' Aber noch bevor ich mich umdrehen konnte, setzte sie hinzu: ‚Sie hat ein prima Hängekleid daraus gemacht.'“ Thomas Lehr, einer der klügsten Schriftsteller in Deutschland, ist bekannt geworden durch seine großen, oft umfangreichen Romane. Sein neues Buch macht kurzen Prozess mit der großen Form: Geschichten und Gedanken werden in die kürzestmögliche Fassung gebracht - wenn möglich, in Sätze, die komplette Romane ersetzen: „Sex wollen alle. Aber wer kann schon was damit anfangen?“

(Klappentext Hanser Literaturverlage)


  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (27. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446239839
  • ISBN-13: 978-3446239838











FÜR DIESES BUCH BIN ICH WOHL NICHT INTELLEKTUELL GENUG...



Thomas Lehr ist bekannt geworden durch seine großen, oft umfangreichen Romane und war gerade in letzter Zeit wieder in aller Munde, da wie schon andere seiner Werke zuvor auch sein neuester Roman 'Schlafende Sonne' auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Da dies keine Garantie für lesbare Literatur sein muss und die ersten Rezensionen zu dem Buch gar eher das Gegenteil vermuten ließen, beschloss ich, dem Autor lieber eine Chance mit einem deutlich schmaleren Werk zu geben, nämlich diesem hier.

Kein Roman erwartet den Leser hier, keine Novelle, keine Erzählung. Sinnsprüche und Aphorismen hat Thomas Lehr in diesem Büchlein versammelt, doch auch daraus lässt sich erlesen, wes Geistes Kind der Autor ist - oder ist das anmaßend? Das mag sein, doch habe ich hier zumindest einen Eindruck erhalten. Und der gefällt mir ehrlich gesagt nicht sonderlich.

Wo fange ich an? Am besten mit dem Positiven. Als ich es schon nicht mehr erwartete, gab es Passagen, in denen einige Aphorismen auftauchten, die ich wirklich originell, unterhaltsam und zum Nachdenken anregend fand. Das ist auch der Grund, weshalb ich hier mehr als einen Stern vergeben habe.

Aber ansonsten wirkte vieles - wie soll ich es wertfrei ausdrücken? Ich würde am liebsten schreiben: arrogant, überheblich, demonstrativ intellektuell, überbemüht witzig und deshalb eben gar nicht - aber das mache ich natürlich nicht. So sage ich einfach nur, dass vieles meinen Geschmack einfach nicht getroffen hat. Beispiel gefällig?


"Es wird so weit kommen, dass man an Gott glauben oder verliebt sein muss, ein Sadist sein oder ein Liebhaber bestimmter Klavierkonzerte, um eine Maschine ordnungsgemäß bedienen zu können. Der Ausbeutung von Intelligenz, die bald an ihr Ende gebracht ist, folgt zwangsläufig die technische Expropriation der Gefühle."


Was in meinen Augen jedoch noch schwerer wog, war das Gefühl der Überlegenheit und der Unfehlbarkeit des Autors, das für mich jedenfalls ständig zwischen den Zeilen mitschwang. Für mich erscheint Thomas Lehr dadurch als jemand, der aus seiner großen Intellektualität nicht nur keinen Hehl macht (soll er auch gar nicht), sondern der sich durch seine Art des Schreibens damit über eine Vielzahl von Menschen stellt, so z.B. auch über die meisten seiner Leser, aber vor allem auch über die sog. Kritiker. Die Anzahl der Aphorismen, die Lehr den wohl meist unfähigen und ungerechten Kritikern widmet, weist in meinen Augen jedenfalls auf eine enorme gekränkte Eitelkeit seinerseits hin, was bei mir einen deutlich schalen Nachgeschmack hinterließ.

Thomas Lehr ist sicher belesener und auch sicher intellektuell gebildeter als ich, das sei ihm auch zu gönnen. Doch kann er sich eben auch nicht auf die komplette Unbelesenheit seiner Leserschaft verlassen. Das kann dann eben auch dazu führen, dass der Leser den ein oder anderen Sinnspruch wiedererkennt, auch wenn er in dem Buch leicht verändert erscheint. Auch hierfür ein Beispiel:


"Schöne Frauen gehören immer den Phantasielosen. Denn diesen ist die Macht, sich nichts vorstellen zu können."


Dies schrieb Thomas Lehr in dieser Sammlung. Stellt man nun den Marcel Proust zuzuordnenden Aphorismus z.B. HIER gegenüber, so kommen mir irgendwie doch erhebliche Zweifel an der durchgehenden Originalität der Sinnsprüche Lehrs. Quellenangaben gibt es hier jedenfalls keine.

Um die Nerven des Autors und v.a. meine eigenen zu schonen, werde ich jedenfalls künftig darauf verzichten, jedwelches Werk von ihm zu lesen. Ansonsten liefe ich wohl Gefahr, ebenfalls mit einem Spruch Lehrs belegt zu werden:


"Was die Literatur anlangt, so eignet sich das Internet hauptsächlich als Ort der schrankenlosen Pöbelei und der aggressiven Einforderung von Niveaulosigkeit. Weshalb, fragt man sich verdutzt, geben sie denn gar nicht auf zu lesen? Es wäre so viel gesünder für sie."


Nein Danke, künftig ohne mich. Garantiert.


© Parden












Die Hanser Literaturverlage schreiben über den Autor:

Thomas Lehr, 1957 in Speyer geboren, lebt in Berlin. Bei Hanser erschienen u.a. September. Fata Morgana (Roman, 2010), Größenwahn passt in die kleinste Hütte (Kurze Prozesse, 2012), 42 (Roman, 2013), Zweiwasser (Roman, 2014), Nabokovs Katze (Roman, 2016) und Schlafende Sonne (Roman, 2017). Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2012 mit dem Marie-Luise Kaschnitz-Preis und 2015 mit dem Joseph Breitbach-Preis.

übernommen von den Hanser Literaturverlagen

Freitag, 27. Mai 2016

Gutenberg - Streich die IV.

Zeichnen ist eines meiner Steckenpferde, und wenn Menschen mich beeindrucken, dann zeichne ich sie gern. Hier sehen wir das 4. Mitglied der Gutenberg-Streich aus Weiz in der Steiermark.


B. Kofler / Die Gutenberg-Streich
Zeichnung Graphit/Kohle auf Zeichenkarton 50 x 70 cm
by TinSoldier, 2016
Copyright: R. Fröhlich

Mittwoch, 25. Mai 2016

Gutenberg - Streich die III.


Die Gutenberg - Streich ist eine Musikergruppe aus Weiz/Österreich


Johann Schnellnegger
Die Gutenberg - Streich, Weiz/Österreich
Zeichnung Graphit/Kohle by TinSoldier
Copyright Rudolf Fröhlich, 2016

Montag, 23. Mai 2016

Gutenberg - Streich die II.



Die Gutenberg-Streich 

Die Gutenberg - Streich: Christian Nell aus Weiz/Österreich
Zeichnung Kohle/Graphit 50 x 70 by TinSoldier
Copyright: R. Fröhlich, 2016



Hier nun mein Freund Christian Nell von der Gutenberg - Streich aus Weiz/Österreich "wie er leibt und lebt" in meiner Interpretation...


Samstag, 21. Mai 2016

Die Gutenberg-Streich



Die Gutenberg-Streich ist eine Gruppe von Musikanten aus Gutenberg a.d. Raabklamm und Weiz, das liegt in der Steiermark in Österreich.


