Mittwoch, 14. Mai 2014

LWH: Der junge Häuptling & Über den Missouri

Eine Büffeljagd & Waffenschmuggel; Gefangenschaft und lange Wanderung

Meine Rezension zum 5. und 6. Band der sechsbändigen Ausgabe von

DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN
► Liselotte Welskopf-Henrich

► Band 1: Harka - Der Sohn des Häuptlings
► Band 2: Der Weg in die Verbannung
► Band 3: Die Höhle in den schwarzen Bergen
► Band 4: Heimkehr zu den Dakota 
Band 5: Der junge Häuptling
Band 6: Über den Missouri 


Der ►Eulenspiegelverlag hat die sechs Bände wohlwollend als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Links ist das Cover der schönen Hardcoverausgabe zu sehen. Schön ist auch, dass auf dem Buchdeckel der Gesamttitel genannt wird, denn um die BÄRENSÖHNE handelt es sich ja.

* * *
Erstausgabe
Die Geschichte lässt sich an sich schnell erzählen, denn Band 5 und 6 entsprechen bis auf den Schluss weitestgehend der ► Erstausgabe von DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN. Tokai-itho wurde zum Kriegshäuptling der Bärenbande gewählt. Es ist ungefähr 1875/76, eine ganze Reihe von Stämmen und Gruppen der Prährieindianer befindet sich bereits in der Reservation. Die großen Gruppen der Oberhäuptlinge der Dakota, Tatanka - Yotanka und Tashunka-witko sind noch frei und auch die kleine Bande, welche die Große Bärin in einer Höhle der Black Hills als ihre Ahnin ansieht.

Gojko Mitic - Tokei-itho
Nach dem Raub einer Munitions- und Waffenkolonne bringt der Häuptling die Tochter des Fortkommandanten am Niobrara, Kate Smith, zu ihrem Vater. Mit einem tollkühnen Meisterstück kann er dem Tod entkommen und sprengt dabei noch das alte Blockhaus in die Luft in welchem Red Fox Harkas Vater ermordete[1]. Einige Zeit später wird der Delaware Tobias, mit indinaischen Namen Wolfshäuptling, zur Bärenbande gesendet um die Häuptlinge der Dakota zu Verhandlungen in das Fort zu laden. Während der letzten freien Büffeljagd verletzt sich der Parlamentär und wird in den Zelten gesund gepflegt. Hier erlebt er den Kauf von 300 neuen Armeegewehren aus den Händen eines Schmugglers, der aber von Red Fox reingelegt wurde. Während der Verhandlungen im Fort wird Tokei-itho dann verhaftet und verbringt Monate im Keller während die vereinten Stämme ihren letzten großen Sieg am Little Big Horn erringen. Der Maler Morris kämpft für die Freilassung des Dakotas und erwirkt diese auch. [2]

Szenenfoto DEFA Film (YouTube)
Der Häuptling wird dann später seinen Stamm aus der Reservation in die kanadische Freiheit führen, am Missouri kommt es zum letzten Kampf mit seinem Erzfeind, Freddi - Fred Clarke - Red Jim - Red Fox. [3] Der Kampf zwischen den Todfeinden hat den damals achtjährigen Leser natürlich begeistert.



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Es gibt schon einige Dinge, die die im Zuge der zuerst drei- und später sechsbändigen Ausgabe geändert hat. In der Erstausgabe "fehlt" die zu Beginn des fünften Bandes erzählte Geschichte vom Stockballspiel am Fort Randall, während dessen Tokei-itho und sein schlauer Jugendfreund Tschapa von der bereits erwähnten Munitionskolonne erfahren. Übrigens ist das schon fast "klassische" Spionage, denn die Dakota können auch wichtige Informationen über die geplante Errichtung der Reservationen in ihren Jagdgründen bekommen. Etwas später treffen beide letztmalig auf den Maler Mooris und dessen Begleiter Langspeer. [4]
Auch das Ende des sechsten Bandes entspricht nicht ganz der Erstausgabe, in der Ausblick, dass es nun um das Züchten "zahmer Büffel" geht, für das die Bärenbande gemeinsam mit dem Farmer Adam Adamson und dessen Frau Kate Smith das notwendige Land mit dem Gold aus dem Versteck der HÖHLE IN DEN SCHWARZEN BERGEN kaufen kann. In der Erstausgabe erklärt der Häuptling den Weg in einem großen Schlusswort, später sind seine Gedanken dem Leser bereits seit langem bekannt.

Szenenfoto DEFA Film (YouTube)
Die Autorin hat natürlich während des Schreibens der Vorgeschichte dann Manches neu gedacht. Das möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen: Mit der erwähnten Munitionskolonne fährt ja die Tochter des Fortkommandanten mit. Was bei der Erstausgabe noch nicht "bekannt" ist, Kate hat als kleines Mädchen im Zirkus einen Indianerjungen und seinen Vater gesehen. Der Indianerjunge spielte eine Szene als "Sohn eines Lords" mit anderen Kindern und mit Eseln. Dieser Indianerjunge ist Harry  - Stein mit Hörnern - Tokei - itho, auf den die junge Frau nun wieder trifft. [5] Während im Buch das Mädchen nach dem Überfall auf die Kolonne durch die Krieger der Bärenbande durch die Rauhreiter Theo & Thomas aufgelesen wird, bringt der Häuptling im Film sie sogar selbst in das Fort (Foto)

Auch der Maler Morris wird noch einmal für den Idianer kämpfen und sagt zu sich am Ende des 5. Bandes:
"Ich aber werde um einen Menschen zu kämpfen beginnen und wenn es nur mit meiner schwachen Stimme und einem Federhalter als Waffe ist, und wenn es auch um einen jungen Dakota geht, der uns hassen gelernt und der viele von uns getätet hat. als er noch ein Knabe war, bin ich ihm im Zelt seines Vaters begegnet. Es waren edle Menschen..." [6]

Im Sinne der Gesamtgeschichte sind die Erweiterungen natürlich sehr wichtig und die Verknüpfung einzelner Episoden erzeugen Spannung und Erinnerung.

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ÜBER DEN MISSOURI heißt der letzte der sechs Bände und schon der Titel erzählt von einem langen Weg. Im Winter 1877 [7] brechen Tokei-itho und seine kleine Indianerbande aus den Badlands, der späteren Pine Ridge Reservation auf mit einem Zwischenhalt in den heiligen Schwarzen Bergen, den Black Hills weiter zu ziehen über den Gelbsteinfluss (Yellowstone River bei Billings?) zum großen Schlammwasser (Wiliston?), dem Missouri. Es ist ein Umweg den sie nehmen, denn sie haben ihre Verfolger abzuschütteln.

google-map

Quelle
 Google Maps gibt für die von mir angenommene Strecke zu Fuß 246 Stunden an und 752 Meilen. Diese Strecke im Winter mit Zelten auf Travois (Rutschen hinter den Mustangs) ist eine Strapaze die auch nicht alle Indianer überleben. Eine alte Postkarte zeigt diese Art des Wanderns. Nun ist es aber eine kleine Gruppe, deren Versorgung durch die Jagd auch im Winter sicherlich eher möglich war. Doch war das Fleisch der ein Indianerdorf immer begleitenden Hunde wohl oftmals wichtiges Nahnrungsmittel. Monate wird es dauern, bis das "Schlammwasser" im Nordern erreicht sein wird. Das Eis des Flusses ist gerade erst gebrochen.

