Freitag, 17. Oktober 2014

Blondel, Jean-Philippe: 6 Uhr 41


Cécile hat das Wochenende bei den Eltern verbracht. Am Montagmorgen sitzt sie erschöpft im Frühzug und ärgert sich, dass sie nicht doch schon am Vorabend zurück zu Mann und Kind gereist ist. Der Platz neben ihr ist frei, ein Mann setzt sich. Cécile erkennt ihn sofort: Philippe Leduc. Auch Philippe hat Cécile gleich erkannt. Doch sie schweigen geschockt. Beide. Jeder für sich erinnern sich Cécile und Philippe in den eineinhalb Stunden bis Paris, wie verliebt sie vor dreißig Jahren waren, als sie zusammen ein romantisches Wochenende in London verbringen wollten und dort alles aus den Fugen geriet. Je näher der Gare de l’Est kommt, desto mehr will man wissen: Endet die Reise dort, oder gibt es ein nächstes Mal?










  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Deuticke Verlag; Auflage: 4 (28. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Anne Braun
  • ISBN-10: 3552062556
  • ISBN-13: 978-3552062559
  • Originaltitel: 06 H 41









 BEGEGNUNG IM ZUG...







 Cécile, 47, hat das Wochenende bei den Eltern verbracht. Am Montagmorgen sitzt sie erschöpft - die Eltern werden auch immer anstrengender - im Frühzug und ärgert sich, dass sie nicht doch schon am Vorabend zurück zu Mann und Kind gereist ist.
Der Platz neben ihr ist frei, ein Mann setzt sich. Cécile erkennt ihn sofort: Philippe Leduc. Und auch Philippe hat Cécile gleich erkannt. Doch sie schweigen geschockt. Beide.


In den eineinhalb Stunden bis Paris erinnern sich Cécile und Philippe - jeder für sich -, wie verliebt sie vor fast dreißig Jahren waren, als sie zusammen ein romantsiches Wochenende in London verbringen wollten und dort alles aus den Fugen geriet...
Die Schatten der Vergangenheit.


Eine Situation, wie sie sich jeder vorstellen kann. Nichtsahnend und müde sitzt man da in einem Zugabteil und plötzlich setzt sich jemand neben einen, den man kennt und doch schon längst vergessen geglaubt hat. Wie aus einem früheren Leben.
Manche Begegnungen sind willkommen - andere eher nicht. Machen unsicher. Ansprechen? Ignorieren? Abrechnen? Genauso geht es Cécile und Philippe, die sich kennen und lieben lernten vor dreißig Jahren, bevor...


"Es geht sowieso immer alles sehr schnell vorbei, aber die Sache mit London ist immer noch da, selbst nach diesen siebenundzwanzig Jahren." (S. 103)

Diese Begegnung setzt ein Feuerwerk an Gedanken frei bei Cécile und Philippe, eine Gedankenreise zurück an die gemeinsame Zeit - aber auch an all die Zeit danach und auf das, was heute ist. Eine Bilanz.


"Für Überraschungen ist mit siebenundvierzig weniger Raum. Man rennt in seinem Hamsterrad, das einen überfordert - Ehe, Scheidung, Kinder, Job, gesellschaftliches Leben, Verpflichtungen. Nur schlaflose Nächte holen einen manchmal dort heraus, indem sie uns vor Augen führen, wie nichtig alles ist, was wir tun." (S. 62)


Kein schmeichelhafter Blick aufs Leben, schonungslos offen, auch selbstkritisch - und häufig mit depressivem Anklang, was die Stimmung auch beim Lesen drückt.


" Genauso wenig hat man uns gesagt, dass das Schwerste nicht etwa die Brüche sind, sondern die langsame Auflösung, die Dekadenz. Das Zerfallen von Beziehungen, Lebewesen, Vorlieben, Körpern, der Lust." (S. 67)


Blondel wechselt dabei abschnittsweise die Perspektive, so dass wir einen Einblick sowohl in Céciles als auch in Philippes Gedankenwelt bekommen. Und obwohl sich zwischen den Personen im Zug kaum etwas ereignet, baut sich eine ganz eigene Spannung auf.
Was ist in London geschehen? Werden die beiden im Zug miteinander reden - oder gehen sie nach der Fahrt auseinander, immer noch vorgebend, einander nicht erkannt zu haben? Gehen sie trotz der Gedankenreise unverändert in ihr Leben zurück?


Ein interessantes Kammerspiel im Zugabteil präsentiert uns Jean-Philippe Blondel da. Nur Zufall, dass einer der Hauptcharaktere seinen Vornamen trägt und im selben Alter ist wie er?


Trotz der depressiven Note hat mir das schmale Buch gefallen. Der Schreibstil ist flüssig, gefällig, lässt einen durch die Gedankenwelten treiben - und stößt eigene Gedankenreisen an.


Eine Entdeckung!



© Parden






 
J.-P. Bondel

Jean-Philippe Blondel studierte Lehramt und machte 1987 einen Magister in Englisch. Er arbeitet seit 1990 als Englischlehrer an einem Gymnasium in Troyes und am Institut universitaire de technologie de Troyes. 1998 erhielt er die Agrégation. Als Schriftsteller hat er seit 2003 eine Reihe Romane und mehrere Jugendbücher veröffentlicht.
Er erhielt 2008 den „Prix Charles Exbrayat“ und 2011 den „Prix Amerigo Vespucci Jeunesse“.

 ► Quelle Text



Donnerstag, 16. Oktober 2014

Tietz, Michael: Rattentanz


Plötzlicher Gesellschaftswandel

Ist dieser Debütroman des Jungautoren Michael Tietz ein Thriller oder nicht? Ein Jahr hat Tietz an diesem Buch geschrieben, schreibt er und bedankt sich bei seiner Lektorin und seinem Verleger dafür, dass sie das dicke Manuskript des Debütanten einer intensiven Prüfung unterzogen und für gut befunden haben.

