Donnerstag, 12. Februar 2015

Donna Leon: Zwei Hörbücher



Vier Frauen, zwei Hörbücher und ich.

Zuerst einmal Hörbücher und ich. Dieses Verhältnis will sich nicht so richtig klären. Hier und jetzt soll es gleich mal um zwei Hörbücher gehen. Von einer Autorin, die VENEDIG zu ihrer Heimat gemacht hat.

Darum fang ich mal mit dem einem Hörbuch an, welches da MEIN VENEDIG heißt. Übrigens angenehm kurz. So kurz, dass eine mittellange Autofahrt ausreichte, um das ganze Werk zu hören, denn es dauert nur eine Stunde und siebzehn Minuten. Das ist so kurz, dass ich schon dachte, beim herunterladen der Datei wäre ein Fehler passiert. Dem war aber nicht so.


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Hannelore Hoger liest also MEIN VENEDIG und es ist, also ob da die Autorin selber liest. Okay, man müsste Donna Leon kennen, aber vielleicht kommt es ja daher, dass beide Damen im selben Jahr, nämlich 1942 geboren sind.

Warum aber zieht man nach Venedig? Gleich zu Beginn geht es natürlich um ein Verkehrsmittel in Venedig. Genauer gesagt geht es um eines, welches gar nicht vorhanden ist. Ein Auto. Dieses Fehlen mache Venedig zu „einer Provinzstadt mit siebzigtausend Seelen“, in der man sich noch begegnet und sich mehr unterhält. Man „laufe seinen Informationen förmlich entgegen“. Die „tägliche Grenze des physischen Seins“ erlebt der Einwohner auch, weil er seine Einkäufe ja nach Hause tragen muss. Außerdem muss er daher öfter einkaufen gehen, was ihn wieder anderen Menschen zu treibt. Aber: Das älter werden würde einem auch dadurch bewusst, wenn die Vaporetti überfüllt sind. Anders als halt im Internet, in dem man sich mit wildfremden Menschen „unterhält“, die man nie im Leben zu Gesicht bekommt oder anfasst.

[Jetzt muss ich gerade überlegen: Für wen schreibt der Blogger KaratekaDD eigentlich diesen Text? 
Es gibt zwei Arten von Internetfreunden: Da sind zum einen die, welche man außerhalb des WWW kennen gelernt hat und die einem, so sie „halbwegs“ sympathisch sind, ihre Verbindungsdaten überließen. Zum anderen sind da die, welche man durch das Internet kennen lernte. So nach und nach lernt KaratekaDD dann doch diese oder jenen kennen, zumindest. Übrigens gibt es da bei einigen Menschen durchaus noch Nachholbedarf.]     


http://de.wikipedia.org/wiki/Venedig#mediaviewer/File:San_Marco-00.jpg
Quelle: wiki
Der Leser, die Leserin  erfährt weiter dass Turm und Uhr von San Marco am  01.02.1499 eingeweiht wurden. Auch heute wohnt der Custode des Turms im Sommer im Turm. Gleich wird man neugierig und möchte baldmöglichst diese Stadt besuchen.

Donna Leon erzählt kurzweilig von Venedig und seinen Einwohnern. Dabei regt sie sich schon mal über die Art und Weise der Müllentsorgung auf, denn die Kanäle werden dann schon mal zur Tonne.

„Venezianische Müllabfuhr.
'Spocatione' rief ich aus dem Fenster und das Wort war schon heraus, bis ich darüber nachdenken konnte. Der Mann, der da drei Stockwerke unter mir stand, erstarrte mit seiner Abfalltüte in der Hand, die er gerade an die Mauer des Hauses am anderen Kanalufer hatte stellen wollen, unter das Schild, das die Ablagerung von Müll verbot.
Die normale Reaktion eines Menschen, den man anschreit, er sei ein Schweineigel, wäre es doch auf zuschauen und sich zur Wehr zu setzen, aber das fällt wohl nicht so leicht, wenn man gerade eine Tüte Abfall in der Hand hat. Der Mann blickte statt dessen nach unten um seinen Blick zu verbergen, warf die Tüte ruhig in den Kanal, drehte sich um und ging. Ich weiß nicht, wer er wahr, obwohl es sich zweifellos um einen meiner venezianischen Nachbarn handelte. Ich würde ihn nicht wieder erkennen und das ist wahrscheinlich gut so, denn der Zorn würde mich zwingen, meine Bemerkung zu wiederholen. Selbst Angesichts meines jetzt schon dreißig Jahre währenden Liebesverhältnisses zu den Italienern, fällt es mir schwer, bei ihnen etwas auszumachen, was man nur annähernd als Bürgersinn bezeichnen könnte....“[1]   - Sodann kommt Donna Leon zwangsläufig zur müllmäßigen Beschreibung Venedigs. Tja...