Mehrfach habe ich bereits das ausgezeichnete Buch DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN von John OKUTE SICA erwähnt. In diesem beschreibt Dr. Frank Elstner vom Palisanderverlag den Weg der großen und kleinen Gruppen von Sioux - Indianern, die sich auch auf den Weg nach Kanada machten. Bereits im Winter 1876 müssen sich in Wood Mounten fast 3000 Lakota befunden haben, im Frühjahr 1878 waren es bereits 5000 Sioux aus allen sieben Lakota-Stämmen (daher Sieben Ratsfeuer). Auch die Hunkpaka von Tatanka - Yotanka (Sitting Bull) waren bereits in Kanada angelangt. [8] Doch wo von sollten die bisherigen Büffeljäger leben? Immer mehr Häuptlinge ergaben sich und zogen zurüch in die USA. Dieses Schiksal ereilte auch den großen Medizinmann Sitting Bull, der sich im Jahr 1881 auf Fort Randall ergab.

Frank Elstner erzählt, dass eine kleine Gruppe von Lakota in den Wood Mountains blieb, des Winters für weiße Farmer arbeitete und im Sommer auf die Jagd zog. Unter diesen war ein Häuptling namens Black Moon, welcher an der Schlacht gegen Custers 7th. Cavalry teilgenommen hatte und dessen Enkeltochter im August 1890 besagten John Okute Sica gebar [9], den Mann, welchen über 70 Jahre später Liselotte Welskopf-Henrich auf ihrer ersten USA / Kanadareise noch kennenlernte und dessen Aufzeichnungen sie später von seiner Witwe erhielt. In der Geschichte des Woonka-pi-sni (Wurde nicht niedergeschossen - Okute Sica) und vor allem in seinen ihres gleichen suchenden niedergeschrieben Geschichten finden wir die erkennbar authentische Geschichte der Bärensöhne wieder. Diese Stammesgruppe hat es leichter als die anderen Indianergruppen, die von der kanadischen Regierung zwar geduldet, aber materiell nicht unterstützt werden. Die Bärenbande hat Gold und diese Währung ermöglicht ihr den Verbleib in der Freiheit.

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Das Nachwort in diesen Exemplaren hat Erik Lorenz verfasst, welcher die hervorragende Biografie ►LISELOTTE WELSKOPF-HENRICH und die Indianer verfasste. Lorenz ist eine Biografie gelungen, welche umfassend und durchaus spannend das Leben der Autorin und ihr Engagement für die nordamerikanischen Ureinwohner dargestellt hat. Auch dieses buch ist ein gelungener Beitrag zum Weiterleben ihres Werkes.  Der Autor erzählt in diesem Nachwort, dass die Autorin während ihres Besuches der Pine Ridge Reservation im Jahre 1965 den Ehrennamen LAKOTA TASHINA erhielt, was "Schutzdecke der Lakota" bedeutet. Der Name Tashina wird in ►DAS BLUT DES ADLERS wieder erweckt werden.

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Im Interview vom Januar 2014 hat Dr. Rudolf Welskopf, der Sohn der Autorin, zu den Romanen seiner Mutter geschrieben:

"Die Romane sind große Literatur, sie sind Epen. Meine Mutter ist bei den alten Griechen, ich scheue mich nicht zu sagen, bei Homer, in die Lehre gegangen. Sie konnte ja auch die ersten Verse der Ilias auswendig hersagen. Harka - Tokei-ihto: vom Jungen zum Mann, vom Mann zu Helden. Dass dabei etwas überhöht wird, seine Kräfte manchmal übermenschlich erscheinen, das gehört dazu. Es ist ja keine Reportage, wohlgemerkt kein Tatsachenroman, aber auf Tatsachen basierend..."

Liselotte Welskopf-Henrich hat sich mit diesen Romanen ein Denkmal gesetzt, auch wenn sie das sicher nicht beabsichtigte, sie war ja Wissenschaftlerin. DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und DAS BLUT DES ADLERS sind nicht nur hervorragende Jugendliteratur, nein, sie sind auch wahrhaftige historische Romane. Die wird der geneigte Leser vor allem auch dann erkennen, wenn er sich mit diverser Litaratur über Welskopf-Henrich beschäftigt. Die wahrhaftige menschliche Botschaft, die aus den Romanen heraustritt, muss man heute schon suchen. Der Apell, der Indianer und des Genozids an ihnen zu gedenken ist nur ein Teil. Der andere Teil ist ein ebensolcher Apell, den eigentlichen Amerikaner, den Ureinwohner, auch heute wahrzunehmen und auch im Kampf, seine Kultur und Identität zu bewahren, zu unterstützen. Es ist ein Glück, dass diese epischen Romane auch heute noch wieder und wieder aufgelegt werden. Es gibt sie also noch, die Leser, welche diese Bücher erwerben. Deren Durchschnittsalter jedoch würde mich schon mal interessieren...

► L. Welskopf-Henrich - Autorenseite
► Der junge Häuptling / Eulenspiegel - Kinderbuchverlag / Berlin 2010 / ISBN: 978-3-359-02292-3 / 352 Seiten / DNB
► Über den Missouri / Eulenspiegel - Kinderbuchverlag / Berlin 2010 / ISBN: 978-3-359-02293-0 / 351 Seiten / DNB

© KaratekaDD
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[1] siehe Band 4, Heimkehr zu den Dakota
[2] Inhalt Band 5: Der Junge Häutling
[3] Inhalt Band 6: Über den Missouri
[4] siehe Rezension zu Band 1: Harka
[5] siehe Rezension zu Band 2: Der Weg in die Verbannung.
[6] vgl. LWH: DER JUNGE HÄUPTLING, Eulenspiegelverlag, Berlin 2010, Seite 351
[7] Es muss der Winter 1877/78 gewesen sein. Die Schalcht am Little Bighorn war vorbei und Tashunka - Witko (Grazy Horse) wurde im September 1877 ermordet. Vor seinem seinem Aufbruch hat Tokei-itho seinen obersten Kriegshäuptling noch einmal besucht. 
[8] siehe: ELSTNER, Frank in: J. OKUTE SICA, Das Wunder vom Little Bighorn, Palisander Verlag, Chemnitz 2009, Seite 12 ff
[9] vgl. Ebenda, Seite 17
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Samstag, 10. Mai 2014

Krämer, Micha: Willi und das Grab des Drachentöters


Endlich Ferien. Willi und seine Freunde haben sich seit Wochen darauf gefreut. Dummerweise muss Willi sich aber auch um seine gleichaltrige Cousine kümmern, die ihre Ferien in dem schönen Rheinstädtchen Biebesheim verbringt und nun mal gar nicht so sein Fall ist. Gemeinsam mit Professor König, einem Paläontologen, der den Beweis für die Existenz von echten Drachen zu finden hofft, suchen sie nach den Spuren des Drachentöters Siegfried aus der Nibelungensage. Hat es ihn und somit den Drachen aus der Sage wirklich gegeben? Und wenn ja, sind da noch andere interessiert? Wem gehört das schwarze Auto und wer sind die Kerle in den dunklen Anzügen? Gibt es Zauberei ?

