Freitag, 9. Januar 2015

Grisham, John: Theo Boone und das verschwundene Mädchen.



Manche Geschichte des amerikanischen Schriftstellers John GRISHAM ist vermutlich mehr Leuten bekannt, als der jeweils zu Grunde liegende Roman. Ich denke da nur mal an die Verfilmungen von DIE FIRMA und DIE JURY oder DIE KAMMER

Einige Jahre habe ich die Grisham –Romane mit Begeisterung gelesen, aber mit der Zeit fand ich, dass diese Justizthriller etwas an Reiz verloren. Irgendwie war das Strickmuster immer sehr ähnlich.
Im Jahre 2010 kam John Grisham mit etwas Neuem raus, er ließ den dreizehnjährigen Anwaltssohn Theodore Boone, genannt nach dem US-Präsidenten Theodore Roosevelt,  auf die Leserschaft los.  

THEO BOONE UND DER UNSICHTBARE ZEUGE hieß der

hieß der erste Band.Vor Weihnachten brauchte ich ein Geschenk für eine Dreizehnjährigen. Da bot sich doch der zweite Band, THEO BOON UND DAS VERSCHWUNDENE MÄDCHEN förmlich an.


„Die Entführung seiner besten Freundin April - auch sein zweiter Fall verlangt Theo Boone alles ab Theo Boone, Anwaltssohn mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Gerechtigkeit, ist erst dreizehn. Aber das hält ihn nicht davon ab, die schwierigsten Kriminalfälle zu lösen und die Strafprozesse live vor Gericht zu verfolgen. Ansonsten gehört Theos Leidenschaft seinem Hund Judge - und natürlich seiner besten Freundin April. … 

Mitten in der Nacht werden die Boones von einem Anruf aus dem Schlaf gerissen: April Finnemore, Theos beste Freundin, ist spurlos verschwunden. Theo war der letzte, der mit ihr gesprochen hat. Noch in derselben Nacht wird er von der Polizei verhört. Obwohl sich Theo eigentlich nichts Spannenderes vorstellen kann, als in seiner verschlafenen Heimatstadt Verbrecher zu jagen und Kriminalfälle zu lösen, ist diesmal alles anders: Die Sorge um April bringt ihn fast um den Verstand. Sie muss so schnell wie möglich gefunden werden!“ (Klappentext – Lovelybooks)

Bezeichnend, der Hund heißt Judge. Das Jugendbuch hat all das, was wir Erwachsenen von solchen Justizthrillern kennen.  Da wären zum Beispiel die Ermittler in STRATTENBURG, deren Fälle sich sonst wohl eher um Diebstähle und Autoklau drehen, aber selten um Entführungen. Außerdem wird ein Typ festgenommen, der behauptet, das Mädchen entführt zu haben. Aber stimmt das wirklich? Der Typ will einen Deal – auch das ist etwas, was wir aus amerikanischen Thrillern kennen – in Deutschland kommt so etwas doch ziemlich selten vor. Verdammte Schule. Theo hat gar keine Zeit dafür, Aber seine Anwaltseltern, und auch die Richter am Gericht wollen ihn ständig in die Schule schicken, dabei geht es doch um April. Vielleicht hilft ja sein Onkel Ike, der früher mal Partner seiner Eltern war, seine Anwaltszulassung aber irgendwann verlor.
Eine der schönsten Episoden, Theos Verteidigung eines Papageis vor dem Tiergericht. So was gibt es bestimmt nur in den USA. Da der Richter kein kein richtiger Jurist ist, braucht auch der Anwalt (noch) keiner zu sein. Aber davon mehr zu erzählen, würde den Spaß verderben.

* * *

Interessant ist, was die Frankfurter Rundschau am 15.10.2010 schrieb, nachdem der erste Band erschienen war:

„‹Kinderanwalt› Theodore Boone ist durchaus ambivalent und streckenweise etwas nervig. Den 13-Jährigen könnte man auch einen Streber oder Besserwisser nennen – also nicht gerade das, was bei Jugendlichen super gut ankommt. Strebsam, ehrgeizig, mit starker Eltern-Bindung, ein Söhnchen aus gutem Hause. Dennoch: Grisham fängt sie alle ein – auch 12 bis 16-Jährige wollen nach ein paar Seiten wissen, wie es mit dem spannenden Fall weitergeht.“ (Frankfurter Rundschau)

Dem kann ich nur zustimmen. Mir gefällt der Knabe und die Geschichten, auch wenn ich schon ziemlich lange keine 16 mehr bin. Der hat alles, was so ein Held heutzutage braucht. Nervenstärke, Geduld, Durchsetzungsvermögen. Aber er heißt ja auch BOONE. Ob er vielleicht ein Nachkomme des großen Jägers und Pioniers ist, der schon Karl May zu seinen Figuren inspirierte? Das bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

Zum Autoren schreibe ich jetz mal nichts, demnächst soll eine Autorenseite zu John Grisham hier erscheinen. Hier seht ihr aber mal die Cover der Theo Boone Bücher in der Reihenfolge des Erscheines.


