In der ersten Novemberhälfte war es auffallend still im Blog. Aus unterschiedlichen Gründen fehlte die Zeit und Konzentration für den Blog, aber in der zweiten Hälfte wurde es wieder lebendiger... Ein bisschen ist da also doch noch zusammen gekommen.

Wie gewohnt gab es zu Beginn des Monats wieder zwei BlogPosts -
Nr.107 zeigte die Zusammenfassung unserer Beiträge im Vormonat,
Nr. 108 präsentierte unsere Neuerwerbungen im Oktober.

Anne durfte im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks den neuesten Roman von
Philippe Claudel lesen:
DIE KOSTBARKEIT DES FLÜCHTIGEN LEBENS. Zugegeben, dieser Roman ist anders, als Anne es zunächst erwartet hatte.
Nach dem Klappentext vermutete sie, etwas über die monatelange
Begleitung Eugènes bis zu dessen Tod zu lesen, doch erweist sich dieser
Tod hier nur als Stein des Anstoßes. Des Anstoßes zu einer tiefsinnigen
Gedankenreise des bis zum Schluss namenlosen Erzählers - mit Einblicken
in sein Leben, sein Schaffen, seine Gefühlswelt. Ähnlich wie
Filmeinblendungen reihen sich auch hier einzelne Szenen aneinander, oft
ohne einen direkten Bezug zueinander, aber aufgereiht wie Perlen auf
einer kostbaren Kette doch ein großes Ganzes ergebend. Ein Buch der leisen Töne und der großen Gedanken -
Tod und Leben, zwei Pole unseres Daseins, verpackt in einen wundervollen
Roman...

Nach
'Letzter Mann im Turm' ist dies das zweite Hörbuch von
Aravind Adiga, das Anne genossen hat. Wer
schon immer etwas über das Leben in Indien abseits der Bollywood-Welt
wissen wollte, der liegt mit diesem Debüt von genau richtig.
DER WEISSE TIGER enttarnt sukzessive eine durch und durch
korrupte Gesellschaft, die empörende Scheindemokratie Indiens, das
zerrüttete Rechtssystem und die zynische Arroganz der Reichen, die ihr
Vieh besser behandeln als ihre Dienerschaft. Es ist ein Buch, das die
Augen öffnet. In jeder Hinsicht. Gekonnt gelesen von Jens Wawrczeck.

Mit
DAS HAUS DES WINDES hat Anne eines ihrer Jahreshighlights gelesen. Dieser Roman ist ein großartig erzähltes, realistisches, hochspannendes
Buch über den indianischen Alltag im Reservat, über Identität,
Traditionen und überlieferte Mythen. Es ist auch eine
Coming-of-Age-Erzählung, ein Krimi, sowie eine politische Anklageschrift
über die immer noch vorhandene Rechtlosigkeit der Ureinwohner
Nordamerikas: Indianernationen haben keinerlei Souveränität über
Nichtindianer, die sich in ihren Reservaten aufhalten, und können sie im
Falle eines Verbrechens nicht belangen. Eine gelungene
Mischung, die
Louise Erdrich hier präsentiert und zu einer
deftig-traurig-komisch-packenden Geschichte verwebt.

Ab und zu darf es für Anne auch ein Sachbuch sein.
INSIDE DUISBURG MARXLOH war für sie vor allem aus beruflicher Hinsicht interessant.
Franz Voll hat intensiv recherchiert und sechs Monate lang mit vielen Menschen in und um Marxloh gesprochen. Eine interessante Lektüre, die manche Vorurteile bestätigt, aber auch die anderen Seiten des Stadtteils zeigt. Dies sollte für alle Politiker zur Pflichtlektüre werden...

Im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin las Anne auch diesen Roman von der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises. Die Erzählung will nicht
gefallen, sie ist sperrig wie ihr Hauptcharakter, sie fordert.
WALTER NOWAK BLEIBT LIEGEN von
Julia Wolf ist ein Roman mit einem außergewöhnlichen Schreibstil und einer reinen
Aneinanderreihung von Gedanken - und damit etwas Besonderes, Originelles. Sicher nichts für jedermann, aber Anne hat es wider Erwarten richtig gut gefallen.
ZWISCHEN LEBEN UND ICH ist ein schmaler Band mit Kurzgeschichten von
Melanie Völker. Einzeln gelesen, können die Geschichten einen Ruhepol im hektischen
Alltag darstellen, voller Farben, Bilder und Wärme, und nebenher noch
einen kleinen Gedankenanstoß geben, um bei aller Hektik im Leben das
Träumen nicht zu vergessen, um zu versuchen, alles im Gleichgewicht zu
halten, um zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg noch der eigene ist. Anne hat diese kleine Sammlung gut gefallen!
Schauen wir mal weiter. Die RUNENZEIT-Saga hat der KaratekaDD nun abgeschlossen. Die Zeitreise in die Zeit, als Arminius die Legionen des Varus und später des Germanicus schlug: Etwas anders erzählt. Von Matk Bredemeyer.
Hier geht es zur
RUNENZEIT-Seite und hier zur
Besprechung von Band 5 und 6

Einen Jugend-Fantasy-Kurz-Roman hat Anne mit
DIE UNGLAUBLICHE WAHRHEIT ÜBER PFÜTZEN von
Katharina Prietzel gelesen. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte sicherlich gut getan, doch trotz kleiner Kritikpunkte fühlte Anne sich insgesamt gut unterhalten...

Mit
DAS FLOSS DER MEDUSA hat Anne ein Buch von der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises gelesen. Mit seinen knapp 600 Seiten wird hier eine historisch verbriefte Geschichte von Verrat, Gewalt, Verzweiflung und
Überlebenswillen erzählt. Doch dient das Trommelfeuer grässlicher, schockierender und monströser Szenen
nicht allein der Erzählung der historischen Begebenheiten -
Franzobel
hat hier unter gekonnter Vermischung von Fakten und Fiktion vielmehr
eine verstörende Allegorie auf die Menschennatur verfasst. Kein
bequemes Buch, sondern ein Roman, der seinem Leser viel abverlangt. Anstrengend aber lesenswert!

Man kann einfach nicht immer nur anspruchsvolle Literatur lesen. Und so genoss Anne den kurzen Ausflug in die Welt der Frauenromane. Mit
ZEIT DER APFELROSEN erwischte sie diesmal einen Kurzroman von
Gabriella Engelmann. Bis auf das arg weichgespülte Ende eine überzeugende Vorstellung. Es müssen eben nicht immer die dicken Schinken sein - auch in der Kürze kann die Würze liegen...

Ein schräges Debüt hat Anne mit
BRIEFE AN DIE GRÜNE FEE gelesen. Ein Briefroman von
Salih Jamal, der Anne nicht wirklich überzeugen konnte. Vor allem die Arroganz und Überheblichkeit des Hauptcharakters sorgten beim Lesen für deutliche Verärgerung, und überhaupt war es schwer, hier einen wirklichen Zugang zu finden. Doch einige poetische Passagen trösteten über den ansonsten oft rauen und vulgären Schreibstil hinweg. Alles
in allem ein ambitioniertes Debüt, das für Anne jedoch klar über das
Ziel hinausschießt.
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