Samstag, 27. September 2014

Ken Folletts TRILOGIE DES 20. JAHRHUNDERTS... Teil II

Eine Rezension in Fortsetzungen oder die Geschichte einer Rezension.

Teil II: WINTER DER WELT


Je weiter ich mit der Lektüre des Buches KINDER DER FREIHEIT voran schreite, desto begeisterter bin ich von der Romantrilogie. Das heist nicht, dass da nicht Kritisches anzumerken wäre, aber das tut dem Werk letztlich nicht weh, zumal man ja anerkennen muss, dass der Autor ja auch seine Auffassung von der Geschichte darstellt. Ich habe schon im ersten Teil gestern bemerkt, dass ich STURZ DER TITANEN und ► WINTER DER WELT noch einmal lesen muss. Hier allerdings möchte ich erst einmal zeigen, was ich am 12. Dezember 2012 in buchgesichter.de über den zweiten Teil der Jahrhundertsaga des Briten Ken FOLLETT geschrieben habe.




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Während STURZ DER TITANEN zum Rätselraten einlud, gibt es bei diesem Titel keine Fragen, denn ohne Zweifel gab es in der Mitte des 20. Jahrhunderts den WINTER DER WELT.
Es ist nicht einfach, den Roman WINTER DER WELT des bekannten Autoren Ken FOLLETT zu rezensieren. Ich gebe zu, trotz bekannten "unbändigen" Hungers nach historischen Romanen bin ich, auch wenn ich nun schon an diesen Zeilen sitze, ziemlich unschlüssig.

Schauen wir einmal zurück: In STURZ DER TITANEN lernen wir die walisische Bergarbeiterfamilie WULLIAMS, die Familie des Earls FITZHERBERT, die deutsch österreichische Familie von ULLRICH, die russischen Brüder PESHKOV und die amerikanische Familie DEWAR in der Zeit vor Beginn des Großen Krieges (1. WK) bis ungefähr 1920 kennen. Kurz vor Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten setzt die Geschichte wieder ein. Die bekannte und die nächste Generation der genannten Familien stellen die Protagonisten der Fortsetzung. Jetzt geht es um Wolodja PESHKOV, angenommener Sohn des Generals PESHKOV und um seinen Halbbruder GREG in Amerika. GREG wird Außenpolitiker und Wladimir Offizier der Militärgeheimdienstes der Roten Armee. Loyd WILLIAMS, Sohn von Ethel WILLIAMS und EARL FITZHERBERT kämpft im spanischen Bürgerkrieg, wird so Antikommunist und geht ebenfalls in die englische Außenpolitik.
CLARA, die Tochter, des von der GESTAPO umgebrachten Walter von ULRICH, wird Krankenschwester und kämpft gegen die Nazis. Woody DEWAR wird Fallschirmjäger und später Fotoreporter.
Sämtliche Verknüpfungen aufzuzählen, käme einem Lexikon des Romans gleich. An geschichtlichen Ereignissen spielen neben dem zweiten Weltkrieg, der spanische Bürgerkrieg, die Entwicklung der Atombombe, die Nachkriegspolitik einschließlich Marshallplan und Luftbrücke eine Rolle. Familie DEWAR befindet sich zum Beispiel in Pearl Harbor, als die Japaner angreifen. Woody kämpft in der 101. Airborne am D-Day. (Bekannt aus BAND OF BROTHERS - wer es kennt).

 

FOLLETT entpuppt sich echt als Antikommunist. Die sympathische Rolle des Putilow-Arbeiters Grigori PESHKOV, der seine Soldaten in der zaristischen Armee zum Leben statt zum Tode führt und der bolschewistischen Revolution nahe steht verblasst, im Angesicht der stalinschen Verbrechen. Sein Sohn Wladimir (Wolodja) lernt in Berlin einige Angehörige und Bekannte der Familie von ULRICH kennen. Er geht dort zur Schule weil Grigori Militärattache an der sowjetischen Botschaft ist. Bezeichnend für den hier geübten Umgang mit dem Kommunismus, mal unzulässig verallgemeinert, ist die Geschichte des Wilhelm FRUNZE. Genau den lernt Wolodja in Berlin kennen, erhält später von ihm die Baupläne von FAT MAN, der "effizienteren" amerikanischen Atombombe. Der Physiker FRUNZE meint, damit dem Weltfrieden dienen zu können. Greg PESHKOW, Halbbruder von Wolodja und Stütze des Mahatt-Projektleiters Gen. Groves, deckt das, aufgefordert vom FBI, auf. Und nur eine halbe Seite braucht FOLLETT, um Willi FRUNZE und dessen Frau für diesen Landesverrat auf den elektrischen Stuhl zu bringen. (Erinnert er damit an Ethel und Julius Rosenberg?)
Genau das ist mein Problem. Da handelt der Autor, dessen Sympathie erkennbar bei der englischen Labour-Partei liegt, so umfassend interessant und vielseitig "Weltgeschichte" im ersten Roman ab und fällt im zweiten Roman dann so tendenziös ab. Leider. Sind die Ausflüge in die große Außenpolitik und die Anfänge der Vereinten Nationen durchaus interessant, so geht die Objektivität gegenüber der Nachkriegsentwicklung mit der Bildung der Militärblöcke und Osteuropa verloren, meine ich. Das ist schade. FOLLETT hätte mit Ende des Krieges aufhören müssen und den "Rest" in den geplanten dritten Roman aufnehmen sollen. Wo, oder besser wann wird dieser einsetzen?
Der Leser erwartet immer, dass sich die Familienbande kreuzen. Tun sie ja auch. Es ist auch folgerichtig, wenn dies nicht zu umfassend passiert. Manchmal hat man das Gefühl, es wäre zuviel Zufall im Spiel. Seltsam auch, dass die große Außenpolitik die Protagonisten, seien es Arbeiter, Senatoren, Politiker oder Soldaten so zusammenführt.

Trotzdem empfehle ich den immer noch mit Spannung erwarteten dritten Band. Nicht allem was man liest, muss man selbst zustimmen. Ich gebe zu, am meisten interessiert mich, wie es dem Oberst Wladimir PESHKOV nach Stalins Tod ergehen wird. Dem gegenüber verblasst das Schicksal des Loyd WILLIAMS als Staatssekretär im britischen Außenministerium. Gespannt bin ich auch auf den Lebensweg des Woody DEWAR.
Darum wird auch der nächste Band in meinem Bücherschrank landen.

Nun ist sicherlich deutlich geworden, warum das Buch irgendwie problematisch ist? 


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Mit dem dritten Band beginnen sich bestimmte Ansichten zu diesem breit angelegtem Werk zu wandeln. Allerdings bleibt diee der sicherlich in einigen Wochen folgenden Rezenion vorbehalten.

DNB / Bastei Lübbe / Köln 2012 / ISBN: 978-3-7857-2465-1 / 1022 Seiten

© KaratekaDD

Kommentare:

  1. Manchmal kann man eine Meinung zu einem Werk erst dann festigen, wenn man alle Teile gelesen hat - da verschiebt sich immer mal was, denke ich...

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