Die Gutenberg-Streich spielt auf
(Ajka, Ungarn im Mai 2016)

Ich hatte das Vergnügen, die Gruppe bei einem kürzlichen Aufenthalt in Ajka/Ungarn anlässlich eines Treffens im Rahmen der Pflege von Städtepartnerschaften kennen zu lernen und war begeistert von ihrer Musik, die mich ein bisschen an die eine oder andere Melodie von Mozart erinnert.
Virtuosität und mitreißende Spielfreude machen ihre Auftritte zum Erlebnis für Leute, die schöne Melodien und "handgemachte" steirische Volksmusik mögen.
Inge Benezeder ist Musiklehrerin für Violine und Klavier.
Ihre Mitspieler bei "die Gutenberg-Streich" werde ich ebenfalls portraitieren (und die BIlder ggf. hier vorstellen).

Wer nun Lust bekommen hat, eine Kostprobe zu hören, der folge diesem LINK . Viel Spaß!
  

Inge Benezeder vom Ensemble Gutenberg-Streich
Kohle / Graphit auf Zeichenkarton, 50 x 70
Copyright by TinSoldier

Hinweis:
Einige Spiegelungen auf dem Bild ließen sich bei der Aufnahme nicht vermeiden, da die Zeichnung schon hinter Glas gerahmt war.




Mittwoch, 6. Januar 2016

Mein Skizzenbuch: Elefant in Pastellkreide




Das Original dieser Zeichnung eines Elefanten hat das Format DIN A3 und die Farben der Pastellkreide sind im Original leuchtender, als sich das leider hier darstellen lässt.
Das Original zeigt zudem das ganze Tier und mehr von der bunten Umgebung. Gerahmt an der Wand ist es im Format DIN A 3 auf jeden Fall ein Hingucker.
Ist vielleicht keine Kunst, aber Spaß hat es trotzdem gemacht und ich schaue es immer wieder gerne an!


Elefant in Pastellkreide
 TinSoldier 2005


Copyright: TinSoldier

Sonntag, 27. Dezember 2015

Weihnachten 2015

Schon sind sie wieder vorbei, die Weihnachtstage. Vergessen der Rummel im Vorfeld, dem sich kaum jemand entziehen kann. Nicht vergessen jedoch die nette Stimmung, die die Weihnachtstage begeleitet hat - jedenfalls bei uns.



Hier ist unser kleiner Weihnachtsbaum zu sehen, der in diesem Jahr mit wiederentdecktem Schmuck meiner verstorbenen Eltern und Großeltern behangen ist - ein wenig von ihnen war so auch bei uns. Nur zu Lametta konnte ich mich nicht aufraffen - das mag ich einfach nicht.







Selbstgebackene Plätzchen gehören natürlich auch immer dazu - allein schon auf den Duft, der beim Backen durch die Wohnung zieht, möchte ich gar nicht verzichten. Was bis Heiligabend nicht schon verschenkt oder verzehrt war, kam selbstverständlich auf den Weihnachtsteller. Heute gibt es nur noch rudimentäre Reste...


Die Bescherung offenbarte in diesem Jahr wieder einmal einige Überraschungen. Kleinigkeiten oft nur, die mich aber riesig gefreut haben - zeigt es doch, dass an einen gedacht wird. Neben zahlreichen Karten, selbstgemachten Plätzchen und Pralinen, kleinen Weihnachtsaccessoires und Theaterkarten für das kommende Jahr gab es noch so einige Besonderheiten, die ich hier kurz festhalten möchte.


Dieser kleine Kerl beispielsweise zog jetzt bei mir ein. Ein Bücherfreund sei dies, so wurde mir gesagt, der sehr interessiert verfolgt, was in diesem Hause so gelesen wird. Eine Handarbeit mit Liebe zum Detail, für die ich mich sehr bedanken möchte. Sicher taucht der kleine Geselle, der hier noch ein wenig verschüchtert schaut, demnächst auf dem ein oder anderen Foto hier im Blog auf. Ein schönes Pendant zu Uwes Büchergesellen, wie ich finde...

Der kleine Kerl hatte gleich so einiges zu begutachten...

Einen selbstgestalteten Kalender von meiner Freundin beispielsweise - alle Bilder darin selbst gemalt bzw. gestaltet. Mir gefällt er sehr gut.

Ein kleines Buch mit Dezember-Gedichten war auch dabei...


Und eine Zeitung aus Mittelerde hat mich erreicht. Wer wusste schon, dass es so etwas überhaupt gibt? Als großer Tolkien Fan hat mich das natürlich sehr gefreut... 


Und wirklich riesig gefreut habe ich mich über dieses Geschenk. Harry Potter und der Stein der Weisen (Band 1 der Reihe) als wunderschön illustrierte Ausgabe. Knapp 1500 Gramm wiegt das Buch, das wie ein Bildband in der Hand liegt. Der Text wurde vollständig 1:1 übernommen - die Lektüre dürfte demnach ein ungetrübtes Vergnügen sein. 



Ich musste mich jedenfalls sehr zusammenreißen, damit es hier erst einmal bei einem faszinierten Durchblättern blieb. Wie ich gelesen habe, wird nun jährlich der jeweilige Folgeband der Reihe als illustrierte Ausgabe erscheinen. Als Harry Potter Fan und nachdem ich mich sofort in dieses Buch verliebt habe, dürfte wohl klar sein, was ich mir nun jährlich zu Weihnachten wünsche...


In jedem Fall habe ich die Weihnachtstage sehr genossen und konnte mal so richtig ausspannen. Ich hoffe, unseren Lesern sowie den anderen Teilnehmern hier im Blog haben die Festtage auch nicht zu viel abverlangt - auch wenn ich weiß, dass wenigstens einer von ihnen beruflich unterwegs war statt mit seiner Familie zu feiern. 

Ich für meinen Teil versuche mal, die Entspannung ins neue Jahr hinüberzuretten...

Dienstag, 14. Oktober 2014

Sprache und Schreibstil - eine Frage der Übersetzung oder des Originaltextes?


Quelle

Wir rezensieren schon seit etlichen Jahren Bücher und gewinnen immer noch neue Kenntnisse hinzu. Besonders freut es einen, wenn man eine Resonanz auf seine Rezension erhält - ist sie sachlich, darf sie ruhig auch einmal kritisch ausfallen, denn nur so lernt man ja hinzu.


Verblüfft war ich jedoch, als ich als Reaktion auf meine Rezension zu dem tollen Buch IN ALMAS AUGEN von Daniel Woodrell vor einigen Monaten plötzlich eine E-mail erhielt:


Vielen Dank für die lobende Besprechung von Woodrells "In Almas Augen". Sehr schön, dass Sie die Sprache des Autors erwähnen und zitieren. Ohne schulmeisterlich klingen zu wollen, aber Sie zitieren nicht den Autor, sondern den Übersetzer. (...)
Mit freundlichen Grüßen
Peter Torberg



Mein Verdacht bestätigte sich, als ich noch einmal im Buch nachschlug: Peter Torberg ist der Übersetzer von Woodrells Werk. Da saß ich nun, und fühlte mich recht ratlos. Denn bereits nach kurzem Nachdenken stellten sich doch einige dringende Fragen:



  • Was antworte ich auf die E-mail?
  • Soll ich im Text der Rezension oder in einem Kommentar dazu noch auf die Qualität der Übesetzung eingehen? Müsste ich dafür nicht zum Vergleich den Originaltext lesen?
  • Bislang habe ich stets die Qualität der Sprache, des Schreibstils etc. auf den Autor selbst bezogen, die Übersetzung habe ich v.a. dann erwähnt, wenn zu vermuten war, dass Qualitätsabstriche darauf zurückzuführen waren. Zitiere ich wirklich den Übersetzer und nicht den Autor? 