Ein tolles Abenteuer, mitten in Deutschland, für Jugendliche von 9-14 Jahren 



  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 466 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 167 Seiten
  • Verlag: Verlag amadeusmedien; Auflage: 1 (17. Juli 2013)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l. 






SOMMERFERIEN UND ABENTEUER...


"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt" (Albert Einstein), S. 163

 

Willi und seine beiden Freunde Tobias (Husti) und Ralf (Ralle) freuen sich. Die 7b ist geschafft, und vor dem Eintritt in die neue Klasse liegen herrliche sechs Wochen Sommerferien vor ihnen. Ausschlafen, Schwimmbad, Nichtstun - einfach tolle Aussichten. Doch Antonia, Willis nervige Cousine, droht ihnen die Ferienlaune zu verderben. Sie wird ihnen in den Ferien Gesellschaft leisten, doch die drei Jungen haben dazu überhaupt keine Lust.
Bevor sie sich noch überlegen können, wie sie Antonia nach Möglichkeit aus dem Weg gehen können, machen sie die interessante Bekanntschaft mit Professor König, einem Paläontologen. Der ist sich sicher, vor einiger Zeit die Knochen eines Drachen gefunden zu haben, wurde dafür aber von seinen Kollegen verlacht und schließlich sogar vorzeitig pensioniert. Doch Professor König sucht auf eigene Faust weiter - er muss den Kopf des Drachen finden!

 
Wider Erwarten werden es für Willi und seine Freunde sehr aufregende Tage im Sommer, in denen geheime Gänge, die Nibelungensage und der geheiminsumwitterte Schatz, Zwerge, Drachen und Schurken eine große Rolle spielen. In bester "Fünf Freunde" Manier à la Enid Blyton folgen die Jugendlichen verborgenen Spuren und kommen manchem Geheimnis auf die Spur.
Neben einem flüssigen Schreibstil gelingt es Micha Krämer, den Abenteuerroman für Kinder an alte Traditionen anzuknüpfen und dabei auch noch Elemente der Sagenwelt und Mythologie sowie Errungenschaften modernster Technik mit einzubeziehen. Sympathische Figuren, kindgerechte Wissensvermittlung und eine spannende Handlung runden das Bild ab.

 
Für die genannte Zielgruppe (9-14 Jahre) ist das Buch m.E. wirklich geeignet, und ich freue mich schon auf den zweiten Band der Reihe, der wohl nahtlos an Band eins anschließt.


 
© Parden



 

Die Bände der Willi-Reihe in der richtigen Reihenfolge:

1. Willi und das Grab des Drachentöters 
2. Willi und das verborgene Volk
3. Willi und das Geheimnis der Ostseepiraten
4. Willi und das Rätsel von Loch Ness



Micha Krämer
Micha Krämer wurde 1970 in Kausen im Westerwald geboren. 2009 veröffentlichte der gelernte Elektroniker kurz nacheinander die beiden Kinderbücher "Willi und das Grab des Drachentöters" und "Willi und das verborgene Volk". Der regionale Erfolg der beiden Bücher, die er eigentlich nur für seine eigenen beiden Kinder schrieb, war überwältigend und kam für ihn selbst total überraschend. Einmal Blut geleckt mußte im Jahre 2010 nun ein "richtiges Buch" her. Im Juni erschien sein erster Roman für Erwachsene: "Keltenring".
Seither hat er Bücher verschiedenster Genres veröffentlicht und schreibt weiter erfolgreich.


Dienstag, 6. Mai 2014

BlogPost Nr. 11: Zusammenfassung der Beiträge im April 2014






Diesmal beginnt der ZinnSoldat mit seiner ureigensten BlogPost: Seinem Bücherstapel. Dies ist nun schon die dritte Ausgabe und wieder stellt er uns eine Reihe von interessanten Büchern vor, die er eigentlich gerne lesen würde.  Mir persönlich (KaratekaDD) gefällt dabei die Vorstellung der fliegenden Maus namens LINDBERGH besonders, ein Buch von Torben KULMANN.

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Anne Parden hat sich anschließend gleich um die nächste BlogPost Nr. 9 gekümmert, sie stellt vor, was wir im Monat März alles so zusammen geschrieben haben. Der Monat März war von der Schließung unserer heimatlichen Seite der Buchgesichter geprägt. Dieses machte natürlich eine Menge aus. Trotzdem wurde es eine bunte Mischung aus Rezensionen, Fotos, der Beschreibung eines Opernbesuches und vielem mehr im Monat März.

Vielleicht wäre zu erwähnen, dass  DIE BÜCHERDIEBIN in die Kinos kam. Dies führte gleich zu zwei Beiträgen, einmal Pardens Buchrezension und KaratekaDD´s Filmbeschreibung.


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Die erste Rezension des Monats April ist Anne Pardens Buchbesprechung eines Krimidebüts. Dabei geht es um den Kriminalroman DIE REINHEIT DES TODES von Vincent Kliesch, welcher noch weitere zwei Romane dazu folgem lies. Der TinSoldier hat´s schon mal auserkoren und wird es bestimmt bald gelesen haben.

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Es folgte gleich wieder eine Rezension, welche durchaus wegen Annes vorhergehender Buchbesprechung von KaratekaDD neugefasst wurde. 2009 schrieb er schon einmal über Julia Durant, die Ermittlerin aus Frankfurt a.M. und Hauptfigur der aus vierzehn Büchern bestehenden Reihe des Autoren Andreas Franz. Jung, blond, tot war der erste Band der Reihe.

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 Die Trilogie des jungen Autors Vincent Kliesch hat es Anne augenscheinlich angetan. Das zweite Buch ist nun auch schon renzensiert: DER TODESZAUBERER.

"Ein wendungsreicher und intelligent konstruierter Thriller, der nahtlos an seinen Vorgänger anschließt und fesselnd zu unterhalten weiß.
Ich freue mich schon auf Band 3 , der die Trilogie damit abschließen wird... "
Sicherlich wird die Rezension zum dritten Teil auch bald hier erscheinen.


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Und da ist sie schon, die Rezension zum Schlussband der Trilogie von Vincent Kliesch: DER PROPHET DES TODES.

"Erneut ein wendungsreicher und intelligent konstruierter Thriller, der nahtlos an seinen Vorgänger anschließt und fesselnd zu unterhalten weiß.
Ein gelungenes Ende der Trilogie... "

Es hat sich also gelohnt! ☺

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Vom Thrillerfieber gepackt, präsentierte Anne Parden gleich das nächste fesselnde Buch: SCHULDLOS SCHULDIG von Susan Sloan.

