Dienstag, 30. Januar 2018

Ebert, Sabine: Schwert und Krone II - Der Junge Falke

Wieder einmal begibt sich Sabine Ebert in das Mittelalter. Seit Jahren macht sie das konsequent und sie hat sich auf das 12. Jahrhundert spezialisiert. Gelegentlich passiert es, dass Autoren sich nach Abschluss eines Romans und einer Romanreihe an die Vorgeschichte setzen. Mit ihrer Mittelaltersaga über die Hebamme Marthe ging das Sabine Ebert genauso vor.



Daher hat sie nach den Büchern über die Hebamme mit SCHWERT UND KRONE in zwei dicken Bänden die mittelalterliche deutsche Geschichte vor der Krönung Barbarossas zum König und dann zu Kaiser erzählt. Im Teil 1, DER MEISTER DER TÄUSCHUNG berichtet sie zuerst einmal wie nach dem Tod von König Lothar die Staufer mehr und mehr an die politische Spitze des Deutschen Reiches drängen.



1. Die Geschichte
„Dezember 1137: Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg – und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen – und auch so manche Frau.“ [1]

Nun also das Hörbuch zum Teil 2, Der junge Falke – das erzählt, wie Lothars Neffe Friedrich mit dem rotblonden Bart, daher der spätere Name Barbarossa, die Fürsten dazu bringt, ihn zum König zu wählen.

„Anfang 1147 sorgen Hungersnot und Weltuntergangspropheten in deutschen Landen für Verzweiflung. Fast alle großen Adelshäuser rüsten für zwei Kreuzzüge. Unter König Konrad wollen Zehntausende ins Heilige Land, während die östlichen Fürsten planen, mit ihrem „Wendenkreuzzug“ slawische Gebiete an Elbe, Havel und Küste zu erobern. Bevor sie aufbrechen, werden strategische Ehen geschlossen. Friedrich von Staufen, der Neffe des Königs und künftige Barbarossa, heiratet die von ihm ungeliebte Adela von Vohburg, der Meißner Markgrafensohn Dietrich eine gefühlskalte polnische Herzogstochter. Fast alle Männer ziehen in den Krieg – und die Frauen müssen allein mit Hungersnot, Missernten und Angriffen fertig werden.
Auf dem Weg ins Heilige Land macht sich der junge Friedrich einen Namen als militärischer Anführer. Doch der Kreuzzug scheitert katastrophal. Nur wenige kehren heim. Zu den Heimkehrenden gehört der schwer erkrankte König Konrad von Staufen. Die nie erloschenen Machtkämpfe entflammen von neuem. Konrad stirbt wenige Tage vor der Wahl und Krönung seines erst achtjährigen Sohnes zum Mitregenten.
Das ist der Moment, in dem Friedrich von Staufen entschlossen nach der Krone greift. Er will das Reich umgestalten - und eine neue Frau, eine bessere Partie als Adela.“
[2]


Die große, die weltpolitisch bedeutsame Geschichte bekommt ihre parallelen Stränge. Eine ist die der Adela von Vohberg, deren Rolle hier die der Erzieherin der Söhne Konrads von Staufen ist und die, verheiratet mit Friedrich von diesem später wegen angeblicher Unfruchtbarkeit geschieden wird. Es ist die Gelegenheit, höfisches Leben zu erzählen durch die (fiktive) Geschichte der Kunigunde von Plötzkau, deren Mann, Graf Bernhard, auf dem 2. Kreuzzug ums leben kam. Kunigunde, Gunda, ist im Roman eine Freundin Adelas, sie wurde dann die Geliebte Dietrichs von Landsberg.

wikipedia

Ein anderer Strang ist den Leserinnen und Lesern von Sabine Ebert vertrauter, dies ist die Geschichte der Wettiner, der Markgrafen von Meißen – bekannt aus der genannten Hebammensaga. Doch nicht nur erfahren wir mehr von Konrad, Otto und Dietrich, es geht um einen kleinen Knappen, Waise inzwischen, dessen Herkunft der Markgraf Konrad geheim hält. Christian heißt der Kleine, dessen Vater der MEISTER DER TÄUSCHUNG ist, welcher in grausamer Art und Weise hingerichtet wurde. Wer die Ursachen der Freundschaften und Feindschaften des späteren ministerialen und dann freien Ritters Christian von Christiansdorf, erzählt in den Hebammensaga, erforschen möchte, der findet sie hier.


