Sonntag, 22. Februar 2015

Yousafzai, Malala: Ich bin Malala


Am 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Wie durch ein Wunder kommt Malala mit dem Leben davon.
Als im Herbst 2013 ihr Buch "Ich bin Malala" erscheint, ist die Resonanz enorm: Weltweit wird über ihr Schicksal berichtet. Im Juli 2013 hält sie eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen. Barack Obama empfängt sie im Weißen Haus, und im Dezember erhält sie den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, verliehen vom Europäischen Parlament. Malala Yousafzai lebt heute mit ihrer Familie in England, wo sie wieder zur Schule geht. 2014 erhält sie den Friedensnobelpreis.










  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (8. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzer: Sabine Längsfeld, Margarete Längsfeld, Elisabeth Liebl
  • ISBN-10: 3426276291
  • ISBN-13: 978-342627629









 RECHT AUF BILDUNG...


Malala mit Friedensnobelpreis geehrt...

Das überlebte Attentat ist es, das Malala weltbekannt machte. Auch ohne dieses Buch gelesen zu haben, wusste ich, dass dieses junge Mädchen sich den Taliban entgegengestellt hatte und weiter zur Schule ging, obwohl dies nur Jungen gestattet war. Doch erst die Lektüre des Buches ließ mich die Zusammenhänge erkennen und die Zustände Pakistans, wie sie Malala in ihrer Kindheit erlebt hat.


Meine Träume können sie nicht erschießen. Meine Überzeugungen können sie nicht töten.



Kein Mensch wird als Widerstandskämpfer geboren. Doch der Wunsch nach Lernen und Begreifen ist dem Menschen immanent. Malala hatte das Glück, einen sehr engagierten Vater zu haben. Einen Vater, der selbst eine Schule leitete, eine Mädchenschule. Und der sich selbst stets dafür einsetzte, dass wie alle Mädchen auch seine Tochter in den Genuss von Bildung kam.


Ich habe das große Glück, Tochter eines Vaters zu sein, der meine Freiheit im Denken und Reden respektiert und mich an seiner Friedensinitiative teilhaben ließ, und einer Mutter, die nicht nur mich, sondern auch meinen Vater in unserer Kampagne für Frieden und Bildung unterstützte.


Bereits im Alter von zehn Jahren begann das engagierte Mädchen damit, sich für das Recht auf Bildung einzusetzen. Seit Januar 2009, als sie elf Jahre alt war, berichtete Malala auf einer Webseite der BBC in einem Blog-Tagebuch unter dem Pseudonym Gul Makai über Gewalttaten der pakistanischen Taliban im Swat-Tal.
Ihr Blog wurde schnell in Pakistan bekannt und schließlich ins Englische übersetzt. Im Jahr 2011 wurde ihr Pseudonym aufgedeckt, als sie für den Internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert wurde. Sie bekam den Preis damals nicht, worauf die Regierung Pakistans einen jährlichen Nationalen Friedenspreis der Jugend stiftete, der ihr verliehen und im Dezember 2011 nach ihr benannt wurde.


Ein Kind, ein Lehrer, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern...


Malala schildert in einfacher aber deutlicher Sprache ihr Leben im Swat-Tal und die Einschränkungen, die sie und andere durch die Taliban erfuhren. Ihre Gedanken dazu, ihre Gefühle, ihre Entscheidungen, ihre Erkenntnisse, ihre Entwicklung.
Was hierzulande selbstverständlich scheint, ist an anderen Orten der Welt  beschnitten und muss hart erkämpft werden, oftmals in einem aussichtslos scheinenden Kampf. Dies ist es, was das Buch deutlich macht. Aber auch die Botschaft: der Kampf um Bildung ist notwendig und lohnenswert.


Lasst uns zu unseren Büchern und Stiften greifen. Das sind unsere mächtigsten Waffen.


Das Leben vor dem Attentat nimmt einen Großteil des Buches ein. Aber auch die Geschehnisse danach werden geschildert, in einem Anhang spezifische Begriffe erläutert, die Geschichte Pakistans aufgezeigt, und es findet sich die Rede vor den Vereinten Nationen 2013 abgedruckt.
Insgesamt ein stimmiges Konzept, das mich denken lässt, dass sich vor allem auch Schülerinnen und Schüler weltweit mit dem Buch befassen sollten, damit das Recht auf Bildung immer mehr in seiner großen Bedeutung für alle Menschen erkannt und anerkannt wird.