Sie kam zu dem Schluss:
"Ein intelligent gestrickter, atmospärisch dichter und glaubwürdiger Thriller, der trotz hoher Seitenzahl für mich keine Längen aufwies. Der lange Mittelteil, in dem nahezu 30 Jahre der Hauptpersonen ausführlich dargelegt werden, bildet das Fundament für die überaus spannenden Abschnitte zu Beginn des Buches und am Ende. Wirklich ein eindrucksvolles Buch, das mir sicherlich noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird..."


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Einmal mehr präsentierte dann TinSoldier seine künstlerischen Ambitionen. Eine Bleistiftzeichnung zeigt uns "Die beste Ehefrau von allen" (in Anlehnung an den berühmten Ephraim Kishon). 






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Doch der Rudi liest natürlich auch. Und so präsentiert er wieder einmal ein Buch jenseits des Mainstreams: KAMERADEN von Felix Römer.

"Dieses Buch ist ein doppeltes Angebot. Es lädt dazu ein, über die klug abwägende Interpretation des Autors nachzudenken. Und zugleich konfrontiert es uns mit dem Originalton von Männern, die unsere Väter, Großväter und Urgroßväter sein könnten. Man sollte sich auf beides einlassen."



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Dieser Buchvorstellung lässt der TinSoldier einen langen Beitrag mit sehr persönlichen Erinnerungen und Gedanken folgen: VERSCHOLLEN. Von seinem Onkel und Namensvetter, der im Krieg verschwand und unauffindbar blieb:

"Es ist erstaunlich, wie wenig von einem Menschenleben am Ende bleibt." 

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Wenn der Uwe mal ins Kino geht, kommt meist ein interessanter Beitrag im Blog dabei heraus. Diesmal fiel die Entscheidung spontan, da er in einem anderen Forum von der Verfilmung gelesen hatte: DIE BESTIMMUNG (Teil 1 der Trilogie).

Uwes Fazit: "Bestimmte Filme haben es halt schwer bei mir."

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 In bester alter Manier folgt dann vom Uwe: KARATEKADD ERKLÄRT... KANT

Von einem kategorischen Imperativ ist da die Rede, von den Buchgesichtern und von einem gepflegten Umgang miteinander. Aber Zusammenfassen geht nicht. Lesen!





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Im nächsten Post berichtet Anne Parden von einer gelungenen Werbemaßnahme: EIN VERWIRRENDER BRIEF.

Anmerkung nebenbei: hat geklappt - das Buch wurde gekauft...




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Endlich ein neuer Roman von Marie-Sabine Roger! Im Rahmen einer Leserunde durfte Anne Parden dieses Buch lesen. In der Rezension zu DAS LEBEN IST EIN LISTIGER KATER kommt sie zu dem Schluss:

Nach "Der Poet der kleinen Dinge" und dem Bestseller "Das Labyrinth der Wörter" hat die Autorin Marie-Sabine Roger wieder einen zauberhaften Roman geschaffen, der von mir eine uneingeschränkte Empfehlung erhält...

Übrigens wird das Buch hier im Blog bald noch eine gewichtige Rolle spielen. Aber - psssst... Es wird noch nichts verraten!

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TinSoldier präsentierte im Anschluss eine lange und persönliche Geschichte, die seinerzeit auch schon bei den Buchgesichtern zu lesen war:
DIE WUNDERSAME GESCHICHTE VON MAMA, VOM HASA UND VOM KACKERLI - EPISODE 1: WER BIST DU? 

Ob die Reihe hier im Blog fortgeführt wird, will Rudi von der Resonanz der Leserschaft abhängig machen.
Seine Mitstreiter meinen hierzu: Unbedingt!

 

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Nachdem bereits der TinSoldier und später auch Anne Parden zu dem (Hör-)Buch eine Besprechung verfasst haben, beschloss der Uwe, auch noch etwas dazu zu schreiben. ER IST WIEDER DA  von Timur Vermes.

"Zwischen lautem Lachen, welches aber auch ganz plötzlich erstickt wegbrechen konnte, war alles dabei", befand KaratekaDD.


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Lyrisch wurde es im nächsten Beitrag von Anne Parden: GEMEINSAM heißt das kurze Gedicht.




 

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Wieder ein Hörbuch, diesmal rezensiert von Anne Parden: DIE FÜNF MENSCHEN, DIE DIR IM HIMMEL BEGEGNEN von Mitch Albom.

"Ein (Hör-)Buch, das ich ins Herz geschlossen habe... ", befand die Rezensentin.





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Einem Bilderbuch hat sich KaratekaDD gewidmet: LINDBERGH von Torben Kuhlmann. Einer Empfehlung von TinSoldier folgend, hat Uwe sich dieses Büchlein sogleich zugelegt und scheint begeistert zu sein:

"...umso mehr freut es mich, hier ein Kinderbuch zu beschreiben, welches sicherlich zu den den sehr guten gehört."

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Eine sehr ausführliche Buchbesprechung mit vielen Hintergrundinformationen lieferte dann der TinSoldier zu einem Klassiker: DER LETZTE MOHIKANER von James Fenimore Cooper.

"Genau dies ist es auch, was mir beim nochmaligen Lesen nach 45 Jahren bewusst geworden ist: Dass es zwar großes Vergnügen macht, diese spannenden Abenteuergeschichten zu lesen, dass aber zwischen den Zeilen dieser Geschichten viel mehr an Wahrheiten verborgen ist, die sich vor vielen Jahren naturgemäß dem Zwölfjährigen nicht erschlossen haben."

Mit diesen Worten empfiehlt Rudi ein mehrfaches Lesen des Klassikers.

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Kurz bevor der April seine Pforten schloss, schrieb Anne Parden noch eine Rezension zu einem Buch, das sie wieder einmal im Rahmen einer Leserunde lesen durfte: DAS UNERHÖRTE LEBEN DES ALEX WOODS oder warum das Universum keinen Plan hat von Gavin Extence.

"Ein beeindruckendes Buch von Freundschaft und Integrität, das ich wirklich empfehlen kann", resümierte sie am Schluss.



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Mit der BLOGPOST Nr. 10 schloss dann der April ab - unsere Neuerwerbungen in diesem Monat waren das Thema. Erschreckend viele, wieder einmal. Aber wie furchtbar wäre es, wenn sich der Lesevorrat dem Ende zuneigen würde...

Montag, 5. Mai 2014

Wilde, Oscar: Das Bildnis des Dorian Gray


Von dem zynischen Dandy Lord Henry wird Dorian Gray zu einem rücksichtslosen Ausleben seiner Jugend verführt. Damit weckt er in ihm das Verlangen ewig jung und schön zu bleiben, um alle Sinnenfreuden auskosten zu können. Dieser Wunsch wird Dorian gewährt, und statt seiner altert ein Porträt, das man von ihm gemalt hat. In den folgenden zwanzig Jahren führt er ein Leben der Ausschweifung. Sein seelischer und körperlicher Verfall läßt sich nur an dem Gemälde ablesen, dem 'Spiegel seiner Seele', das die 'Bürde seiner Schande' trägt.






  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: KOMET (2003)
  • ISBN-10: 3898363635
  • ISBN-13: 978-3898363631






OSCAR WILDES EINZIGER ROMAN...






