Donnerstag, 23. Mai 2013

Korte, Lea: Die Maurin

Die letzten Mauren in Granada
Meine Rezension zu Lea Kortes Roman
DIE MAURIN
(veröffentlicht unter buchgesichter.de am 22.05.2010)


Zahra as - Sulami, das zu Beginn des Romans dreizehnjährige Mädchen, Tochter einer angesehenen maurischen Familie ist die Heldin des Romans, den uns Lea Korte beschert hat.

Es ist die Zeit um 1478 - 1492 die hier den Rahmen für die Geschichte des eigenwilligen, mutigen Mädchens bildet, welches als Muslimin später einen christlichen kastilischen Ritter liebt. Das alles geschieht, kurz bevor Christobál Colón nach "Westindien" aufbricht.

Die letzten Jahre des Emirats von Granada, Überbleibsel des Kalifats von Cordoba sind angebrochen, die Jahre in denen die Reconquista siegen wird und ganz Spanien katholisch werden wird. Auch liegt in dieser Zeit das Emporkommen der Inquisition, der Autodáfes auf den Muslime, Christen, Konvertiten und Juden verbrannt werden. Kreuzzug der "Katholischen Könige" im eigenen Land.

Zahra hat es nicht gerade leicht in ihrer Familie. Der Vater ist Untertan des Emirs Hassan, der den Krieg mit den Christen wieder vom Zaum bricht. Abdarrahman, verheiratet mit einer zum Islam konvertierten ehemaligen christlichen Sklavin, Zahras Mutter, ist aber auch am Frieden interessiert. Zahra wird den letzten Nasridenherrscher, Muhammad XII. (Boabdil) zurück nach Granada holen, damit brechen die letzten Jahre für das maurische Königreich an und der Krieg bricht erst richtig aus. Sie muss dessen Sohn als Geisel zu Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon begleiten, wird eingekerkert und von zwei kastilischen Rittern befreit, dessen einer dann Vater ihrer Kinder wird und seine Familie durch den Krieg bringen muss.

Wird es Zahra und Jaime gelingen?

* * *

Der Roman von Lea Korte lädt förmlich ein, Andalusien und Granada mit der Alhambra, dem Sitz der letzten Emire zu besuchen. Gegensätze in der Lebensweise von Muslimen und Christen im 15. Jh. werden deutlich, Traditionen, Familienleben, Denkweise werden dem Leser näher gebracht. Auch wenn der geneigte Leser nicht weiß, dass die Autorin in Spanien lebt, spürt er deren Begeisterung und deren Interesse für die Zeit und natürlich für die Mauren, die eine für Europa einzigartige Kultur "zurück gelassen" haben.

Lea Korte pflegt einen gleichmäßigen aber flüssigen Erzählstil, der die Spannung der Handlung aufrecht erhält. Tatsächliche Geschichte webt sie in die Handlung ein, historische und fiktive Personen verschmelzen miteinander. Sie schreibt selber, dass die meisten Begebenheiten historisch sind.

Ich hatte das Gefühl, dass Lea Korten nicht nur wegen ihrer Romanheldin auf Seiten der muslimischen Mauren steht, trotzdem zeigt sie anschaulich, dass beide Seiten Abendland, wie das auf die iberische Halbinsel vorgeschobene Morgenland gleichermaßen vom Krieg, dem religiösen Hass, geschürt von machthungrigen Emiren und katholischen Klerikern, betroffen sind. Das Leid tragen müssen die Untertanen, die Herrscher und "Würdenträger" kommen selbst nach verlorenem Krieg mit dem Leben und einer Leibrente davon.

Es ist ein schönes Buch, welches sich in fast einem Rutsch lesen läst, dass man kaum aus der Hand legen möchte, dies aber wegen 665 Seiten aber auch mal tun muss.





Zur Autorin
Deutsche Nationalbibliothek

© KaratekaDD 17.10.15
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen