Sonntag, 10. Mai 2015

Babendererde, Antje: Lakota Moon




Manchmal fällt einem einfach so ein Buch in die Hände. Eigentlich befand ich mich auf der Suche nach einem Geschenk für die Jugendweihe eines 14jährigen Mädchens. Etwas ratlos stöberte ich durch die Buchhandlung meines Vertrauens, da sah ich dieses Buch. Vermutlich hätte ich es gar nicht mitgenommen, aber auf dem Buchrücken stand, dass es in der Pine Ridge Reservation spielt. Das ist ja schon mal Empfehlung genug und führt dazu, dass ich Antje Babendererde zukünftig empfehlen kann, denn das Jugendbuch ist schon mal ein sehr schönes.

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Um was geht es?
Also, als ich fünfzehn war, las ich mich rund um den Globus, könnte man sagen, und wenn mich einer nach South Dakota hätte verschleppen können, dann wäre ich äußerst neugierig mitgeflogen. Anders Oliver, die Hauptperson des Jugendromans Lakota Moon. Der muss mit seiner Mutter dahin, sie hat nicht nur beruflich einen Lakota kennen gelernt, mit dem will sie nun zusammenleben. Doch Olli hat seine Nina, da im Thüringischen.

Welch Glück, zumindest im noch unfertigen Haus seines, sagen wir zukünftigen Stiefvaters Rodney Bad Hand, sieht es nicht so aus, wie es Reservationsbeschreibungen auch heute noch vielfach darstellen. Der hat elektrisches Licht, Heizung, TV, Bad und Dusche. Aber immer noch, das lernt auch Oliver kennen, gibt es dem Alkohol verfallene Reservationsangehörige, die von der Wohlfahrt leben. Wie sich Oli einlebt, die riesige Familie kennenlernt und Freunde findet, dass ist im Kontext der realen Gegebenheiten auf der Reservation eingebettet und durchaus spannend zu lesen. 

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Quelle
Antje Babendererde, Jahrgang 1963 wie ich, ist seit 1996 freiberufliche Autorin mit „einem besonderen Interesse an der Kultur, Geschichte und heutigen Situation der Indianer. Ihre einfühlsamen Romane zu diesem Thema für Erwachsene wie Jugendliche fußen auf intensiven Recherchen und USA-Reisen und werden von der Kritik hoch gelobt.“ (Arena – Verlag)
Ihrer Webseite ist zu entnehmen, dass die Thüringerin ihre erste Reise in die USA im Jahr 1994 unternahm.

Daher stammen die „Bilder“, welche sie in ihre Leser zu pflanzen versucht, Bilder die auch in anderen Büchern über Indianer zu finden sind, benennen möchte ich hier die Pentalogie Blut des Adlers von LiselotteWelskopf-Henrich oder auch in Häuptling Dull Knife – Die Geschichte einer Indianerfamilie von Jo Starita. Auch in diesen Büchern geht es um das Leben auf der genannten Reservation. Die Geschichte, die Antje Babendererde hier erzählt ist natürlich etwas „moderner“.

Das Erstaunen des Helden über die riesigen Familienfeiern, hier anlässlich der Hochzeit seiner Mutter ist ein sehr einfühlsam beschriebenes Bild, der Fünfzehnjährige entdeckt am nächsten Morgen, dass in seinem Zimmer nicht nur Tammy, Boo und Jaron nächtigen, sondern noch mehr Leute, die er kaum kennt. Eine besonders berührende Geschichte ist die des geistig behinderten bereits 21jährigen Boo, dessen Mutter in der Schwangerschaft weiter trank. Die Indianer der Prärie erweisen gegenüber den Geisteskranken und den wie Boo auf einer kindlichen Entwicklungsebene Zurückgebliebenen hohe Achtung. Die Liebe, die Boos Schwester Tammy ihrem adoptierten Bruder erweist, dessen Anhänglichkeit an den weisen Großvater Joe und an Oliver, aber auch das Unverständnis anderer Jugendlicher gegenüber dem Behinderten zeigen dem Leser, insbesondere dem jugendlichen ein wichtiges Feld auf, welches vielleicht sogar besonders wegen der Reservationsumgebung wirkt.

Die weiche Art des langen schlacksigen Oliver und seine geringe Verteidigungsfähigkeit gefallen mir weniger. Andererseits ist es eine schöne Idee der Autorin, eben nicht den großen lauten, sondern den leisen, hilfsbereiten Helden mit kleinen „Macken“ in das zentrale Geschehen zu stellen.
Seltsam fand ich, dass die indianischen Namen der handelnden Personen keine Rolle spielten, an anderen Stellen werden Lakota – Begriffe dich auch verwendet.

Vielleicht ist das Buch einwenig kurz geraten. Bestimmte Dinge wie Religion, das Powwow hätten eine eingehendere Beschreibung verdient. Der anfangs "verhasste" neue Stiefbruder hat mit jungen Jahren bereits den Sonnentanz hinter sich, die Behauptung, dass er sich nun hintereinander dreimal hintereinander dem Prozedere stellen muss, erscheint mir weniger glaubhaft. Dass sich "Cousine" Tammy und Oli in kurzer Zeit so nahe kommen ist für die Geschichte sicherlich fördernd, geht aber für die aufeinanderprallenden Kulturen etwas zu schnell. Olis Mutter beschäftigte sich ja wenigstens seit ihrer Kindheit mit der Kultur der Indianer, der Sohn hielt das bisher allerdings für eine verschrobene Macke.

Es ist aber ein gutes Buch, eins für Erwachsene und Jugendliche, und sicherlich nicht das letzte, welches ich von der Autorin in die Hände nehmen werde.

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Man müsste solche Bücher bebildern. Schließlich war die Autorin selbst vor Ort und hat sicherlich Unmengen von Fotos.  Das hier stammt von der Webseite der Autorin.

Wer sich einen Eindruck von der Gegend machen möchte, kann sich ja mal auf dieser Seite umsehen oder aber auf dieser, von Antje Babendererde empfohlenen Webseite.



DNB / Arena Verlag / Würzburg 2015 (Sonderauflage) / ISBN: 978-3-401-50725-5 / 279 S.
► Antje Babendererde in der DNB
Webseite von Antje Babendererde
► zur Seite Indianerliteratur



© KaratekaDD

Kommentare:

  1. Das klingt in der Tat nach einem interessanten Buch. Gefällt mir, dass Du solche Jugendbücher auch liest...

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    1. Ich hab auch eine nette Antwort der Autorin erhalten, der ich von dieser Rezension geschrieben habe.

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  2. Antje Babendererde hat mir die folgende Mail gesendet, auch der Verlag soll sich positiv geäußert haben:

    Lieber Uwe Rennicke,

    haben Sie Dank für den Hinweis auf diese sehr schöne Rezension. Ich hoffe, ich finde bald Zeit, mal wieder etwas für meine Webseite zu tun ...

    Schön, dass "Lakota Moon" durch die Arena Sonderausgabe wieder etwas Beachtung findet :-)

    Zurzeit schreibe ich an meinem zweiten Thüringen-Jugendbuch, aber inzwischen merke ich, dass ich auch wieder bereit bin, mich an das Indianerthema zu setzen. Pine Ridge und die Lakota hatten mich bei den Recherchen zu "Julischatten" zu sehr deprimiert - aber ich reise auch weiterhin ins Reservat und es gibt auch wieder positive Geschichten ...

    Also, herzlichen Dank und liebe Grüße aus Thüringen nach Neustrelitz
    von Antje Babendererde


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