Lord Henry Wotton, ein geistreich-zynischer Dandy ist es, der den zu Beginn der Handlung unverdorbenen und faszinierend schönen Dorian Gray zum rücksichtslosen Ausleben seiner Jugend verführt. Der gutaussehende Jüngling verkehrt in Künstlerkreisen und der vornehmen englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
Beim Anblick eines Portraits, das der Dorian vergötternde Maler Basil Hallward von ihm gemalt hat, verliebt sich Dorian in seine eigene Jugend und Schönheit. Der mit der Intensität eines Gebets ausgesprochene Wunsch Dorian Grays, statt seiner selbst möge das Bildnis altern, wird ihm gewährt. Ein fataler Wunsch, wie sich herausstellt - schließlich ist Dorian für dessen Erfüllung bereit, seine Seele zu geben... Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluß von Lord Henry und eines Romans, den dieser ihm zu lesen gibt, gerät immer mehr zum Opfer seiner innersten Abgründe. Nach außen hin bleibt er makellos, doch sein Porträt, das er voller Furcht vor Entdeckung in einem verstaubten Zimmer auf dem Dachboden versteckt, offenbart ihm die Verfehlungen seiner Seele erbarmungslos und auf gräßlichste Weise.

 

Seit seinem Studium in Oxford wandte sich Wilde mehr und mehr einem Ästhetizismus zu, den er nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben zum Maß aller Dinge machte. So auch in der Schriftstellerei.
Wilde lässt selbst in diesem Buch Lord Henry an einer Stelle sagen: "Mein einziger Kampf richtet sich gegen Worte. Das ist der Grund, weshalb ich den gewöhnlichen Realismus in der Literatur verabscheue! Der Mann, der es fertig bekommt, einen Spaten einen Spaten zu nennen, sollte gezwungen werden, selbst einen zur Hand zu nehmen." (S. 313)

 

Dies schicke ich voraus, um deutlich zu machen, dass es sich bei Wildes einzigem Roman wahrlich um keine einfache Lektüre handelt. Die Sprache ist poetisch, häufig sehr blumig und wortgewaltig - Sätze, die eine Dreiviertelseite einnehmen, sind keine Seltenheit. Für mich ist auch dem Roman anzumerken, dass Wilde in erster Linie Essays und Theaterstücke geschrieben hat. Ganze Kapitel lang geschieht im Grunde nichts - allein die Konversation oder die Gedankengänge Dorian Grays sind Gegenstand der Handlung.
Sicher ist gerade der Zynismus und die provozierende Redeweise des Lord Henry Wotton amüsant und erfrischend, doch in der Summe fand ich den gesamten Schreibstil oft ermüdend und langatmig. Vor allem das elfte Kapitel, das als Bindeglied zwischen dem dahinplätschernden Anfang und den dramatischeren Ereignissen in der Folge dient, hat mich manches Mal ans Aufgeben denken lassen. Dieses Kapitel stellt einige Jahre Dorian Grays im Zeitraffer vor - die Gebiete und Themen, mit denen er sich in diesen Jahren beschäftigt hat. Hier kommt es zu einer endlosen Aufzählung von exotischen Musikinstrumenten, Ringen, Edelsteinen, Wandteppichen, Gewändern u.a.m. Ein Essay für sich! Hätte ich mir hier kein Querlesen gestattet, hätte ich das Buch wohl endgültig zusgeklappt...

 

Dass der Roman seinerzeit für einen Skandal gesorgt hat, lässt sich nachvollziehen, sind doch die homosexuellen Anspielungen - Wilde selbst saß wegen seiner homosexuellen Neigung zwei Jahre im Zuchthaus - nicht zu überlesen.
Aber auch die Idee als solche: Jugendwahn und Idealisierung der Schönheit - ist es heute nicht aktueller denn je?

 

Einen Extra-Punkt Abzug gibt es jedoch für die mir vorliegende Ausgabe von Komet, die Wilde mit seinem Ästhetizismus sicherlich auch nicht gerade gutgeheißen hätte. Erst einmal hat mich die Qualität des Papiers entgeistert - Erinnerungen an Jugendherbergs-Toilettenpapierrollen kamen hoch... Unglaublich fand ich daneben auch die Anzahl der Druckfehler in dieser Ausgabe. Da wurde beim Korrekturlesen auf jeden Fall ungehörig gespart.
 

Auch wenn es stellenweise sehr anstrengend war, diesen Klassiker zu lesen, bin ich doch froh, es getan zu haben - denn wie so oft, ist das Buch viel tiefgründiger als es jede Verfilmung sein kann.


 

© Parden






  Filmtrailer


 Eine komplette Verfilmung...





Oscar Wilde
Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde (* 16. Oktober 1854 in Dublin; † 30. November 1900 in Paris) war ein irischer Schriftsteller. Das Leben und der Ruf von Oscar Wilde war zu Lebzeiten kontrovers. Er wurde als Schriftsteller bewundert, zugleich hatte er einen schlechten Ruf als Dandy und Skandalautor. Schon in seiner Kindheit kam Oscar Wilde mit der Schriftstellerei in Kontakt. Sein Vater, Augen- und Ohrenarzt, schrieb Bücher über Archäologie, Folklore und Jonathan Swift. Auch seine Mutter war literarisch tätig als Übersetzerin und Lyrikerin. Während seines Studiums in Oxford, 1878, fand Oscar Wilde seine erste literarische Anerkennung, als sein Gedicht Ravenna, mit dem Newdigate-Preis ausgezeichnet wurde. Nach Abschluss des Studiums übersiedelte er 1879 nach London 1884 heiratete er Constance Lloyd, mit der er zwei Söhne hatte, Cyril (* 1885) und Vyvyan (* 1886). In den Jahren 1887 bis 1889 veröffentlichte er die Märchensammlung „Der glückliche Prinz und andere Märchen“ und „Das Bildnis des Dorian Gray“. Daneben arbeitete er für die Pall Mall Gazette und danach als Herausgeber der Zeitschrift Woman’s World. In den folgenden Jahren schrieb Oscar Wilde etwa jährlich ein neues Werk, vor allem Gesellschaftskomödien. Am bekanntesten sind Lady Windermere’s Fan (1892), A Woman of No Importance (1893), An Ideal Husband (1895) und The Importance of Being Earnest (1895), das die Oberklasse satirisch darstellt und als eines seiner besten Werke gilt. Oscar Wilde, der wie in seiner Zeit üblich, verheiratet war, ging relativ offen mit seiner Homosexualität um. Seine homosexuellen Partnerschaften waren bekannt. Wilde hatte ein langjähriges Verhältnis mit Lord Alfred Douglas. Durch die Provokation von dessen Vater kam es zu einer Reihe von Gerichtsverfahren. Am 25. Mai 1895 wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Zwangsarbeit verurteilt. Ausschlaggebend für das Urteil war nicht das Verhältnis zu Lord Douglas, sondern Wildes Kontakte zu männlichen Prostituierten, von denen einige als Zeugen einberufen worden waren. Die folgenden zwei Jahre harter Arbeit ruinierten jedoch Wildes Gesundheit. Zudem starb auch seine Frau Constance kurz vor seiner Haftentlassung. Sie hatte mit den Kindern das Land verlassen, unter anderem in der Gegend von Heidelberg gelebt und ihren Namen in Constance Holland geändert. Trotz der offensichtlichen Affären ihres Mannes hatte sie jedoch nie die Scheidung eingereicht. Gesundheitlich schwer angeschlagen wurde Wilde 1897 aus der Haft entlassen und floh vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Paris. Die letzten drei Lebensjahre verbrachte er unter dem Namen Sebastian Melmoth (nach dem Roman Melmoth the Wanderer seines Großonkels Charles Robert Maturin) auf dem europäischen Festland in Armut und Isolation. Am 30. November 1900 starb Oscar Wilde. > Quelle