In dem Bücherfourm 'Was liest du?' habe ich diese Fragen dann einfach mal öffentlich gestellt. Weshalb sollte ich mir darüber alleine den Kopf zerbrechen? Vielleicht würden sich so Argumente finden, die mich überzeugen könnten? 
In der Tat wurde dort sehr kontrovers diskutiert, und vielen Argumenten konnte ich auch etwas abgewinnen. Was bei mir aber nicht wirklich zu einer Meinungsbildung führte, da die Argumente in beide Richtungen zielten...


Alle Wortbeiträge hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Daher beschränke ich mich auf eine Auswahl der genannten Argumente (wörtlich übernommen):



Sprache und Schreibstil sind durch den Autor vorgegeben:

  • Wie du vermutest, denke ich auch, dass man ohne den direkten Vergleich Original / Übersetzung zur Qualität gar nichts sagen kann. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Übersetzer komplett frei wählt. Klar, Redewendungen sollten nicht wörtlich, sondern sinngemäß übersetzt werden etc. Aber bei einem finnischen Buch (mein erstes) gab es sowohl in Teil 1 als auch in den weiteren Teilen immer ein spezielles Wort, was ich so noch nicht in deutschen Büchern bemerkt hatte. Daher denke ich, dass auch das eher vom Autor als vom Übersetzer stammt.
  • Da ich keine Fremdsprachen beherrsche, kann ich nur den Text bewerten, den ich lese. Und die Idee zu diesem Text kommt definitiv vom Autor. Schließlich muss der Übersetzer auch den Sinn des Originaltextes wahren.
  •  Der Übersetzer hat natürlich immer einen gewissen Einfluss auf das Buch, denn wenn er schlecht arbeitet, geht vieles aus der originalen Geschichte verloren (Wortwitze etc.). Wenn die Vorlage aber schon mies ist, kann auch der beste Übersetzer nicht mehr viel retten.
  • Ich denke, dass allgemein der Stil des Originals genannt wird - und das ist meist insofern nicht falsch, als der Übersetzer versuchen muss, in der anderen Sprache etwas Entsprechendes zu schaffen. Ich kenne z.B. Bücher von Aharon Appelfeld, die von drei verschiedenen Übersetzern aus dem Hebräischen übersetzt wurden - und dennoch gibt es einen irgendwie durchgehenden Stil, den man vermutlich dem Autor zuweisen kann.
  • Prinzipiell sollte der Übersetzer sich dem Stil des Autors anpassen, d.h. ihn so gut wie möglich rüberbringen. Keineswegs soll er einen eigenen Stil kreieren, er ist ja nicht der Autor ... heisst: Wenn ich einen Text "verbessere", dann sollte ich mich stillschweigend in meine Ecke setzen und höchstens grinsen, wenn Leser sich lobend äussert. (...) Also würde ich so etwas ähnliches auch schreiben: Dass ich eventuellen Frust verstehe, aber dass es keineswegs Sache des Lesers ist, Übersetzung und Original aufzudröseln.
  • Für mich ist ein guter Übersetzer jemand, der einen Text sinngemäß und in vergleichbarem Stil in eine andere Sprache übersetzt. Er sollte da nicht zu sehr seinen eigenen Stil einfließen lassen - das verfälscht nur. Deswegen zitiere ich (vor allem, wenn es um den Inhalt geht) auch immer den Autor, nicht den Übersetzer. Das Buch "gehört" immer noch zuallererst dem Autor!
  • Ich denke, etwas von den Gedanken und Empfindungen des Übersetzers ist immer mit in der Übersetzung, deshalb finde ich es auch schön, wenn er im Klappentext erwähnt wird, so wie es ja auch immer häufiger geschieht. Allerdings bleibt das Buch das Werk des Autors, deshalb wäre von seiten eines Übersetzers auch Zurückhaltung nicht schlecht. Wenn er einen Anspruch auf die Sprache erhebt, könnte er ja auch selbst ein Buch schreiben und bekäme dann Rezensionen nur für sich.


    Sprache und Schreibstil sind durch den Übersetzer vorgegeben:

  • Ich habe dazu vor kurzem ein Interview mit Umberto Eco gehört, der sich viel mit "seinen" Übersetzern zusammensetzt und bespricht. Er äußerte dabei auch, daß es ja nicht um wörtliche Übersetzung geht, sondern um eine sinnhafte. Als Beispiel nannte er einen in der Originalsprache derben Witz, der in der Übersetzung halt entsprechend ersetzt werden kann durch einen sprachtypischen, der die Derbheit auch ausdrückt.
  • Ich denke mal, es macht die Qualität eines Übersetzers aus, den Stil des Autors in eine andere Sprache zu transportieren und da bleibt halt einfach ein gewisser Raum für Interpretationen offen. Setzt man zwei Übersetzer unabhängig an ein Buch, wird am Ende nie 1:1 das Gleiche heraus kommen.
  • Ein sprachlich anspruchsvolles Buch muss (oder sollte) auch entsprechend anspruchsvoll übersetzt werden. Das ist kein leichter Job. In dem Sinne ist es durchaus nachvollziehbar, wenn ein Übersetzer sich mehr oder weniger hintergangen fühlt, wenn alle nur das Schreibtalent des Autors loben.
  • Ein Übersetzer mag zwar nichts völlig eigenes erschaffen, durch seine Arbeit am Werk erschafft er dennoch etwas neues. Es liegt in seinem Ermessen Begriffe einer Sprache mit Begriffen einer anderen zu übersetzen. Und vielleicht sind es am Ende Begriffe, die der Autor nicht verwendet hätte, wenn er die Sprache beherrschen würde. 


Das soll an dieser Stelle reichen, um zu verdeutlichen, dass es mehr als eine Meinung zu diesem Thema gibt. In dem Forum wurde teilweise heiß diskutiert, auch nicht immer nur sachlich, aber dies sei nur am Rande bemerkt.
Letztlich musste ich eine Entscheidung treffen, und ich beschloss schließlich, Peter Torberg auf seine Einlassung folgendermaßen zu antworten:






Sehr geehrter Herr Torberg,

vor einer Woche erreichte mich sehr überraschend Ihre Nachricht (...)


Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der Übersetzer dieses schönen Buches sich mit mir in Verbindung gesetzt hat, dafür schon einmal herzlichen Dank. Darüber hinaus fühlte ich mich allerdings mit Ihrer Aussage zunächst doch überfordert. Natürlich erlebt man die Lektüre eines ursprünglich anderssprachigen Buches nur dann als gelungen, wenn der Übersetzer talentiert ist und er den Charakter des Buches gekonnt in eine andere Sprache zu übertragen vermag. Und natürlich ist auch klar, dass ein Buch nicht wortwörtlich 1:1 übersetzt werden kann, aber die Erzählung selbst, der Verlauf der Geschichte, die Charaktere und auch die Art der Sprache sind doch wohl vorgegeben?

Da ich mir jedoch unsicher war, ob ich nicht vielleicht einen Denkfehler begehe oder Tatsachen übersehe, war ich so frei, und habe diesen Ihren Einwurf in einem Bücherforum als Diskussionsbeitrag eingestellt. Über 50 Beiträge sind hierzu bisher eingegangen, und so viel sei verraten: es wurde sehr kontrovers diskutiert. Vieles konnte ich nachvollziehen - mit dem Effekt, dass ich mir immer noch keine eindeutige Meinung gebildet habe. Daher habe ich nun beschlossen, den betreffenden Abschnitt in der Rezension zu ändern und neutraler auf die Sprache des Buches einzugehen:

'Abgesehen von der geschickten Verschachtelung der Szenen, die stets nur einen winzigen Ausschnitt beleuchten, genug, um eine Ahnung zu erhaschen, zu wenig, um wirklich etwas zu fassen zu bekommen, ist es die Sprache Woodrells, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Mit wenigen Sätzen, rasch skizzierten Bildern, vermochte es der Schriftsteller, mich mitten in eine Szene zu katapultieren:'

Daraus wurde nun:

'Abgesehen von der geschickten Verschachtelung der Szenen, die stets nur einen winzigen Ausschnitt beleuchten, genug, um eine Ahnung zu erhaschen, zu wenig, um wirklich etwas zu fassen zu bekommen, ist es die Sprache der Erzählung, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Mit wenigen Sätzen, rasch skizzierten Bildern, gelang es bereits, mich mitten in eine Szene zu katapultieren:'

Außerdem habe ich oben unter dem Klappentext nun den Namen des Übersetzers hinzugefügt - was ich ab sofort wohl bei jedem im Blog vorgestellten Buch tun werde, das nicht ursprünglich auf Deutsch geschrieben wurde. (...) 