Er erzählt im Nachwort, auch die Planung und das Schreiben des Romans sei reichlich unorthodox gewesen. Die Figuren verändern sich im Schreiben, aus dem Bösewicht wird eine tragende positive Person mit Schwächen, die Charaktere verändern sich, eine kurzzeitige Nebenfigur bekommt fast schon eine Hauptrolle.


* * *



Um was ging es? An einem 23. Mai gehen alle Lichter aus. Alle. Strom, Handy weg, Flugzeuge fallen vom Himmel (gleichzeitig), die gesamte Infrastruktur bricht zusammen, die Regierung(en) sind sofort handlungsunfähig und nicht nur weil die G8 Staaten in Wladiwostok tagen. Es ist keine Atomexplosion in der Stratosphäre als terroristischer Akt mit ausgelöstem elektromagnetischem Impuls, nein, es ist ein dreigeteilter Computervirus von prüfungsmüden Schuljungen, der 400 Tage später als geplant wirkt und sich in der Zwischenzeit in allen wichtigen Systemen der Welt eingenistet hat. Die Buben spielen auch sofort gar keine Rolle mehr.

* * *
Geht das überhaupt? Kaum, schreibt der Autor, Experten sagen, dass dies wegen der Vielzahl der Systeme nicht geht und sich eine Steuereinheit in einem Atomkraftwerk von eurem Windowsrechner so unterscheidet wie ein VW-Käfer von einem Panzer. (Aber beide brauchen halt Benzin). Ob Katastrophenpläne so was aufhalten können, hat er alle möglichen Institutionen gefragt und keine klare Antwort erhalten. Ach du grüne Neune…

Es ist kein Thriller, es ist auch keine Katastrophengeschichte al la Hollywood, da gibt es nämlich einen alles überstrahlenden Helden. Okay, ein klein wenig erinnert die Story an Emmerichs THE DAY AFTER TOMORROW. Aber der Roman spielt nun mal nicht in Amerika sondern im Süden dieser Republik und die eigentlichen Helden sind die Bewohner eines kleinen Dorfes irgendwo bei Donaueschingen.

Es ist ein Buch über die sozialen Netzwerke und wie sie weg brechen, über das anschließende Chaos, die Plünderungen, Verbrechen, die Hungernot, Morde (ein Idiot sprengt die Bleilochtalsperre um die Wasser der Saale zu „befreien“) aber auch über Zusammenhalt und Hilfe, sei sie auch zuerst nur Zweckbündnis. Aber auch wie sie ziemlich archaisch wieder entstehen. Stammeswirtschaft mit dem Wissen von heute. Großes Wort: Netzwerke, besser das Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Menschen mit- und untereinander und der schwierige Weg dorthin. Und über Kinder, Alte und Junge, Versager und Macher, Blender und Verbrecher, Verrückte und Wissenschaftler. Und eine selbstlose Samariterin mit kleiner Tochter…

Zwingend beachten bitte: Wer geneigt ist, hinten schon mal nachzusehen wie es ausgeht, der soll alle Seiten raus reißen und wirklich eine nach der anderen lesen.

 * * *

Du willst mehr wissen über Michael Tietz? Der hat eine näckische Internetseite, wo man ein wenig nach Informationen suchen muss.
Schau doch mal hier nach:
► Michael Tietz im Internet
► DNB / Ullstein Verlag / Berlin 2010 / ISBN: 978-3-548-28251-0 / 837 S.

© KaratekaDD

Am 17.02.2010 hatte ich diese Rezension bereits einmal unter buchgesichter.de veröffentlicht.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Bücher-Dart-Challenge















Nicht jede Challenge beginnt zum Anfang eines Jahres. Manche fangen einfach mittendrin an - oder auch gegen Ende. Auch wenn meine Mitstreiter jetzt vermutlich wieder mit dem Kopf schütteln, ich fand diese Idee der ABS-Lese-Ecke witzig.
Die Challenge läuft bereits seit dem 01. Oktober, und wer später dazu stößt, hat es doch schon schwerer - aber dabei sein ist schließlich alles. Mit diesem olympischen Gedanken liest es sich doch gleich schon viel entspannter... :)
Bücher-Dart



 Die Bücher-Dart-Challenge!



Wie funktioniert Bücher-Dart?

Keine Bange – ihr müsst nicht Bücher auf eine Scheibe schmeißen :-)
Ihr müsst nur 200 Punkte erreichen. Dazu müsst ihr Aufgaben lösen, die jeweils eine bestimmte Punktzahl „wert“ sind. Wer als Erster 200 Punkte erreicht, hat gewonnen. Die Challenge ist dann beendet. Sollte bis zum 31.8.2015 niemand 200 Punkte erreicht haben, hat gewonnen, wer die meisten Punkte hat.
Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas:-)
  • Gibt es einen Sieger mit 200 Punkten, gewinnt er einen 20 € Amazon-Gutschein
  • Hat der Sieger weniger als 200 Punkte, gibt es einen 10 € Gutschein. Sollte es mehrere Sieger mit gleicher Punktzahl geben, entscheidet das Los.
Mitmachen kann jeder, der einen Blog hat. Dazu erstellst du eine Seite für diese Challenge, auf der du deine Fortschritte festhältst, verlinkst sie zu diesem Beitrag und gibst mir hier im Kommentar die Adresse dieser Seite an. Einsteigen kannst du in die Challenge jederzeit.
Die Challenge startet am 1.10.2014. Aber du kannst auch später noch einsteigen. Anmelden könnt ihr euch ab sofort.