Sonntag, 4. Mai 2014

Thiemeyer, Thomas: Valhalla


2015. Spitzbergen - der nördlichste Siedlungspunkt der Menschheit. Eine Welt aus Eis und Schnee, überschattet von vier Monaten Polarnacht. Dort plant Archäologin Hannah Peters, geheimnisvolle Strukturen unter dem arktischen Eis zu untersuchen: Das Abschmelzen der Gletscher hat mutmaßlich Fundamente eines mythischen Nordreiches zutage gefördert. Doch Hannah ist nicht die Erste, die diese Ruinen erkundet ... 1944. Im annektierten Norwegen, fernab jeder Siedlung, reift ein Projekt, das grauenvoller ist als alles, was Menschen je ersonnen haben. Eine biologische Zeitbombe, verborgen unter dem ewigen Eis. Ihr Codename: Valhalla.



  • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (3. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342665265X
  • ISBN-13: 978-3426652657






VALHALLA - DER GRIFF NACH DEN GÖTTERN...




Spitzbergen


Unter dem arktischen Eis hat ein Forschungsteam außergewöhnliche Strukturen ausfindig gemacht: die Fundamente einer versunkenen Stadt. Durch die Erderwärmung und den Abschmelzprozess der Gletscher bedingt, treten die jahrhundertelang verborgenen Ruinen nun allmählich zutage.
Die Archäologin Hannah Peters wird von ihrem Grabungsort in Angkor Wat abberufen, um im Auftrag ihres Arbeitgebers in Spitzbergen am Polarkreis der sensationellen Entdeckung auf den Grund zu gehen. Doch die Weltsensation entpuppt sich als ein Ort des Grauens. Unsichtbar und doch tödlich wird das Forschungsteam mit etwas konfrontiert, das niemand dort erwartet hätte...

Die Wurzel des Übels liegt nicht in der historischen Vergangenheit und bei den Erbauern jener mysteriösen Stadt, sondern in der jüngeren Geschichte, dem dunklen Kapitel der Nationalsozialisten in Deutschland. Heimliche Forschungen in absoluter Abgeschiedenheit, Größenwahn und ein Projekt namens Valhalla bergen bis heute Gefahren unterm Eis, die nicht nur die kleine Forschergruppe bedroht, sondern eine Geißel für die Menschheit werden könnte.
Hannah überlebt knapp und als einzige die Erkundung der Ruinen am Polarkreis, doch sie muss ein zweites Mal dorthin, um zu retten, was zu retten ist. Ein widersinniges Unterfangen, das kaum von Erfolg gekrönt sein kann, denn die Umstände könnten nicht widriger sein, und Gegner gibt es mehr als erwartet...

Thomas Thiemeyer präsentiert hier einen gelungenen Mix aus Geschichte, Mythologie und Wissenschaft verwoben mit einer spannenden Handlung, was in Verbindung mit dem flüssigen Schreibstil den Leser nur so durch die Seiten fliegen lässt.
Dabei ist erkennbar, dass der Autor bei jedem angesprochenen Thema sorgfältig recherchiert hat und auch kompliziertere Sachverhalte verständlich transportiert. Durchaus interessant,  in der Summe wurde es mir manchmal jedoch zu viel. Wissen auf unterschiedlichen Gebieten wird zwar nachvollziehbar dargelegt, hemmt aber teilweise den Handlungsverlauf in meinen Augen - ein paar Bereiche weniger hätten es vielleicht auch getan, v.a. wenn sie nicht wirklich wesentlich für die Handlung waren.

Was ich wirklich schade fand, war die Tatsache, dass mich die Charaktere bis zum Schluss nicht richtig überzeugen konnten. Selbst Hannah als Hauptperson blieb für mich bis zum Ende blass und wenig greifbar, zu omnipotent und durch den häufigen Mangel an gezeigten nachvollziehbaren Emotionen auch wenig menschlich und sympathisch. Und auch die anderen Personen blieben für mich eher eindimensional, auch wenn einzelne Szenen durchaus berührend waren.

Bis auf die genannten Kritikpunkte kann ich jedoch als Fazit festhalten: ein flott zu lesender Thriller in einem interessanten Genremix und einer bleibenden Idee: was wäre wenn...

Ich danke LovelyBooks, dem Verlag und dem Autor für die Möglichkeit, dieses Buch lesen und mich an der Leserunde beteiligen zu dürfen!


© Parden








Thomas Thiemeyer
Thomas Thiemeyer studierte Kunst und Geologie in Köln. Als freier Künstler illustriert er Spiele, Jugendbücher, Buchumschläge und vieles mehr. In jüngerer Zeit arbeitete er mit dem amerikanischen Regisseur Darren Aronofsky zusammen. Das Bayerische Fernsehen widmete seinen Malereien einen 20-minütigen Beitrag bei Space Art (Sendereihe). Seine Arbeiten wurden mehrfach mit dem Kurd-Laßwitz-Preis und dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.
2004 erschien bei Droemer Knaur sein Debütroman "Medusa". Viele seiner Romane wurden zu Bestsellern und in 13 Sprachen übersetzt. Mit "Die Chroniken der Weltensucher" (Loewe) und "Das verbotene Eden" (Knaur) entdeckte er sehr erfolgreich das Jugendbuch für sich.
Seine Geschichten stehen in der Tradition klassischer Abenteuerromane und handeln des Öfteren von der Entdeckung versunkener Kulturen und der Bedrohung durch mysteriöse Mächte.  >Quelle


 

Samstag, 3. Mai 2014

Claudel, Philippe: Der Junge, der in den Büchern verschwand


Der Junge, der in den Büchern verschwand  ist ein Buch für die Kleinen, die einmal groß werden, und für die Großen, die einmal klein waren. Philippe Claudels Geschichten sind leichtfüßig und poetisch, humorvoll und doch auch immer ein wenig melancholisch.
Philippe Claudel erzählt von Kindern und ihrem ganz besonderen Blick auf die Welt - und doch sind diese Geschichten für uns geschrieben. Für uns Erwachsene, die wir durch den Tag hetzen, als gäbe es immer etwas Wichtigeres zu erledigen, als einfach zu leben, einem Gedanken nachzuhängen, zu träumen...






  • Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
  • Verlag: Kindler (18. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Christiane Seiler
  • ISBN-10: 3463405253
  • ISBN-13: 978-3463405254
  • Originaltitel: Le monde sans les enfants





ETWAS RATLOS...



