Sonntag, 31. Juli 2016

Wißmann, Ulrich: Tanz mit Schlangen


Indianerkrimi ??

Ja, ja, es ist schon ein Krimi, auch wenn man etwas zurückzuckt, liest man dieses Wort. Auf dem Buchdeckel steht „Ethno-Krimi“. Nun, ob es das trifft… Auf jeden Fall geht es mal nicht um Prärieindianer, die bisher im Fokus der von mir konsumierten Bücher standen.

Im Roman von Ulrich Wißmann stehen die HOPI im Vordergrund und deren Religion. TANZ MIT SCHLANGEN spiegelt dies gut wieder, denn der Tanz mit Klapperschlangen ist eine Zeremonie. Hopi sind Pueblo-Indianer. Sie leben heute inmitten eines großen Navajo-Reservats.

Das Buch erzählt davon, dass die Hopi daran glauben, dass der Mensch mit der Natur leben muss, andernfalls wird er diese Welt nicht überleben. Daraus erwächst bei Traditionalisten eine bestimmte Art von Armut und Verzicht. Natürlich gibt es auch Gegner dieser Anschauungen, davon handelt letztlich dieses Buch.

Beim Schlangentanz stirbt ein Ältester des Stammes der Hopi. Albert Tasajeswa, der sich mit den eigentlich behäbigen und vor allem keineswegs hungrigen Klapperschlangen auskannte wie kein Zweiter, wird von einer Schlange gebissen. Von einer Crotalus viridis. Die Schlange, zu dem Ergebnis kommt der S.A. Jackson Caldwalder (FBI) und der Navajo-Stammespolizist Frank Begay.[1] Albert Tasajeswa war so ein Traditionalist, der gegen die Kohleförderung auf dem heiligen Berg der Hopi protestierte. [2] Diese allerdings gibt besser bezahlte Arbeit, daher sind andere Stammesangehörige eher für die Ausbeutung der Minen.[3] Mordmotive sind also denkbar.
Die beiden Ermittler bilden mit dem Hopi Charles Quochytewa, ebenfalls ein Stammespolizist, alsbald ein Trio. Es dauert nicht lange bis zum nächsten Mord…

* * *

Bekannt ist vielleicht eher, dass die Hopi wie auch die Navajo für die Herstellung von Kunstgegenständen bekannt sind, die in den Reservationen und auch außerhalb verkauft werden. Verkauft werden auch, und hierbei geht es wirklich um Berührungen zur Religiosität der Hopi, sogenannte Katchina-Puppen. Auch in diesem Roman spielt eine solche Puppe, die als Kill-Priest-Katchina auf einen Jahrhunderte zurückliegenden Fall von Priestermord hinweist, eine Rolle. 

Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass die Schlangen, die beim Schlangentanz-Kult der Hopi benutzt werden, gar keine Giftzähne mehr hatten. Aber darauf kommt es hier gar nicht an.



Quelle Verlag
Vielmehr hat der Autor, Ulrich Wißmann, einen Roman geschrieben, der auf unterhaltsame Art nun nicht gerade in die Spiritualität eines Indianerstammes einführt, aber auf die Besonderheiten neugierig macht. Das heißt, er lädt zum weiteren Schmökern ein. Zudem ist es ein Buch, dass auf die Probleme in den allermeisten Reservationen der verschiedensten Stämme hinweist: Armut, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit.

Nicht nur in Sachbüchern lassen sich interessante Aspekte verpacken, auch in Romanen ist dies sehr gut möglich. So weist Wißmann darauf hin, dass die amerikanische Verfassung durchaus bei den Irokesen Anleihen nahm und erzählt über die Sprachen der Indianer folgendes:

„… Indianische sprachen sind derart komplex, dass es schwierig ist, etwas genau zu bezeichnen, es dann auch noch auf völlig anderes zu beziehen, wie beim Fluchen, geht gar nicht! Die europäischen Sprachen funktionieren eben ganz anders. Indianer können zwar vieles ausdrücken, was Weiße gar nicht denken können, aber vieles, was für Weiße selbstverständlich ist, funktioniert in indianischen Sprachen nicht. Sie sind ungeheuer genau, deswegen kann man nicht etwas aus einem Bereich in den anderen übertragen. Das gesamte System der Weißen aber basiert auf diesen Übertragungen: Geld gegen Arbeit, Zeit für Geld, Miete, Zinsen, Löhne, das alles hätte sich Indianer gar nicht ausdenken können, weil sie es in ihrer Sprache auch nicht denken können… Unsere Sprachen kennen überhaupt keine Bilder. Wenn ein Indianer in seiner Sprache einen Gegenstand benennt, berührt er ihn auch, nimmt eine Verbindung auf, deshalb reden wir mit Pflanzen, Tieren und Bergen, für den Weißen ist es dagegen immer nur das Bild der Pflanzen, des Tieres oder Berges, das er ausdrückt.“ (Seite 135) 

War es früher die Exotik, das Bild des edlen Wilden, welches in die Welt gebracht wurde, so sind es für Menschen, die sich heute richtig für die indigenen Völker (nicht nur Nordamerikas) interessieren, eben solche Informationen, die, in einem Roman gut verpackt, weiteres Interesse hervorrufen. Jedenfalls geht es diesem Blogger hier so, der „seine Indianer“ als Erwachsener so wieder „neu“ entdeckte.

Auch wenn das Ende ein wenig voraussehbar war, vor uns liegt ein interessanter und kurzweiliger Roman, der auf nur 183 Seiten eine weitere indianische Welt ausbreitet, spannend verpackt.

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Ulrich Wißmann hat schon mehrere Bücher im Traumfänger-Verlag herausgebracht. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit den Indianern Nordamerikas. Der studierte Völkerkundler besuchte er verschiedene Stämme. Er schrieb auch über den indianischen Widerstand.

Dem Traumfängerverlag, namentlich Kerstin Groeper danke ich hier noch einmal für die interessanten Gespräche während der Buchmesse inLeipzig 2016 und für dieses Buch. 


DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 2015 / ISBN: 978-3-941485-47-1, 183 S.
© KaratekaDD


[1] Bei Kapitalverbrechen ermittelt laut gesetzt nicht die im jeweiligen Reservat zuständige Stammespolizei, sondern die Bundesbehörde FBI. Da die Hopis in Masse innerhalb des Navajo-Reservats leben, ist die Hinzuziehung des Navajo-Ermittlers verständlich. 
[2] Die Rohstoffe auf Reservationsgebieten sind seit deren Einrichtung Gegenstand von Verträgen und gebrochenen Verträgen und vor allem Streitgegenstand unter den jeweiligen indigenen Völkern selbst. 
[3] Der Transport der Kohle erfolgte durch Wasser. Daher senkte sich der Grundwasserspiegel, was für die ohnehin problematische Landwirtschaft Schwierigkeiten bei der Bewässerung erbrachte.

1 Kommentar:

  1. Indianerkrimi? Das ist ja mal eine ganz andere Art, Informationen an den Mann zu bringen (oder an die Frau). Keine schlechte Idee...

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