Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Crönert, Claudius: Das Erbe der Karolinger

Beginnen wir (ausnahmsweise) einmal mit dem Klappentext zu diesem historischen Romans:

„Was geschieht, wenn Neid und Gier zu Streit und Krieg führen: das große Karolinger-Epos. Eigentlich macht Ludwig, Kaiser der Franken und Sohn Karls des Großen, alles richtig: Er regelt seine Nachfolge früh, ernennt seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitregenten und bedenkt die jüngeren Söhne mit großen Ländereien. Schnell zeigt sich jedoch, dass Ludwig und Lothar unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie das Land regiert werden soll. Während sich der Vater um Frieden und Ausgleich bemüht, drängt der Sohn darauf, die Interessen des Reiches mit Härte durchzusetzen. Als Ludwig nach dem Tod seiner Frau ausgerechnet um Judith wirbt, für die sich auch sein Sohn interessiert, eskalieren die Streitigkeiten. Bald steht alles auf dem Spiel, was Karl der Große einst geschaffen hat …“ (Verlag)

Wer sich halbwegs an seinen Geschichtsunterricht erinnert, dem fällt auch etwas zu Karl dem Großen ein. Den Herrscher und Kaiser des Frankenreiches und wer einmal in Aachen war, bewunderte auch dessen Thron. Der Karlspreis für Verdienste um die Einheit Europas (und die Streitereien um die jeweiligen Preisträger) sei erwähnt (2025 - Dr. Ursula von der Leyen), auch wenn die Einheit seines Imperiums nach ihm wie ein Kartenhaus zusammenfiel…

Dienstag, 30. Dezember 2025

Wittstock, Uwe: Karl Marx in Algier


Karl Marx einmal anders. Uwe Wittstock, der hier bereits mit MARSEILLE 1940 Einzug hielt, hat für sein Porträt eine Rahmenhandlung gewählt, die es ermöglicht, sich Leben und Werk des Begründers des Marxismus etwas anders als vielleicht gewohnt zu nähern. Wittstock begleitet Marx nämlich gegen Ende seines Lebens (1818 – 1883) nach Algier und damit auf die einzige Reise, die ihn Europa verlassen ließ. Wenige Monate vorher starb seine innig geliebte Frau Jenny, während deren Begräbnis er selbst sehr krank im Bett lag. Nun soll er sich erholen und eigentlich hat er einen Packen Druckfahnen im Koffer, er soll nämlich eine neue Auflage seines Hauptwerkes durchsehen: DAS CAPITAL. Doch auch Algier bringt ihm gesundheitlich nur einen Aufschub.


  • DNB /   C.H. Beck / 20.03.25 / ISBN: 978-3-406-83072-3 / 249 S. / 26,00 € (Hardcover)

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Oelker, Petra: Drei Wünsche

 

Dezember 1773. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche, mitten im Gedränge der Marktleute und ihrer flanierenden Kundschaft, suchen drei Frauen das Glück: Theda hat ihre Stellung als Gesellschafterin verloren, eine Vernunftehe in der ostfriesischen Heimat scheint der einzige Ausweg. In Geldnot geraten, will sie auf dem Weihnachtsmarkt eine Silberdose verkaufen, ihren einzigen Besitz von Wert, und gerät in der alten Kirche mitten hinein in den Trubel aus Besuchern, Taschendieben, Suppenköchen und Künstlern. Auch Madam Augusta ist im Dom, sie hadert mit dem Tod ihrer alten Vertrauten, trotz all der Menschen fühlt sie sich allein. Und dann ist da noch Elsi: Die junge Frau hat sich verliebt, doch ihr Vater ist alles andere als einverstanden mit ihrer Wahl. Drei Frauen, drei Wünsche. Sie alle hoffen auf ein Weihnachtswunder...

DNB / rowohlt / 2025 / ISBN: 978-3-8052-0127-8 / 128 Seiten

Kurzmeinung: Durch viele detaillierte Beschreibungen entstanden für mich Längen - ansonsten eine nette atmosphärische historische Weihnachtsgeschichte...


Montag, 22. Dezember 2025

Aden, Hanna: Die Kryptografin

 

Manchmal greift man nach einem Buch sogar schnell und ohne Zaudern, diesmal auf Grund der indirekten Empfehlung einer Bloggerkollegin, die historische Romane ebenso öfter bearbeitet.

Es ist nicht der erste Frauenroman, den ich las, es ist der erste, der, ungewöhnlich, eine junge Frau mit besonderen Talenten Anfang der fünfziger Jahre in die Organisation Gehlen bringt, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. 

Margot ist DIE KRYPTOGRAFIN, da die Studentin der Mathematik für diese Sparte eine besondere Begabung aufweist. Außerdem spielt da noch etwas eine Rolle, was man Synästhesie nennt. Ist dies der besondere Schlüssel für kryptografische Aufgaben, wenn beides zusammentrifft? Für ihre Träume braucht sie Mut.