► John Grisham in wikipedia
► John Grisham in der DNB
► John Grisham im Heyne-Verlag

Heyne-Verlag / München 2011 / ISBN: 978-3-45340934-7 / 256 S. / DNB

© KaratekaDD

Mittwoch, 7. Januar 2015

Kerkeling, Hape: Der Junge muss an die frische Luft



(Quelle)
Hape Kerkeling. Wer kennt den nicht. Ich verbinde ihn mit dem Clip, in dem er die niederländische Königin Beatrix mimte und kurz vor deren Staatsbesuch im Schloss Bellevue vorfuhr, sie wolle „lecker Mittag esse, mit de Bundespräsidenten.“ Aber das hat was mit meinem Job zu tun und der Organisation in der ich arbeite. 


Das wohl bekannteste Werk ist nun mal ICH BIN DANN MAL WEG. Am 25.10.2009 schrieb ich dazu unter den Buchgesichtern:


„Nichts hätte mich überreden können, das Buch zu kaufen, wenn ich es nur in einem Buchladen gesehen hätte. Aber irgendwann saß ich mal bei Freunden, das Buch lag da "rum" und so habe ich die ersten paar Seiten angefangen.  Ich find den Kerkeling eigentlich ganz gut (von der Figur Horst Schlämmer mal abgesehen), so hat dann dieses Buch den Weg zu mir gefunden. Plastisch, lustig, schmunzelnd-wehleidig beschreibt er seine "Leidenstour". Mit sich und seiner Welt scheint er ja im Reinen zu sein, bis hin zur sexuellen Orientierung. Lesenswert auf jeden Fall ob Katholik oder nicht, ob Wanderfan oder nicht, auf jeden Fall ist das Buch zu empfehlen.“

* * *

Und nun also DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT – Meine Kindheit und ich, gelesen von Hape Kerkeling selbst. 465 Minuten Hape Kerkeling.

Der am 09. Dezember 1964, und damit genau ein Jahr nach mir geborene Ruhrpottjunge, welcher als Entertainer, Komiker, Schauspieler und gelegentlich als Sänger in der Rundfunk- und Fernsehlandschaft zu sehen ist, hat eine Menge unterschiedlichstes „Zeug“ gemacht. Bekannt ist bestimmt TOTAL NORMAL. Vielleicht auch das verfilmte Hörspiel EIN MANN EIN FJORD. Totaler Klamauk aber hervorragend für das Autofahren geeignet. Oder besser nicht!
DARÜBER LACHT DIE WELT war auch so ein typisches Kerkeling Format. Er verkleidete sich oft und „verarschte“ eine Menge Leute, auch prominente. Siehe Beatrix. Übrigens hat er auch den Pandabären Po in KUNG FU PANDA synchronisiert.

Und nun also diese Autobiografie.

“Jetzt spricht Hape Kerkeling über seine Kindheit; entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher; das Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere - und darüber, warum es manchmal ein Glück ist, sich hinter Schnauzbart und Herrenhandtasche verstecken zu können. Über berührende Begegnungen und Verluste, Lebensmut und die Energie, immer wieder aufzustehen.“ (Homepage und Klappentext)

Horst Schlämmer (Quelle)
In Mocambique, im Auftrag der UNICEF unterwegs, erzählt er einem kleinem schwarzen Jungen mit HIV seine Geschichte. (Ob der sie verstanden hat?) Noch berührender die Geschichte von dem todsterbenskranken Mädchen, welches unbedingt Horst Schlämmer kennen lernen will. Und sie lernt ihn kennen. Und wie… Das muss man GEHÖRT haben. Vermutlich macht lesen nur halb so viel Spaß.

Seine Großmütter waren es, die wohl wirklich einen großen Einfluss auf ihn ausübten. Übrigens hatte er Oma Änne versprochen, dass er mal was ganz Großes wird im Leben. 

"Was, um Himmels willen, hat mich bloß ins gleißende Scheinwerferlicht getrieben, mitten unter die Showwölfe? Eigentlich bin ich doch mehr der gemütliche, tapsige Typ und überhaupt keine Rampensau. Warum wollte ich also bereits im zarten Kindesalter mit aller Macht "berühmt werden"? Und wieso hat das dann tatsächlich geklappt? Nun, vielleicht einfach deshalb, weil ich es meiner Oma als sechsjähriger Knirps genau so versprechen musste..." (Klappentext)

Oma Berta dagegen prophezeite, dass er Zeit seines Lebens alleine bleiben würde, was sich aber auf eine mögliche Frau an seiner Seite bezog. Der Leidensweg der Mutter wird verdammt ausführlich besprochen und auch, dass ihr Freitod verschwiegen wird, damit sie auf dem Kirchhof beerdigt werden kann. Das kann man alles nachlesen. Und wird mal schlucken und mal seinen Spaß dran haben. Am besten übrigens, und ich bin nicht wirklich ein großer Fan von Hörbüchern, hört man es.

