Sonntag, 14. Februar 2016

Blog on Tour: Literaturfrühstück am Sonntagmorgen (Thomas Hesse und Renate Wirth)

Manchmal lohnt es sich richtig, auch die VHS-Programme zu durchforsten. Hierbei stieß ich unlängst auf folgende Ausschreibung:


Literaturfrühstück am Sonntagmorgen

Die literarische Matinee am Sonntagmorgen gehört seit vielen Semestern zum festen Bestandteil des VHS Programms. Auch in diesem Semester laden wir Sie wieder ein, während eines gemütlichen Frühstücks in einem ansprechenden Ambiente, Leben und Werk berühmter Frauen und Männer, die die Literatur geprägt haben, zu entdecken, sich aus ihren Büchern vorlesen zu lassen und sich dabei auch dem Menschen hinter den literarischen Werken zu nähern.


Da schaute ich natürlich näher hin, und gleich die erste Veranstalung traf genau meinen Nerv:



It‘s Crime Time –
The Best of Renate Wirth and Thomas Hesse


Renathe Wirt, Thomas Hesse (Quelle)
Ihr spezielles „Best of“ aus acht gemeinsamen und erfolgreichen Niederrhein-Kriminalromanen präsentieren Renate Wirth aus Xanten und Thomas Hesse aus Wesel. Natürlich ist auch ihr aktuelles Buch „Der Käfer“ dabei, das an bekannten niederrheinischen ‚Tatorten‘ mit hohem Wiedererkennungseffekt spielt. Spannende, unterhaltsame und atmosphärische Beispiele stammen z. B. aus „Die Füchse“, „Die Elster“, „Die Eule“ und „Die Wölfin“.
Besonders beliebt ist die Krimi-Werkstatt, ein Teil des Literaturfrühstücks, in dem Thomas Hesse und Renate Wirth u.a. Fragen nachgehen, wie man ein Buch schreibt und vor allem, wie ein Roman zu zweit entstehen kann. Darüber hinaus geben sie an diesem Morgen bereits einen Einblick in den Plot ihres neuen Krimis, der im Spätsommer 2016 erscheinen wird.


Als ich dann auch noch ein Bild der Lokalität sah, wo die Lesung stattfinden sollte, war ich vollends überzeugt.

Rasch zwei Plätze ergattert, und auf den Termin - 14.02.2016 - hingefiebert. Meine Freundin war begeistert, als ich ihr einen der Literaturfrühstücksplätze zu Weihnachten schenkte und freute sich auf den Termin genauso wie ich...






Da ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich vor dem Literaturfrühstück noch nichts von diesen Autoren gehört geschweige denn gelesen habe, hat es mich überrascht zu erfahren, wie viele Bücher das Duo bereits geschrieben hat. Die Reihe um Hauptkommissarin Karin Krafft begann im Jahr 2005. Der letzte bzw. neueste Teil der mittlerweile bereits acht Bücher stammt aus dem Jahr 2015. Im Herbst 2016 soll der neunte Band erscheinen. Hier einmal die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens:


Wie man unschwer erkennen kann, haben die Titel alle etwas mit Tieren zu tun. Fast alle. Bis auf das erste Buch. Da schwebte den Autoren zwar der Titel 'Die Schnecke' vor, doch lehnte der Emons Verlag dies vehement ab. Er wies darauf hin, dass eine vorwiegend weibliche Leserschaft sich durch einen solchen Titel nur schwerlich angsprochen fühlen würde. Auch bei 'Die Spinne' tat sich der Verlag sehr schwer mit dem Titel, bestand dann auch zumindest darauf, dass das Cover nicht einmal ein einzelnes haariges Spinnenbein zieren dürfe... Der Arbeitstitel des für Herbst geplanten neunten Buches lautet 'Das schwarze Schaf' und enthält nicht von ungefähr eine Reminiszenz an Hans Dieter Hüsch, wie uns die Autoren verraten haben.





Da dies mein erstes Literaturfrühstück war, war ich gespannt, wie dies ablaufen sollte. Geschirrklappern und Kaffeeschlürfen während einer Lesung? Aber nein, wie sich zeigte, war der Ablauf gut durchdacht. In der Zeit, wo das Buffet eröffnet wurde, konnten die Autoren ihren Lesetisch vorbereiten und noch Kleinigkeiten mit den Veranstaltern absprechen.


Gute Vorbereitung ist alles...



Jede Menge Bücher mit gefühlt tausend Post-Its an Stellen, die sich zum Vorlesen eignen...





...und die Dekoration wurde auch nicht vergessen - z.B. ein Glas mit Knochen, die das Autoren-Duo bei Spaziergängen am Rhein fand...





Und dann wurden die Teller abgeräumt, und es konnte endlich losgehen mit der Lesung. Eine Stunde lang lasen Thomas Hesse und Renate Wirth Stellen aus verschiedenen ihrer Bücher vor, die einen guten Eindruck davon vermittelten, dass es den beiden nicht nur um Spannung geht, sondern dass in den Werken auch der Humor nicht zu kurz kommt. Wie gebannt lauschten die etwa 30 Gäste den beiden Autoren...

Wie die beiden erklärten, kommt es ihnen in ihren Krimis weniger auf technische Details wie DNA-Abgleichungen o.ä. an. Ihnen ist es viel eher wichtig, die Atmosphäre sowie die Charaktere so auszukleiden, dass sie stimmig sind. Auch die Namensgebung gehört dazu. Hesse und Wirth legen Wert darauf, dass die Charaktere Namen erhalten, die sich zum einen am Niederrhein wiederfinden, bei denen man zum anderen aber auch sofort ein Bild vor Augen hat. Dies führt allerdings teilweise zu ungeahnten Auswüchsen. Thomas Hesse, der hauptberuflich RP-Redakteur aus Wesel ist, erzählte von einer Begebenheit, wo ihn ein ihm unbekannter Mann in der Redaktion aufsuchte und darum bat, sich ausweisen zu dürfen. Als Hesse dies irritiert gestatte, schob der Mann seinen Personalausweis mit der Bemerkung über den Tisch: 'Gestatten, ich bin die Leiche!'