Oder der Erwerb einer Wohnung. Für ein solches Marthyrium wären wir hier wohl weniger bereit, da muss man schon eine besondere Beziehung zu Venedig haben. Über den TATORT CASINO schreibt sie auch, wobei wir erfahren, als sie in das Casino in Venedig kam, war sie gerade erst aus dem Iran geflohen, wo sie bis 1979 arbeitete.

Nun weiß man, dass ihre Beobachtungsgabe nicht von ungefähr kommt, zum Tragen kommt sie ja auch in den Büchern mit ihrer bekanntesten Romanfigur, dem Guido Brunetti. In der Autoren-beschreibung einer großen Bücherkette war zu lesen, dass Donna Leon ihre Bücher nicht in Italien vertreibt, da sie ob ihrer Kritiken keine Unruhe stiften wolle. Nun ja, nach dem Genuss dieses Hörbuches bekommen wir eine Ahnung warum.[2] 

Das war mal ein einfaches Hörbuch, womit ich mit einfach natürlich meine, dass ich tatsächlich jeden Satz gehört habe, den Hannelore Hoger gesprochen hat.


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Das kann ich von dem anderen Buch, welches ich herunter lud, nun leider nicht behaupten. HIMMLISCHE JUWELEN heißt es, und der Grund für das herunterladen ist einerseits der historisch-kriminale Inhalt der Geschichte sehr musischer Art und, das vor allem, Annett Renneberg. Kenner sehen ja sofort den Zusammenhang zu Donna Leon, denn die Schauspielerin, welche auch hervorragend singen kann, spielt die Signorina Elettra in, na was wohl, in der Questura, in welcher oben genannter Dottore Guido Brunetti gegen das Verbrechen wirkt.



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Quelle: Diogenes / Leon
Um was geht es? Der Musikwissenschaftlerin Caterina Pellegrini wird in ihrer Heimatstadt Venedig ein Job angeboten. Es geht um nichts Geringeres als eine Erbschaft, von der sich zwei windige Gestalten, zwei Cousins, den großen Reibach erwarten. Caterina soll sich auf die Spuren des barocken Komponisten Augostino Steffani (1654 – 1728) begeben, welcher eine durch deutsche Fürsten protegierten Karriere aufweist. Außerdem war er Titularbischoff und apostolischer Vikar, der für die Rekatholisierung einiger deutscher Fürstentümer nach der Reformation arbeitete, bis er einem Schlaganfall erlag. Ob er nun auch Kastrat war, also ein Sänger, welcher in der Kindheit zwecks Erhaltung des Knabensoprans seiner Zeugungsfähigkeit beraubt wurde, ist dann eher fraglich. In Wikipedia findet man unter Augostino Steffani nichts darüber und dieser Artikel in DER ZEIT geht auch sehr kritisch mit der Geschichte um, die Donna Leon uns hier vorlegte.

Nichts desto Trotz, Caterina untersucht zwei Truhen mit Dokumenten, beobachtet von einer Mitarbeiterin und Rechtsanwalt  Moretti, dessen Rolle doch ziemlich undurchsichtig erscheint.
Der Fall des Augostino Steffani wird außerdem im Krimi mit einem Mordfall verknüpft: Der sogenannten Königsmarck – Affaire. Was wird Caterina Pellegrini am Ende finden?


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Quelle: Diogenes / Leon
Donna Leon, so kann man nachlesen, liebt die Barockmusik und so hat sie sich vielleicht selber in ihrer Romanfigur gesehen, dies behauptet zumindest Volker Hagedorn im bereits genannten Zeit-Artikel. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie gemeinsam mit der italienischen Mezzosopranistin Cecilia Baroli ein gemeinsames Projekt startete. Die Bartoli singt Steffani – Werke im Hörbuch, dies ist schon mal eine schöne Idee, um einen der Allgemeinheit weniger bekannten Komponisten in Erinnerung zu rufen. Im Diogenes Verlag ist das Buch HIMMLISCHE JUWELEN mit der CD MISSION erschienen.


„Die CD zum Buch, das Buch zur CD – in einer wunderschönen Deluxe-Ausgabe. Zwei Weltstars auf musikalischer und literarischer Spurensuche. Die neue CD Mission von Cecilia Bartoli und der spannende Kriminalroman Himmlische Juwelen von Donna Leon, der in humorvoller Mischung von Fakten und Fiktion, Historie und Gegenwart den Rätseln im Leben des Komponisten nachspürt. Mit vielen Fotos und Hintergrundinformationen.“[3]

Das hört sich nach etwas Besonderem an. Da haben sich zwei Primadonnen gefunden, wie die Zeit in diesem Beitrag schreibt:

„Die Primadonnen verbindet eine Schwäche: die Leidenschaft für die Barockoper. Als die Mezzosopranistin sich Händels Musik zuwendet, muss es geschehen sein. Händel ist der Hausgott Donna Leons, die Termine ihrer Lesereise drapiert sie rund um Premieren von Werken ihres Idols. Wege kreuzen sich, Sympathien wachsen. "Wenn Cecilia Bartoli einen überwältigenden Eindruck vermittelt, dann den Eindruck von Intelligenz, musikalischer Intelligenz, verfeinert, konzentriert und fokussiert auf eine Kunst, für die sie höchsten Respekt empfindet und zu deren größten Zierden sie selbst gehört", notiert Leon nach ersten Gesprächen über die geteilte Passion.“[4]


Übrigens erklärt Cecilia Bartoli auf der Webseite als Vorgeschichte, dass sie Donna Leon, mit der sie schon lange befreundet ist, auf das Thema gebracht hat. Zwei Primadonnen eben und eine heißt auch noch so.

