Sonntag, 17. Juli 2016

Palisander - Der Verlag


16. Juli 2016

Chemnitz, Sachsen. Hier hat ein kleiner, ein spezieller, ein sehr feiner Verlag seinen Sitz. Es ist der Palisander-Verlag. Blogger knüpfen im Laufe ihres Blogger-Daseins vermutlich zu mehreren Verlagen Kontakt. Dieser hier aber wurde in relativ kurzer Zeit intensiver.

Die Gründung.
Viola Rott sowie Anja und Frank Elstner gründeten den Verlag im Jahr 2003. Zwei Germanistinnen und ein promovierter Physiker und Übersetzer. Ursache für die Gründung war die fortgesetzte Beschäftigung mit den Kampfkünsten. Ein Autor hatte es dem Trio wohl besonders angetan, der Elsässer Roland Habersetzer und seine vielen Bücher, die es galt, in Deutschland zu vertreiben.

Später kam ein  zweites Thema dazu. Die Indianerliteratur. Ein alter Indianer mit Namen John Okute Sica war ein Ausgangspunkt, das interessierte insbesondere Frank Elstner. Jedoch war mit der vielfältigen Literatur über Kampfkünste der Verlagsaufbau besser zu betreiben, wie Frank Elstner mir auf der Leipziger Buchmesse 2016 gestand.

Den Blogger, welcher hier schreibt, kennt man unter dem Nicknamen KaratekaDD, also einen Karateka aus Dresden. Eigentlich wäre das schon genug Grund, den Verlag zu beachten. Allerdings wurde der Blogger zuerst auf das zweite Thema aufmerksam.

Die Indianerliteratur.

"Indianische Welten ermöglichen einen Einblick in unsere früheren Epochen der Menschheitsgeschichte." (F. Elstner)

Autorenseite
Es war eine Biografie, die mir in die Hände fiel. Erik Lorenz verfasste im Palisander Verlag das Buch Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer - Eine Biografie.

Lieselotte Welskopf-Henrich gehört unzweifelhaft zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen, das Buch sah ich in irgendeiner Buchhandlung, dass es im Palisander-Verlag erschienen war, hatte ich (vorerst) als völlig nebensächlich betrachtet.






Rezension
Der Verlag erhielt meine Aufmerksamkeit, als er mit folgendem Cover für eine Pentalogie der Schriftstellerin warb. DAS BLUT DES ADLERS. Auf meine Frage, ob es denn wahr sei, dass die fünf Bände in einem 2000seitigem Druckwerk für 86 € herauskämen, bekam ich die Antwort "natürlich nicht". Die Fünf Einzelcover stellte der Verlag in meiner Erinnerung erst später unter den Text zur Pentalogie.







Rezension
Von dieser Ausgabe war ich begeistert. Nicht nur die Bücher an sich, es war auch das jeweilige Zusatzmaterial, welches überzeugte. "Palisander" hatte nämlich eine Reihe von Literatur zusammengestellt, die die Handlung der Romane hervorragend ergänzten. Dazu zählt unter anderem das Buch DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN, von John Okute Sica, ein alter Lakota, den besagte Liselotte Welskopf-Henrich auf ihrer ersten Amerikareise in den sechziger Jahren kennen lernen durfte. Dr. Elstner erwarb später die Rechte und brachte das Manuskript endlich zur Veröffentlichung. Außerdem besorgte er die Übersetzung.





Rezension
Neben der Herausgabe hervorragender Sachbücher wie DIE LIEDER DER ALTEN LAKOTA von Francis Densmore über die Musik der Prärieindianer (einschließlich einer CD mit Beispielaufnahmen) und der Geschichten, Märchen und Mythen in ROTER VOGEL ERZÄHLT von Zitkala-Ša stellte der Verlag im Jahr 2015 seine Zuneigung zu Liselotte Welskopf-Henrich erneut unter Beweis, indem er ihr erzählerisches Gesamtwerk im eBook-Format herausbrachte.Teile davon sind auch als Paperback zu haben. 

Der sechsbändige Roman DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN ist hierbei das Hauptwerk. Diese Neuauflage des wohl bekanntesten Romans folgt dem Text der ersten Auflagen.




Ergänzt durch die bereits genannte Ausgabe der Pentalogie DAS BLUT DES ADLERS ist der Palisander Verlag der einzige, welcher sich so umfangreich dem Werk der Althistorikerin gewidmet hat.





