Donnerstag, 21. November 2013

Poznanski, Ursula: Fünf


Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind. In Plastikbehälter verpackte Leichenteile. Zeugen, die nach der Befragung sterben. Es ist eine blutige Version des Geocaching, eine grausige Jagd, auf die sich die Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary einlassen muss. Der Fall scheint unlösbar. Und plötzlich wird sie selbst zur Beute ...














Schnitzeljagd mit GPS...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 21.11.2013



Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt.
In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird ...

 
Welchen "Schatz" werden die nächsten Koordinaten zutage fördern?


In jedem Fall hat Ursula Poznanski hier eine originelle Idee in einem Thriller verarbeitet. Ich jedenfalls habe noch kein Buch dieses Genres gelesen, das sich mit der Thematik des Geocachings beschäftigt - und zwar durchgehend durch den gesamten Roman. Da jede Spurensuche ein wenig anders verläuft, wird dem Leser hier die ganze Bandbreite dieses beliebten Hobbies dargeboten.

 

Unter www.geocaching.de findet sich folgende Erläuterung zu der modernen Art der Schatzsuche:

"Geocaching lässt sich am besten als eine Art moderner Schatzsuche und Schnitzeljagd beschreiben.
Die Grundausrüstung des Geocachings
Kurz und generalisiert gefasst: Es gibt Leute, die verstecken irgendwo Dosen voller kleiner netter Dinge sowie einem Notizbüchlein, dem Logbuch. Und veröffentlichen das Versteck in Form von Koordinaten im Internet.  Dies lesen andere, merken sich die Koordinaten und nutzen ihr GPS-Gerät, um diese Schätze zu finden. Dann wird eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose ausgetauscht, der Besuch geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt - für den Nächsten ...
So weit zu den Grundregeln. Natürlich steckt viel mehr dahinter. Beispielsweise gibt es unterschiedlichste Cache-Arten, vom einfachen Cache, bei dem man praktisch fast mit dem Auto vorfahren kann über Caches, die nur mit speziellem Equipment erreichbar sind (z. B. mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung) bis hin zu Rätselcaches, die vor Ort oder sogar schon im Vorfeld Recherche und Knobelei erfordern."
 





In diesem Thriller handelt es sich jedoch um blutige Inhalte der Schatzkisten, und schnell wird klar, dass es nicht bei einer Leiche bleiben wird. Die Polizei gerät sogar in eine Zwickmühle: mit jeder Identifizierung eines weiteren potentiellen Opfers scheint dieses erst recht in die Gefahr zu geraten, von dem Serienmörder umgebracht zu werden. Doch die Ermittlungen ruhen zu lassen oder einzustellen, kommt natürlich auch nicht in Frage...
Vor allem die Ermittlerin Beatrice Kaspary wird zunehmend auch persönlich in den Fall verstrickt. Nicht nur, dass ihr der Täter immer wieder eine SMS zuschickt, nein, er weiß auch um ein Geheimnis aus ihrer Jugend, das sie nun wieder einzuholen scheint. Woher weiß der Täter davon - und was hat das mit den aktuellen Morden zu tun?

 

Spannend ist der Thriller in jedem Fall, wenn auch phasenweise etwas langatmig durch die immerwährende Wiederholung der Abläufe (neue Hinweise, Ermittlung der Koordinaten, das Auffinden weiterer Leichen oder Teile davon). Lediglich das Motiv bleibt lange im Dunkeln, auch wenn man als geübter Leser dieses Genres frühzeitig zu ahnen beginnt, wer der Täter sein könnte.
Besonders gefallen hat mir vor allem die Verstrickung der Beatrice Kaspary in den Fall, die dadurch und in Verbindung mit privaten Problemen (alleinerziehend, Streit mit dem Exmann) phasenweise sehr unter Druck geriet. Dieser Charakter wirkte sehr authentisch und glaubwürdig ausgearbeitet, aber auch die Kollegen gewannen zunehmend an Konturen.

 

Insgesamt ein gefällig zu lesender Thriller, außergewöhnlich im Zusammenhang mit der Thematik des Geocachings. Und in jedem Fall so spannend, dass ich gerne mehr von dem Ermittlerduo Kaspary und Wenninger erfahren würde. Band 2 "Blinde Vögel" wird also sicherlich demnächst von mir gelesen werden!


© Parden  








Ursula Poznanski im Interview zu "Fünf":







Ursula Poznanski
Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren und begann nach einem abwechslungsreichen Schul- und Studienleben als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag, für den sie immer noch tätig ist. Sie selbst sagt von sich, sie hätte sich schon immer gerne Geschichten ausgedacht, aber nie zu Papier gebracht. Wenn sie schrieb, dann nur Kurzgeschichten. Im Jahr 2000 nahm sie - leider erfolglos - an einem Drehbuchwettbewerb des ORF teil. Dadurch entdeckte sie, dass sie doch zu "längeren" Texten fähig war und fing Feuer. Sie sammelte Romanideen und schaffte es, mit "Buchstabendschungel" im Jahr 2003 ihr erstes Kinderbuch zu veröffentlichen. Es folgten Erstlesebücher, Kinderkrimis und ein Teenager-Liebesroman. Für ihre Werke wurde sie u.a. mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien ausgezeichnet und für den Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis nominiert. Bei Loewe legt sie im Frühjahr 2010 mit „Erebos” einen packenden Jugend-Thriller vor, der sich mit den Manipulationsmöglichkeiten virtueller Welten auseinandersetzt und gekonnt die reale mit der Welt des Online-Computerspiels verwebt. Ihr zweiter Thriller "Saeculum" für Jugendliche erschien im November 2011. Im Februar 2012 erschien ihr erster Thriller für erwachsene Leser mit dem Titel "Fünf" bei Rowohlt. Ursula Poznanski lebt mir ihrer Familie in Wien.



Kommentare:

  1. Ich kenn inzwischen Einige, die diesen Dingen, wenn auch nicht Leichenteilen hinterher jagen.
    Das wäre auch mal was zum vormerken.

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    1. Ich habe eine Kollegin, die das Geocaching regelmäßig mit ihrem Mann praktiziert. Auch solche, wo man klettern muss oder Nachtcaches. Klingt immer irgendwie abenteuerlich... Die harmlose Variante würde ich aber durchaus auch mal ausprobieren wollen. :)

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