Sonntag, 10. Januar 2016

Hyde, Catherine Ryan: Als ich dich fand
























  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: AmazonCrossing (24. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Sonja Glück
  • ISBN-10: 1503944492
  • ISBN-13: 978-1503944497
  • Originaltitel: When I Found You

















ALLEN WIDRIGKEITEN ZUM TROTZ...

Natahn McCann liebt es, mit seiner Hündin frühmorgens noch vor Sonnenaufgang auf Entenjagd zu gehen. Als er eines Morgens wieder einmal auf dem Weg zum See leise durch den dunklen Wald geht, läuft ihm plötzlich die Hündin davon. Trotz seines Rufens bewegt sie sich nicht von einem Gebüsch fort, ganz im Gegenteil. Sie beginnt zu buddeln und lockt Nathan mit einem offensichtlich flehenden Blick zu sich. Als er ihr schließlich folgt, traut er seinen Augen nicht. Vor ihm liegt regungslos mit einem selbstgestrickten Mützchen ein Neugeborenes unter dem Laub.
Entsetzt und ungläubig gräbt Nathan das Baby vollends aus und nimmt es in den Arm - und dieser Moment verändert sein Leben. Denn wider Erwarten ist das Neugeborene nicht tot, und so setzt Nathan alles daran, sein Leben zu retten. Im Krankenhaus fragt er immer wieder nach dem Zustand des kleinen Jungen und spielt sogar mit dem Gedanken, ihn zu sich zu nehmen - auch wenn seine Frau davon nichts wissen will. Doch es kommt anders: die Großmutter des Jungen bekommt das Sorgerecht zugesprochen, und so wächst der kleine Nat auf, ohne seinen Lebensretter je kennengelernt zu haben. Doch eines Tages steht ein wütender, schwieriger Junge mit einem Koffer in der Hand vor Nathans Haustür...


"Ich komme mir vor wie ein Idiot, der den Boden streicht und sich dabei am Ende selbst in die Ecke gemalt hat..."



Eine vollkommen ruhige Erzählung ist es, die den Leser hier erwartet. Er begleitet das Leben des kleinen Nat von den ersten Lebenstagen an und entdeckt mit ihm kleine Inseln des Lichts in einem ansonsten oft eher tristen Alltag bei seiner Großmutter. Als Nat eines Tages hinter das wohlgehütete Geheimnis kommt, was gleich nach seiner Geburt mit ihm geschah, entsteht vor allem eines: Wut. Wut und Misstrauen anderen Menschen gegenüber - und das Gefühl, im Grunde auf sich allein gestellt zu sein. Wozu sich an Regeln und Gesetze halten, was hatte er schon großartig zu verlieren? Als die Großmutter merkt, dass sie dem Jungen nicht länger gewachsen ist, bringt sie ihn nach all den Jahren zu seinem Lebensretter. Und der nimmt ihn tatsächlich bei sich auf und versucht, Nat das verlorene Vertrauen wiedergewinnen zu lassen. Doch ist das überhaupt möglich?

Leise Töne, eine Behutsamkeit der Worte, die merkwürdigerweise nicht im Widerspruch zu den manchmal heftigen Emotionen steht, die dem jungen Nat das Leben schwer machen - das ist schon eine Kunst. Zuweilen sind die Abschnitte etwas langatmig geraten, und der ältere Nathan macht seinem Namensvetter aus Gotthold Ephraim Lessings Stück manchmal zu sehr Ehre - dann erscheint er für meinen Geschmack doch ein wenig zu abgeklärt und weise, die Dialoge teilweise zu tiefsinnig. Insgesamt jedoch schildert Catherine Ryan Hyde auf eine angenehme und unsentimentale Weise das Erwachsenwerden des einst zum Sterben ausgesetzten Kindes und die zahllosen Bemühungen des Älteren, ihm auf diesem Weg behilflich zu sein. Achtung, Vertrauen, Werte und einen Lebenssinn - das versucht Nathan dem Jungen zu vermitteln, ungebrochen auch nach zahlreichen Rückschlägen und Enttäuschungen.


"Ich wüsste zu gerne, was du gerade denkst", sagte Nathan schließlich. "Auch wenn ich weiß, dass es mir nicht gefallen wird." "Ich dachte gerade..." - Nat merkte, dass er nun tatsächlich das sagen würde, was er dachte, was ihn überraschte. "Ich dachte gerade: Wie wir auf die Welt kommen und wie wir aus der Welt scheiden, das ist irgendwie fast gleich. Wie hilflos wir sind, du weißt schon, an beiden Enden des Lebens, und wie - zerbrechlich."


Eine schicksalshafte Begegnung, die das Leben von zwei Menschen für immer prägt. Ein Miteinander, das alles andere ist als einfach, der Halt im Leben, der eben nicht immer leicht zu greifen ist. Trotz aller Tiefsinnigkeit lässt mich das Buch mit einem positiven Gefühl zurück und Ausschau halten nach weiteren Bücher der Autorin...


© Parden
















Catherine Ryan HydeAmazon.de schreibt über die Autorin:

Die mehrfach ausgezeichnete amerikanische Autorin Catherine Ryan Hyde hat über 24 Bücher veröffentlicht. Ihr bekanntester Roman »Das Wunder der Unschuld« wurde in mehr als 23 Sprachen übersetzt und unter dem Titel »Das Glücksprinzip« mit Kevin Spacey und Helen Hunt verfilmt.

Neben dem Schreiben hat Catherine Ryan Hyde in den vergangenen Jahren viele Vorträge gehalten. Sie gehörte zum Kreis der Referenten bei der National Conference on Education an der Cornell University, und stand dreimal zusammen mit Bill Clinton als Rednerin auf dem Podium. Als »Das Glücksprinzip« im Weißen Haus gezeigt wurde, gehörte sie zu den geladenen Gästen.

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Kommentare:

  1. Die Unterschiedlichkeit der Themen, die du gerade "konsumierst" ist mal wieder erstaunlich...

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    1. Ich beschränke mich nicht nur auf ein oder zwei Genres, sondern lese recht vielseitig. Allerdings gibt es auch Genres, die ich deutlich seltener lese... ;)

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