Ihr Einverständnis vorausgesetzt würde ich darüber hinaus auch in naher Zukunft einen eigenen Blogbeitrag diesem Thema widmen und dabei auch die Diskussion aus dem Bücherforum zumindest auszugsweise hinzufügen. Immerhin handelt es sich um einen nicht unerheblichen Aspekt, dem man als "Normal-Leser" (ohne Studium der Literaturwissenschaften o.ä.) vielleicht nicht genug Aufmerksamkeit schenkt...

Mit einem herzlichen Dank für die Denkanstöße verbleibe ich

mit freundlichem Gruß

Anne Parden




Peter Torberg
Und dann gab es auch noch eine sehr nette Antwort von Peter Torberg, mit der ich sehr gut leben kann...

Vielen Dank für Ihre sehr klare, sehr ausführliche Antwort. Ich bin gern, sehr gern bei allen Diskussion dabei! Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden.

Ich habe mich sehr gefreut über die schöne Besprechung.

Mein Punkt war eigentlich recht einfach: Viele Rezensenten, ob Zeitung, Fernsehen, Netz, besprechen ein Buch, als hätten Sie das Original gelesen, und vergessen dabei ganz, dass sie ja die deutsche Übertragung gelesen haben! Wie ein Dirigent mal schneller, mal langsamer, mal anders betont ein Stück intepretieren kann, so kann dies auch der/die Übersetzer/in. Es kann also durchaus passieren, dass das Original recht einfach daherkommt, die Übersetzung aber eine Ader findet, die den Leser in DIESER EINEN SPRACHE ganz anders anspricht. Vorgabe ja, aber die Umsetzung ist der entscheidende Punkt. (Unter uns Pastorentöchtern: es gibt Fälle von verhunzten Originalen, die in der Übersetzung durchaus zum Erfolg wurden ... man kann also viel machen)

Ganz nebenbei: Es ist ja wirklich so, Sie haben meine Worte gelesen, nicht die von Woodrell. Es ist übrigens nach dem Urheberrecht Pflicht für die Verleger und die Rezensenten in den Medien, den Übersetzer zu nennen, so wie man ja auch den Fotogafen, den Dirigenten, den Solisten nennt. Meine Worte sollen dem Original natürlich so nah wie möglich kommen und den Grundton wiedergeben, doch wie ich es drehe und wende: die deutsche Fassung schreibt der Übersetzer, die Übersetzerin. Dass dies dem Leser nicht auffällt, ist ja schon mal ein gutes Zeichen. Aber die Kritiker des Buchs (und in diesem Falle auch Sie) dürfen diesen einen Schritt nicht außer acht lassen. Schadet ja auch nicht! Ich weiß das ja aus meinem eigenen Lesen: Ob Original oder Übersetzung. Ist mir doch egal: Hauptsache, die Geschichte, die Schreibweise packt mich.

Nennt die Übersetzer! Wir sind wichtig! Und das schon seit Jahrhunderten! Es gibt wohl kaum noch auf der Welt eine so hohe Schule des Übersetzens wie ins Deutsche, wie man ja im Kino jeden Abend hören kann (manchmal gut, manchmal weniger ....) gedubbed wird ja kaum irgendwo auf der Welt. Untertitelt vielleicht noch. Und wir Ü's achten sogar möglichst auf die Lippenbewegung! Schönes Beispiel: Peter Sellers (Magnum PI) im Original und auf dt. ... ach herrje ...

mit bestem Gruß

Ihr PT


Seit diesem E-mail-Wechsel habe ich es m.E. nicht mehr versäumt, stets auch den Übersetzer mit anzugeben, wenn es sich nicht um ein deutschsprachiges Buch im Original handelt.

Und wie haltet Ihr das?



© Parden

Mittwoch, 13. August 2014

Deutscher Buchpreis: Longlist 2014



Deutscher Buchpreis 2014: Jury nominiert 20 Romane
















Diesmal sind es nicht die dicken Wälzer, die zur Wahl stehen, sondern eher kürzere Werke.

Keines davon habe ich bisher gelesen, einige allerdings stehen schon länger auf der Wunschliste.


Hier nun die Titel, die zur Wahl stehen:







Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):    Quelle

·        Lukas Bärfuss: Koala (Wallstein, März 2014)
·        Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt (Luchterhand, März 2014,)
·        Antonio Fian: Das Polykrates-Syndrom (Droschl, Februar 2014)
·        Franz Friedrich: Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr (S. Fischer, August 2014)
·        Thomas Hettche: Pfaueninsel (Kiepenheuer & Witsch, September 2014)
 ·        Esther Kinsky: Am Fluß (Matthes & Seitz Berlin, August 2014)
·        Angelika Klüssendorf: April (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)
·        Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand (Hanser, August 2014)
·        Martin Lechner: Kleine Kassa (Residenz, Februar 2014)
·        Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling (Suhrkamp, März 2014)
·        Charles Lewinsky: Kastelau (Nagel & Kimche, August 2014)
·        Thomas Melle: 3000 Euro (Rowohlt.Berlin, August 2014)
·        Matthias Nawrat: Unternehmer (Rowohlt, März 2014)
·        Christoph Poschenrieder: Das Sandkorn (Diogenes, Februar 2014)
·        Lutz Seiler: Kruso (Suhrkamp, September 2014)
·        Saša Stanišić: Vor dem Fest (Luchterhand, März 2014)
·        Heinrich Steinfest: Der Allesforscher (Piper, März 2014)
·        Marlene Streeruwitz: Nachkommen. (S. Fischer, Juni 2014)
·        Feridun Zaimoglu: Isabel (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)
·        Michael Ziegelwagner: Der aufblasbare Kaiser (Rowohlt.Berlin, März 2014)


Wie man sieht, sind einige der Romane noch gar nicht erschienen, sondern kommen erst im Laufe dieses Monats oder im September heraus. Man darf gespannt sein, wer das Rennen macht...



Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2014 gehören neben Wiebke Porombka an: Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung), Katrin Hillgruber (freie Kritikerin), Frithjof Klepp (Buchhandlung ocelot, Berlin), Susanne Link (Buchhandlung Stephanus, Trier), Manfred Papst (NZZ am Sonntag) und Annemarie Stoltenberg (NDR Kultur). 

Im nächsten Schritt wählen die Juroren aus den Titeln der Longlist sechs Titel für die Shortlist aus, die am 10. September 2014 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

 Quelle


Sich vorzunehmen alle zu lesen, kann vermutlich nur Jury-Mitgliedern einfallen. Oder Lesern, die ihren Schwerpunkt in der gehobenen Gegenwarts-Literatur sehen.