2. Das Buch
Mit dem Leben von Adela und Kunigunde sowie des fiktiven Ritters Christian schafft es die Autorin wiederholt, große Geschichte und die Lebensweise der hohen Fürsten bis zum niederen Adel, durch Christians Eltern bis in das Volk zu erzählen. Wiederum gilt hier, dass dadurch ein echter historischer Roman entsteht, nicht nur eine Abenteuer- oder Liebesgeschichte, die in das Mittelalter verpflanzt wurde und in jeder anderen Zeit hätte spielen können. [3]

Nicht erst mit SCHWERT UND KRONE reiht sich die Sabine Ebert immer mehr in die Gruppe ausgezeichneter Verfasserinnen und Verfasser historischer Romane ein. Sie bewies das ja mit ihrem Meisterwerk 1813 – Kriegsfeuer und 1815 – Blutfrieden, in denen sie das Mittelalter in Richtung 19. Jahrhundert verließ.

Hervorzuheben ist meiner Auffassung nach, dass die wundersamen Heilkräfte, das „zweite Gesicht“ welches bei Marthe in der Hebamme doch deutlich betont wurde, hier weniger eine Rolle spielt. Bei aller Sympathie für die heilenden, die weisen Frauen, welche als Hebammen Gefahr liefen, zur Hexe gebrandmarkt zu werden, es war ein wenig zu viel „Geheimnis“, zuviel „Wunder“ dabei. Ein Umstand, welcher in den letzten historischen Romanen keine Rolle mehr spielte.

Gleichwohl, das zeigt, dass sich Sabine Ebert treu bleibt, sind die Frauen ihre eigentlichen Helden(innen) einer männerdominierenden Geschichte. Sie steht ihnen bei vor allem eben bei den Geburten, die oft tödlich ausgingen. So erzählt sie vom Burgfräulein Isa, der Gunda von Plötzkau bis in die letzte qualvolle Stunde beisteht, gedrängt von einem Priester, der der Lebendgeburt des Kindes weit höhere Bedeutung zumisst, dem das Leben der Mutter, da diese ja bereits getauft, letzlich völlig egal ist.

Man kann sich an einen solchen Wälzer als Hörbuch gewöhnen, wenn er so gut gelesen wird, wie von Gabriele Blum.


3. Die Autorin
Drei Bände sollen es werden und sicher findet sich dann wieder ein nahtloser Übergang zum Beginn des Schaffens von Sabine Ebert. Als sie nach dem Studium der Sprach- und Lateinamerikawissenschaften nach Freiberg kam, faszinierte sie die Geschichte des erzgebirgischen Silbers. „Also beschloss ich, diese Geschichte in einem Roman zu verarbeiten. Damals glaubte ich noch, den von Anfang an auf dreißig Jahre konzipierten Handlungsbogen in einem Buch unterbringen zu können. Nach 650 Seiten war ich gerade einmal drei Jahre weit in der Handlung vorangekommen, so dass die Einsicht in mir reifte, den Stoff doch besser auf mehrere Bücher zu verteilen. Fünf, um genau zu sein.“ [4]

http://www.sabine-ebert.de

Wenn wir diesen Maßstab an SCHWERT UND KRONE anlegen, dann wird mittendrin der Markgraf von Meißen, genannt Otto der Reiche einem jungen ministerialen Ritter den Befehl geben, Siedler aus dem Brandenburgischen in den dunklen Wald zu holen. Doch bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Zumindest bis zum Herbst 2018.


DNB / Droemer Knaur / ISBN: 978-3-426-65413-2 / 640 S.
► Sabine Ebert bei Droemer Knaur
Webseite von Sabine Ebert
► Sabine Ebert in der Deutschen Nationalbibliothek


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(1) Droemer & Knauer Webseite: https://www.droemer-knaur.de/buch/9254113/schwert-und-krone-meister-der-taeuschung; 29.01.2018, 17:30 Uhr
(2) Droemer & Knauer Webseite:  https://www.droemer-knaur.de/buch/9376596/schwert-und-krone-der-junge-falke; 29.01.2018, 17:30 Uhr
(3) Dies bedeutet nicht, dass Romane, die hauptsächlich fitive Geschichten erzählen, keine guten historischen Romane sein müssen. Oft erzählen sie dann gut recherchierte Familiengeschichten von Handwerken und Künstlern, worin dann der Wert eben dieser Romane besteht.
(4) http://www.sabine-ebert.de/person.html; 29.01.2018, 19:30 Uhr