Dienstag, 16. Februar 2016

Clancy, Tom: Abgesang

Nein ABGESANG ist kein Roman des bekannten us-amerikanischen Bestsellerautors. ABGESANG ist ein solcher auf eine Reihe, die man nach ihrem Haupthelden Jack Ryan nennen kann.

Irgendwann Anfang der Neunziger bekam ich das erste Buch eines gewissen Tom Clancy in die Hände, ich glaube es war DIE STUNDE DER PATRIOTEN. Ein Kollege hatte mir erzählt, dass der Verfilmung ein Buch zugrunde liegt.

Ein Geschichtsdozent der Marine-Akademie der US-Navy rettet den Thronfolger Großbritanniens bei einem Anschlag der IRA. (Erfolgreich verfilmt mit Sean Bean und Harrison Ford). Natürlich musste der nächste Band ran, der ebenfalls verfilmt wurde, JAGD AUF ROTER OKTOBER ist wohl die bekannteste Geschichte. So ging es weiter. Schlag auf Schlag und Buch um Buch. Zwischendurch erweiterte Clancy die Reihe um eine Vorgeschichte - GNADENLOS - und fügte später noch RED RABBITT ein.

Aber wie die Reihe insgesamt aussieht, kann man hier nachlesen.



Anfangs überzeugten die Bücher vor allem durch Spannung und dadurch, dass Clancy es meisterhaft beherrschte, voneinander völlig unabhängige Handlungsstränge plötzlich zu verknüpfen. Ein weiteres Merkmal waren die genauen Darstellungen militärischer Operationen. Clancy hatte auch mehrere Sachbücher zu Einheiten der US-Streitkräfte verfasst. So konnte er SUBMARINE, FIGHTER WINGS, ARMORED CAVALRY, MARINES und andere in seine Romane unmittelbar einfließen lassen.



Der Hauptheld, Jack Ryan, Historiker mit Doktorgrad und Wirtschaftsprüfer, dessen Militärkarriere bei den Marines nach einem Hubschrauberunfall beendet war, bringt es über mehrere „Romane“ zum Direktor der CIA, zum Sicherheitsberater und letztlich zum Präsidenten selbst.




In elf Büchern bleibt Clancy sich dabei treu. Dann allerdings tritt der Sohn Jack jr. in seine Fußstapfen. Nachdem der US-Kongress die Geheimdienste, denen Ryan schon wegen seiner eigenen Geschichte äußerst verbunden war, an die Kandare nimmt, wird DER CAMPUS gegründet. Ein Geheimdienst hinter dem Geheimdienst. In diesem arbeiten dann Jack Jr. und seine beiden Cousins Caruso mit.


Von diesem Moment an geht die Reihe ganz langsam den Bach runter. Die Mitarbeiter des CAMPUS bringen ihre Widersacher in der ganzen weiten Welt des Terrorismus gelegentlich einfach um. Mit Raffinesse, aber aus Kämpfern werden so nun Mörder.

Nach dem elften Band führte Clancy einen neuen Helden ein, Max Moore, aber der kam nur in GEGEN ALLE FEINDE zum Einsatz, denn Tom Clancy strab im Herbst 2013.





Die Reihe war aber nicht beendet. Es folgten noch AUTHORITY COMMAND – Kampf um die Krim und eben DER CAMPUS. Als Mitautor tritt nun ein gewisser Mark Greany auf, aber wie gesagt, die Klasse der ersten 11 Bücher der nunmehr 16teiligen Reihe ist verschwunden. Die Spannung bleibt, die Handlung aber ist flach und von „Technothrillern“ wie bei Roter Oktober oder DAS ECHO ALLER FURCHT kann keine Rede mehr sein.


Im CAMPUS geht es nun um WHISTLEBOWLER. Das ist folgerichtig, denn irgendwie waren die Romane immer aktuell. So wie KAMPF UM DIE KRIM wie eine Vorhersage der Geschehnisse aussieht. Als in EHRENSCHULD ein Flieger mit seiner Boeing 747 in das Kapitol krachte, stand der 11. September noch bevor.  Hier sucht nun Dominic Caruso, übrig gebliebener „Held“ des Campus nach einem Geheimnisverräter. Clancy / Greany machen kein Hehl daraus, was sie von solchem Geheimnisverrat halten. Da diesem Verrat ein Anschlag auf einen befreundeten israelischen Kraf Maga Trainer folgt, hat Caruso das Ziel, den Verräter zu töten. Natürlich steckt ein wenig mehr dahinter, aber wie gesagt, die Story hat sich nun weit von den ursprünglichen Geschichten entfernt.

Das ist schade, aber nicht zu ändern. Vermutlich werde ich, da wohl mit zumindest drei Büchern noch zu rechnen ist, weiterlesen. Oder auch nicht.

Zu Tom Clancy verweise ich mal auf die Autorenseite. Oder auf wikipedia.
Oder auf die Clancy-Webside selbst.

Dies ist also eine „Nicht-Rezension“. Eher ein Abgesang auf zwanzig Jahre Spannung, was der nächste Roman wohl bringen mag.



PS: Nun, das muss ich ja nach MIT ALLER GEWALT etwas dementieren. (2017)

KaratekaDD

Kommentare:

  1. Schade, wenn eine lange Liebelei so endet...

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  2. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Ich wäre wahrscheinlich schon früher ausgestiegen.

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