In Pakistan gilt Malala seit dem Erscheinen ihres Buches als 'Verräterin', als Teil einer ausländischen Verschwörung gegen das Land. Ob sie je in ihre Heimat zurückkehren können wird, erscheint in diesem Zusammenhang mehr als fraglich...


Das Sprichwort 'Der Stift ist mächtiger als das Schwert' hat recht. Die Extremisten hatten und haben Angst vor Büchern und Stiften. Sie fürchten sich vor der Macht der Bildung.


Malala jedenfalls möchte nicht als das Mädchen in Erinnerung bleiben, dem die Taliban in den Kopf geschossen haben, sondern als das Mädchen, das für das Recht auf Bildung kämpft. Wer dieses Buch gelesen hat, der wird sie so sehen.


© Parden







Kommentare:

  1. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich über diese Geschichte stolperte. Seitdem habe ich vor, das Buch der jungen Frau einmal zu lesen, an der sich tausende deutsche und auch eine Menge Migrantenkinder, die hier lernen dürfen, eine Scheibe abschneiden sollten, denn in vielen Ländern der Welt kommt man viel schwieriger zu notwendigem Wissen.
    Eine Verbreitung dieses Buches hätte also nicht nur eine Fortsetzung dieses Appells für Frieden und Bildung zur Folge, sondern hoffentlich auch ein Nachdenken über vergebene Chancen in einer freien Welt.

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  2. Was für eine tolle Rezension. Ich hab schon länger überlegt, ob ich das Buch auch lesen sollte. An sich hatte ich schon großes Interesse, aber es hat mich ein bisschen abgeschreckt dass Malala immer nur als das Mädchen das knapp dem Tod entgangen ist hingestellt wurde und nicht ihre eigene Geschichte sondern nur diese Tat im Rampenlicht stand, um die Aufmerksamkeit auf das Buch zu lenken. Das finde ich immer sehr schade, aber nach deiner Rezension weiß ich nun, dass der FOkus auch auf ihrem Leben und ihrern Taten liegt und werde das Buch auf jeden Fall lesen :) Vielen Dank!

    Liebste Grüße, Krissy
    www.tausendbuecher.blogspot.de

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    1. Oh, leider entdecke ich den Kommentar jetzt erst - vielen Dank dafür, Kristin. Ich hoffe, dass Dir das Buch auch gefallen wird!

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  3. Nun habe ich das Hörbuch fast durch. fast. Es fehlen nur noch wenige Seiten. Berührend, informativ, Hoffnung gebend. Es weckt die Hoffnung, dass auch in Ländern, die nach unseren, nicht imer maßgeblichen, Ansichten vieles möglich ist, wenn Menschen sich engagieren.

    Es ist nicht das Attentat, welches im Vordergrund steht und doch verblüffen die Begleitumstände ihrer Rettung. Welch Glück, dass die englischen Kinderärzte gerade in Pakistan waren, aber dem Militärarzt, der die Erstversorgung, die erste OP unternahm, ist ihr Überleben zu verdanken. Das ist wichtig für Pakistan, wenn auch die Regierung vielleicht nur Prestige aus dem Mädchen schlagen wollte. Doch nicht nur: Die Diktatur der Taliban braucht keiner, auch kein islamischer Staat wie Pakistan.

    Ich habe mich sehr gefreut, die CD in einem kleinen Päckchen im Dezember gefunden zu haben. Vielen lieben Dank, Anne.

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    1. Es freut mich wirklich, dass Dir das Hörbuch (!) nun auch so zusagt, Uwe. Ja, ein beeindruckendes Buch einer beeindruckenden Person. Solche Bücher wären in der Tat geeignet, sie gemeinsam zu lesen.

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  4. Da du mit den Zitaten die wichtigsten Aussagen bereits herausgepickt hast, darf ich nun auf eine eigene Rezension verzichten. Es ist nämlich alles gesagt.

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