Montag, 3. November 2014

Eickhoff, Peter: 111 Orte am Niederrhein die man gesehen haben muss


Wo entschied sich Joseph Beuys, die Welt künstlerisch auf den Kopf zu stellen? In welcher Schifferkneipe begann eine Liebesaffäre, die ganz Europa erschütterte? Wo ging ein Autor erwartungsvoll ins Wasser und schrieb anschließend einen Bestseller? Auf welcher Wiese ragte der Arm des Jungen heraus, der bis heute museal bewundert wird? Wo wird die Macht am Niederrhein nostalgisch bekocht? Und wo ist der Deich, der allen Rheinwassern trotzte und nie brach? 111 Orte zwischen Wassenberg und Emmerich zeigen die Faszination der einmaligen Kulturlandschaft Niederrhein.












  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Emons, H J; Auflage: 3. Vollständ. überarb. (7. Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3897058154
  • ISBN-13: 978-3897058156









 EIN SCHÖNER EINBLICK IN LAND- UND ORTSCHAFTEN DES NIEDERRHEINS...

 




Na, was kann das schon sein, so dachte ich, als ich diesen Führer geschenkt bekam. Schließlich bin ich aufgewachsen am Niederrhein und nach Lehr- und Studienjahren auch dorthin zurückgekehrt. Was kann da schon noch kommen?
Und in der Tat: viele der vorgestellten Orte, Landschaften, kulturellen oder auch kulinarischen Stätten waren mir durchaus bekannt. Anderes jedoch noch nicht, und nach anfänglich skeptischem Blättern in diesem Führer blieb ich schließlich doch hängen und las ihn komplett, selbst wenn ich das Dargestellte bereits kannte.


"Geologisch gehört der Niederrhein zu den Niederlanden, und so ist es nicht verwunderlich, dass man an vielen Orten an Holland oder zumindest an etwas unbestimmt Holländisches erinnert wird (...), und es gehört zu den unergründlichen Geheimnissen und sperrigen Eigenarten des Niederrheins, dass man immer gegen den Wind fährt." (S. 114)


Oh ja. Das kann ich bestätigen. Nicht in den Ortschaften selbst, aber wenn es in die Landschaft hinaus geht, hat man auf dem Fahrrad eigentlich immer Gegenwind. Ein Phänomen, das für den Niederrhein ebenso gilt wie für die Niederlande, insofern hat der Autor schon recht! :)

Vorgestellt wird jeder Ort in diesem Buch auf einer Doppelseite, wobei die Information (Historisches und Aktuelles) jeweils auf der linken Seite verortet ist, rechts befindet sich ein Foto sowie die Adresse bzw. Anfahrtsbeschreibung. Eigentlich nicht schlecht gemacht, allerdings musste ich gelegentlich schmunzeln, beispielsweise bei der 'Adresse' des Reichswalds, das mit 5.000 Hektar größte Waldgebiet am Niederrhein...
Im Anhang befindet sich noch ein detailliertes Kartenmaterial, versehen mit den Nummern der vorgestellten Sehenswürdigkeiten, so dass man sich auch geografisch einen guten Überblick verschaffen kann.

Natürlich kann solch ein Führer nie wirklich alle Sehenswürdigkeiten aufzeigen, und so gebe ich den Kritikern recht, die bemängeln, dass der südliche Niederrhein hier kaum vertreten ist, während der nördliche Niederrhein überproportional dargestellt wird. Da ich aber am nördlichen Niederrhein geboren und aufgewachsen bin und auch heute wieder in diesem Gebiet wohne, stört es mich persönlich jetzt nicht so sehr.
Ebenso natürlich finde ich es, dass jeder Leser manche der vorgestellten Sehenswürdigkeiten nicht unbedingt als solche empfindet, vielleicht lieber andere vertreten gesehen hätte. Aber solchen Werken ist eben eine gewisse Beschränkung immanent, und als repräsentativ würde ich die Darstellung schon bezeichnen.

Abgesehen davon, dass jetzt etliche Post-Its die Seiten markieren, deren Tipps ich in naher Zukunft gerne aufgreifen würde, fand ich die eingestreuten Informationen über den Niederrhein durchaus auch spannend und für mich neu. Wer z.B. weiß, was wohl der 'Zonser Grind' ist? Oder 'Klein-Jerusalem'? Oder dass ein Haus in Kempen buchstäblich um die Ecke gebracht wurde - abgerissen und einen Straßenzug weiter originalgetreu wieder aufgebaut, um es erhalten zu können? Oder dass das Dorf 'Salmorth' danach benannt wurde, dass dort früher einmal Salme (Lachse) gefangen wurden - lange ist´s her...? Und überhaupt: damals. Wer weiß schon, dass am Niederrhein einst Tabak angebaut wurde?


"Der niederrheinische Tabak soll pur nicht so ohne Weiteres zu rauchen gewesen sein, weshalb man ihn gern zu Schnupftabak oder Kautabak verarbeitete. Beim Kautabak kam es auf die würzige Soße aus Rübenkraut, Kaffee und Rum an, mit der er durchzogen war." (S. 66)

Mmmmhm. Lecker... ;) Lecker wäre sicher auch der Käse vom Niederrhein. Wenn es ihn denn geben würde. Ein einziges Mal wurde der - durchaus erfolgreiche - Versuch gestartet, weshalb es sogar ein Käsedenkmal gibt. Aber weshalb sich die Käseherstellung in der Nähe zu den Niederlanden und bei exzessiver Viehwirtschaft  am Niederrhein letztlich nicht durchsetzte - niemand weiß, warum...

Insgesamt also ein Buch, das Lust macht, mal wieder auf Entdeckungstour zu gehen. Und der Fotoapparat muss mit!


© Parden











Um einen Einblick in die Region zu erhalten, hier die Videos 1-4 der sechsteiligen Reihe vom WDR:
Weiter Himmel, grünes Land - der Niederrhein






 








Peter Eickhoff arbeitet als Autor und Fotograf. Von ihm erschienen die Reiseführer »Historische Restaurants und Landgasthäuser am Niederrhein«, »Altstadt,Kö und Hafen« und »art&travel Düsseldorf«. Für »Cotta's kulinarischen Almanach« porträtiert er regelmäßig europäische Metropolen.


 Quelle Text und Bild




 

1 Kommentar:

  1. Ob das eine Gegend ist, wo ich mal hin muss?
    Na klar, wegen Xanten ;)
    (War da noch was?)

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