Ich als Querbeet-Leserin habe mir vier Romane herausgesucht, die mich wirklich angesprochen haben und auf die ich meinen Fokus legen möchte (es muss ja auch bezahlbar bleiben...):


Ein Mann streut Sand aus Süditalien auf den Straßen von Berlin aus. In Zeiten des Kriegs ist solch ein Verhalten nicht nur seltsam, sondern verdächtig. Der Kommissar, der den kuriosen Fall übernimmt, stößt unter dem Sand auf eine Geschichte von Liebe und Tabu zwischen zwei Männern und einer Frau. Ein Zeitbild von 1914, aus drei ungewöhnlichen Perspektiven.
  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 2 (26. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257068867
  • ISBN-13: 978-3257068863


                        ***

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht zeigen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen.

Niemand will den Einbruch ins Haus der Heimat beobachtet haben. Das Dorfarchiv steht aber offen. Doch nicht das, was gestohlen wurde, sondern das, was entkommen ist, treibt die Schlaflosen um. Alte Geschichten, Sagen und Märchen ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und edle Räuber in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der Nacht vor dem Fest.
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630872433
  • ISBN-13: 978-3630872438
                                                              ***

Bademeister ist Sixten Braun erst auf dem zweiten Bildungsweg geworden. Dazu brauchte es zwei beinahe tödliche Unfälle, eine große Liebe und eine lieblose Ehe. Aber all das musste wohl sein, damit er werden konnte, was er werden sollte – nämlich der Vater eines ganz und gar fremden Kindes ... Sixten Brauns vollkommen normales Managerleben implodiert, als in Taiwan ein Wal explodiert und Sixten von irgendeinem Teil des Wal-Innenlebens k.o. geschlagen wird. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, stürzt er mit dem nächstbesten Flugzeug ab – und überlebt abermals. Doch nicht ohne zwischendurch die große Liebe erlebt zu haben. Und so kommt er Jahre später – Sixten hat sich längst vom Manager zum Bademeister gewandelt – zu einem Kind, das auf gar keinen Fall sein eigenes sein kann, es dann aber plötzlich doch ist: ein frisch verwaister Junge namens Simon, der nicht spricht, außer in seiner eigenen, nur ihm selbst verständlichen Sprache. Ein Junge, der sich als ganz ungewöhnlich talentiert in ganz ungewöhnlichen Bereichen erweist: Er kann klettern wie eine Gämse und zeichnen wie Leonardo da Vinci. Auch liegt es an Simon, dass sich so manche Gerade in Sixtens Leben zum Kreis schließt...
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492054080
  • ISBN-13: 978-3492054089         
                          ***

Was es bedeutet, die Heimat zu verlieren …

Simone Grolmann ist 52, etabliert und angesehen, Professorin für Verhaltensforschung, Mutter einer Tochter, ein analytischer Mensch. Und doch hat sie Angst. Angst vor Schnee. Die Angst ist tief in ihr, versunken wie der Breslauer Wald, durch den ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und Lilly, die Mutter der beiden, in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1945 stapften, bei minus 21 Grad: drei Menschen mit drei durchweichten Pappkoffern. 17 Jahre vor Simones Geburt war das, und doch ist es ihre eigene Angst.
  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630873723
  • ISBN-13: 978-3630873725
                                                               ***


Ob der Preisträger 2014 hier schon dabei ist? Lassen wir uns überraschen. Ich jedenfalls bin sehr gespannt auf diese Bücher.



© Parden

Dienstag, 15. Juli 2014

Retter der Tafelrunde

Ja, ja! Richtig gelesen. Es geht mitnichten um die Ritter der Tafelrunde. Das wären ja auch viel mehr gewesen. Und dann sind die ja schon sehr lange nur Legende. Die drei Herren, um die es im Folgenden gehen wird, sind allerdings auch schon irgendwie Legende. Sie nennen sich:

DAS ZWINGERTRIO

► hier gehts zu www.zwingertrio.de

Aha, das weiß auch der Dresdner oft nur, wenn er googelt: Seit 1982 gibts die schon. Heute sind die Gesichter etwas runder, die Haare etwas grauer, die Bewegungen etwas gemessener, oder angemessener. Beim Publikum auch. (Sorry, L.D., bei dir natürlich keinesfalls)

Es ist verdammt schwer, an Karten zu kommen. Aber ich erhielt anläßlich eines ziemlich runden Geburtstages zwei Stück für den Konzertplatz hinter dem Parkhotel am ► Weißen Hirsch. Erhabene Gegend, auch Goldstaubviertel genannt. Die Gegend war schon mehrmals Thema. Einmal ►hier, und einmal ►da.



Quelle
Also nun das Trio dieser drei Dresdner Schauspieler, welche einen Mix aus Musik-Commedy, Politkabarett und Clownerie präsentieren. Da wäre, hier in der Mitte der ► Tom Uwe Pauls, nicht nur den Sachsen als Ilse Bähnert bekannt. In Pirna hat er das ►Tom Pauls Theater eröffnet, welches auch ► Ilses Kaffestube  beinhaltet. Links, das ist ►Peter Kube. Der arbeitet vorwiegend am Theater als Kabarettist, Schauspieler und als Regisseur. Gut passt er auch auf den ►Theaterkahn, in den vor Jahren das Dresdner Brettl gezogen ist.Der Typ rechts ist ► Jürgen Haase. Er ist freischaffender Schauspieler und hat auch eine eigene ►Webseite.


Jürgen, das ist der Bescheidene und stellt sein Licht bewusst unter den Scheffel, Tom ist der Vornehme und versucht, das Niveau des immer mal leicht kippelnden Programms zu halten. Peter führt durch das Programm. Er gibt den Neuen Sachlichen, "dessen Sachverstand ihn daran hindert, sich von seinen Vorurteilen zu trennen."

Das sie manch Ding auch mal verdrehen, merkt man am Motto des ►Programms, zu finden auf der Webseite, denn das Zwingertrio meint, "es kommt nicht darauf an, die Welt zu verändern, nein, man muss sie auch interpretieren können." Womit sie zeigen, dass sie diesen oder jenen großen deutschen Philosophen in der Schule durchgenommen haben. 
Ansonsten ziehen sie das Publikum durch den Kakao. Da gibt es plötzlich die Intelligenz - Fraktion, welche (selbstredend) in der Mitte sitzt. Rechts von der Bühne aus gesehen, sitzt das "gemeine Landvolk", welches schon mal mitgrölt. ("Wir wolln den Jürgen sehen, wir wolln den Jürgen sehn...") Linkerhand sind welche aus Luga* zu spät gekommen und nun sind sie ständig dran.


Warum hier immer eine Uhr zu sehen ist? Nun, die selbst ernannten Retter der Tafelrunde werden an ihrem Tun gehindert, denn es sprangen angeblich eine Menge Kontrolleure durch die Reihen, welche "strengstens" auf die Zeit achteten und außerdem diverse Dezibele gezählt haben. Fuchs und Haase könnten ja in der Dresdner Heide in ihrer Nachtruhe gestört werden. Leicht nervös der Peter Kube. Übrigens, das Programm begann doch tatsächlich auf die Minute pünktlich. Verblüffend. 

Wir haben viel gelacht, ein Bratwürstchen und ein Bierchen und Weinchen zu uns genommen, saßen unmittelbar vor der Bühne in der siebten Reihe und hatten irrsinig viel Spaß. Ich muss das ja schreiben, weil es stimmt. Ansonsten lassen sich die vielen Gags nicht nacherzählen. Die drei griffen auch mal in die Mottenkiste, wobei man als junger Mensch merkte, oops, die sind doch schon eine Weile auf dem Theatermarkt, denn das reifere Publikum wusste gleich worum es geht... 

Ich muss gleich mal schauen, was es so im Theaterkahn gibt...

