Sonntag, 26. Mai 2013

Berling, Peter: Eine kurze Bibliografie

Peter Berling´s Bibliografie oder Die Kinder des Gral

Diverse Geschichten habe ich bereits für die Buchgesichter verfasst. Das Ganze begann am 16. Juni 2009, ein viertel Jahr nach Gründung der Seite. Ich habe gerade nachgeschaut: Die erste Buchgeschichte handelt von den Kindern des Gral. Das ist doch noch mal eine Erwähnung wert, oder?
Gleich die dritte Geschichte betraf den KELIM DER PRINZESSIN und so habe ich nach und nach alle Bücher von dem 1934 geborenen Schriftsteller, der auch Schauspieler und Filmproduzent ist entweder per Geschichte oder Rezension, meist beides, hier ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt. Zumindest ist das bei einigen Buchgesichterfreunden gelungen.

Wenn es allerdings das Buch DER HEILIGE GRAL UND SEINE ERBEN nicht gegeben hätte (seht mal meine Geschichte Nr.1), dann wäre mir Peter Berling vielleicht verborgen geblieben. Was ich nachträglich als schade empfinden würde. Jegliches sinnieren über WAS WÄRE WENN ist aber müßig…

Natürlich könnte ich auch etwas eher anfangen: Der Roman DER NAME DER ROSE des bekannten Umberto ECO wurde als Bestseller auch in der DDR verlegt. diesen las ich mit Begeisterung, auch hier war das Buch von Spannung, unzähligen Personen, langen Lateintexten und ebenso langen Erklärungen im Anhang geprägt. Vielleicht hat sich BERLING von diesem bereits 1980 veröffentlichten Roman infizieren lassen. ECO hat es ja auch mit dem Mittelalter, seht mal bei BAUDOLINO nach…


„Bisher hatte ich immer gedacht, die Bücher sprächen nur von den menschlichen oder göttlichen Dingen, die sich außerhalb der Bücher befinden. Nun ging mir plötzlich auf, dass die Bücher nicht selten von anderen Büchern sprechen, ja, dass es mitunter so ist, als sprächen sie miteinander. Und im Licht dieser neuen Erkenntnis erschien mir die Bibliothek noch unheimlicher. War sie womöglich der Ort eines langen und säkularen Gewispers, eines unhörbaren Dialogs zwischen Pergament und Pergament? Also etwas Lebendiges, ein Raum voller Kräfte, die durch keinen menschlichen Geist gezähmt werden können, ein Schatzhaus voller Geheimnisse, die aus zahllosen Hirnen entsprungen sind und weiterleben nach dem Tod ihrer Erzeuger? Oder diese fortdauern lassen in sich?“


Das sagt der Erzähler Adson von Melk in der ROSE. Dieser Spruch könnte sicher Wahlspruch der Buchgesichter sein. Da ist es völlig egal, ob jemand Fan von BERLING, ECO, THÜRK, WELSKOPF - HENRICH, SCHREYER, GRISHAM, CLANCY oder aber von GABLE, ROBERTS, MEYER und anderen Autorinnen oder Autoren ist.

Wer den ECO lieben gelernt hat (Diverse neue Buchgesichter können ja mal unter DIE KUNST DES BÜCHERLIEBENS oder unter KaratekaDD erzählt… oder erklärt… stöbern) und außerdem Fan historischer Romane ist, der kommt an BERLING eigentlich nicht vorbei, es sei denn, dessen Schreibstil und die "homoerotischen Altherrenfantasien" stoßen ab. Wer das schrieb? Na das Buchgesicht Numero 1! Wobei ich hoffe, dass dieses sich zu den weiteren Büchern durchringen kann, denn die RITTER und die KETZERIN sind ja schon "Geschichte"…

Es stimmt schon: Die Sprache ist derb, sexuelle Szenen zwar nicht vorherrschend aber wenn, dann gleich mal "gewaltig", Es spielen eine Menge Personen eine Rolle und die Ausflüge ins Langue d´oc, die Sprache Ozitaniens plus Tiraden in Latein muss man mögen. Oder überblättern. Man könnte sich ein paar CD´s mit okzitanischen Liedern bestellen. 

Das riesige Clossar ist wirklich notwendig. Es beschreibt nicht nur Hintergründe und enthält Kurzbiografien historischer Personen, es erklärt auch die Rolle tatsächlicher oder vermeintlicher fiktiver Personen. Bis heute weiß ich nicht genau, ob die nicht auch alle historisch sind. Vitus von Viterbo zum Beispiel oder Loba die Wölfin… Oder Laura, die spätere Äbtissin… (Wohl eher nicht und so verrückt danach in jedem Falle zu suchen bin ich auch nicht, obwohl, wenn es den Bischof Guido gab, den Berlin im FRANZISKUS beschreibt und Laura dessen Schwester ist...)