Es sind schon tiefe Einblicke, die Hape Kerkeling da seinem Publikum gestattet. Für meine Begriffe zu viele, aber das ist ja seine Sache ganz allein. Manches kommt dem Hörer / dem Leser sicherlich ziemlich esoterisch vor, außerdem lässt er gelegentlich durchblicken, dem Buddhismus nahezustehen.

* * * 

Ich bin etwas hin- und hergerissen, so begeistert wie bei ICH BIN DANN MAL WEG, habe ich das Hörbuch nicht beiseite „gelegt“. Es war mir stellenweise auch zu lang. Gelegentlich ausschweifend. Aber es rundet mein Bild dieses Künstlers gut ab. Ich mag wie gesagt, diesen 50zigjährigen Knaben, der irgendwie jeden Jux anders verkauft, als viele andere sogenannte Commedians. Für Fans ist das Buch sicherlich noch wichtiger.

* * *

 
Das muss aber jetzt sein.

► Hape Kerkeling - Homepage
► Hape Kerkeling - Wikipedia
► Hape Kerkeling in der DNB
Hörprobe 

► Piper Verlag / Zürich 2014 /  ISBN: 978-3-492-05700-4 / 311 S. / DNB / DNB - Hörbuch


© KaratekaDD


Sonntag, 4. Januar 2015

Hamann, Cordula: Glasgesichter




Ein schlechter Scherz – oder tödliche Gefahr? Die Galeristin Andrea Wahrig erhält eine anonyme Morddrohung, als sie die spektakulären Bilder eines jungen Berliner Künstlers ausstellen will …

Gesichter, farbenfroh gemalt auf Glas, im Todeskampf verzerrt – die spektakuläre Bilderserie des jungen Künstlers Maximilian Ross soll der Galerie von Andrea Wahrig den Durchbruch bringen. Da erhält sie einen anonymen Brief: „Sagen Sie die Ausstellung ab oder jemand, den Sie lieben, wird sterben.“ Andrea glaubt zunächst an einen schlechten Scherz. Bis ihre Mutter verschwindet. Und urplötzlich weigert sich auch Maximilian, seine Bilder auszustellen. War die Drohung etwa von ihm? Hat er etwas mit dem Verschwinden von Andreas Mutter zu tun? Fieberhaft beginnt Andrea nachzuforschen. Während sie dem grausamen Geheimnis des Künstlers immer näher kommt, liegen Pinsel und Farben schon bereit, für das nächste gläserne Totenbild …






  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1., Aufl. (10. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 395649072X
  • ISBN-13: 978-3956490729

          und


  • Format: Kindle Edition      ► Link zum Herunterladen
  • Dateigröße: 519 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1., Aufl. (10. Oktober 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00KB1LOYO








ERKENNTNIS...




Andrea Wahrig hat gegen den Widerstand ihres Vaters eine Kunstgalerie in Berlin eröffnet und arbeitet hart daran, sich einen Namen in der Szene zu erarbeiten. Durch Zufall stößt sie dabei auf den Maler Maximilian Ross, der ein großes Talent zu sein scheint - seine lebensgroßen Glasbilder sind ebenso verstörend wie faszinierend. Eine Ausstellung mit ihm verspricht der große Durchbruch für die kleine Galerie zu werden.
Doch Maximilian zeigt zunehmend Widerstände gegen diese Ausstellung, und plötzlilch erhält Andrea einen Drohbrief: sie soll die Vernissage absagen. Immer mysteriöser wird die ganze Angelegenheit, und Maximilian verhält sich zunehmend merkwürdiger. Was soll Andrea davon halten? Soll sie die Ausstellung tatsächlich platzen und sich damit die Chance auf ihren Durchbruch entgehen lassen? Als ihre Mutter plötzlich verschwindet, beginnt Andrea zu ahnen, wie hoch der Preis für ihr Zögern sein könnte...

Ich muss gestehen, dass es das Cover war, das mich bewog, hier näher hinzuschauen. Ebenso verstört wie fasziniert betrachtete ich die Darstellung, und als ich zu lesen begann, stellte ich rasch fest, wie überaus passend die Covergestaltung ist.
Denn das Bild stellt eine Erkenntnis dar. Die Erkenntnis eines Menschen in dem Moment, wo er plötzlich und vollkommen begreift, dass er gleich sterben wird - und wer dafür verantwortlich ist. Eine Mischung aus Angst, Unglaube, Entsetzen - festgehalten in Farben auf Glas. In Farben des Grauens. Gänsehaut!

Erzählt wird das Geschehen aus wechselnden Perspektiven - meist aus der von Andrea und ihrer wachsenden Verunsicherung, oft auch aus der des Künstlers Maximilian und seinem zunehmend irritierendem Verhalten. Zuweilen auch aus der des Täters, in der akribisch beschrieben wird, wie er bei der Herstellung der Glasbilder vorgeht. Glasbilder, die in der geplanten Ausstellung gezeigt werden sollen?
Die Charaktere sind dabei glaubhaft dargestellt, mehrdimensional und mit Facetten, auch wenn ich persönlich keinen davon wirklich sympathisch fand. Allerdings stand hier für mich auch das Kopfkino und die Jagd nach der Wahrheit im Vordergrund. Denn immer wenn mein Gehirn eine Lösung gebastelt hatte, zerschlug ein neues Detail diese gleich darauf wieder in Stücke.