Ein wunderschönes Buch...
Nach Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung, einem Roman Claudels, der mich sehr berührt und begeistert hat, war ich wirklich neugierig auf diese Kurzgeschichtensammlung. 

Doch obwohl der Schreibstil flüssig und die Botschaft der einzelnen Geschichten eingängig ist, konnte ich mich diesmal nicht wirklich einlassen auf das Buch.
Für wen soll das Buch denn nun eigentlich sein? Als Kind hätten mir diese Geschichten nicht gefallen - Claudel hat oft Gute-Nacht-Geschichten für seine kleine Tochter erfunden - und heute als Erwachsene kommen mir diese Geschichten zu banal vor. Sie bezauberten mich weder noch berührten sie mich oder veranlassten mich groß zum Nachdenken. Ein paar Seiten vor dem Schlafengehen, Buch zuklappen, fertig. Schade, da habe ich wohl zu viel erwartet.

Da bleibe ich künftig doch wohl lieber bei den Romanen Claudels...

© Parden






Philippe Claudel wurde 1962 in Dombasle in Lothringen geboren, wo er als Autor und Regisseur heute noch lebt. In Deutschland gelang ihm 2004 mit «Die grauen Seelen» der Durchbruch. Es folgten ein Erzählungsband und fünf weitere Romane, zuletzt «Brodecks Bericht». Claudels Bücher wurden von der Presse gefeiert und sind bislang in über 25 Sprachen übersetzt worden. 2008 lief auf der Berlinale sein Film «So viele Jahre liebe ich dich».







Freitag, 2. Mai 2014

Salinger, J.D.: Der Fänger im Roggen


Der sechzehnjährige durch New York irrende Holden Caulfield ist zu einer Kultfigur ganzer Generationen geworden. "Der Fänger im Roggen" war J. D. Salingers erster Roman, mit dem er weltweit berühmt wurde. Allein im Rowohlt Taschenbuch wurden anderthalb Millionen Exemplare verkauft.












  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 15 (2. Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzer: Eike Schönfeld
  • ISBN-10: 3499235390
  • ISBN-13: 978-3499235399
  • Originaltitel: The Catcher in the Rye








AUF DER SUCHE NACH DEM SINN DES LEBENS...


 Fänger im Roggen...

Nie wieder im Leben sucht man so sehr nach dem Sinn des Lebens, wie in der Jugend. So ergeht es auch Holden Caulfield: An der Schwelle zum Erwachsenenleben weiß er nicht, was aus ihm werden soll. Und so begehrt er auf, lebt seinen jugendlichen Trotz bis zum Exzess aus und wurde damit zur Identifikationsfigur der modernen amerikanischen Jugend. Seit 1951 ist „Der Fänger im Roggen“ ein absoluter Kultroman und wurde von Generationen Jugendlicher regelrecht verschlungen. Salingers Adolezenzroman ist ein Meisterwerk der Weltliteratur...

Der 16-jährige Holden Caulfield wird aus Pencey, einem Internat in Pennsylvania, verwiesen, weil er in vier von fünf Fächern durchgefallen ist. Dies ist bereits sein vierter Rauswurf!
Eigentlich soll er bis zu Beginn der Ferien in der Schule bleiben, doch er packt nach einem handfesten Streit kurzentschlossen seine Sachen und macht sich auf den Weg in seine Heimatstadt New York. Da seine Eltern noch nichts von seinem Rauswurf wissen und ihn erst drei Tage später erwarten, fährt er noch nicht gleich nach Hause, sondern steigt in einem zwielichtigen Hotel ab.

Erzählt wird aus der Perspektive Holdens, und zwar in einem ziemlich schnodderigen Jugendjargon. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, zumal Holden  ja durchweg alles doof, ekelig und piefig findet und diese negative Einstellung anfangs für mich nur schwer auszuhalten war.
Nach und nach schimmert allerdings auch der zerrissene Holden durch, der, der auf der Suche ist, der verletztliche, der nicht weiß, wohin mit seinen Gefühlen.

Dabei geschieht von der Handlung her eher wenig, die Situation erklärt sich jeweils v.a. aus Dialogen und der Darlegung der Gedanken Holdens. Einige Tage im Leben des Jugendlichen begleitet der Leser ihn auf diese Art - und das Ende fand ich tatsächlich überraschend, wenn auch passend.
Auch wenn mir Holden persönlich nicht sonderlich sympathisch war und mich seine andauernde negative und depressive Haltung zwischendurch richtiggehend ermüdete, finde ich den Roman angesichts der genannten Thematik des Heranwachsens und Erwachsenwerdens tatsächlich zeitlos.

Ein Buch über einen sehr sensiblen, orientierungslosen und suchenden, sehr verunsicherten Jugendlichen, das gleichzeitig in Bezug auf die Entstehungszeit (Ersterscheinung 1951) überaus gesellschaftskritisch war: Salinger hinterfragt mit seinem Hauptcharakter die verlogene Erwachsenenwelt und den Zeitgeist der USA in jenen Tagen und sorgte in der Originalausgabe mit 255 "goddamns" und 44 "fucks" neben viel Begeisterung auch für harsche Kritik. Das Buch wurde in einigen angelsächsischen Ländern deswegen zunächst sogar verboten und später stark überarbeitet herausgebracht - auch die deutschen Übersetzungen orientierten sich nicht am Original sondern an der "entschärften" überarbeiteten Fassung...
Vielleicht eine etwas ketzerische Frage am Rande: wäre dieses Buch auch ein Klassiker geworden, wenn Salinger mit seiner Anhäufung von "goddamns" und "fucks" nicht einen Sturm der Entrüstung losgetreten hätte? So war der Roman nicht nur in aller Munde, sondern wurde vermutlich nicht zuletzt aufgrund des Verbots zu einem regelrechten Kultbuch...

In jedem Fall war das Buch für mich eine interessante Leseerfahrung - nicht zuletzt durch den Austausch mit anderen Lesern im Rahmen einer Leserunde.


© Parden








Der Titel des Buches geht zurück auf das Gedicht Comin’ Through the Rye (1782) des schottischen Lyrikers Robert Burns, das, gesungen zur Melodie des angelsächsischen Neujahrslieds Auld Lang Syne (dt. „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss“), zu einem bekannten Kinderlied wurde.


Comin' Thro' the Rye



O, Jenny's a' weet, poor body,
Jenny's seldom dry:
She draigl't a' her petticoatie,
Comin thro' the rye!

Chorus:
Comin thro' the rye, poor body,
Comin thro' the rye,
She draigl't a' her petticoatie,
Comin thro' the rye!

Gin a body meet a body
Comin thro' the rye,
Gin a body kiss a body,
Need a body cry?

(chorus)

Gin a body meet a body
Comin thro' the glen
Gin a body kiss a body,
Need the warl' ken?

(chorus)

Gin a body meet a body
Comin thro' the grain;
Gin a body kiss a body,
The thing's a body's ain.

(chorus)

Ilka lassie has her laddie,
Nane, they say, ha’e I
Yet all the lads they smile on me,
When comin' thro' the rye.