ERGÄNZUNG ENDE OKTOBER:

WEIL MINDESTENS ZWEI DER TEILNEHMENDEN VIEL- UND SCHNELLLESER SIND, GIBT ES EINE MODIFIKATIONION DER REGELN. PRO MONAT WERDEN NUR 80 PUNKTE ANERKANNT!



Die Regeln:


  • Du kannst aus jedem Ring so viele Aufgaben lösen wie du willst.
  • Jede Aufgabe kann nur einmal gelöst werden.
  • Jedes Buch kann nur zur Lösung einer Aufgabe verwendet werden.
  • Eine Aufgabe gilt als gelöst, wenn du eine (Kurz-)Rezension zu dem betreffenden Buch veröffentlicht und einen Link dazu auf deine Challenge-Seite gesetzt hast.
  • Die Challenge ist beendet, wenn der erste Teilnehmer 200 Punkte erreicht hat.
  • Sollte bis zum 31.8.2015 niemand 200 Punkte erreicht haben, endet die Challenge an diesem Tag.
  • Du kannst jederzeit in die Challenge einsteigen.



Die Aufgaben:


Gelber Ring = 5 Punkte pro Aufgabe
Hier geht es um das Cover des Buches.
1) Lies ein Buch mit einem roten Cover
2) Lies ein Buch mit einem schwarzen Cover
3) Lies ein Buch mit einem bunten Cover (mindestens 3 Farben)
4) Lies ein Buch, auf dessen Cover ein Tier abgebildet ist
5) Lies ein Buch, auf dessen Cover ein Mensch abgebildet ist
6) Lies ein Buch, auf dessen Cover eine Landschaft zu sehen ist
7) Lies ein Buch, auf dessen Cover ein Gebäude zu sehen ist
8) Lies ein Buch, auf dessen Cover eine Maschine zu sehen ist


Blauer Ring = 10 Punkte pro Aufgabe
Hier geht es hauptsächlich um den Titel des Buches
1) Lies ein Buch, in dessen Titel ein Städtename vorkommt
2) Lies ein Buch, in dessen Titel ein Ländername vorkommt
3) Lies ein Buch, in dessen Titel der Name einer Region ( z. B. Eifel) vorkommt
4) Lies ein Buch, in dessen Titel ein Tier erwähnt wird
5) Lies ein Buch, dessen Titel aus nur einem Wort besteht.
6) Lies ein Buch, dessen Titel aus mehr als drei Worten besteht.
7) Lies ein Buch, das Teil einer Reihe ist.
8) Lies ein Buch, das eine Übersetzung ist.


Grüner Ring = 20 Punkte pro Aufgabe
Dieser Ring beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Autor
1) Lies ein Buch eines männlichen, deutschen Autors
2) Lies ein Buch einer deutschen Autorin
3) Lies ein Buch eines Erstautors (Männlein oder Weiblein, wie du willst)
4) Lies ein Buch eines Autors oder einer Autorin, der/die schon mehr als 3 Bücher veröffentlicht hat.
5) Lies ein Buch eines Autors oder einer Autorin, der/die Bücher als Selfpublisher veröffentlicht.
6) Lies ein Buch eines Autors oder einer Autorin, der/die Verlagsautor/in ist.
7) Lies eine Neuerscheinung (veröffentlicht ab September 2014)
8) Lies ein Buch, das schon mindestens 3 Jahre auf dem Markt ist.


Roter Ring = 50 Punkte
Lies eine Neuerscheinung (ab September 2014) mit mindestens 400 Seiten eines deutschen Autors oder einer deutschen Autorin.



Aktuelle Punkte:

80 Punkte im Oktober 2014

80 Punkte im November 2014

80 (90) Punkte im Dezember 2014










18. Dezember 2015

Es ist unglaublich, aber ich habe tatsächlich gewonnen - und freue mich gerade wie Bolle! Die liebe Ann-Bettina hat mir auch bereits den Amazon-Gutschein zukommen lassen, und ich habe mir dafür dieses Buch bestellt:




Ein Buch, das ausnehmend gute Kritiken erhalten hat und bei mir auf der Wunschliste stand. Ich freue mich wirklich sehr darüber und bedanke mich hiermit ganz herzlich!

Liebe Grüße,

die Anne




Dienstag, 14. Oktober 2014

Sprache und Schreibstil - eine Frage der Übersetzung oder des Originaltextes?


Quelle

Wir rezensieren schon seit etlichen Jahren Bücher und gewinnen immer noch neue Kenntnisse hinzu. Besonders freut es einen, wenn man eine Resonanz auf seine Rezension erhält - ist sie sachlich, darf sie ruhig auch einmal kritisch ausfallen, denn nur so lernt man ja hinzu.


Verblüfft war ich jedoch, als ich als Reaktion auf meine Rezension zu dem tollen Buch IN ALMAS AUGEN von Daniel Woodrell vor einigen Monaten plötzlich eine E-mail erhielt:


Vielen Dank für die lobende Besprechung von Woodrells "In Almas Augen". Sehr schön, dass Sie die Sprache des Autors erwähnen und zitieren. Ohne schulmeisterlich klingen zu wollen, aber Sie zitieren nicht den Autor, sondern den Übersetzer. (...)
Mit freundlichen Grüßen
Peter Torberg



Mein Verdacht bestätigte sich, als ich noch einmal im Buch nachschlug: Peter Torberg ist der Übersetzer von Woodrells Werk. Da saß ich nun, und fühlte mich recht ratlos. Denn bereits nach kurzem Nachdenken stellten sich doch einige dringende Fragen:



  • Was antworte ich auf die E-mail?
  • Soll ich im Text der Rezension oder in einem Kommentar dazu noch auf die Qualität der Übesetzung eingehen? Müsste ich dafür nicht zum Vergleich den Originaltext lesen?
  • Bislang habe ich stets die Qualität der Sprache, des Schreibstils etc. auf den Autor selbst bezogen, die Übersetzung habe ich v.a. dann erwähnt, wenn zu vermuten war, dass Qualitätsabstriche darauf zurückzuführen waren. Zitiere ich wirklich den Übersetzer und nicht den Autor? 