Die Frage nach den Zusammenhängen und den Hintergründen ist es denn auch, die den Spannungsbogen von Anfang bis Ende aufrecht hielt. Dazu Verwicklungen von Schuld und Moral, die auch über das Auflösen der Fragezeichen hinaus weiterbestehen und eben nicht so einfach aufzulösen sind. Für mich eine gelungene Mischung, die den Thriller für mich zu einem Lesevergnügen gerieten ließ.

Ich jedenfalls hoffe auf mehr von der Autorin!


© Parden












Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Mira Taschenbuch Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen!














CORDULA HAMANN

Cordula Hamann wurde 1959 in Hannover geboren und lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Berlin und Spanien. Nach einer juristischen Ausbildung arbeitete sie zwanzig Jahre lang als Unternehmerin im Immobilienbereich. Seit 2006 hat sie ihr großes Hobby Schreiben mehr und mehr zum beruflichen Schwerpunkt gemacht. „Glasgesichter“ ist ihr Thrillerdebüt.

 Quelle Text und Bild


Samstag, 3. Januar 2015

Jackowski, Karol: Jetzt oder nie!



Eine Nonne als Lebensberaterin in punkto Spaß? 

Karol Jackowski gibt Ratschläge und Ideen, sich aus dem täglichen Trott auszuklinken und innezuhalten. Mit ihren zehn Regeln für ein glücklicheres Dasein zeigt sie auf witzige und zugleich tiefgründige Art, wie man sein Leben nutzen kann und keine Zeit vergeudet, um sich mit Hilfe größtmöglicher Lebensfreude ein erfülltes, göttliches Leben zu schaffen. Niemand ist dazu bestimmt, unglücklich oder gelangweilt zu sein, denn ein gelungenes Leben liegt in unserer Hand. Ein ungewöhnliches Buch zur spirituellen Lebenshilfe, witzig und unkonventionell geschrieben und originell illustriert.












  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Droemer Knaur (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426666324
  • ISBN-13: 978-3426666326








 WENN NONNEN RATSCHLÄGE GEBEN...

 
Zehn beispielhafte, aber keineswegs dogmatische, leicht umsetzbare Ratschläge und Ideen, um mit dem Alltag besser klarzukkommen, Stress lockerer zu nehmen und positiver durchs Leben zu gehen. Karol Jackowski zeigt auf witzige und zugleich tiefgründige Art, dass niemand dazu bestimmt ist, unglücklich oder gelangweilt zu sein.


So weit der Text auf der Rückseite des Buches, der Menschen vielleicht neugierig machen kann, gerade in der heutigen Zeit, wo alles immer stressiger und belastender zu werden scheint.
Der Klappentext verrät schon etwas mehr:


Ein gelungenes und erfülltes Leben liegt ganz allein in unserer Hand. Karol Jackowski präsentiert zehn erfreuliche Dinge, die Sie beizeiten tun sollten, um gleichzeitig auch einmal darüber nachzudenken, wie Sie eigentlich derzeit leben. Dazu gehört u.a.:
  • Umgeben Sie sich mit gutgelaunten, lebensbejahenden Menschen - es stimmt nicht, dass man mit zunehmendem Alter nichts mehr zu lachen hat.
  • Finden Sie einen Ort, an dem Sie zwischendurch der Alltagshektik entfliehen können - drücken Sie Ihre persönliche Escape-Taste, wenn Ihnen alles zu viel wird.
  • Schreiben Sie anstatt zu reden - Briefe, Tagebuch, Notizen - auf diese Art kann man immer sagen, was man will.
Witzig und inkonventionell geschrieben und originell illustriert.

So ein typischer Ratgeber, den man gerne auch einmal verschenkt. Oder geschenkt bekommt. Und der dann jahre- oder gar jahrzehntelang ungelesen in der hintersten Regalecke verstaubt. Und, zugegeben, wenn es nicht gerade eine Challenge gäbe, zu der dieses Buch einfach blendend passt - vielleicht hätte das Buch zu denen gehört, die ich in meinem Leben gar nicht mehr gelesen hätte. UND DAS WÄRE AUCH GUT GEWESEN! Hrmpf.