Samstag, 20. Dezember 2025

Schlögel, Karl: Auf der Sandbank der Zeit

Der Historiker als Chronist der Gegenwart

Ist der Historiker ein Chronist der Gegenwart? Zugegeben, ich beschäftige ich mehr mit historischen Romanen als mit Sachbüchern zur Geschichte, obwohl, das Verhältnis ändert sich seit einiger Zeit. 

Ein historischer Roman, so die allgemein verbreitete Ansicht, handelt mindestens vor Lebzeiten des Autors, dies hebt sich bei Sachbüchern sicherlich auf, vor allem dann, wenn die Autoren zum Beispiel die 70 überschritten haben; dies ist hier gerade der Fall.

Einer dieser Momente, also ein Sachbuch-Moment, war der 22. Juli 2022, an diesem Tag erschien die Rezension zu Karl Schlögels ENTSCHEIDUNG IN KIEW. Nun wurde weitere Texte durch den Hanser-Verlag zusammengefasst und nun werden „Historiker als Zeitgenossen, die sie auch sind, eingeholt von der Gegenwart und konfrontiert mit allen Fragen, die sie bisher an die Vergangenheit hatten richten können, und zwar im Ernstfall und in Echtzeit.“ (Vorwort - S. 9)

  • DNB / Hanser13.10.2025 / E-Book / ISBN 978-3-446-28703-7 / 176 Seiten / 16,99 €

Montag, 8. Dezember 2025

Rezensionsexemplare Challenge 2026

 


Ich schäme mich ja fast, es zuzugeben. Es gibt neben dem eh schon mühsam über Jahrzehnte herangezüchteten SuB (Stapel ungelesener Bücher) - ehrlicherweise doch wohl eher ein RuB (Regale ungelesener Bücher) - auch mittlerweile einen beachtlichen Stapel ungelesener Rezensionsexemplare. Verführungen durch Verlage, NetGalley oder das Bloggerportal sind an der Tagesordnung, hinzu kommen interessante Leserunden, die ebenfalls regelmäßig für neuen Lesestoff sorgen, Buchverlosungen u.v.m.... Unstillbare Quellen also, und der Lesehunger ist ungebrochen. Zeit jedoch ist zuweilen Mangelware, die Augen größer als der Magen, und so. Shit happens.


Ziel der Challenge soll es jedenfalls auch in diesem Jahr sein, den Stapel der ungelesenen Rezensionsexemplare deutlich zu reduzieren. Ein Haken sowie der Monat der Lektüre kommt hinter die gelesenen Bücher, aber es wird auch eine Liste über Neuzugänge geben, bei denen ich mich 2026 hoffentlich mehr beherrschen werde. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Oder etwa nicht? Also: auf geht's!

 

Sonntag, 7. Dezember 2025

ABC-Challenge 2026

 



Veranstaltet wird diese Challenge von Zeit für neue Genres.

Zeitraum: 01.01.2026 – 31.12.2026

 

 

Samstag, 6. Dezember 2025

Burnett, Frances Hodgson: Der kleine Lord

Es gibt wohl wenige Fernsehzuschauer im deutschen Raum, die den Film von 1980 mit Alec Guinness und Ricky Schroder nicht kennen. Vielleicht gibt es sogar noch mehr, wenn wir die mitrechnen, die sagen: „Solche Schnulzen schaue ich mir nicht an…“  - Es ist wieder Vorweihnachtszeit und Wikipedia listet sogar die Einschaltquoten seit 2003 auf.

Nein, ich erzähle hier jetzt nicht, dass der kleine Cedrick Errol und sein „Herzlieb“, das ist seine Mama plötzlich Besuch aus Old England bekommen, denn der Siebenjährige soll einen alten Grafen, also einen Earl beerben. THE LITTLE LORD FOUNTLEROY heißt das Kinderbuch von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahre 1886. Für den alten Sir Alec Guinness war es eine Paraderolle. Muss ich an seine Erfolge als Prinz Faisal in LAWRENCE VON ARABIEN (1962) erinnern? Oder dass er einen gewissen OBI WAN KENOBI verkörperte? Oder an Jewgraf, den Bruder von DR. SCHIWAGO

Ricki Schroder dagegen konnte den Erfolg mit der Rolle, die ihn weltbekannt gemacht hat, nicht so erfolgreich umgehen. Kinderstar…

Freitag, 5. Dezember 2025

Demidow, Georgi: Zwei Staatsanwälte

 



Manchmal kommt man auf unerwartete Weise zu einem Stoff, so wie zu diesem hier. Denn Verwandte in Buenos Aires - Argentinien - wollten mit mir ins Kino. Eine Freundin von ihnen hatte diesen Film vorgeschlagen. Russisch, mit spanischen Untertiteln. Nur soviel noch dazu: die sprachlichen Fragmente ermöglichten mir den Inhalt zu erfassen, allerdings las ich vorsichtshalber nach, was ich zu Georgi Demidow, zu dessen Roman und Sergej Loznitsa und dessen Film fand. Anschließend lud ich mir das eBook herunter…