Freitag, 11. September 2015

Etzold, Veit: Der Totenzeichner


Ein Leichenfund gibt der Berliner Polizei Rätsel auf. Dem Mordopfer wurden mysteriöse Zeichen in die Haut geritzt, die Clara Vidalis bekannt vorkommen. Handelt es sich um kultische Symbole? Als die Obduktion der Leiche weitere grausame Details ans Licht bringt, wird klar, dass es einen ähnlichen Modus Operandi schon einmal gab: Vor zehn Jahren versetzte ein Serienkiller den Westen der USA in Angst und Schrecken. Einen Sommer lang trieb er dort sein Unwesen, bevor er sich mit der blutigen Botschaft verabschiedete: »It’s not over, ’til it’s over«. Ist der Totenzeichner zurückgekehrt?

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: 4. Aufl. 2015 (16. Juli 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404172299
  • ISBN-13: 978-3404172290
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren














  
 



Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Bastei Lübbe Verlag  für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen.

Bastei Lübbe
 














ERNÜCHTERND...




Berlin hat einen neuen Mordfall. Der Boss einer Rockerbande wurde zusammen mit seinem Kampfhund in seinen eigenen vier Wänden brutal umgebracht, und während er starb, wurden ihm Zeichen in die Haut geritzt und anschließend das Herz herausgerisssen. Der Tatort gleicht einem Schlachtfeld, das Blut spritzte meterweit. Clara Vidalis und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf, doch sie stehen vor einem Rätsel: obwohl der Täter offenbar unbekümmert seine DNA am Tatort hinterlassen hat, taucht dazu in keiner Datenbank etwas auf. Dr. Martin Friedrich alias MacDeath kommen allerdings die eingeritzten Zeichen irgendwie bekannt vor, und tatsächlich wird er in seinen Unterlagen fündig. Zehn Jahre zuvor trieb ein Serienkiller im Westen der USA sein Unwesen, schlachtete dort zahlreiche Menschen auf eben diese Weise ab, ritzte ihnen Zeichen in die Haut und entriss ihnen das Herz - bevor er sich nach dem blutigen Sommer mit der Botschaft verabschiedete:


It’s not over, ’til it’s over


Seither schien der Täter spurlos verschwunden zu sein. Doch nun ist er wieder da, ausgerechnet in Berlin. Und auch hier bleibt es nicht bei einem Opfer. Das LKA wendet sich mit der Bitte um Unterstützung an die damaligen Ermittler der USA: Detective Brooks vom Los Angeles Police Department und Ted Williams vom FBI setzen sich gleich ins nächste Flugzeug nach Berlin. Gemeinsam versuchen sie, dem Täter auf die Spur zu kommen, der eine blutige Spur durch die Landeshauptstadt zieht.


Dieser Thriller ist bereits der vierte Teil um die Berliner Ermittlerin Clara Vidalis - jedoch mein erster aus der Feder von Veit Etzold. Vorweg gesagt: er lässt sich mühelos lesen, ohne dass man die vorherigen Bände kennen muss; jedoch gibt es im Verlauf der Erzählung einige Hinweise auf das Geschehen in den Fällen davor, an einer Stelle leider so ausführlich, dass ich das Buch wohl kaum noch lesen werde.

Die Idee hinter der Geschichte ist originell und verstörend zugleich - und ernüchternd. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten, ohne gleichzeitig zu viel zu verraten. Das Ende ist gleichermaßen ernüchternd - und letztlich doch konsequent. Leider war phasenweise auch die Lektüre selbst etwas ernüchternd, denn nicht alles an dem Thriller hat mir gefallen.