Entstanden ist dieses Buch aus einer Vorlesung heraus, so verrät es uns das Vorwort. Der Eindruck, dass das Buch daher systematisch und durchdacht aufgebaut sein könnte, wird aber gleich wieder verwischt, weil dann zu lesen ist, dass die aufgezählten Punkte zur Verbesserung des Lebens nicht in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit angeordnet sind, sondern einfach aufgeschrieben wurden, wie sie der Autorin in den Sinn kamen.
Als Entscheidungshilfe, ob jemand dieses Buch lesen möchte (ich würde es verschenken - Interessenten bitte melden!), gehe ich mal kurz auf die genannten Punkte ein (wer das für ausgeschlossen hält, kann die Punkte auch gerne überspringen...):

  1. Entfalten Sie mehr Lebensfreude als alle anderen - Ja, es reicht nicht, allgemein mehr Lebensfreude zu entwickeln, nein, es soll gleich wieder die meiste überhaupt sein, nämlich: mehr als alle anderen! Wenn das jeder beherzigen würde - würde das nicht gleich wieder in Stress ausarten? Und richtig, die Autorin bestätigt: "Mehr Lebensfreude zu haben als andere bedeutet, dass man sich doppelt anstrengen muss, damit man nicht zu sehr der Ernsthaftigkeit verfällt." (S. 13) Als weitere Tipps, damit das auch klappt, schlägt die Autorin vor, sich mit originellen Menschen zu umgeben - "in Gesellschaft origineller Menschen aber intensiviert und vervielfacht sich die reine Freude auf geradezu himmlische Weise." (S. 14) - sowie im Beisein anderer nicht immer an sich selbst zu denken, selbst originell zu sein - "die einzige bombensichere Methode, mehr Freude zu haben als die anderen" (S. 17) - und alles zu machen, was Freude macht und nicht gegen die 10 Gebote verstößt... Moment mal: 'auf himmlische Weise', 'die 10 Gebote'? Richtig: Karol Jackowski ist Nonne...
  2. Erlangen Sie Einsicht und Erkentnis - Schließlich will man doch kein "tumbes, leeres Leben führen, das seinen Namen nicht verdient" (S. 23) - oder? Also gilt zu versuchen, immer das bessere Selbst, die gute Zwillingsperson, zu sein, rät die Autorin. Als besserer Mensch hat man einfach mehr Verständnis und Mitgefühl für andere und erlebt so auch mehr Freude.
  3. Gehen Sie in die Tiefe - "Sie werden die Erfahrung machen, dass es sehr trötstlich ist, dass alles, was Ihnen widerfährt, was Sie ausgraben - auch der viele 'Seelenmüll' - im Lauf der Zeit zu etwas ungeheuer Wertvollem und schlichtweg Göttlichen wird." (S. 33) Indem man sich selbst findet, wird man kaum mehr aus der Bahn geworfen, sondern ruht in seiner eigenen Mitte. Das gilt lt. Autorin im übrigen auch für Nichtgläubige, denn mit Glaube an Gott war früher v.a. gemeint, der eigenen Intuition, dem Instinkt zu vertrauen - das eigene Gewissen als Begleiter in allen Lebenslagen...
  4. Finden Sie einen Ort, an dem Sie der Realität entfliehen können - Orte im Freien oder in Innenräumen, an denen man allem entfliehen kann, wenn einem alles zu viel wird - reale Räumlichkeiten sind hier ebenso gemeint wie das Entfliehen durch Fantasie und Vorstellungskraft wie z.B. durch Lesen. "Wenn Sie es bislang nicht getan haben, dann beginnen Sie auf der Stelle, Ihre Liebe zum Lesen zu entwickeln" (S. 41 f.). Kreativität, Müßiggang, Nichtstun - alles ist erlaubt. Notfalls auch Sport (die Autorin ist kein Fan davon...).
  5. Schreiben Sie jeden Abend etwas - "Die Frage, was man schreiben soll, ist kein Problem, wenn man sich selbst denken hört. Das ist der Trick." (S. 54) Ah, ja. Tagebuch, Briefe - die Form ist egal, aber Schreiben hält das Besondere eines Tages fest. (Die Autorin hat das perfektioniert, in dem sie seit zig Jahren regelmäßig Monatsrücklblicke zu ihren Tagebucheintragungen verfasst und zu Beginn jeden Jahres die jährliche Besten- und Schlechtesten-Liste - sie tendiert inzwischen sogar zu einer Auswahl des 'Besten und Schlechtesten eines ganzen Lebens'...). So wird man lt. Karol Jackowski jedenfalls sehr viel aufmerksamer für das Tagesgeschehen, das Bewusstsein für die alltäglichen Ereignisse nimmt zu...
  6. Denken Sie einmal über das Leben im Kloster nach - ähm, erwähnte ich schon, dass die Autorin Nonne ist? Ein bisschen Werbung darf sein? Drei gute Gründe nennt Karol Jackowski hier für ein Leben im Kloster: 1. Alle werden gleich behandelt - "Ob Sie nun Nonne sind oder nicht, ich legen Ihnen wärmstens ans Herz, noch zu Lebzeiten eine Art Armutsgelübde abzulegen, vor allem, wenn Sie mehr als genug besitzen (...) Teilen Sie Ihren Überfluss. Am besten sofort." (S. 67) - 2. Nonnen haben kein Interesse daran, verheiratet zu sein - statt jemand einzelnem anzugehören und zu besitzen werden alle gleich geliebt: "... sind Nonnen der festen Überzeugung, dass die Besitz ergreifende, Abhängigkeiten schaffende Liebe, die unangemessen hohe Summen an Zeit und Energie verschlingt, kaum der angemessene Weg ist - weder in der Schwesternschaft noch sonst wo." (S. 68) - 3. Nonnen hören mehr auf Gott als auf jeden anderen - so soll es wohl sein...
  7. Wecken Sie Interesse für sich - Aus sich selbst einen interessanten Menschen machen? Unbedingt, denn: "Jede Bemühung, sich interessant zu machen, bewahrt sie davor, Ihr Leben zu verschwenden - was das absolut Schlimmste ist, was Sie zu Lebzeiten tun könnten." (S. 77). Wie das gehen soll? Na, dafür gibt es Patentrezepte, klar. Vier Stück an der Zahl. 1. Sich mit Menschen umgeben, die interessanter sind als man selbst, 2. Eine Arbeit finden, die einen interessiert und erfüllt, 3. Lebenslange Suche nach Bildung und 4. Eine eigene Meinung vertreten: "Die langweiligsten (...) Menschen sind jene, die glauben, die ihnen zugewiesene Rolle im Leben bestehe darin, den Frieden zu wahren, Konflikte zu vermeiden (...) Solche Menschen sind so lau, dass Gott sie aus seinem Mund ausspuckt: Pfthh. Pfthh. Pfthh. Etwas, das Sie doch weder zu Ihren Lebzeiten noch danach wollen." (S. 83). Ehrlich? Spätestens da dachte ich ernsthaft darüber nach, das Buch endgültig zuzuklappen... Aber das ist einfach nicht meine Art...
  8. Leben Sie eine Weile für sich allein - Am liebsten sähe es die Autorin, wenn dieses 'Gebot' als eine Art Initiationsritus eingefordert würde, durch den man erst ins Erwachsenenleben aufgenommen wird. Sie zählt positive Aspekte des Alleinseins (Ruhe und Frieden, die innere Stimme hören, sich selbst finden, selbstbestimmtes Leben) ebenso auf wie die Nachteile (harte Arbeit - man muss alles selbst machen -, mehr Stress - man wird nicht abgelenkt, muss sich auf sich selbst konzentrieren -, Einsamkeit - manchmal; dagegen hilft: anderen helfen, hohe Kosten - man zahlt alles alleine. Trotzdem schwört die Autorin auf dieses Rezept, denn dann geben "noch nicht einmal die Krümel in der Butter (...) Anlass zum Streit." (S. 99).
  9. Achten Sie auf sich - Nur wer gut zu sich selbst ist, kann auch gut zu anderen sein. Alte Binsenweisheit - oder?
  10. Leben Sie, als hätten Sie nichts zu verlieren - "Nach all dem Suchen, Graben, Flüchten, Zuhören, Verlieren und Finden, zu dem Sie in den ersten neun Punkten aufgefordert werden, stehen die Chancen hoch, dass Sie sowieso nichts mehr zu verlieren haben." (S. 105). Ohne die Angst, etwas oder jemanden verlieren zu können, tritt Gelassenheit ein, ist das Leben deutlich weniger anstrengend, Wut und Freudlosigkeit gehören der Vergangenheit an.