In dem Bücherfourm 'Was liest du?' habe ich diese Fragen dann einfach mal öffentlich gestellt. Weshalb sollte ich mir darüber alleine den Kopf zerbrechen? Vielleicht würden sich so Argumente finden, die mich überzeugen könnten? 
In der Tat wurde dort sehr kontrovers diskutiert, und vielen Argumenten konnte ich auch etwas abgewinnen. Was bei mir aber nicht wirklich zu einer Meinungsbildung führte, da die Argumente in beide Richtungen zielten...


Alle Wortbeiträge hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Daher beschränke ich mich auf eine Auswahl der genannten Argumente (wörtlich übernommen):



Sprache und Schreibstil sind durch den Autor vorgegeben:

  • Wie du vermutest, denke ich auch, dass man ohne den direkten Vergleich Original / Übersetzung zur Qualität gar nichts sagen kann. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Übersetzer komplett frei wählt. Klar, Redewendungen sollten nicht wörtlich, sondern sinngemäß übersetzt werden etc. Aber bei einem finnischen Buch (mein erstes) gab es sowohl in Teil 1 als auch in den weiteren Teilen immer ein spezielles Wort, was ich so noch nicht in deutschen Büchern bemerkt hatte. Daher denke ich, dass auch das eher vom Autor als vom Übersetzer stammt.
  • Da ich keine Fremdsprachen beherrsche, kann ich nur den Text bewerten, den ich lese. Und die Idee zu diesem Text kommt definitiv vom Autor. Schließlich muss der Übersetzer auch den Sinn des Originaltextes wahren.
  •  Der Übersetzer hat natürlich immer einen gewissen Einfluss auf das Buch, denn wenn er schlecht arbeitet, geht vieles aus der originalen Geschichte verloren (Wortwitze etc.). Wenn die Vorlage aber schon mies ist, kann auch der beste Übersetzer nicht mehr viel retten.
  • Ich denke, dass allgemein der Stil des Originals genannt wird - und das ist meist insofern nicht falsch, als der Übersetzer versuchen muss, in der anderen Sprache etwas Entsprechendes zu schaffen. Ich kenne z.B. Bücher von Aharon Appelfeld, die von drei verschiedenen Übersetzern aus dem Hebräischen übersetzt wurden - und dennoch gibt es einen irgendwie durchgehenden Stil, den man vermutlich dem Autor zuweisen kann.
  • Prinzipiell sollte der Übersetzer sich dem Stil des Autors anpassen, d.h. ihn so gut wie möglich rüberbringen. Keineswegs soll er einen eigenen Stil kreieren, er ist ja nicht der Autor ... heisst: Wenn ich einen Text "verbessere", dann sollte ich mich stillschweigend in meine Ecke setzen und höchstens grinsen, wenn Leser sich lobend äussert. (...) Also würde ich so etwas ähnliches auch schreiben: Dass ich eventuellen Frust verstehe, aber dass es keineswegs Sache des Lesers ist, Übersetzung und Original aufzudröseln.
  • Für mich ist ein guter Übersetzer jemand, der einen Text sinngemäß und in vergleichbarem Stil in eine andere Sprache übersetzt. Er sollte da nicht zu sehr seinen eigenen Stil einfließen lassen - das verfälscht nur. Deswegen zitiere ich (vor allem, wenn es um den Inhalt geht) auch immer den Autor, nicht den Übersetzer. Das Buch "gehört" immer noch zuallererst dem Autor!
  • Ich denke, etwas von den Gedanken und Empfindungen des Übersetzers ist immer mit in der Übersetzung, deshalb finde ich es auch schön, wenn er im Klappentext erwähnt wird, so wie es ja auch immer häufiger geschieht. Allerdings bleibt das Buch das Werk des Autors, deshalb wäre von seiten eines Übersetzers auch Zurückhaltung nicht schlecht. Wenn er einen Anspruch auf die Sprache erhebt, könnte er ja auch selbst ein Buch schreiben und bekäme dann Rezensionen nur für sich.


    Sprache und Schreibstil sind durch den Übersetzer vorgegeben:

  • Ich habe dazu vor kurzem ein Interview mit Umberto Eco gehört, der sich viel mit "seinen" Übersetzern zusammensetzt und bespricht. Er äußerte dabei auch, daß es ja nicht um wörtliche Übersetzung geht, sondern um eine sinnhafte. Als Beispiel nannte er einen in der Originalsprache derben Witz, der in der Übersetzung halt entsprechend ersetzt werden kann durch einen sprachtypischen, der die Derbheit auch ausdrückt.
  • Ich denke mal, es macht die Qualität eines Übersetzers aus, den Stil des Autors in eine andere Sprache zu transportieren und da bleibt halt einfach ein gewisser Raum für Interpretationen offen. Setzt man zwei Übersetzer unabhängig an ein Buch, wird am Ende nie 1:1 das Gleiche heraus kommen.
  • Ein sprachlich anspruchsvolles Buch muss (oder sollte) auch entsprechend anspruchsvoll übersetzt werden. Das ist kein leichter Job. In dem Sinne ist es durchaus nachvollziehbar, wenn ein Übersetzer sich mehr oder weniger hintergangen fühlt, wenn alle nur das Schreibtalent des Autors loben.
  • Ein Übersetzer mag zwar nichts völlig eigenes erschaffen, durch seine Arbeit am Werk erschafft er dennoch etwas neues. Es liegt in seinem Ermessen Begriffe einer Sprache mit Begriffen einer anderen zu übersetzen. Und vielleicht sind es am Ende Begriffe, die der Autor nicht verwendet hätte, wenn er die Sprache beherrschen würde. 


