Montag, 11. September 2017

Hurwitz, Gregg: Orphan X


1. Gebot: Keine voreiligen Schlüsse

Das schwarze Satellitentelefon klingelt. Am anderen Ende ist ein Mädchen, das von einem korrupten Cop verfolgt wird. Evan Smoak wird ihr helfen.

4. Gebot: Es ist nie persönlich

Evan ist ein Absolvent des Orphan-Programms, in dem Waisenkinder zu hocheffizienten Killern ausgebildet wurden. Nach Jahren des Mordens für die Regierung ist er in den Untergrund gegangen. Er hilft nun den Verzweifelten, die nicht zur Polizei gehen können. Dabei hält er sich strikt an seine eigenen Gebote. Doch diesmal muss er gegen eine Regel nach der anderen verstoßen, damit die allerwichtigste unangetastet bleibt:

10. Gebot: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben


(Klappentext HarperCollins Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (10. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Mirga Nekvedavicius
  • ISBN-10: 3959670249
  • ISBN-13: 978-3959670241
  • Originaltitel: Orphan X
  • Reihe: Evan Smoak (Bd. 1)






Ich danke dem HarperCollins Verlag ganz herzlich für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!







DIE GEBOTE DES KILLERS...



Evan Smoak - so heißt er jedenfalls heute - ist einer der weltweit am meisten gesuchten Menschen. Doch niemand kennt seinen Namen, sein Gesicht oder seinen Aufenthaltsort, denn er operiert unsichtbar. Evan ist einer der gefährlichsten Killer der Welt, ausgebildet in einem geheimen Programm der Regierung für ganz besondere Aufträge jenseits der Legalität. Bereits mit 12 Jahren geriet Evan als Waisenkind in die Fänge des Orphan-Programms, dessen harte Schulung er durchlief, bevor er begann, im Auftrag der Regierung zu morden. Doch irgendwann begannen Zweifel in Evan zu wachsen an der Richtigkeit seines Handelns, und letztlich beschloss er, das Orphan-Programm zu verlassen. Auf der Flucht vor seinen ehemaligen Auftraggebern lebt Evan seither im Untergrund.

Auch heute noch profitiert der ausgebildete Killer von seiner harten Lehrzeit und den gesammelten Erfahrungen, denn Evan nimmt auch jetzt noch Aufträge an. Doch statt für die Regierung arbeitet er nun für absolut verzweifelte Menschen, die die Polizei aus welchen Gründen auch immer nicht um Hilfe bitten können und sonst keinen Ausweg mehr sehen. Nach eingehender Prüfung regelt Evan das Problem für sie und folgt dabei seinen ganz eigenen Geboten wie z.B. "Ziehe keine voreiligen Schlüsse" oder auch "Es ist nie persönlich", vor allem aber "Lasse niemals einen Unschludigen sterben". Als Bezahlung für seine besonderen Dienste verlangt Evan einzig und allein, dass der erlöste Auftraggeber nach erfolgreichem Abschluss einem anderen Verzweifelten die Nummer von Evan gibt, damit die Kette nicht abreißt.


"Finde jemanden, der mich braucht. Gib ihm meine Nummer: 1-855-2-NOWHERE." - "Die weiß ich doch noch. Klar weiß ich die noch." - "Es ist egal, wie lange du dafür brauchst. Wichtig ist nur, dass du jemanden findest, der in einer genauso ausweglosen Situation ist, wie ihr es wart. Erzähl ihm von mir. Sag ihm, dass ich am anderen Ende der Leitung auf ihn warte." - "Das ist alles?" - "Das ist alles." - "Mehr verlangen Sie nicht?" - "Gib meine Nummer nur einer Person. Nur einer. Anschließend vergisst du sie wieder. Dies ist ein einmaliger Service, nicht die Telefonseelsorge."