Wem jetzt schon diese Zusammenfassung zu anstrengend war, dem sei die Lektüre des gesamten Buches anempfohlen... Nichts mehr zu verlieren? Na, davon bin ich doch wohl noch weit entfernt. Ich hatte große Mühe, hier nicht die Nerven zu verlieren. Für mich ist dieses Buch eine echte Frechheit. Nicht alles Genannte ist falsch, das will ich gar nicht sagen. Aber was soll das sein? Ernsthaft ein Ratgeber? Für wen? Oder doch nur der Versuch einer zölibatären Autorin, sich eben 'interessant' zu machen?
Keineswegs dogmatische Ratschläge? Na, danke. Lesen, aber sofort. Machen, sonst führt man ein tumbes Leben. Wer nicht den Mund aufmacht, den spuckt Gott aus. Herrlich. Dazu noch alte Binsenweisheiten als neue Erkenntnisse verkauft. Und die Weltsicht als Nonne färbt hier auch deutlich durch.

Nichts gegen Glauben. Nichts gegen Nonnen. Möge jeder so leben, wie er es für richtig hält. Jeder seinen Weg finden. Aber ich bitte auch den meinen.

Ein Buch, das die Welt nicht braucht.



© Parden












Karol Jackowski’s life as a nun began in 1964 when she joined the Sisters of the Holy Cross in South Bend, Indiana. She graduated from Saint Mary’s College in South Bend in 1969 with a B.A. in sociology, and then from the University of Notre Dame in 1974 with a M.A. in theology.
Karol spent half of her life as a nun at Saint Mary’s College, first as a student and then as an administrator in various capacities.  In 1990, she moved to New York City to finish her Ph.D. at New York University.  During this time, she also was the chief operating officer of an East Village novelty store called Alphabets.  
In 1995, Karol left the Sisters of the Holy Cross and became part of the Sisters for Christian Community, an independent, self-governing sisterhood. Karol is now a full-time writer and is also the author of Sister Karol’s Book of Spells and Blessings and Ten Fun Things To Do Before You Die. She lives in New York City.