Nach einer kurzen Pause plauderten die Autoren dann noch aus dem Nähkästchen. Wie es beispielsweise dazu kam, dass sie, die beide nicht ursprünglich vom Niederrhein stammen, nun gemeinsam Regionalkrimis schreiben. 'Regionalkrimis sind die neuen Heimatromane', so Hesse, und wie sich zeigt, gibt es hierfür eine wachsende Fangemeinde. Dabei legen die beiden Autoren viel Wert darauf, die für einen Krimi gewählten Ortschaften so genau wie möglich zu schildern - denn meistens gibt es diese genau so in der Realität. Vorab ist also eine genaue Recherche der Örtlichkeiten erforderlich. Es gebe sogar Leser, so Wirth, die eine Art Buchtourismus durchführen - sie fahren die im Krimi erwähnten Plätze ab, um sich ein noch besseres Bild machen zu können, spekulieren manchmal aber auch, wenn nicht ganz klar benannt ist, wo z.B. ein bestimmtes Haus steht. Allerdings gab das Autoren-Duo auch unumwunden zu, manchmal auch der Fantasie freien Lauf zu lassen. So bereitete es ihnen keine Mühe, ein Krankenhaus an einem eigentlich unbebauten Platz zu errichten oder einen ganzen Ortsteil zu erfinden und zu gestalten - einschließlich detaillert gezeichneter Baupläne, wie sie uns heute vor Augen führten.

An Ideen scheint es den beiden nicht zu mangeln. Bei regelmäßigen gemeinsamen Café-Besuchen lassen sie sich durch das Beobachten der anderen Gäste hinsichtlich der Auskleidung der Charaktere inspirieren, und kuriose Nachrichten und Zeitungsmeldungen beflügeln ihre Fantasie. Aus der Meldung, dass an der Grenze zu Holland ein vor zig Jahren vergrabener VW-Käfer entdeckt und ausgebuddelt worden sei, entstand beispielsweise der bis heute letzte Krimi der beiden: 'Der Käfer'. Nicht immer sind sich die beiden einig, welche der kreativen Ideen sie beim Schreiben verwirklichen wollen, manchmal gibt es auch ein paar Tage Sendepause, wenn es zu größeren Unstimmigkeiten kommt. Letztlich aber raufen Wirth und Hesse sich immer wieder zusammen, und die wachsende Zahl der Anhänger zeigt, dass es sich lohnt. Der Roman entsteht beim Schreiben, so das Bekenntnis des Duos. Oftmals entwickle die Geschichte ein Eigenleben, und manchmal seien die Autoren selbst überrascht, wer am Ende der Täter sei...


Fans der Autoren beglücken diese immer wieder mit zu den Büchern passenden Devotionalien. Auf dem Foto beispielsweise ist eines der Bilder zu erkennen, das eine Malerin passend zu einem der Buchtitel malte - zu den beinahe jährlich erscheinenden Krimis gibt es nun schon eine ganze Reihe von diesen Bildern.

Zu den Auflagezahlen befragt, hielten sich die Autoren bedeckt, äußerten jedoch schmunzelnd, dass der Verlag sowie sie selbst sehr zufrieden seien. Auch die Ausgaben ihrer älteren Krimis seien nach wie vor erhältlich und nicht vom Verlag eingestellt worden.







In der Pause sowie im Anschluss an die Lesung konnte das Publikum sich von der Vollständigkeit der Buchreihe überzeugen und in den Werken blättern. Natürlich konnten diese auch käuflich erworben werden...









...und nicht wenige machten von der Möglichkeit Gebrauch. Widmungen oder Autogramme waren da natürlich inbegriffen...











Muss ich noch extra erwähnen, dass sich heute auch mein Buchbestand erhöht hat? Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, Hauptkommissarin Karin Krafft in dem zweiten bzw. siebten Band der Reihe kennenzulernen. Bei Gelegenheit werde ich davon zu berichten wissen...

Für mich war das in jedem Fall heute eine neue Erfahrung, die mir außerordentlich gut gefallen hat, und gerne lasse ich mich wieder einmal einladen zu einem Literaturfrühstück. Mal sehen, welcher Autor dann zu Gast sein wird...

Kommentare:

  1. Anne, nun weißt du, warum ich des Goldammer's Bücher mag. Regional halt.

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    1. Noch habe ich sie ja nicht gelesen - erst dann kann ich sagen, ob die neue Art der 'Heimatromane' mir auch gefällt... :)

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  2. Das hat schon was, so ein Literaturfrühstück. Und gemeinsam macht es sicher noch mehr Spaß. Allerdings kann ich mit, der ich bisher äußerst selten Lesungen erlebte, mir nicht so richtig vorstellen, wie es ist, wenn aus mehreren Büchern gelesen wird. Kommt man da nicht durcheinander?

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    1. Nein, sie lesen ja immer nur einen kleinen Ausschnitt vor. So bekommt man einen Eindruck von den Charakteren und dem Schreibstil und wird neugierig auf die Geschichten selbst. Das ist schon ganz okay so...

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  3. Interessante Zusammenstellung.
    Eine Spinne und ein Fuchs ;-)
    Spannung garantiert !

    Interessantes Frühstück, dass man sich gern schmecken läßt.
    Vielleicht bietet sich nochmals die Gelegenheit.

    Icke

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