Jerome David Salinger
Jerome David Salinger wurde am 1.1.1919 in New York geboren. Salingers Vater war polnisch-jüdischer Abstammung und seine Mutter schottisch-irischer. Seine Mutter konvertierte vor ihrer Hochzeit zum Judentum. Er besuchte eine Privatschule in Manhattan und ging anschließend auf die Valley Forge Military Academy in Wayne, Pennsylvania. Erste schriftstellerische Versuche unternahm er in der Kadettenzeitschrift "Crossed Sabres." Anschließend reiste er für 5 Monate nach Europa, wo eine Ausbildung in eienr Metzegrei machte um darauf vorbereitet zu werden das Importunternehmen seines Vaters zu übernehmen. Zurück in Amerika studierte er in Collegeville und an der Columbia Universität. Er verließ beide Universitäten ohne Abschluss, veröffentlichte jedoch seine erste Kurzgeschichte im Story Magazin. 1941 wurde er von der Army eingezogen und nahm im Frankreich aktiv am Kriegsgeschehen teil. Nach Ende des Krieges verbrachte er einige Zeit in psychiatrischer Behandlung, da er die Kriegserlebnisse nicht so einfach verarbeiten konnte. Da er sehr gut Deutsch sprach wurde er im fränkischen Gunzenhausen stationiert. Dort heiratete er die Ärztin Sylvia Welter. Die Ehe hielt aber nur kurze Zeit. Zurück in Amerika heiratet er die 19-jährige Psychologiestudentin Claire Douglas, die im 2 Kinder gebar. Beide Kinder wurden schriftstellerisch tätig und seine Tochter veröffentlichte ihre Erinnerungen an ihren Vater in ihrem Buch "Dream Catcher." Nach 12 Jahren ließ sich Salinger erneut scheiden und begann eine längere Affäre mit der Yale Studentin Joyce Maynard die in ihrem Buch "at home in the world" von dieser Beziehung berichtet. Ende der 80er Jahre heiratete er zum 3. Mal die Krankenschwester Colleen O’Neill. Nach dem Erfolg von die Fänger im Roggen, lebte er vollkommen zurückgezogen und verbarg sich hinter hohen Mauern in Cornish. Am 27. Januar 2010 starb er eines natürlichen Todes in Cornish, New Hampshire. >Quelle
 

Donnerstag, 1. Mai 2014

Gerstenberger, Stefanie: Das Limonenhaus (Hörbuch)




Nach dem Tod ihres Bruders und seiner Frau will Lella deren Tochter Matilde zu sich nach Köln holen. Doch der sizilianische Clan ihrer Schwägerin verweigert ihr das Mädchen, denn eine alte Fehde steht zwischen den beiden Familien. Verzweifelt versucht Lella, die Hintergründe dieses Streits aufzudecken, immer in der Hoffnung, ihren Anspruch auf Matilde doch noch durchsetzen zu können. Im Limonenhaus, dem Haus ihrer Mutter, findet sie in einer alten Familienbibel einige lose Tagebuchseiten. Sie ahnt zunächst nicht, dass diese der Schlüssel sind zu jenem Ereignis, das seine dunklen Schatten bis in die Gegenwart wirft... 




  • MP3 CD: 1 Seiten
  • Verlag: RADIOROPA Hörbuch; Auflage: 1. (19. November 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3836807467
  • ISBN-13: 978-3836807463






ABENTEUER IN SIZILIEN...



Lella sitzt im Flugzeug auf dem Weg nach Sizilien zur Beerdigung ihrer Schwägerin. Neben ihr ein junger Mann, der sich ebenfalls nach Sizilien begibt - er allerdings, um die Spuren der Kindheit seiner Verlobten zu verfolgen. Beide sind einander sympathisch, doch am Flughafen verlieren sie sich aus den Augen. Zunächst. Sie haben jedoch ihre Koffer vertauscht, so dass sie sich auf die Suche nacheinander begeben. Und so beginnen sich ihrer beiden Geschichten miteinander zu verquicken.
Was ein kitschiger Roman hätte werden können, entwickelt sich allmählich aber zu etwas ganz anderem. Lella möchte nach der Beerdigung das nun verwaiste Kind ihrer Schwägerin und ihres Bruders mit nach Deutschland nehmen, doch Teresa, die sizilianische Großmutter, würde es niemals zulassen, dass Matilde anderswo aufwächst als bei ihr. Ein verrückter Plan entsteht in Lellas Kopf, in dem Phil, ihre attraktive Reisebekanntschaft, auch eine gewichtige Rolle einnimmt...


Eine Flucht, eine Entführung, ein altes Familiengeheimnis, ein noch älteres Haus am Meer - und das ganze Flair Siziliens, die Mentalität der Menschen dort, seine Landschaft, seine Speisen, seine Vielfalt, sein Licht, seine Luft, dazu noch ein Schuss Romantik: dies ist die Mischung aus dem dieser Roman besteht. Vor der wundervollen Kulisse Siziliens spielt eine feine, zarte Geschichte, die mich bezaubert hat. Eingesponnen in eine bildhafte Sprache ließ ich mich von Kapitel zu Kapitel treiben, neugierig auf den Fortgang der Geschichte, gegen Ende auch von der zunehmenden Spannung gebannt.
Dabei empfand ich auch den langen Mittelteil der Erzählung auf Salina, einer Nachbarinsel Siziliens, weder als störend noch als langatmig.


Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Lella und Phil, und auch hier zeigt sich die Kunst der Autorin, alle Stränge miteinander zu verweben. Jedes Detail scheint an seinem richtigen Platz zu stehen, ergänzt die Geschichte zur rechten Zeit, nichts scheint überflüssig, nichts bleibt ungesagt.


Hinzu kommt meine Begeisterung über die überaus gelungene Umsetzung der Geschichte als (vollständige) Hörbuchfassung von Audible.de.
Vor allem die Sprecherin der Lella (Regine Schroeder) ist in meinen Augen die ideale Besetzung der Rolle - eine Stimme wie Honig und schmelzende Schokolade, dabei klar und akzentuiert, und auch die italienischen Wort- und Satzfragmente, welche in der Geschichte immer wieder auftauchen, erscheinen perfekt umgesetzt und verleihen dem ganzen so noch mehr Authentizität. Aber auch die Besetzung von Phil (Sascha Schiffbauer) hat mir gut gefallen.



Sizilien
Ein rundum angenehmes Hörvergnügen, eine schöne und ruhige Geschichte, die das Flair Siziliens ins heimische Wohnzimmer zaubert.

Empfehlenswert!



© Parden







Stefanie Gerstenberger
STEFANIE GERSTENBERGER, 1965 in Osnabrück geboren, studierte Deutsch und Sport. Sie wechselte ins Hotelfach, lebte und arbeitete u. a. auf  Elba und Sizilien. Nach einigen Jahren als Requisiteurin für Film und Fernsehen begann sie selbst zu schreiben. Ihr erster Roman Das Limonenhaus wurde von der Presse hoch gelobt und auf Anhieb ein Bestseller, gefolgt von Magdalenas Garten und Oleanderregen, die beide für den DeLiA-Preis nominiert wurden. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Köln. >Quelle