  Quelle Text und Bild

Freitag, 2. Januar 2015

Mertin, Ralph B.: Nachtigall im Winter



Ein beklemmender Mystery- und Internatsthriller um den bedrohlichen Sog von Gruppendynamik...

Als der charismatische Lehrer Choran 1950 seine Stelle im Waisenhaus Königspfalz antritt, wird er aufgrund seiner unkonventionellen Unterrichtsmethoden von den Jugendlichen vergöttert. Doch Choran versucht, die traumatisierten Kriegswaisen für seine obskuren Zwecke zu instrumentalisieren. Es beginnt ein Spiel mit dem Feuer, einem Feuer, an dem sich mehr als einer verbrennt...












  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 489 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 338 Seiten
  • Verlag: Knaur eBook; Auflage: 1 (1. Dezember 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00MUL6O2A








ETWAS VERSCHENKTES POTENTIAL...




1950 haben es die Jungen im Waisenhaus Königspfalz nicht leicht. Die Bedingungen sind denkbar schlecht, es gibt von allem zu wenig, niemanden, der sich wirklich für die Jungen interessiert, statt Solidarität gibt es oftmals sogar verbitterte Rivalität, vor allem unter den verschiedenen Häusern des Waisenhauses. Im Zentrum des Geschehens stehen hier die Häuser namens 'Nachtigall' und 'Winter', wobei aus unerfindlichen Gründen die Kinder im Hause 'Nachtigall' deutlich bevorzugt werden.
Dies ändert sich erst, als der neue Lehrer Choran an die Schule kommt und das Haus 'Winter' übernimmt. Er setzt sich für die Kinder ein, formt aus den zerstrittenen Individuen nach und nach eine Einheit, die Stärke demonstiert und in der der Einzelne nichts mehr zu befürchten hat. Doch was sind die wahren Abichten Chorans?

Neben den Geschehnissen im Jahr 1950 wird in einem zweiten Erzählstrang berichtet, wie im Jahre 1959 ein erfolgloser und heruntergekommener Reporter versucht zu ergründen, was vor neun Jahren im Internat Köigspfalz wirklich geschah. Denn es gab dort mehrere unerklärliche Todesfälle, dazu ungeklärte Vergangenheiten einzelner Lehrer und sonstige mysteriöse Vorfälle. Der Reporter Harry ist schon seit Jahren dem Alkohol verfallen, trauert seiner großen Liebe nach und hat als einziges verbliebenes Ziel eben die Auflösung der Geschehnisse von damals. Dabei erfährt er nun Hilfe von unerwarteter Seite. Doch wer ist der mysteriöse Mann? Und weshalb will er Harry helfen?


Über weite Strecken war dies ein wahrlich spannendes Buch mit unvorhersehbaren und überraschenden Wendungen und Finten. Gut ausgearbeitet war dabei die Gruppendynamik, die durch die Veränderungen der Bedingungen in Gang kamen und zeigten, wie einzelne Jungen plötzlich ganz andere Rollen übernahmen. Dadurch dass über lange Strecken alle mit verdeckten Karten spielen, nimmt das Rätselraten kein Ende, und die Eindringlichkeit der Schilderung der Geschehnisse tut ein übriges, um einen das Buch am besten gar nicht erst weglegen zu lassen. Wer verbirgt welches Geheimnis, wer handelt aus welcher Motivation heraus und wohin wird sich das Ganze schließlich entwickeln sind nur einige der Fragen, die den Leser während der Lektüre treu begleiten.
Ein wenig ernüchtert war ich allerdings, als es schließlich auf das Ende zuging. Da nahm das Mystische für meinen Geschmack doch zu sehr überhand - und es zeigte sich, dass die Themenvielfalt (alte Kulturen, NAZI-Vergangenheiten, unlautere Vorkommnisse in abgeschiedenen Internaten, Machtspiele, Religion, Mystik) letztlich doch wohl ein wenig zu groß war. Jedes Thema für sich: spannend und hochbrisant - aber in der Summe einfach zu viel, so dass einiges zwangsläufig auf der Strecke bleiben bzw. fast 'nebenher' abgehandelt werden musste. Da wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen, es ist schade um das verschenkte Potential...

Insgesamt eine spannende Unterhaltung, deren eher 'plattes' Ende mich ernüchtert und ein wenig enttäuscht hat. 3,5 Sterne, die ich aber auf 4 aufrunde, weil die Spannung mich über einen langen Zeitraum gefangen halten konnte...


© Parden








Ralph B. Mertin, geboren 1980 in der Lutherstadt Wittenberg, studierte Germanistik in Jena mit spektakulärer Erfolglosigkeit und schließlich Wirtschaftswissenschaften in Erfurt. Privat joggt und schreibt er und lebt mit zwei Katzen in Weimar.
Quelle Text und Bild





Donnerstag, 1. Januar 2015

Brucker, Bernd: Was weiß der Geier?