Das soll an dieser Stelle reichen, um zu verdeutlichen, dass es mehr als eine Meinung zu diesem Thema gibt. In dem Forum wurde teilweise heiß diskutiert, auch nicht immer nur sachlich, aber dies sei nur am Rande bemerkt.
Letztlich musste ich eine Entscheidung treffen, und ich beschloss schließlich, Peter Torberg auf seine Einlassung folgendermaßen zu antworten:






Sehr geehrter Herr Torberg,

vor einer Woche erreichte mich sehr überraschend Ihre Nachricht (...)


Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der Übersetzer dieses schönen Buches sich mit mir in Verbindung gesetzt hat, dafür schon einmal herzlichen Dank. Darüber hinaus fühlte ich mich allerdings mit Ihrer Aussage zunächst doch überfordert. Natürlich erlebt man die Lektüre eines ursprünglich anderssprachigen Buches nur dann als gelungen, wenn der Übersetzer talentiert ist und er den Charakter des Buches gekonnt in eine andere Sprache zu übertragen vermag. Und natürlich ist auch klar, dass ein Buch nicht wortwörtlich 1:1 übersetzt werden kann, aber die Erzählung selbst, der Verlauf der Geschichte, die Charaktere und auch die Art der Sprache sind doch wohl vorgegeben?

Da ich mir jedoch unsicher war, ob ich nicht vielleicht einen Denkfehler begehe oder Tatsachen übersehe, war ich so frei, und habe diesen Ihren Einwurf in einem Bücherforum als Diskussionsbeitrag eingestellt. Über 50 Beiträge sind hierzu bisher eingegangen, und so viel sei verraten: es wurde sehr kontrovers diskutiert. Vieles konnte ich nachvollziehen - mit dem Effekt, dass ich mir immer noch keine eindeutige Meinung gebildet habe. Daher habe ich nun beschlossen, den betreffenden Abschnitt in der Rezension zu ändern und neutraler auf die Sprache des Buches einzugehen:

'Abgesehen von der geschickten Verschachtelung der Szenen, die stets nur einen winzigen Ausschnitt beleuchten, genug, um eine Ahnung zu erhaschen, zu wenig, um wirklich etwas zu fassen zu bekommen, ist es die Sprache Woodrells, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Mit wenigen Sätzen, rasch skizzierten Bildern, vermochte es der Schriftsteller, mich mitten in eine Szene zu katapultieren:'

Daraus wurde nun:

'Abgesehen von der geschickten Verschachtelung der Szenen, die stets nur einen winzigen Ausschnitt beleuchten, genug, um eine Ahnung zu erhaschen, zu wenig, um wirklich etwas zu fassen zu bekommen, ist es die Sprache der Erzählung, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Mit wenigen Sätzen, rasch skizzierten Bildern, gelang es bereits, mich mitten in eine Szene zu katapultieren:'

Außerdem habe ich oben unter dem Klappentext nun den Namen des Übersetzers hinzugefügt - was ich ab sofort wohl bei jedem im Blog vorgestellten Buch tun werde, das nicht ursprünglich auf Deutsch geschrieben wurde. (...) 

Ihr Einverständnis vorausgesetzt würde ich darüber hinaus auch in naher Zukunft einen eigenen Blogbeitrag diesem Thema widmen und dabei auch die Diskussion aus dem Bücherforum zumindest auszugsweise hinzufügen. Immerhin handelt es sich um einen nicht unerheblichen Aspekt, dem man als "Normal-Leser" (ohne Studium der Literaturwissenschaften o.ä.) vielleicht nicht genug Aufmerksamkeit schenkt...

Mit einem herzlichen Dank für die Denkanstöße verbleibe ich

mit freundlichem Gruß

Anne Parden




Peter Torberg
Und dann gab es auch noch eine sehr nette Antwort von Peter Torberg, mit der ich sehr gut leben kann...

Vielen Dank für Ihre sehr klare, sehr ausführliche Antwort. Ich bin gern, sehr gern bei allen Diskussion dabei! Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden.

Ich habe mich sehr gefreut über die schöne Besprechung.

Mein Punkt war eigentlich recht einfach: Viele Rezensenten, ob Zeitung, Fernsehen, Netz, besprechen ein Buch, als hätten Sie das Original gelesen, und vergessen dabei ganz, dass sie ja die deutsche Übertragung gelesen haben! Wie ein Dirigent mal schneller, mal langsamer, mal anders betont ein Stück intepretieren kann, so kann dies auch der/die Übersetzer/in. Es kann also durchaus passieren, dass das Original recht einfach daherkommt, die Übersetzung aber eine Ader findet, die den Leser in DIESER EINEN SPRACHE ganz anders anspricht. Vorgabe ja, aber die Umsetzung ist der entscheidende Punkt. (Unter uns Pastorentöchtern: es gibt Fälle von verhunzten Originalen, die in der Übersetzung durchaus zum Erfolg wurden ... man kann also viel machen)

Ganz nebenbei: Es ist ja wirklich so, Sie haben meine Worte gelesen, nicht die von Woodrell. Es ist übrigens nach dem Urheberrecht Pflicht für die Verleger und die Rezensenten in den Medien, den Übersetzer zu nennen, so wie man ja auch den Fotogafen, den Dirigenten, den Solisten nennt. Meine Worte sollen dem Original natürlich so nah wie möglich kommen und den Grundton wiedergeben, doch wie ich es drehe und wende: die deutsche Fassung schreibt der Übersetzer, die Übersetzerin. Dass dies dem Leser nicht auffällt, ist ja schon mal ein gutes Zeichen. Aber die Kritiker des Buchs (und in diesem Falle auch Sie) dürfen diesen einen Schritt nicht außer acht lassen. Schadet ja auch nicht! Ich weiß das ja aus meinem eigenen Lesen: Ob Original oder Übersetzung. Ist mir doch egal: Hauptsache, die Geschichte, die Schreibweise packt mich.