Der GRAL hat ja nun von jeher die Menschen interessiert. Sei es der Zimmermannskelch, hergestellt vom Joseph von Nazareth, den Indiana Jones findet, oder Otto Rahn, dessen KREUZZUG GEGEN DEN GRAL später einen Heinrich HIMMLER dazu bringt, nach dem GRAL suchen zu lassen. RAHN hat den Montsegúr zur Gralsburg "erhoben".
Wichtiger allerdings ist natürlich ein Wolfram von ESCHENBACH, dessen PARZIFAL berühmt, und dessen Geschichte von Richard WAGNER "veropert" wurde, genau wie die seines Sohnes LOHENGRIN. PARZIFAL heißt soviel wie "schneid mitten durch" ungefähr genauso wie Raimund Roger TRENCAVEL, Vicomte von Carcassonne, der angeblich das Vorbild für Eschenbachs Parzival bot. Seine Geschichte wird in der KETZERIN erzählt. Das die "Urgeschichte von Chrétien de Troyes stammt, sei nur noch erwähnt. Ebenso sei erwähnt, dass in den mittelalterlichen Romanen der Bezug zum ARTUSHOF geschaffen wird, zu KING ARTHUR und zu MERLIN…

Manch ein Buchgesicht erinnert sich sicherlich noch an HARTMANN VON AUE, den mittelalterlichen Sänger, welchen Tim PIEPER in seinem Roman DER MINNESÄNGER beschrieb. Eine der ersten großen (die erste?) Leserunden, die so vielen hier gefallen hat. HARTMANN VON AUE widmete sich ebenfalls dem EREC und dem IRWEIN und damit der Artussage.

Und nun schauen wir uns doch mal die Bibliographie des Peter BERLING an, welcher die Verschwörungstheorien um die PRIEURE DE SION verarbeitete, Otto RAHNS KREUZZUG GEGEN DEN GRAL verwendete und was noch viel interessanter ist, zwei historische Berichte:
ITINERARUM WILLELMI DE RUBRUC, die Reise des Wilhelm von Rubruk zu den Mongolen, Erzähler in DIE KINDER DES GRAL und deren Beschützer fast bis zum Schluss und die Biographie VIE DE SAINT LOUIS eines JEAN DE JOINVILLE, welcher ebenfalls als Chronist auftritt. Es muss schon eine irre Recherchetätigkeit um ROC und YEZA stattgefunden haben. 



• 01_1990: Franziskus oder Das zweite Memorandum (Vorgeschichte zum Gralszyklus),
• 02_1991: Die Kinder des Gral, (Grals-Zyklus Band I)
• 03_1993: Das Blut der Könige (Grals-Zyklus Band II)
• 04_1994: Die Nacht von Jesi
• 05_1995: Die Krone der Welt (Grals-Zyklus Band III)
• 06_1997: Der schwarze Kelch, (Grals-Zyklus Band IV)
• 07_2000: Die Ketzerin (Vorgeschichte zum Gralszyklus)
• 08_2002: Zodiak, Die Geschichte der Astrologie
• 09_2003: Das Kreuz der Kinder (Einzelroman)
• 10_2005: Der Kelim der Prinzessin, (Grals-Zyklus Band V),
• 11_2007: Das Paradies der Assassinen
• 12_2009: Ritter zum heiligen Grab
• 13_2011: Hazard & Lieblos 




Man sieht, die Reihenfolge ist nicht zwingend die Reihenfolge der Veröffentlichung. den FRANZISKUS las ich zuletzt. Kein Manko und für manchen nicht unbedingt als Einstieg zu empfehlen. In dem geht es um den heiligen Franz von Assisi. Ich hätte nicht gedacht, dass der trotzdem eitig wird. Aber immerhin ist der im Buch handelnde Bischof Guido eine historische Figur. Berling macht aus diesem dann noch den Bruder der Laurence de Belgrave.


Dann beginnt der Zyklus mit der Geschichte der zu Beginn ungefähr fünf und vierjährigen Kinder Roc und Yeza, DIE KINDER DES GRAL, welche aus dem Montsegúr geschmuggelt werden. Unfreiwilliger Helfer jener William von Roebruk, versoffener, verfressener und völlig unkeuscher Franziskanermönch. (Siehe FRANZISKUS…)


DAS BLUT DER KÖNIGE setzt die Reihe fort. Die Kinder werden auf eine Mission geschickt, verfolgt vor allem von der ECCLESIA CATHOLICA, beschützt von William, Laura, Gavin und anderen, Rittern verschiedener Glaubensrichtungen. 