© KaratekaDD 

* "unbedeutender" Stadtteil von Elbflorenz




Mittwoch, 21. Mai 2014

Bücherverlosung zum allerersten Geburtstag von Litterae Artesque

BlogPost Nr. 12




Am 21. Mai 2013 erblickte dieser Blog das Licht der Welt. Geburtshelfer war der Uwe alias KaratekaDD, der hier eine zentrale Stelle für seine vielfältigen Interessen einrichten wollte. Schnell war ihm aber klar, dass er den Blog nicht alleine betreiben möchte. Rudi alias TinSoldier sagte umgehend zu, Anne Parden brauchte ein wenig Bedenkzeit und ein paar Anschubser mehr, bevor sie dazu kam.
Aber seit dem 2. Juni 2013 sind wir als komplettes Trio unterwegs im Land der Blogger.







Eine bunte Mischung an Beiträgen hat es seither gegeben. Schwerpunkt sind auch bei uns die Bücher, aber auch andere Interessen wie Fotografie, Kunst und Kultur, Lyrik, Karate u.a.m. finden sich in unseren Posts. Nicht immer machen wir etwas gemeinsam - aber eben immer wieder. Und der Blog entwickelt sich immer weiter, wird vielfältiger, bunter.
Sicherlich sind die meisten Betreiber von Blogs deutlich jünger als wir - aber wir bieten dafür vielleicht auch ein interessantes Kontrastprogramm. Oft lesen wir Bücher abseits des Mainstreams, aber auch wir haben unsere Leser... Da viele der teilweise auch nicht mehr jugendlichen Leser unseres Blogs kein eigenes Google-Konto eröffnen möchten, können sie uns auch nicht über Google Friend Connect folgen. Doch die Zahlen sprechen für sich.



  • Am 21. Mai 2014 haben beim Einstellen dieses Beitrags genau 46033 Besucher unsere Seite angeklickt. Wahnsinn!
  • Im ersten Blog-Jahr sind 324 Beiträge von uns Dreien eingestellt worden.
  • Dazu wurden 857 Kommentare abgegeben, darunter auch einige von den Autoren der Bücher selbst, was uns natürlich sehr gefreut hat.
  • Auch abseits des Blogs wurden zahlreiche Kommentare hinterlassen (bei Facebook, den Buchgesichtern, LovelyBooks, Was liest du? u.a.m.).
  • Bei Facebook beispielsweise haben wir schon über 70 "Gefällt mir"-Angaben für unsere Seite, was uns außerordentlich freut.






Nun wollen wir aber unseren 1. Geburtstag mit Euch gemeinsam feiern! Erst einmal sagen wir für Euer Interesse ganz herzlich  

♥Danke♥

und teilen gerne unsere Geburtstagstorte mit Euch...
 



Doch anlässlich unseres Geburtstages haben wir uns auch eine schöne Überraschung für Euch überlegt: es gibt Bücher zu gewinnen! Drei Blog-Betreiber bedeutet in dem Fall auch gleich drei Bücher!

Und um gar nicht erst lange um den heißen Brei herum zu reden: hier sind sie!




DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA von MARK TWAIN

Was im Garten Eden genau passiert ist, erzählen diese Aufzeichnungen auf amüsante, charmante und dabei tiefgründige Weise. Augenzwinkernd enthüllt Mark Twain die liebenswürdigen Eigenarten von Adam und Eva. Zwei, die zuerst nicht zueinander passen wollen, finden sich schließlich doch. Ein paradiesisches Lesevergnügen und ein Plädoyer für die Liebe! Umrahmt werden die Texte von den exotischen Landschaften des Malers Henri Rousseau. Die Geschenkidee zur Hochzeit und Verlobung!

Hierzu gibt es auch bereits eine schöne Rezension vom Uwe...

 


DAS LEBEN IST EIN LISTIGER KATER von MARIE-SABINE ROGER

Jean-Pierre wacht auf und kann sich an nichts erinnern. Er ist in die Seine gefallen, ein junger Mann hat ihm das Leben gerettet. Jetzt liegt er im Krankenhaus, ein Alptraum für den menschenscheuen Einzelgänger. Über zu viel Besuch kann sich der verwitwete Rentner "ohne Kinder oder Hund" eigentlich nicht beklagen. Aber alleine ist er trotzdem nie, ständig fällt ihm jemand auf die Nerven: Die vierzehnjährige Maëva hat es auf seinen Laptop abgesehen, um "schnell mal Facebook zu checken". Maxime, ein junger Polizist, versucht herauszufinden, wie Jean-Pierre in der Seine gelandet ist - und schon bald entdecken die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Schwarzweißfilme. Der gutherzigen Krankenschwester Myriam wächst der alte Griesgram mit Galgenhumor so ans Herz, dass sie ihn zu ihrem Lieblingspatienten ernennt. Und dann ist da noch Camille, der Student, der Jean-Pierre aus der Seine gefischt hat. Allen zusammen gelingt es nach und nach, Jean-Pierre zurück ins Leben zu holen - und für einen Neuanfang ist es bekanntlich nie zu spät.

Auch hierzu gibt es bereits eine Rezension in unserem Blog, diesmal von der Anne.




MEINE KÜHE KÖNNEN FLIEGEN von MARIO FRÜH (Hrsg.)

Geschichtenerzählen ist so alt wie die Menschheit. Um die Macht der Worte und das Spiel der Fantasie, um Lesen, Schreiben und Erzählen geht es in den hier versammelten heiteren und nachdenklichen Geschichten.
Was passiert, wenn eine Frau in der Jackentasche ihres Mannes einen Brief findet, dessen Handschrift auf eine Absenderin schließen lässt? Den unerwarteten Verlauf dieser Geschichte einer Analphabetin erzählt Michail Sostschenko. Welch absurd staatsfeindliche Absichten Diktaturen in geschriebene Worte hinein interpretieren, davon weiß der ostdeutsche Schriftsteller Salli Sallmann hautnah zu berichten. Seine Gedichte und Lieder brachten ihn in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Hilflos fühlte sich wohl auch Mark Twain auf ganz andere Art beim Versuch, die deutsche Sprache zu lernen. Vergnüglich schildert er seine Erfahrungen in dem Klassiker Die Schrecken der deutschen Sprache.
Diese und weitere kurzweilige Geschichten zum Weitererzählen sind verpackt in einem sorgfältig typografisch gestalteten und in Leinen gebundenen Bändchen. Ein bibliophiles Geschenkbuch für neugierige und leidenschaftliche Leserinnen und Leser.


Ein schönes Buch aus der Büchergilde Gutenberg, das uns der Rudi im Rahmen seiner "Bücherstapel" vorgestellt hat.





Die Aufgabe:


  • Schreibt hier als Kommentar, welches der Bücher Ihr gerne gewinnen möchtet (Mehrfachnennungen sind möglich - pro Person kann jedoch nur ein Buch gewonnen werden). Dafür kommt Ihr jeweils mit einem Los in den Topf.
  • Ein weiteres Los gibt es, wenn Ihr unserem Blog folgt. Bitte ebenfalls in den Kommentar schreiben.
  •  Ein weiteres Los gibt es auch, wenn  es noch ein Facebook like für den Post gibt: >>>HIER. Auch dies bitte im Kommentar vermerken.



Die Teilnahmebedingungen:


1.) Teilnehmer müssen über 18 Jahre alt sein, ansonsten benötigen wir eine Einverständniserklärung der Eltern.
2.) Start der Aktion ist am 21. Mai 2014 (Gründungstag des Blogs) und Ende der Aktion ist am 02. Juni 2014 (hier war das Kleeblatt vor einem Jahr erstmals komplett). 
3.) Die Auslosung erfolgt am 05. Juni 2014. Die Gewinner werden per Tool ausgelost. In unserem Blog werden die Gewinner anschließend bekanntgegeben.
4.) Der Gewinner/die Gewinnerin muss sich innerhalb einer Woche bei uns per eMail melden, sonst verfällt der Gewinn und wird neu ausgelost. (eMail an: urdd@onlinehome.de)
5.) Wir übernehmen keine Haftung, sollte der Gewinn auf dem Postwege verloren gehen.
6.) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Wir wünschen Euch viel Glück!







