Sonntag, 25. Januar 2015

Röder, Britta: Die Buchwanderer

"Bücher lesen
heißt wandern gehen in ferne
Welten, aus den Stuben über die Sterne".
(Jean Paul, 1763-1825)


Das obige Zitat habe ich mir von der Webseite der Autorin "ausgeliehen" (sorry Britta), aber ich finde es äußerst passend zur Rezension dieses Buches von Britta Röder.
Übrigens: Zu Britta Röders Webseite geht´s HIER

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn? "–


(Johann Wolfgang von Goethe)

William Shakespeare


"Du weißt, die Nacht verschleiert mein Gesicht,
Sonst färbte Mädchenröte meine Wangen
Um das, was du vorhin mich sagen hörtest.
Gern hielt' ich streng auf Sitte, möchte gern
Verleugnen, was ich sprach: doch weg mit Förmlichkeit!
Sag, liebst du mich? Ich weiß, du wirst's bejahn,
Und will dem Worte traun; doch wenn du schwörst,
So kannst du treulos werden; wie sie sagen,
Lacht Jupiter des Meineids der Verliebten.
O holder Romeo! Wenn du mich liebst:
Sag's ohne Falsch! Doch dächtest du, ich sei
Zu schnell besiegt, so will ich finster blicken,
Will widerspenstig sein und nein dir sagen,
So du dann werben willst: sonst nicht um alles.
Gewiss, mein Montague, ich bin zu herzlich;
Du könntest denken, ich sei leichten Sinns.
Doch glaube, Mann, ich werde treuer sein
Als sie, die fremd zu tun geschickter sind.
Auch ich, bekenn ich, hätte fremd getan,
Wär ich von dir, eh' ich's gewahrte, nicht
Belauscht in Liebesklagen. Drum vergib!
Schilt diese Hingebung nicht Flatterliebe,
Die so die stille Nacht verraten hat."
(Shakespeare, Romeo und Julia,
Julia im 2. Aufzug, 2. Szene)


Die Buchwanderer ist Reise durch drei große Werke der Weltliteratur und Liebesgeschichte zugleich. Zumindest letzteres trägt sicher dazu bei, es besonders für weibliche Leser interessant zu machen. Die Hauptakteure Ron, Magus, Charlotte und Rosalie sind liebevoll charakterisiert. Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als Ron zufällig eine unbekannte Schönheit trifft und sich Hals über Kopf verliebt. Er folgt ihr unauffällig in eine Bibliothek und findet  dort ein mysteriöses Buch. Es handelt sich um die weltberühmte Liebesgeschichte Romeo und Julia von Shakespeare. Fast scheint es, als habe es die schöne Unbekannte für ihn dort zurückgelassen. Ron vertieft sich in das Buch und findet sich unvermittelt mitten im Verona Shakkespeares wieder, ja, er wird selbst in die Geschichte rund um Romeo und Julia involviert.

Der wohl berühmteste Balkon in Verona.
Während eines Besuches in Verona durfte auch ich einmal auf ihm stehen...
(Foto: Internet)



Julia
Und das Wichtigste: Er sieht seine schöne Unbekannte wieder, nur ist sie hier eine Figur aus "ihrer" Zeit.  so weit, so gut. Mehr will ich vom Inhalt eigentlich auch nicht verraten. Nur so viel noch: Mit der Versetzung Rons (und später auch Charlottes) in das Verona Romeos und Julias beginnt eine phantastische und rätselhafte Odyssee durch die Historie, besser gesagt durch die Weltliteratur, denn die Schauplätze und die Protagonisten rund um die Hauptfiguren wechseln:
Hat die Reise in Verona begonnen, so setzt sie sich fort durch das Russland Puschkins, wo wir Eugen Onegin begegnen und wir werden mit den Protagonisten schließlich nach Spanien versetzt,  wo wir Cervante´s Don Quiote begegnen. 


Don Quijote
Diese Reise durch die Welt der Literatur ist vergnüglich und spannend zugleich: Bleiben doch bis zum überraschenden Ende die Zusammenhänge so rätselhaft wie die Rollen, die Rosaliea, Charlotte und vor allem Magus in dieser Geschichte innehaben.
Insgesamt: Eine tolle Idee für eine packende (Liebes-) Geschichte, von der Autorin spannend und einfühlsam umgesetzt.
Britta Röder nimmt uns mit auf eine kurzweilige Reise durch drei bedeutende Werke der Weltliteratur!








Britta Röder
Die Autorin:
Britta Röder ist fast schon eine "alte" Bekannte für mich, wenn ich sie auch noch nie persönlich kennenlernen durfte. Aber uns verbindet seit ein paar Jahren eine virtuelle Bekanntschaft. Diese rührt noch her aus den Tagen einer Community namens Buchgesichter.de, die vielen Lesern von Litterae Artesque noch bekannt sein dürfte. Und viele von denen, die sich damals auf dieser Seite tummelten, kennen Britta ebenfalls.
Da war es kein Wunder, dass ich neugierig wurde, als ich erfuhr, dass Britta Die Buchwanderer veröffentlicht hatte. Das ist ja nun auch schon einige Zeit her und ich muss gestehen, dass der Plan, das Buch hier zu rezensieren, schon länger besteht. Leider musste ich dieses Projekt aus unterschiedlichsten Gründen immer wieder verschieben. Mittlerweile hat Britta bereits ihr zweites Buch Zwischen den Atemzügen veröffentlicht. Wer nun also nach dieser Rezension neugierig geworden ist auf Brittas neuestes Buch, kann sich auf Brittas Webseite, die ich oben verlinkt habe, informieren. 

 
Brittas Steckbrief soll dieses Autorenportrait, das in seiner Kürze sicher nur eine Skizze darstellt, vervollständigen:
Britta ist Jahrgang 1967 und in Trier geboren, in Mainz aufgewachsen und hat an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und an der Université de Bourgogne in Dijon ein Magisterstudium in den Fächern Romanistik, Slawistik und Mittlere/Neue Geschichte absolviert.
Gute Voraussetzungen also für einen Roman, der uns durch die (Literatur-) Geschichte führt.
Britta Röder arbeitet bei einem großen Fachzeitschriftenverlag in Frankfurt/Main.
Sie lebt mit ihrer Familie in der südhessischen Büchnerstadt Riedstad.



Copyright: TinSoldier 2015


Röder, Britta

Die Buchwanderer
Roman, Broschur, 210 Seiten
ACABUS Verlag, Hamburg 2011
(auch als E-Book erhältlich!)
DNB






    


Kommentare:

  1. Ungefähr die Hälfte aller "bibliophilen" Bücher gefällt mir, die andere Hälfte nicht so sehr. Das ist irgendwie ein wenig Mode, Bücher über das Eigenleben von Büchern, Figuren und Bibliotheken zu schreiben. Meist war es zumindest amüsant. Diese hier könnte mich wegen des Klassikbezuges interessieren. Kurzweilige Rezension. Und: Buchgesichter muss man unterstützen.

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  2. Irgendwann mal werde auch ich dieses Buch lesen. Ich habe schon so viel Positives davon gehört... :)

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