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Nicht etwas, dass ich nun einen historisch vollkommen stimmigen Musikkrimi gehört hätte. Aber den wollte Donna Leon wohl auch nicht schreiben. Und so verband sie Reales mit Fiktivem und stellte dabei ihrer Leserschaft eben einen Komponisten des Barock vor, der weit vor dem allen Leuten bekannten Mozart zum Beispiel, große Musik schrieb und außerdem auch in der nichtmusischen Welt des 15. und 16. Jahrhunderts eine Rolle spielte.

Warum aber kam ich nicht so richtig ran? Ich kann es selber nicht wirklich erklären. Irgendwie schweiften meine Gedanken immer ab, ständig musste ich überlegen: was war als Letztes dran? Wie war das jetzt mit der Gräfin von Königsmarck und wie kommen die plötzlich auf Preußens Königin? Mit den Recherchen der Caterina in Venedig, ihrer Heimatstadt, in der auch die Autorin des Buches seit Jahren lebt, kam ich schon viel eher zurecht, auch geschieht Spannendes. Typische Nebenhandlung die Beziehung zwischen Caterina und ihrer Schwester Tina, welche als Nonne und Professorin für Geschichte an den Recherchen mitwirkt, deren Ergebnisse auch mal wegen der Überwachung verschlüsselt werden müssen. Also alles in allem eine sehr interessante Geschichte – nur hat sie als Hörbuch mich (wieder einmal) nicht erreicht. Allerdings mag ich der Annett Renneberg dafür nicht die Schuld in die Schuhe schieben – ihre Stimme passte hervorragend zu der jungen Musikwissenschaftlerin.

Aber das soll ja nun nicht das Buch schlecht machen, denn das, und zwar diese Prachtausgabe, werde ich meinem Bücherschrank einverleiben. Die CD werde ich demnächst in den Player schieben und mich mit dem Buch auf die Couch legen. Dazu (ausnahmsweise) eine Flasche italienischen Roten. Danach schreib ich dann noch eine neue Rezension.


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Vier Frauen, zwei Hörbücher und eine CD. Die Verbindungen hier faszinieren. Da wären einmal Hannelore Hoger und Donna Leon, gleichaltrig und schon lange verbunden, denn die Hoger liest auch auch die Brunetti -  Bücher in der Hörversion, womit Anett Renneberg in die Szene tritt, denn die Schauspielerin, welche auch hervorragend singt, spielt dort die Signorina Elettra. Als Sängerin passt sie natürlich als Sprecherin schon mal für das musikalische Thema von Himmliche Juwelen, den investigativen Part beherrscht die Filmkriminalistin (Stolberg) natürlich auch. Hinzu tritt hier nun Cecilia Bartoli, welche als Kennerin und Interpretin der Musik von Händel im 16. Jahrhundert zu Hause ist und somit den Augusto Steffani unmittelbar an den Leser bringt. (Er wäre sonst für viele auch nur eine Romanfigur.) [5]


► MEIN VENEDIG / Zürich 2005 / ISBN: 978-3-257-80002-9 / DNB
► HIMMLISCHE JUWELEN / Zürich 2012 / ISBN:  978-3-257-80327-3 / DNB
► HIMMLISCHE JUWELEN & CD MISSION / Universal Vertrieb 2012 / ISBN: 978-3-829124799

© KaratekaDD [6]





[1] Habe ich mir gerade von Hannelore Hoger diktieren lassen.
[2] Www.thalia.de - Autorenportrait
[3] http://www.donna-leon.com/donnaleon/missionjuwelen.php
[4] http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-09/cecilia-bartoli-donna-leon-agostino-steffani-barock
[5] Ich muss mich mal an die Brunetti-Bücher dran setzten. Bei denen, die auch verfilmt wurden, kann ich dann von Annett Renneberg schwärmen
[6] In Venedig war ich noch nicht. Aber Marco Polo kenne ich natürlich. Und diverse andere historische Romane. Wie diesen hier z.B.


Kommentare:

  1. Der Zukunftsplan klingt gut... :) Buch, Musik, Couch und Rotwein - das könnte mir auch gefallen... ;)

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    1. Jetzt ist das Buch da. Bei Weltbild bekam ich nach Wochen die Mitteilung, es wäre absolut vergriffen. Bei amazon hab ich des dann nicht gerade billig erworben. Wenn man aber bedenkt, dass das Buch im Schuber steckt, selbst hochwertig verarbeitet ist und die CD dazu gehört, dann ist es in Ordnung.

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