Wir haben noch viele Ideen und Pläne für unseren Blog. Schauen wir mal, wohin das kommende Jahr uns so treibt. Ihr seid jedenfalls wieder herzlich willkommen!

Doch für heute soll es nun reichen - deshalb verabschieden wir uns nun und sagen bis bald,

Euer Uwe, Rudi und die Anne 


Freitag, 14. Februar 2014

Ohrdebil.de - kostenlose Eigenproduktion von Audible.de



Wer wie ich nicht nur gerne liest, sondern sich Bücher auch häufig vorlesen lässt in Form von Hörbüchern, der stößt sicherlich irgendwann auf Audible.de. Seit nunmehr über vier Jahren lade ich mir von diesem Portal monatlich ein Hörbuch herunter und genieße den Vorteil, dass es sich dabei meistens um vollständige Lesungen handelt - ein Kriterium, das mir immer wichtiger erscheint. 
Gelegentlich stößt man beim Durchforsten der Angebote aber auch auf kostenlose Downloads, wobei es sich stets um Eigenproduktionen von Audible.de handelt. Eine beliebte Reihe dieser kostenlosen Downloads nennt sich "Ohrdebil.de". Johanna Steiner schreibt die Drehbücher der kleinen Geschichten, Helmut Krauss fungiert als Erzähler, das Team von Audible.de spricht die verschiedenen Rollen und vereinzelt gibt es auch "Gastredner" wie beispielsweise Sebastian Fitzek.

Ohrdebil.de spielt in der Zukunft und beschreibt Alltag und Abenteuer eines renommierten Hörbuchverlages, witzig, überspitzt, sich selbst auf die Schippe nehmend. Keine besonders anspruchsvolle Unterhaltung, aber es ist zu merken, mit wieviel Vergnügen die Sprecher bei der Sache sind, und für die kleine Unterhaltung zwischendurch sind diese Stücke allemal geeignet.



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Erstmals veröffentlicht wurden die bisherigen Episoden im Rahmen besonderer Aktionen, so z.B. stückchenweise als Adventskalender oder aber als Live-Lesung vor Publikum. Nach diesen Aktionen stehen dann die kompletten Lesungen als Download zur Verfügung. 
Mir persönlich haben die Hörspiele am besten gefallen, die zur Adventszeit spielen - die Geschichten sind kompletter, dauern auch deutlich länger als die anderen Episoden. Hier nun die bisher erhältlichen Hörspiele von Ohrdebil.de - und meine jeweilige Meinung dazu - die Überschriften sind die jeweiligen Links zum Download auf Audible.de:
  
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Teil 1: Krise unterm Christbaum



Es ist kurz vor Weihnachten in einer fernen Zeit weit in der Zukunft. Das Fernsehen gehört schon längst der Vergangenheit an und die Menschen möchten am liebsten von morgens bis abends Hörbüchern und Geschichten zuhören. In der Firma Ohrdebil liegt es den Mitarbeitern daher sehr am Herzen, dass alle Geschichten schnell und reibungslos zu ihren Kunden finden. Doch dann geschieht es. Wenige Tage vor Heiligabend erhält die Firma einen mysteriösen Anruf, der alle in Angst und Schrecken versetzt: In vier Tagen soll die ganze Firma ruiniert werden und schließlich offline gehen.

Keiner weiß, was dieser Anruf zu bedeuten hat, doch als die ersten Manipulationen Rechner lahm legen und Daten wie von Geisterhand gelöscht werden, wird es allen klar: Die Drohung war ernst gemeint! Betsy, John, Tobi, Flora und Alexander sind die Verantwortlichen der verschiedenen Abteilungen bei Ohrdebil und begeben sich auf die Suche nach dem ominösen Anrufer. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht. Denn schon fallen weitere Computer-Programme aus - und vom Täter fehlt noch jede Spur...


Ein nettes Hörspiel mit verteilten Rollen, das neben dem geschilderten Chaos auch den Alltag bei einem Hörbuchverlag wiedergibt. Dabei wird die eigene Branche nicht zu ernst genommen, sondern nimmt sich selbst auch mal gehörig auf die Schippe. Die Spannung hält sich in Grenzen und ist in etwa vergleichbar mit den bekannten "Drei???"-Hörspielen, die zwar die Neugierde wecken, ansonsten aber einfach nur angenehm zu hören sind.
Dieses Hörspiel gibt es exklusiv bei Audible.de und wird in erster Linie auch gesprochen von den Audible-Mitarbeitern. Zwischendurch erwarten den Hörer aber auch kleine Überraschungen wie Sebastian Fitzek, der sich selbst spricht und seine kleine Rolle mit einem Augenzwinkern ausfüllt...

Ein netter Hörspaß zur Weihnachtszeit, das auch noch kostenfrei herunterzuladen ist.
Da vergebe ich gerne 8 von 10 Punkten und bin schon auf die weiteren Ausgaben von "Ohrdebil.de" gespannt...



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Teil 1.5: Gefahr aus Atlantis


Endlich Sommer! Urlaubszeit ist doch einfach die beste Zeit! Tobi und Flora haben eine Kreuzfahrt in einem Online-Preisausschreiben gewonnen. Beide waren noch nie auf einem solchen Schiff und sind sehr beeindruckt von den riesengroßen Dimensionen. Die vielen Läden, die Freizeitangebote, die Bistros und Cafés bringen sie ins Schwärmen.
Aufgeregt gehen Tobi und Flora zum ersten Dinner an Bord, da entdecken sie Herrn Debil und seine Frau Wind-Debil. Zu ihrer Verwunderung sind die Debils in Begleitung von zwei sehr merkwürdigen Gestalten: Cyprinus und Procula vom Orden der Letzten von Atlantis. Diese zwei Atlanteer sind Tobi und Flora von Anfang an sehr unheimlich und sie ahnen nichts Gutes...

 

Von Ohrdebil.de gibt es also nicht nur Geschichten zur Weihnachtszeit, was mich sehr gefreut hat. Hierbei handelt es sich sogar um ein Live-Hörspiel, wieder einmal v.a. von den Audible-Mitarbeitern gesprochen, die selbst dabei viel Spaß zu haben schienen. Da es das Hörspiel wie bisher alle aus der Reihe um die Firma Ohrdebil.de zwar nur exklusiv bei Audible.de gibt, dafür aber kostenfrei heruntergeladen werden kann, kann man den Anspruch an ein letztlich von Laien gesprochenes Machwerk sicherlich nicht zu hoch ansetzen.
Auf einer längeren Autofahrt hörte ich dieses 33-minütige Hörspiel gemeinsam mit meinem Sohn, der anfangs nur den Kopf schüttelte, sich dann aber wie ich auch zunehmend amüsierte über vollkommen überzogene Darstellungen, unlustige Witze, unlogische Entwicklungen und Lacher an Stellen, die solches nicht vermuten ließen. Insgesamt also Unterhaltung der besonderen Art, die man sich ruhig einmal gönnen kann.

 

7 von 10 Punkten - mir war der Spaß einfach zu kurz!


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Teil 2: Apokalypse im Advent


Es ist wieder kurz vor Weihnachten. In einer fernen Zeit weit in der Zukunft. Das Fernsehen gehört schon längst der Vergangenheit an und die Menschen möchten am liebsten von morgens bis abends Hörbüchern und Geschichten zuhören. In der Firma Ohrdebil.de drehen die Mitarbeiter gerade ein Grußvideo für ihren kranken Chef Herrn Debil als sie plötzlich einen Wal auf der Dachterrasse finden. Hat den Günni bestellt? Günni ist der Bruder von Herrn Debil, der nun während seiner Abwesenheit kommissarisch die Geschäfte von Ohrdebil.de leitet. 