Nennt die Übersetzer! Wir sind wichtig! Und das schon seit Jahrhunderten! Es gibt wohl kaum noch auf der Welt eine so hohe Schule des Übersetzens wie ins Deutsche, wie man ja im Kino jeden Abend hören kann (manchmal gut, manchmal weniger ....) gedubbed wird ja kaum irgendwo auf der Welt. Untertitelt vielleicht noch. Und wir Ü's achten sogar möglichst auf die Lippenbewegung! Schönes Beispiel: Peter Sellers (Magnum PI) im Original und auf dt. ... ach herrje ...

mit bestem Gruß

Ihr PT


Seit diesem E-mail-Wechsel habe ich es m.E. nicht mehr versäumt, stets auch den Übersetzer mit anzugeben, wenn es sich nicht um ein deutschsprachiges Buch im Original handelt.

Und wie haltet Ihr das?



© Parden

Montag, 13. Oktober 2014

Beck, Zoë: Ein zufriedener Mann


Zoë Beck beschreibt Menschen in Ausnahmesituationen: Da ist Gil Peters, die Angstpatientin, die mit der Außenwelt ausschließlich über das Internet kommuniziert und sich damit ganz gut arrangiert hat – bis ihre Therapeutin in Urlaub fährt und die Lage eskaliert. Da ist eine Gruppe Jugendlicher, die langsam das Erwachsenwerden entdeckt, als die Mutter einer Mitschülerin tot aufgefunden. Da ist der Journalist, den eine unerwiderte Liebe zum Stalker macht, bis sein Leben vollkommen entgleist. Da ist die namenlose Endzwanzigerin, die vor zwei Jahren im Krankenhaus aufwachte, ohne Erinnerung an ihr bisheriges Leben und seitdem schlaflos durch die Obdachlosenszene Hamburgs geistert – bis sie schließlich eine Frau entdeckt, die ihr bekannt vorkommt und sie langsam ihre eigene, unglaubliche Geschichte entdeckt … 
Das alles ist scharf beobachtet, psychologisch dicht erzählt und spannend: Die zehn Geschichten ihres ersten Erzählungsbandes entwickeln einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Mit einem genauen Blick für Lebenssituationen und psychologische Abläufe betrachtet Zoë Beck Menschen, die in Situationen geraten, die sie nicht mehr kontrollieren können. Neben ihren Thrillern ist Zoë Becks eine souveräne Meisterin der Kurzgeschichte. Sie verdichtet eine Reihe unterschiedlicher zwischenmenschlicher Konstellationen zu kleinen Prosajuwelen. Ihre Figuren leben im Hier und Heute, ihre Konflikte sind an die Realitäten unserer Zeit gebunden. Ihre jeweilige Einzigartigkeit wird in Becks kühler, klarer, unsentimentaler und präziser Sprache sichtbar.




  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 503 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 121 Seiten
  • Verlag: CulturBooks - elektrische Bücher; Auflage: 1 (31. Juli 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch








 EINE AUSSERGEWÖHNLICHE SAMMLUNG...

Quelle
 
Zoë Beck wird in erster Linie den Liebhabern des Krimi- und Thrillergenres ein Begriff sein. Doch dass sie auch anders kann, beweist sie in dieser kleinen Sammlung von zehn Kurzgeschichten.
Die Geschichten beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Themen, bei denen ich manchesmal dachte: Wie kommt man nur darauf? Dabei stehen stets Personen im Fokus, die irgendwie nicht ganz dazugehören, durch irgendeinen Umstand aus der Bahn geworfen sind oder werden.



 
"...und beschlossen, nicht mehr einfach nur zufrieden, sondern glücklich zu sein."


 

Auf den Inhalt einzelner Geschichten einzugehen, würde hier wohl den Rahmen sprengen, und doch wären sie es wert. Denn trotz der Kürze sind die zehn Erzählungen sehr intensiv und in ihrer Kompaktheit fesselnd.
Stimmung, Ton und Stil sind in jeder der Kurzgeschichten anders, und es gelingt der Autorin oftmals wirklich zu überraschen. Sprachlich sehr eingängig und präzise geschrieben, ist es erstaunlich, welche Themen sich da oft plötzlich im Verlauf entpuppen - unberechenbar und spannend.

Einzig wenn es gelegentlich etwas ins Surreale abglitt, wollte es mir nicht so richtig gefallen. Aber die Mehrzahl der Kurzgeschichten haben mich wirklich begeistert, und es fällt mir schwer, hier eine Lieblingsgeschichte zu benennen...
In jedem Fall macht diese außergewöhnliche Sammlung Lust auf mehr. Ganz sicher werde ich jetzt Ausschau halten nach weitern Büchern von Zoë Beck.


© Parden








Zoë Beck (* 12. März 1975 als Henrike Heiland) ist eine deutsche Schriftstellerin, Verlegerin und Übersetzerin.
Im Alter von drei Jahren begann sie, Klavier zu spielen. Es folgten zahlreiche Auftritte und vielfache Auszeichnungen bei Wettbewerben. Nach dem Abitur studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes in Gießen, Bonn und Durham deutsche und englische Literatur. Sie schloss ihr Studium mit einer Magisterarbeit über die Kriminalschriftstellerin Elizabeth George ab.
Anschließend arbeitete sie als Lektorin und TV-Producerin bei der Kirch-Gruppe. Seit 2004 ist sie als freie Autorin tätig und lebt in Berlin.
Beck schrieb zunächst Drehbücher. Seit 2006 veröffentlicht sie als Schriftstellerin hauptsächlich Prosa.