Evan geht bei allem überaus vorsichtig und umsichtig zu Werke. Er hat mehrere Wohnungen, in die er sich zurückziehen kann, verschiedene Autos, die er ständig wechselt, und ein ganzes Arsenal an Waffen sowie die neuesten technischen Errungenschaften. Zudem ist er bestens in allen Kampftechniken bewandert, verfügt über beneidenswerte Reflexe und über die Fähigkeit der Konzentration selbst im Auge des Sturms. Evan ist auf alles vorbereitet, so dass ihn nichts und niemand überraschen kann - so hofft er jedenfalls. Doch irgendwann beginnt es  gewaltig schief zu laufen. Da wächst nicht nur plötzlich die Zahl derjenigen, die dringend Evans Hilfe benötigen, sondern mit jedem Schritt, den er tut, häufen sich die Anzeichen, dass da jemand mit viel Einfluss hinter ihm her ist. Da wird aus dem Jäger plötzlich ein Gejagter, und ein Katz- und Mausspiel der besonderen Art nimmt schließlich seinen Lauf. Wer auch immer ihn verfolgt - er ist Evan ebenbürtig. Wem kann er überhaupt noch vertrauen?

Schon lange war ich neugierig darauf, endlich einmal ein Buch von Gregg Hurwitz zu lesen, und als ich die Möglichkeit erhielt, mit Orphan X den Beginn einer neuen Reihe kennenzulernen, schlug ich begeistert zu. Obschon ich Action-Thrillern nicht unbedingt zugeneigt bin, konnte mich dieser Reihenauftakt doch positiv überraschen. Zwar drängten sich beim Lesen zeitweise Superheld-Gedanken auf, doch thematisiert Hurwitz dies z.T. selbst mit einem kräftigen Augenzwinkern. Und dass der Autor neben seinen Thrillern auch Drehbücher für Hollywood-Studios schreibt, lässt sich auch in diesem Buch merken - viele Szenen waren nahezu filmreif und entsprechend spannend.

Evan selbst ist nicht nur die Killermaschine, die er zunächst zu sein scheint, sondern trägt auch die leise Melancholie des einsamen Wolfes mit sich herum und kann tiefe Züge von Mitmenschlichkeit nicht leugnen. Diese Widersprüchlichkeit macht den Charakter so interessant, und wenn man die Idee eines Superhelden erst einmal zulässt, macht das Lesen einfach nur noch Spaß. In einzelnen Kapiteln gewährt Hurwitz zudem einen Rückblick auf die Vergangenheit Evans, auf seine harte Ausbildung zum Killer der Regierung und auf seinen Ausbilder Jack, der fast zu etwas wie einer Vaterfigur für Evan wurde.

Die meist nur wenige Seiten langen Kapitel sind jeweils passend betitelt - zunächst lässt sich mit dem Titel nichts anfangen, doch später findet er sich stets wortgenau im Text wieder und erschließt so seinen Sinn, was mir gut gefallen hat. Der flüssige Schreibstil, die bildhafte Sprache und die kurzen Kapitel, die zudem teilweise noch mit einem Cliffhanger enden, lassen die Seiten nur so vorbeirauschen, wozu die spannende Handlung natürlich auch ihren Beitrag leistet. Bis zur letzten Seite ist man vor Überraschungen nicht sicher, und tatsächlich klappte mir am Ende der Unterkiefer noch einmal richtig herunter.

Einen überaus gelungenen Auftakt zu der neuen Reihe hat Gregg Hurwitz hier abgeliefert. Spannend, unterhaltsam, humorvoll, durchdacht und filmreif - mit einem Wort: empfehlenswert!


© Parden















Der HarperCollins Verlag schreibt über den Autor:

Gregg Hurwitz schreibt neben Thrillern Drehbücher für die großen Hollywood-Studios sowie Comicbücher für so prestigeträchtige Verlage wie Marvel (Wolverine, Punisher) und DC (u.a. Batman). Mit seinen Büchern hat er den Weg auf die New York Times-Bestsellerliste gefunden und seine 15 Thriller sind mittlerweile in 22 Sprachen übersetzt worden.

übernommen vom HarperCollins Verlag

1 Kommentar:

  1. "Ein Mädchen hat keinen Namen!" Dieser Hinweis geht an an Arya Stark von Winterfell, die im Turm der 1000 Gesichter ausgebildet wird. Zu was? Siehe oben.

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