Sonntag, 12. Mai 2024

Keerl. Inès: Die Löwin vom Tafelberg

Das ist doch mal eine Nachricht: Inés Keerl steht mit der iher Löwin vom Tafelberg auf der Shortlist für den HOMER - Literaturpreis für historische Romane für das Jahr 2024. Im letzten Jahr kam das Buch heraus. Daher war die Buchbesprechung schon vorher im Netz. Den Anlass nutzend, stelle ich die Rezension an die Spitze, da heißt, ich hole sie aus der vorjährigen Versenkung.


 Die Königin vom Tafelberg
Catharina Ustings kühner Weg in die Freiheit / 
Die Siedlerin vom Kap der Guten Hoffnung

Das sind ja gleich drei Titel, den dieses Buch aufweist, was eigentlich nach Fortsetzungen schreit, aber bleiben wir mal bei Tafelberg, der sich nun auch in meinen Gedanken mit Kapstadt und den Kap der Guten Hoffnung verbindet. Das es mich da einmal hintreibt, würde ich ja ob noch vieler anderer Reiseziele eher nicht annehmen, aber nun war ich mit Catharina Usting schon mal literarisch dort.

Fünf Sätze in einem südafrikanischen Reiseführer ließen die Autorin Inés Keerl auf ihre Hauptfigur aufmerksam werden und mit Hilfe von Lea Kortes Romanschmiede, an der Inès Keerl auch coacht, wurde dieses Buch daraus, welches mir auf der Leipziger Buchmesse in die Hände fiel. Da lernte ich beide Autorinnen dann auch gleich von Angesicht zu Angesicht kennen. Inès Keerl hat jahrelang Drehbücher verfasst und dafür aus ihrem "Brotberuf" den "Traumberuf" gemacht. Vor Jahren geriet mir die Kinderserie "Magna Aura - Die verschwundene Stadt" zufällig in den "stream" und nun weiß ich, wer da unter Anderen mitwirkte.. Und nun lernte sie eben aus Drehbüchern Romane zu machen...

Es beginnt wie so oft mit einer Flucht. Catharina läuft vor einer Zwangsheirat davon und in Lübeck findet sie einen Ostindienfahrer, der ganz sicher großen Abstand zur Heimat bringen wird. Kann sie ein hopelooper werden, ein Schiffsjunge? Als Junge hat sich sich schon mal verkleidet. Doch der Kapitän hat schon einen über die Rolle hinaus aufgenommen. Also schleicht sie sich an Bord und lebt die nächsten Wochen im Bug und Bauch des Schiffes, in unglaublichen Dreck und Gestank, inmitten von Ratten und immer in Angst, entdeckt und kielgeholt zu werden. Dann sieht sie die Vergewaltigung des hopeloopers Simon... Natürlich wird sie erwischt und entkommt der Strafe, weil der Kapitän auch auf Fürsprache eines jungen Kaufmannes einen neuen Schiffsjungen braucht...

Der Matrose, der den anderen Jungen auf dem Gewissen hat wird zum Feind, schon bevor sie  sie die Siedlung der Vereinigten Ostindischen Kompanie erreicht haben, Catharina wieder zur Frau und eine Heirat soll vor Verfolgung und Not schützen - Schon wieder heiraten.

Und nun lebt sie da, inmitten anderer Vrijburghers und Khois, die dort auch Hottentotten genannt werden. Hans Ras, den sie heiratet nach ihrer Frage "Du wirst mich niemals schlagen?", wird später zum Freund und Geliebten und doch ist sie immer da, die Gefahr...

Da braucht sie nun schon die „freien Bürger", die VOC, die Compagnie, die übermächtige, die als einzige ihrer Art nennenswerte Gewinne aus dem Ostasienhandel bringt und die Burghers am Gängelband hält. Es ist ein Katz- und Mausspiel zwischen den rauen Männern und resoluten Frauen und der Compagnie, die nicht will, dass die Bürger mit den Khois um deren Rindvieh handeln. Sie sollen gefälligst Gemüse anbauen, das Vieh will die VOC selber handeln für die Ostindienfahrer, die die Station am Kap anlaufen und sich für die Weiterfahrt versorgen müssen. Damit macht die VOC Gewinn...

"Wer den Profit hat, der hat die Ehre und mit dem ist Gott"

predigt der secundus (Vertreter) Lacus in der Siedlung am Kap in Ermangelung eines Priesters und dies ist ein Wahlspruch der VOC, der Vereenigde Oostindische Compagnie.

* * *

Die Geschichte erinnert durchaus an die Besiedlung Nordamerikas, aber man muss sich ja nichts vormachen, ob Rohstoffe oder Pelze oder Land in Nordamerika sind es hier hat die Gewürze aus Ostasien, die sich gut verkaufen lassen und die VOC benimmt sich nicht anders als später die Landgesellschaften in Nordamerika. Die Vrijburghers ähneln in ihrem Verhalten den sogenannten Grenzern und Westmännern, als diese mit den Stämmen der Indianer einfach Geschäfte machten; sind sind sie doch hier, am Kap, eher Partner der eingeborenen Khois. Noch...

Die Kapkolonie hat unter Wikipedia unter dem Stichwort VOC nur wenige Zeilen abbekommen, es waren wohl meist Straffällige, die zuerst dort angesiedelt wurden. Ähnlichkeiten zu Australien und Großbritannien drängen sich auf. Der Roman spielt zu der Zeit, als man begann das Kasteel de Goede Hoop gerade zu bauen, er beginnt 1661...

* * *


oben links: Tafelberg hinter der Stadt
unten links: Plan des Kasteel op Goede Hoop
Mitte: Flagge der VOC
oben rechts: Robben Island - schon damals ein Platz für Verbannte und Gefangene
unten rechts: Nachgebauter Ostindienfahrer

Eine spannende Geschichte hat Inès Keerl verfasst, die die Härten der Seefahrt, das Überleben an Bord eines solchen Ostindienfahrers und das ebenso nicht ungefährliche Leben am Kap, auch wegen Klapperschlangen und Raubtieren anschaulich beschreibt.

Persönlich hat mich erstaunt, dass sie ihre Heldin so lange hat als blinde Passagierin fahren lassen, ich meine, dass sie so lange nicht erwischt wurde. Hier wurde die unterste Schicht der Siedler, ihre Beziehungen untereinander und zu den einheimischen Khois beschrieben, ein Buch über die Arbeitsweise der VOC würde mich jetzt reizen, also die Kaufleute.

Hilfreich ist das Glossar mit den niederländischen Begriffen, angefangen beim hopelooper...

* * *

Kurz und gut, ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar und unser lustiges Treffen in Leipzig, liebe Inès und wenn da noch ein Buch dazu kommt, kannst du es auch in meine Richtung werfen.


  • DNB / emons: /  03-2023 / ISBN: 078-3-7408-1707-7 / 447 Seiten
  • Inès Keerl - Webseite


© Bücherjunge (27.05.2023)

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