Als Ramona, John, Alexander, Betsy und Flora gerade herausfinden wollen, was es mit dem großen Tier auf sich hat, klingelt es plötzlich an der Tür. Drei merkwürdige Gestalten bitten um Einlass: Faust (Goethes Faust!), Romeo (ja genau, der von Shakespeare!) und Fanny Price (die aus Jane Austens Mansfield Park!) mussten aus ihrer Welt der Klassiker in die Menschenwelt fliehen, denn sie geraten in Vergessenheit und drohen unterzugehen. Die fünf Helden von Ohrdebil.de sind ratlos. Und als dann noch die Berliner Siegessäule von dem riesigen Zyklopen aus der Odyssee zerstört wird und die Herzkönigin aus "Alice im Wunderland" alle, die sich ihr in den Weg stellen, köpfen lassen will, müssen sich die fünf schnellstens etwas ausdenken...
 

Wieder ein sehr unterhaltsames Hörspiel exklusiv aus dem Hause Audible.de, das mit einigen sehr originellen Ideen aufwartet. Ist die Welt der Literatur bedroht - die Figuren sterben, wenn die Geschichten in Vergessenheit geraten - dann öffnet sich für den Notfall eine Tür in die reale Welt. Dort müssen die Figuren dafür sorgen, dass die klassische Literatur wieder bekannter wird, denn sonst ist diese Welt unrettbar verloren. Allerdings einfacher gesagt als getan. Nicht nur die Phänomene der modernen Welt verwirren die Figuren - so fordert Romeo den Aufzug mit dem empörten Ausruf "Höllenschlund" zum Duell ("Ach, Romeo, halt doch die Klappe!" ) - auch der Unglaube der Medien, es mit den "echten" Figuren der Klassiker zu tun zu haben, erschwert ihre Mission.
Doch unerwartet kommen ihnen da die "bösen Figuren" aus den alten Werken zu Hilfe, denn die sorgen durch ihre Zerstörungswut für ausreichend Publicity. Leider fallen dem Zykopen, dem Drachen, der Herzkönigin und sonstigem Gesindel dabei nach und nach alle Zaubertüren zum Opfer, die sie wieder zurück in ihre Welt der Literatur führen könnten. Die Mission scheint endgültig gescheitert...

 

Dieses Hörspiel gefiel mir noch besser als "Krise unterm Christbaum", denn die Grundidee fand ich origineller, die Umsetzung einfach nur witzig. Wieder wird in verteilten Rollen gesprochen, wobei der Spaß eindeutig im Vordergrund steht. Sprecher sind auch diesmal in erster Linie die Mitarbeiter von Audible.de.
 

Ein weiterer netter Hörspaß zur Advents- und Weihnachtszeit, das auch noch kostenfrei herunterzuladen ist.
Da vergebe ich gerne 9 von 10 Punkten und bin schon auf die weiteren Ausgaben von "Ohrdebil.de" gespannt...



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Teil 2.5: Angst unter Wölfen


Die Abteilungsleiter von Ohrdebil.de haben eine sehr anstrengende, erste Jahreshälfte hinter sich. Nach den aufwühlenden Ereignissen um das letzte Weihnachtsfest hatte keiner mehr Zeit durchzuatmen. Dementsprechend ist die Stimmung im Team gespannt.
Um seinen Team-Managern Zeit zum Verschnaufen, neu Sortieren und Zusammenfinden zu geben, schickt Günni Debil, ihr Chef, sie auf ein Offsite: und zwar 4 Tage Survival-Training im Wald. Neben all den Tieren und Pflanzen, der Natur und dem Wetter haben unsere fünf Ohrdebil-Helden noch mit anderen Unwägbarkeiten zu kämpfen: Wölfe, ein verrückter Survival-Coach und - ein Geist...

 

Sehr habe ich mich auch auf dieses Hörspiel aus der Reihe Ohrdebil.de gefreut, doch diesmal hat es mich eher enttäuscht. Abgesehen davon, dass es mit 26 Minuten das kürzeste der Hörspiele ist, finde ich es sowohl von der Geschichte her mager als auch von der Umsetzung.
Lacher vom Band, wenn gerade zwei Personen allein im Wald sind, erscheinen mir nicht sonerlich logisch, außerdem werden nicht alle Vorkommnisse wirklich aufgeklärt. Der Eindruck von "mal eben" aufgenommen drängt sich auf, der Spaß der Teilnehmenden ist diesmal für mich nur punktuell zu erkennen. Ob da noch eine Fortsetzung fehlt?

 

Jedenfalls vergebe ich hierfür nur 5 von 10 Punkten...
 

Auch wenn mich dieses Hörspiel aus der Reihe nicht so begeistern konnte wie die anderen, wünsche ich mir unbedingt noch eine Fortsetzung. Exklusiv und kostenlos bei Audible.de erhältlich gibt es diese Reihe.


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Teil 3: Das Christkind des Grauens

 

Dieses Jahr ist der Advent ruhig bei Ohrdebil.de. Die kleine Firma hat weder mit Erpressungen, Sabotageakten, noch mit Monstern, Romanfiguren oder explodierenden Fernsehtürmen zu kämpfen. Allerdings ist das Ohrdebil-Bürogebäude vom Einsturz bedroht, und die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb rauben allen Mitarbeitern den letzten Nerv. Der Lärm und die nervtötenden Aktionen von Chef Günni lassen die Stimmung in den Keller sinken. Dazu kommt, dass es im Privatleben unserer Helden rund geht, und die Arbeit darunter ein wenig leidet. Und so merkt niemand, dass die Firma sich ihrer bisher wohl größten Bedrohung stellen muss.
 

Auch der dritte Krimi zur Weihnachtszeit exklusiv von audible.de hat mich wieder gut unterhalten. Johanna Steiner hat diese Folge als Mini-Soap-Parodie zusammengesetzt, die Sprecher haben sich seit der ersten Folge deutlich gesteigert - alles keine Profis, sondern in erster Linie Mitarbeiter bei Audible.de.
Insiderwitze wie allgemeine kleine Gags finden sich hier zahlreich, auch wenn sie meist nicht im Vordergrund stehen sondern eher nebenher eingebaut sind - erst drei Sätze weiter begriff ich beispielsweise, dass soeben geäußert wurde, dass John Wayne trifft. Also: John trifft Wayne. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert.

 

Auch dieses Hörbuch von Audible.de ist wieder kostenfrei herunterzuladen. Drei Jahre in Folge (2010-2012) gab es zur Weihnachtszeit eine neue Ausgabe von "Ohrdebil.de". Im vergangenen Jahr leider nicht. Ich hoffe aber auf eine Fortsetzung in diesem Jahr!
9 von 10 Punkten vergebe ich für "Das Christkind des Grauens"...



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Bisher erschienen sind also:

Krise unterm Christbaum (Ohrdebil.de 1)
Gefahr aus Atlantis (Ohrdebil.de 1.5)
Apokalypse im Advent (Ohrdebil.de 2)
Angst unter Wölfen (Ohrdebil.de 2.5)
Das Christkind des Grauens (Ohrdebil.de 3)


Ich habe nun alle Hörspiele gehört und bin Fan dieser kostenkünstigen und nicht sehr zeitintensiven Hörvergnügen. Hoffentlich also lässt sich das Team nicht mehr viel Zeit, bevor es wieder etwas Neues von Ohrdebil.de gibt! 2013 wurde nämlich nichts aus der Reihe produziert...


© Parden