Die NACHT VON JESI hat BERLING sicher so "zwischendurch" geschrieben. Sie hat mit dem Zyklus nichts zu tun. Allerdings geht es um FRIEDRICH II. Geboren in JESI und aufgeklärter Staufferkaiser, der den Islam nicht bekämpfen und eher Handel und Wissenschaft fördern wollte. Wenigstens eines der genannten Kinder soll Nachkomme des Kaisers sein… 


DIE KRONE DER WELT soll auf das Haut der Friedenskinder, Aussöhnung zwischen dem Morgen- und dem Abendland. Gefordert und gesucht von der PRIEURE und deren Großmeisterin. Außerdem treten die Mongolen und die Assassinen auf den Plan. 


DER SCHWARZE KELCH muss bis zur Neige geleert werden. Der Große Plan gelingt nicht in der in Glaubenskriegen und Kreuzzügen zerrissenen Welt. Alle wollen sie haben, die KINDER DES GRAL und glauben, damit eine gewaltige Macht erreichen zu können. Das Ganze endet in einer apokalyptischen Schlacht. Eigentlich das Ende… 


BERLING entschloss sich hier in DIE KETZERIN die Geschichte der Laurence de Belgrave zu erzählen, der Äbtissin, die der Flucht der KINDER nach verlassen des Montsegúr beisteht. Ihre Freundschaft zu Gavin Montbard de Béthune besteht viele Jahre. Der Tempelritter ist einer der wichtigsten Beschützer der KINDER. Nebenbei ist der Erzähler im FRANZISKUS, Bischof Guido II., der Halbbruder der roten Laura. 


Zodiac: Hab ich nicht gelesen… 


Die rote LAURA trifft in DIE KETZERIN auf den sogenannten KINDERKREUZZUG. Nicht ganz so kompliziert hat BERLING dessen Geschichte aufgeschrieben. Erzählt von Teilnehmern. Es ist ein einzelner Roman in dem, wenn ich das recht in Erinnerung habe, kein Bezug auf die Romane des Gralszykus genommen wird. 


Der KELIM DER PRINZESSIN ist das letzte Buch des Gralszyklus. Das Schicksal der Kinder, nun erwachsen, wissend, dass sie keine Geschwister sind und sich lieben, wird besiegelt. Und das Schicksal der mittelalterlichen Welt der Kreuzzüge auch. Dass ich den Kelim in der für die Geschichte wohl exponiertesten Buchhandlung auf der Welt gekauft habe, kann in der dazugehörigen Buchgeschichte nachgelesen werden. 


Im fernen Syrien sitzt in Alamuth eine Sekte: Die Ismaeliten. Sie senden Meuchelmörder aus und "wirken" so in der Weltpolitik mit. Zumindest machen sie allen Angst. Vor dem Auszug, der einem Selbstmord gleichkommt, gibt’s Haschisch und damit einen Blick in das Paradies mit den 15 Huris (Jungfrauen). Daher der Name Assassinen. Diese sind natürlich unbedingter Bestandteil des Gralszyklus und Roc und Yeza sind oft in Alamuth zu Gast. Der Roman DAS PARADIES DER ASSASSINEN  ist allerdings ein Einzelroman. 


Woher kommt er, der Gral und welche rolle spielen dabei die Tempelritter? Wenn BERLING schon solch eine Geschichte schreibt und dabei die PRIEURE DE SION, in Wirklichkeit wohl eher eine große Schwindelei, auftritt, dann darf auch die Geschichte der Armen Soldaten Christi nicht fehlen. Viele Autoren haben darüber bereits geschrieben. Das Buch kam zuletzt. Ein leichtes also für Peter BERLING nun auch ein paar "historische" Bezüge zu den Personen aus den Gralsromanen herzustellen.

Damit sollte die "Reihe" nun wohl abgeschlossen sein. Wer sie geschafft hat, weiß nun mehr als der Durchschnitt über die mittelalterliche Welt und die Zeit der Kreuzzüge. Ich glaube durchaus, ALLE BÜCHER vor den Augen stellen eine ziemliche Herausforderung dar. 


HAZARD & Leblos: hab ich nicht gelesen… Es ist ein autobiographisches Buch… 


Die Romane FRANZISKUS und JESI hab ich geschenkt bekommen von einer, die diesen meinen Faible inzwischen gut kennt.
Vielleicht hilft ja dieser Exkurs zur Überwindung, NOCH eine REIHE zu lesen…
……………………………..
PS: Das Weglassen weiblicher Bezeichnungen wurde nur wegen der besseren Lesbarkeit des Textes vorgenommen. Der Autor übersieht keineswegs, dass die Buchgesichter gegenüber den Buchgesichterinnen eine Minorität darstellen.




© karatekaDD (aktualisiert 06.04.2014)
 

Kommentare:

  1. So etwas verfassen nur wirkliche Fans... Klasse!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nun ja, Fan schn. Aber so klasse find ich den Text mit etwas Abstand nun wirklich nicht mehr.

      Löschen