Nach einer überstandenen Krebserkrankung im Jahr 2007 benannte sie sich um in Zoë Beck.
Gemeinsam mit Jan Karsten gründete Beck 2013 den E-Book-Verlag CulturBooks, der auf literarische Texte spezialisiert ist. Der Verlag ging hervor aus dem Online-Feuilleton Culturmag, für das beide immer noch regelmäßig schreiben. Auch als Vortragsrednerin engagiert sie sich für die Online-Buchbranche.
Zoë Beck ist neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit als literarische Übersetzerin und als Synchronregisseurin für Film und Fernsehen tätig. Von September 2013 bis August 2014 war sie die Kolumnistin der SWR2-Sendung LiteraturEN, einer Radio-Kolumne, die jedes Jahr an einen anderen zeitgenössischen Autor vergeben wird.

► Quelle Text und Bild

Sonntag, 12. Oktober 2014

Ken Folletts TRILOGIE DES 20. JAHRHUNDERTS... Teil III

Von Mauerbau bis Mauerfall und ein wenig darüber hinaus.

Achtung: Könnte etwas "spoilerhaft" sein...




Im Jahre 1961 beginnt der dritte Teil der Jahrhundertsage von Ken Follett. Nach STURZ DER TITANEN und WINTER DER WELT kam nun endlich im September 2014 KINDER DER FREIHEIT auf den Büchermarkt.

* * *
Wir begegnen den bekannten Familien nun in der Generation der Enkel und Urenkel der Familien PESCHKOW (Sowjetunion und USA), FITZHERBERT und WILLIAMS (Großbritannien), VON ULLRICH und FRANCK (BRD und DDR) und DEWAR (USA). Wir begegnen aber auch noch den Großeltern selber: Grigori und Lew, Fitz und Maud und Ethel Leckwith – Williams. Insgesamt blicken wir in allen drei Bänden auf eine Zeit von 1911 bis 2008 zurück – wahrlich ein Jahrhundert.

Im dritten Band nun geht es natürlich um den Bau der Mauer im August 1961, welcher die Familie ULLRICH / FRANCK zerreißen wird. Die Kuba – Krise, das Schweinebuchtdesaster der CIA ist Thema in den USA, George JAKES, Nachkomme von Lew PESCHKOW arbeitet für Robert F. Kennedy, Justizminister seines Bruders John F. Kennedy.* Auf der anderen Seite begegnen wir als Mitarbeiter des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chrustschow dem Enkel von Grigori PESCHKOW, dem Dimka DWORKIN.

Dave WILLIAMS, Enkel von Ethel WILLIAMS und Earl FITZHERBERT wird als Bandleader einer Rockgruppe** berühmt werden, vor allem weil er auf Walli FRANCK trifft, begnadeter Gitarrist, der wie seine adoptierte Schwester REBECCA in den Westen geflohen ist. Wallis Großmutter ist Lady MAUD von ULLRICH, Schwester des alten Earl Fitzherbert.

Ein großes Thema ist auch die Bürgerrechtsbewegung in den USA und deren großer Vertreter Dr. Martin LUTHER KING.
 


Bis zum Fall der Mauer, den DIMKA an der Seite Michail Gorbatschows erlebt und Cameron DEWAR in den Reihen der CIA, begleiten wir die Familien, erleben Glück und Trauer, Erfolge und Niederlagen, die hier meist nicht nur familiär sondern immer auch verbunden sind mit der Politik und den Geschehnissen in der Welt. Die Angst der Figuren vor einem Atomkrieg während der Raketenkrise ist förmlich spürbar, die Freude als sich die Familie FRANCK in Ungarn wiedertrifft Anfang der achtziger Jahre ebenso. Berührend die Szene, als ETHEL, die inzwischen als Angehörige des englischen Oberhauses von Enkel DAVE per Rollstuhl ins Parlament geschoben wird und beide dort auf den alten FITZ stoßen. Eine alte Liebe wird da noch einmal auf wenigen Zeilen und doch groß dargestellt, eine Liebe, die wegen der gesellschaftlichen Umstände und der Standesunterschiede eines Hausmädchens und eines englischen Earls nicht halten konnte. Ein großer Bogen wird geschlossen, als FITZ und Enkel DAVE zur Beerdigung von Maud von ULLRICH nach Ostberlin fahren und dort auf die Familie FRANCK treffen.

Die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten der USA ist das Schlussbild des Romans, George Jakes sitzt, nun auch schon über 70 Jahre alt im Kreise seiner Familie vor dem Fernseher und verfolgt das Geschehen.
 

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Es ist ein riesiges Projekt, welches Ken FOLLETT da bewältigt hat. Die Recherche muss gewaltig gewesen sein. Am stärksten wirkten auf mich die Zeiten der Kuba – Krise und der Bürgerrechtsbewegung. Natürlich waren auch die Szenen unmittelbar nach dem Mauerfall berührend, aber immer dann, wenn Follett die Zustände und das Umfeld in der DDR und der Sowjetunion beschrieb, hatte ich nicht so ein gutes Gefühl. Zugegeben, die Familie FRANCK ist eine Familie, die sich in der DDR nie wohl fühlte und dies hat FOLLETT auch dargestell. Staatsnah dagegen war die Familie PESCHKOW, sieht man mal von DIMKAS Zwillingsschwester TANJA ab, die einem Dissidenten hilft, seine Werke im Westen zu verlegen – Romane und Geschichten aus dem GULAG.***  Ich habe schon einmal geschrieben, dass man FOLLETT als klassischen Antikommunisten bezeichnen könnte, zugleich natürlich ist er Realist und Demokrat. Doch hinter dem Eisernen Vorhang ist für ihn alles einheitlich grau in grau. Nur der Beginn der Perestroika oder auch die Geschichte der polnischen Gewerkschaftsbewegung der SOLIDARNOSC im Teil DIE WERFT (Gdansk / Lech Walesa) sind da etwas bunter, wenn ich das mal so schreiben darf.

