Dienstag, 9. August 2016

Rose-Billert, Brita: Das Geheimnis des Falken



Quelle Hintergrundbild:  commons.wikipedia.org


Was habe ich hier eigentlich gelesen? Also zuerst einmal das zweite Buch von Brita Rose-Billert. Ich meine, das zweite, welches ich gelesen habe. Das erste Buch war Die Farben der Sonne. In dem ging es schon mal um Pferde. Nun habe ich hier das zweite Falkenbuch gelesen. Der Tanz des Falken war Band eins. Wahrscheinlich muss ich das noch lesen, doch klären wir einmal warum.


 * * *

Pferde und schnelle Autos sind die Passion von Ryan Hawk. Seinen Lebensunterhalt verdient sich der Lakota mit Autorennen. An seiner Seite steht dabei Baxter Goodman, ein Mechaniker, den er schon zu Beginn seiner Airforce-Jahre kennen lernte. Baxter ist nicht nur ein Motor-Fuchs und hat eine Statur wie ein Bär, er ist ein echter Freund, der auch von Ryans Familie, allen voran Ryans Nichte Joan gemocht wird.
Rennfahrer sind ehrgeizig und haben noch ehrgeizigere Konkurrenz. Mit der gibt es Ärger. Bei einem Rennen bekommt er Kokain in die Lüftung seines Mustangs, atmet davon zu viel ein und baut einen schlimmen Unfall. Aber der Lakota, der auf Pine Ridge wohnt, rappelt sich auf und bringt auch den Dealer und Schmuggler, der ihm das eingebracht hat, man könnte sagen, zur Strecke.

Aber seine eigentliche Passion sind seine Familie und die Pferde. Der Erfolg des Haupthelden bringt einen gewissen Wohlstand in die Familie, sie wissen damit umzugehen. Er träumt davon, Touristen den Urlaub inmitten der Prärie zu ermöglichen und auch etwas über die amerikanischen Ureinwohner zu lehren. Eine Kindergruppe bewundert den Reiter – er wird Reitlehrer. Eine Gruppe von Jugendlichen will Rennfahrer werden – er wird Trainer. Aber die Vergangenheit holt ihn ein. Die Geister der Zeit nach seiner Armeeentlassung tauchen wieder auf. Wird Ryan Hawk seinen Traum erfüllen?

* * *

Zuerst einmal, es war ein gutes Buch, es war ein spannendes Buch. Es war ein Buch über und für die Indianer und vor allem für die Lakota in einer der ärmsten Gegenden der USA, der Reservation Pine Ridge, von der in diesem Blog schon oft die Rede war. Die Charaktere überzeugen. Ob Baxter oder die neunjährige Jo, die Familie oder auch der Alte Rabe, ein alter Geheimnismann, ja, die gibt es immer noch. Es ist ein Buch für die Familie, für deren Zusammenhalt für Freundschaft, Mut und Arbeit. Ein Buch für die Kinder. Und einen „Zwerg“ namens Jame.  Ryan ist ein „Intacan“, so nennen die Lakota ihre Anführer. Das Wort Häuptling kennen sie so gar nicht, erklärt die Autorin in ihren Anmerkungen. Cetan Wakan – Geheimnisfalke, das ist unser Hauptheld und Geheimnisse hat er durchaus, die vollständig zu lüften wohl nur mit dem ersten Buch gelingen wird.

Brita Rose-Billert, Krankenschwester und Pferdenärrin, hat die Zustände in der Reservation selbst beobachtet und hat sie bestimmt gut wiedergegeben. Zudem hat sie eine spannende, kaum wieder loslassende Geschichte geschrieben. Besonders die letzten dreißig Seiten fand ich sehr schön,  aber hier näheres zu schreiben würde viel zu viel verraten.

Mir war beim Lesen bei aller Spannung aber immer auch so, als würde mir dies alles bekannt vorkommen. Nein, nicht die Geschichte als solche, auch nicht die einzelnen Personen, außer Cetan Wakan. Der erinnert doch stark an Joe Inya-he-Yukan King (Stonehorn). Sturkopf, traditioneller Indianer, kann Schmerzen ertragen, will nicht ins Hospital, rettet „fremde“ Leute, rechnet mit Verbrechern ab und gerät wiederholt in den Fokus der Polizei. Was Ryan mit Autos macht, zeigt Joe im Rodeo. Ich würde ja behaupten, dass Brita Rose-Billert ihre Liselotte Welskopf-Henrich gelesen hat. 