Als positiv empfand ich den Aufbau des Thrillers. Ich kam gut ins Geschehen hinein, der flüssige Schreibstil ließ sich angenehm lesen. Es gab einen interessanten Perspektivwechsel zwischen Ermittlern und Täter - die Frage nach dem 'wer' und dem 'warum' wurde ständig größer. Ebenso die Überlegung, wie diese Killermaschine jemals gestoppt werden sollte... Einzelne Szenen verschafften mir beim Lesen eine Gänsehaut - ein brutaler, blutiger Thriller, für mich aber dennoch erträglich. Mir persönlich gefiel der ständige Zynismus und der teilweise rabenschwarze Humor der Ermittler sehr gut. Die Charaktere blieben etwas blass, aber hier vermute ich mal, dass das tatsächlich daran liegt, dass ich die vorherigen Bände nicht kenne und so die Entwicklung der Personen nicht mitbekommen habe.

Beeindruckend und beinahe schon verstörend (möchte ich diesen Autor persönlich kennen?!) wirkte auf mich das immens große Wissen Veit Etzolds hinsichtlich der bekannten Fälle von Serienmördern, dem psychischen Hintergrund der Täter, gewalttätigen Songs, Splatterfilmen (auch der illegalen), Kannibalismus, extremer Body-Modification, Darknet usw. Etzold scheut sich auch nicht davor, den Leser an diesem großen dunklen Wissen teilhaben zu lassen. Dabei streut er jedoch nicht einzelne interessante Informationen in die Erzählung ein, sondern lässt die Ermittler teilweise seitenlange Vorträge halten. So interessant die einzelnen Hintergrundinformationen auch sein mögen: der eigentliche Fall gerät dabei ins Hintertreffen, und das viele Male. Auch die Darlegung der politischen Weltlage hat sicher einen wichtigen Bezug zum Fall, doch ist sie (neben einem wieder einmal ernüchternden Effekt) ebenfalls so ausschweifend geraten, dass ich mich in Zeiten des 'Internationalen Frühschoppens' zurückversetzt fühlte.


Der deutsche Rechtsstaat war ohnehin dabei, sich selbst abzuschaffen, und der Staat warf sein Gewaltmonopol über Bord wie eine Ladung fauler Kartoffeln. Steuerhinterziehung und Falschparken waren so ziemlich das Einzige, was in Deutschland noch illegal war. (S. 19/20)


Abgesehen von diesen zahlreichen oft langatmigen und ausschweifenden Exkursen habe ich mich des öfteren gefragt, ob der Autor vermutete, dass viele demente Leser zu seinem Buch greifen würden - oder aber ob die Ermittler reichlich begriffsstutzig sind. Alle Erkenntnisse werden zigmal wiederholt und durchgekaut, oftmals wird dann auch noch einmal unnötig ungläubig nachgefragt, so dass noch eine weitere Wiederholung angebracht werden kann. Vielleicht richtet sich die Vergütung des Buches ja nach der Anzahl der Zeilen? Solche Gedanken kamen mir jedenfalls manchmal beim Lesen. Kurz gefasst: es gab viele unnötige Längen, die den Fall immer wieder in den Hintergrund rücken ließen, und das war schade.

Wie ich lesen konnte, sind viele Fans der Reihe der Meinung, dass Veit Etzold es 'besser' kann. Deshalb bin ich schon auch neugierig auf mehr aus seiner Feder. Dieser Thriller jedenfalls konnte mich nicht so recht überzeugen, auch wenn der eigentliche Fall wirklich interessant war. Zu viele Themen wurden hier zu ausführlich dargelegt, und das lenkte zu oft vom eigentlichen Geschehen ab. Das macht dann auch das originelle und zum Fall passende Cover mit dem Schlitz in der Mitte leider nicht mehr wett.


© Parden
















Veit Etzold - AutorVeit Etzold, geboren 1973 in Bremen, studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. 2005 promovierte er zum Kinofilm "Matrix". Während und nach seinem Studium arbeitete er für Medienkonzerne, Banken, in der Unternehmensberatung und in der Management-Ausbildung. Veit M. Etzold lebt in Berlin.
Quelle Bild und Text


1 Kommentar:

  1. Nun bin ich aber mal froh, dass ich diesmal keine Lesewünsche anmelden muss ;)

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