Etwas danebengegriffen hat er glaube ich, mit der Geschichte um den jungen Dimka DWORKIN an der Seite Chrustschows. Ein enger Mitarbeiter im Kreml, der mit Kommilitonen ins „Ferienlager“ / Zeltlager fährt und seinen Herrn und Meister in von seiner Mutter selbstgenähten kurzen Hosen berät. Man sollte sich die Sowjetunion nicht allzu einfach vorstellen. Der Zusammenbruch der DDR hat allerdings auch gezeigt, dass in der Politbüros der kommunistischen Parteien durch aus seltsame und undemokratische Führungszustände geherrscht haben müssen.
Noch eines fand ich seltsam, das Wort AFGHANISTAN fiel überhaupt nicht. Weder der Einmarsch der Roten Armee zur Unterstützung der Regierung Nadschibullahs, nicht die Unterstützung der Mudschaheddin´s noch der Rückzug der Roten Armee spielte eine Rolle und sind doch wichtig gewesen im Zusammenhang mit den Stationierungen der Mittelstreckenraketen beider Bündnisse in Europa, welche durchaus eine Rolle in der Handlung spielte.

Interessant wiederum folgende Szene. Egon KRENZ, Staatsratsvorsitzender der DDR und Generalsekretär der SED sitzt im Herbst 1989 bei Gorbatschow in Moskau und "beichtet", dass die DDR, "das Kind der Sowjetunion", 12 Milliarden Dollar Schulden aufweist. Aber auch die DDR, wie in einer anderen Szene vorher Ungarn, wird "entlassen": Die UdSSR hat kein Geld mehr.****

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Ich äußere mich ja selten zur Gestaltung von Büchern. Im Falle der Jahrhundertsaga aber muss ich es tun. Schon die Schutzumschläge der Bücher sind aufwendig und dabei farblich dezent gestaltet. Natürlich ist im Fall von KINDER DER FREIHEIT das Brandenburger Tor das zentrale Element. Interessant auch der Stempelabdruck der DDR – Grenzkontrolle. Jeder Teil beginnt mit einer thematisch gut getroffenen Collage. Die Kapitel selber enden mit einem kleinen Bild, passend zum Land, welches gerade im Fokus stand. Also von der Freiheitsstatue über eine Lenin-Büste zum Brandenburger Tor. Sehr schön gemacht. Man schaut sich diese Collagen gern länger an und entdeckt zum Beispiel interessante eingebaute Texte. Zum Beispiel einen Brief: „Dear Mr. Kissinger….“, an den Secretary off State – als es um die Beendigung des Vietnamkrieges geht.


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Politisch und historisch interessierte Leser werden großen Spaß beim Lesen haben, schwierig ist höchstens, die einzelnen Figuren immer richtig den Familien zuzuordnen. Zum Glück ist das Buch mit Stammbäumen versehen und hält auf den ersten Seiten eine umfangreiche Liste der handelnden Personen bereit. Manchmal hätte ich mir noch ein paar Querverweise auf Nebenfiguren gewünscht. Der Vater von Dave zum Beispiel, Lloyd Williams, ist hoher Beamter im britischen Außenministerium, der hätte sicher etwas zur Politik Großbritanniens bei den 2+4 Verhandlungen „aussagen“ können.


Die Verknüpfungen der Familien sind schon spannend, wenn auch in der Realität kaum möglich. Hier ist es ein Roman über knapp 100 Jahre, da hält eine solche Geschichte hervorragend den Faden bereit, an dem man sich lang hangeln kann, man zieht sich förmlich am Ariadnefaden durch das Labyrinth weltpolitischer und „weltfamiliärer“ Verstrickungen.

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Uns liegt hier ein wirklich gutes Buch vor, bin gespannt, ob dieser Stoff verfilmbar ist, die Filmrechte, so las ich gestern sind wohl schon verkauft. Ken Follett bleibt unbedingt im Fokus meiner Bücherausschau.

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► Ken Follett - Autorenseite
► DNB / Bastei - Lübbe / Köln 2014 / ISBN: 978-3-7857-2510-8 / 1208 Seiten 

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Zu empfehlen für Geschichtsinteressierte: ► DIE KENNEDYS. Eine Miniserie, welche die Rolle der Familie Kennedy, vom Vater über John F. bis Robert F. sehr ausführlich zeigt.

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Follett erzählt am Beispiel von Daves Rockgruppe PLUM NELLIE von den  berühmten ► "Mauerkonzerten"

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Ähnlichkeiten zu ► AlexanderSolschenizyn sind bestimmt beabsichtigt gewesen. Selbst hier gibt es dann eine Verbindung zu anderen wichtigen Personen aus der westlichen Hemisphäre, die Verlegerin des britischen Verlages ist mit den Williams bekannt.

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Fast genau wie im Buch beschrieben gibt es diese Szene im DOKU-Spielfilm         ►DEUSCHLANDSPIEL. Übrigens ist da in einer ganz tollen Nebenrolle Sir Peter Ustinov zu sehen, als Botschaftsrat  Igor Maximytschew. Hat Ken Follett sich diesen Film angesehen?


© KaratekaDD