Hat Sie? Liebe Brita, deine Antwort kannst du als Kommentar hier hinterlassen.

Vermutlich ist sie die erste, vielleicht die einzige Autorin, die eine indianische Ärztin zur Heldin einer noch kleinen Reihe gemacht hat.

weiter lesen auf www.brita-rose-billert.de

PS: Also Brita Rose Billert hat für ihre Geschichte, die tatsächlich ihr Debüt darstellt, einerseits die Romanfigur der Liselotte Welskopf-Henrich und andererseits einen realen Lakota mit Ambitionen, die denen des Ryan Hawk ähnlich sind, im Visier gehabt. Sie betrachtet ihr Werk doch sehr kritisch, vielleicht hören wir von dieser Geschichte wieder. Nebenbei Brita: Ein Hummer ist ein ziviler Geländewagen auf der Basis eines HMMWV und von GM. Fiat-Crysler baut dagegen Jeeps.

Im übrigen hat sie etwas mit der Autorin von Das Blut des Adlers gemeinsam: Sie schrieb die Vorgeschichte erst nach dem Erstling. Das hat Frau Welskopf-Henrich mit Die Söhne der Großen Bärin genauso gemacht.

Auf jeden Fall bedanke ich mich bei dir für dieses Buch, welches ich nun endlich verschlungen habe, nachdem ich es bereits im März (Buchmesse) in den Händen hielt.


DNB / Amicius / 2008 / ISBN: 978-3-939465-41-6 / 446 S.

© KaratekaDD
aktualisert: 11.08.16


Kommentare:

  1. Lieber Uwe und liebe Leserinnen und Leser auf dieser Seite!
    Ich bin immer wieder beeindruckt, mit wie viel Liebe zum Detail du die Rezensionen zu meinen Romanen schreibst. Vielen Dank. Ich muss zugeben, ich war sehr gerührt, vor allem, dass du die Fäden zu meiner Lieblingsautorin und großem Vorbild Liselotte Welskopf Henrich so treffend gesponnen hast.
    Ja, ich habe versucht Joe Inaya he yukan King in die Gegenwart zu holen - und wie mir scheint, ist es mir gelungen. Desweiteren stand auch ein realer Lakota aus der Pine Ridge Reservation mit seiner ähnlichen Lebensgeschichte Pate - Bam Braver. Als Jugendlicher im Alkohol und Drogenrausch fast unter die Räder gekommen, hat er aus eigener Kraft von
    einem Tag zum anderen sein Leben geändert. Er wurde Büffelzüchter und Rancher, ist Pferdemensch und geht als Guide mit Touristen reiten.
    Ich bin gespannt, wie das zweite Buch bei dir ankommt- es ist in der Post.
    Mit den Begriffen Jeep assoziieren die meisten Leute in Deutschland gängige Geländewagen, sodass sich das jeder Leser bildhaft vorstellen kann. Wer welches Auto gebaut hat, ist im Roman nebensächlich. Die amerikan. Landbevölkerung nennen ihre Geländefahrzeuge im allgemeinen nur Trucks und sind stolz darauf.
    LG aus Thüringen und bis bald - Brita Rose Billert

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "gängige Geländewagen" - Das ist ein Ausadruck zum merken.

      Löschen
  2. Danke,liebe Brita, ich bin auf die nachfolgende Vorgeschichte gespannt.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo,

    das ist wirklich eine schöne Rezension und noch sehr ausgiebig recherchiert. Gefällt mir richtig gut! Besonders die Zusammenhänge zu den Werken von Frau Welskopf-Henrich, von denen ich jedoch keines kenne. Vielleicht sollte ich das ändern, denn der Falke hat mir doch sehr gut gefallen. Ich glaube ich werde mich zu gegebener Zeit etwas genauer mit diesem Blog auseinandersetzen, denn was ich bis jetzt gelesen habe nötigt mir wirklich Respekt ab. Wunderbare Rezensionen und viele Gedanken zu den einzelnen Büchern.

    Vielen Dank dafür.

    Drachige Grüße
    Beluri

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank. Jaja, Welskopf-Henrich und die Indianer. Da schau mal in den Palisanderverlag, aber auch hier im Blog. Zu Indianern aber auch im Traumfängerverlag bzw. Bei Autorin Kerstin Groeper.
      Man liest sich. Bis bald.

      Löschen