Vom BLAU machen, KATZENtischen und KROKODILstränen


Die Bedeutung kennt man, aber die Herkunft vieler deutscher Redewendungen liegt meist im Dunkeln. Warum macht man BLAU, wenn man unentschuldigt im Büro fehlt? Und warum hat man nach der Party einen KATER?



Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine amüsante Reise durch die erstaunlichen Hintergründe unserer Sprache.













  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 327 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 145 Seiten
  • ISBN-Quelle für Seitenzahl: 380942188X
  • Verlag: Bassermann Verlag (8. Februar 2009)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B004OL2SOM
   
          * * *

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Bassermann Verlag (18. November 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3809430161
  • ISBN-13: 978-3809430162






 INTERESSANT UND AUFSCHLUSSREICH...





Die Bedeutung kennt man, aber die Herkunft vieler deutscher Redewendungen ganz selten. Warum macht BLAU, wer unentschuldigt im Büro fehlt? Wieso hat man nach der Party einen KATER? Warum wird es höchste Eisenbahn, wenn man schon spät dran ist?
Unternehmen Sie mit diesem Buch eine amüsante Reise durch die erstaunlichen Hintergründe unserer Sprache - und wenn Sie sich das nächste Mal verFRANZen, dann können Sie Wegbegleiter mit dem Wissen über die Herkunft dieses Ausdrucks besänftigen.


Das Schöne an diesen Fragen zur Herkunft der Redewendungen ist, dass man  oft in die Irre geführt wird, wenn man versucht, eine logische Antwort darauf zu finden, und genau das ist auch die Crux an der Sache: Die deutsche Sprache mag die Sprache großer Dichter und Denker sein, hervorragend dazu geeignet, um philosophische Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, aber sie ist - und das verbindet sie mit anderen gesprochenen Sprachen - keineswegs immer logisch.

Dieses kleine Buch ist eine nette Einsteigerlektüre zur Bedeutung und Herkunft der Redewedungen - auch bei Zweifelsfällen über die Herkunft, was stets vermerkt und dann mit einer Rangordnung der Erklärungen versehen ist.

Hier einige Beispiele:

Wer z.B. weiß, woher der Begriff 'Toast' für einen Trinkspruch stammt? Tatsächlich hat dies etwas mit dem gerösteten Brot zu tun:
"Besonders englische Lords sollen die Angewohnheit gehabt haben, ihren Toast in Wein einzutunken, was dazu führte, dass ein Glas Wein mit eingetunktem gerösteten Brot ebenfalls Toast genannt wurde (...) und zuletzt war der Trinkspruch an der Reihe. Man nannte ihn - wie auch sonst - Toast."

Oder die Redewendung 'Alles in Butter'. Vermutlich stammt diese Redensart aus dem Mittelalter:
"Um Gläser - Glas war damals ein sehr wertvolles Gut - unbeschadet über weitere Strecken zu transportieren, legte man sie in Fässer und übergoss sie mit flüssiger Butter. Beim Erkalten wurde die Butter fest, die Gläser waren fixiert, und so konnte beim Transport beinahe nichts schiefgehen..."

In diesem Buch wird bei allen Redewendungen auch sehr gut auf deren Bedeutung eingegangen. Dies lässt mich denken, dass dieses Buch auch hervorragend geeignet ist für jemanden, der Deutsch als Fremdsprache sehr gut erlernen möchte. Denn einen Muttersprachler erkennt man doch immer daran, wie viele Redewendungen er tatsächlich benutzt.

Gestern blieb mir noch - neben der Tatsache zu erwähnen, dass ich beim Lesen des Buches wirklich viel Vergnügen hatte und auch manchesmal ins Staunen geriet - allen einen 'guten Rutsch' ins neue Jahr zu wünschen.
Einen 'guten Rutsch'? Eine Redewendung, die möglicherweise nichts anderes ist als eine Umdeutung des jiddischen Ausdrucks 'rosch' (= 'Anfang). Aber auch als solches widerspricht es meinen gutgemeinten Wünschen nicht... :)


© Parden







Bernd Brucker (*1969) ist Germanist und Anglist, außerdem studierte er Kunstgeschichte in Vancouver. Anschließend arbeitete er für eine Werbeagentur im Allgäu, um sich 2002 als Autor und Texter selbstständig zu machen. Inzwischen hat er zahlreiche Ratgeber und Sachbücher verfasst. Veröffentlicht hat er u. a. Kinder- und Schulbücher, aber auch Spielideen, Sprüchesammlungen und Bücher zu Rhetorik und Kommunikation. Darüber hinaus hat sich Brucker systematisch die "Familien- und Ahnenforschung" erschlossen; in seinem gleichnamigen Buch gibt er Hinweise zu einschlägigen Recherchemethoden. Brucker lebt heute in Augsburg.
Quelle