Donnerstag, 3. Mai 2018

George, Margaret: Ich, Heinrich VIII.


Hervorgestöbert aus den Buchgesichter-Analen. Aus dem Jahr 2014 stammt die folgende, ein wenig aktualisierte Rezension zu einem historischen Roman von Margaret George. Ich, Heinrich VIII.


 Eine der bekanntesten historischen Gestalten Englands ist wohl Henry TUDOR VIII. Vater der späteren „jungfräulichen“ Königin Elisabeth. 1491 geboren kam er als Zweitgeborener Sohn Heinrichs des VII. auf die Welt und auf Grund des frühen Todes seines Bruders Arthurs doch zeitig auf den Thron. Er heiratete die Witwe seines Bruders Katharina von Aragon. Diese Ehe wurde später geschieden und weil der Papst nicht recht wollte, sagte sich Heinrich von der katholischen Kirche los und gründete die Anglikanische Kirche als deren Oberhaupt er sich bezeichnete. Diese war ein Mittelding zwischen Katholizismus und Protestantismus. Allerdings neigte der König mehr zum Katholizismus.



Heinrich war ein sehr kluger Mensch, er korrespondierte mit den Geistesgrößen seiner Welt. Hierbei müssen besonders die Humanisten genannt werden, deren englischer Vertreter Thomas MORUS später Lordkanzler wurde. Da der katholische Thomas Moore seinen Souverän nicht als Kirchenoberhaupt anerkennen wollte, starb er letztlich auf dem Schafott. Heinrich soll sehr getrauert haben, sah sich aber gezwungen, die Hinrichtung zu befehlen, da er keine Ausnahmen zulies.

Heinrich und seine Ehefrauen sind meist das Hauptthema in Romanen und Filmen. Von Katharina lies er sich scheiden, weil er ohne Tronerben blieb. Aus dieser Ehe entstammt Prinzessin Mary, die später als die Blutige Mary auf den Thron kam. Er verließ sie für Anne Boleyn, welche ihm Prinzessin Elisabeth gebar. Der vermutlichen oder vermeintlichen oder konstruierten mehrfachen Ehebruchs angeklagt, verlor Anne ihren Kopf. Des Königs große Liebe Jane Seymour da schon in Sicht. Diese gebar ihm den erwünschten Erben: Edward. Leider starb sie kurz nach der Geburt. Der König nahm als nächste Anna von Kleve, eine deutsche Prinzessin. Diese soll vom Maler Hans Holbein als viel hübscher als in der Realität gemalt wurden sein. Die Liaison mit einer ihrer Hofdamen, Catherine Howard ging Heinrich „folgerichtig“ ein. Da Heinrich durch die Suprematsakte nun als kirchliches Oberhaupt galt, hatte er kein Problem mit Scheidungen mehr. Da diese sich wohl nun wirklich als „Großhure“ betätigte, legte auch sie ihren Kopf auf den Block. Die letzte Frau Heinrichs wurde dann Katharina Parr, seine Altersliebe.


Anne Boleyn und Henry Tudor (YouTube)

Es ging also politisch und „familiär“ ganz schön rund in Heinrichs England.
In diesem 1200 seitigem Roman erzählt er selbst, kommentiert (gelegentlich) von seinem Hofnarren Will. Das Tagebuch zeigt einen absoluten Herrscher mit politischem Geschick, teils melancholisch, teils gewalt- und herrschsüchtig. Musikalisch gebildet und begabt (Stammt das Lied GREENSLEEVES tatsächlich aus seiner Feder?), komponierte er auch. Mehrere Sprachen beherrschte er auch. In der Theologie war er besonders bewandert und schrieb dazu mehrere Bücher.
Gegen Ende des Buches hat der Leser das Gefühl, dass der Tagebuchschreiber nicht mehr ganz durchsieht. Vielleicht waren Gicht und Syphilis inzwischen entsprechend weit fortgeschritten. Da findet man dann die Kommentare des Hofnarren hilfreich, der auch mal für Entwirrung sorgt.

Das Buch ist zwar enorm dick, aber für den, der sich auch für historische Details interessiert, hat Margaret GEORGE einen fassettenreichen und kurzweiligen Roman geschrieben. Wer dazu Bilder braucht, kann sich ja die Fernsehserie DIE TUDORS reinziehen, die scheint ziemlich nah dran zu sein. Da GEORGE die außenpolitischen wie innenpolitischen Zustände sowie die familiären Bindungen sehr genau beschreibt, mag des Buch manchem vielleicht etwas langatmig vorkommen. Aber genau diese Detailtreue beweist wieder einmal: Geschichte kann man auch mittels Romanen lernen und begreifen.



(Buchgesichter 2014)

Margaraet George wurde 1943 in Nashville / Tennessee geboren. Ihr literarischer Durchbruch war der Roman über Heinrich VIII. Sie schrieb auch Romane über Kleopatra, Helena, Maria Magdalena und Maria Stuart.


► DNB / Bastei/Lübbe / Köln 2007 / ISBN: 978-3-404-16354-0 / 1230 Seiten

© Bücherjunge




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