Rezension
Kaum jemand kennt die weiteren Bücher der Professorin für Alte Geschichte, die auch autobiografische Züge tragen. Zu nennen wären hier Jan und Jutta und Zwei Freunde. Begeistert war ich von der Erzählung Der Bergführer, der Jahrzehnte nicht mehr aufgelegt wurde.
Erstmals verlegt wurde Bertholds Neue Welt, ein Fragment aus dem Nachlass der Autorin, welches die beiden soeben genannten Bücher einmal fortsetzen sollte.




Rezension
Rezension
Seinem Anspruch auf interessante und wahrhaftige Indianerliteratur wurde der Verlag ein weiteres Mal gerecht, als er Erik Lorenz´ Buch SITTING BULL im herausbrachte. die Vorstellung dieses wunderbar illustrierten Buches erfolgt nun auf der Buchmesse in Leipzig im Jahr 2016.









Leipzig 2016

Herr Frank Elstner, der auf der Buchmesse den "Sitting Bull" gemeinsam mit Erik Lorenz vorstellte, erzählte mir einen Teil der Verlagsgeschichte.

Dazu zählt auch, dass er für das folgende Buch extra einen Kurs in Großprojekt-fotografie besuchte. Die Gartenstadt Hellerau von Clemens Galonka und Frank Elstner bei Dresden, ein solches Buch hatte ich nicht im Sortiment vermutet. Es zeigt aber vor allem, dass, auch wenn zwei Sparten vorherrschen, der Verlag offen ist für vieles.




Kampfkünste.

R. HABERSETZER
Der Bereich der Kampfkünste wird hauptsächlich durch Fachbücher präsentiert. Dabei kommt das Karate (Leere Hand) nicht zu kurz, aber auch Tai Chi, Iaido (Kunst des Schwertziehens), Chi Gong sind in der Palette enthalten. Damit werden die Kampfkünste Japans und Chinas auf ziemlich breiter Basis vorgestellt.

Die Autorenschaft wird durch den Franzosen Roland Habersetzer angeführt, einem Kampfkünstler, der 70 Bücher geschrieben hat und den Titel eines Hanshi trägt, mit dem 9. Dan in Karate, welches er ab dem 16. Lebensjahr intensiv betrieben hat. Habersetzer forscht auch über die Kampfkünste und gründete dafür bereits 1974 das Centre de Recherche Budo (CRB). Es lohnt sich insbesondere für Kampfkünstler dort zu stöbern.



Beispielhaft sei hier vorerst das Buch  39 Karate Kata. in diesem werden die wichtigsten Kata der Stile Gôjû ryû, Wadô ryû und Shitô ryû vorgestellt. Sehr interessant für einen Wadôkai Karateka(DD), allerdings wartwt das Buch noch im Regal.

Habersetzer hat auch die Grundtechniken des Karate vom Weißgurt bis zum ersten Dan beschrieben. Natürlich gibt es auch ein Buch für Meister:
Karate der Meister - Mit Körper und Geist.




Im Herbst 2014, während der Karate WM in Bremen, hatte ich auf dem Milleniums-Lehrgang die Gelegenheit, eine Einheit bei Jamal Measara zu trainieren.

Es freut mich, im "Regal" des Palisander Verlages ein Buch von diesem Meister zu entdecken: Okinawa Sai-jutsu. Gerade Okinawa stellt ja ein "Mysterium" für Karateka dar. Darum möchte ich hier auf einen weiteren Titel dieses Meisters verweisen: Die verschollenen Traditionen des Okinawa-Karate.



Rezension
Doch sind es nicht nur die Fachbücher, dabei gibt es auch einen sehr interessanten historischen Roman des bereits genannten Roland Habersetzer: Amakusa Shiro. In diesem erzählt er die Geschichte eines aufstandes christlicher Samurai und Bauern in der Zeit des Iyaesu Tokugawa, des Begründers des gleichnamigen Shogunats.

Erzählungen und Geschichten um berühmte Samurai, Ronin und Ninja sind im Buch Die Krieger des alten Japan von eben diesem Autor enthalten.



* * *

Ein Nischenverlag? Vielleicht. Auf jeden Fall aber ein sehr sympatischer und einer, zu dem sich eine irgendwie persönliche Beziehung ergeben hat. Schuld daran: Erik Lorenz und Liselotte Welskopf-Henrich. Und natürlich Frank Elstner, den kennenzulernen, eine große Freude für mich darstellt, zumal es durchaus auch in Bezug auf ganz andere Genre gemeinsame Interessen gibt.

"Durchschnittsware" jedenfalls ist im Verlagsprogramm nicht zu finden.

Bedeutet es irgendeine Abhängigkeit, wenn sich Blogger mit bestimmten Verlagen einlassen? Nun, auch hier: vielleicht. Aber diese Abhängigkeit habe ich mir selber ausgesucht und hiermit schon einmal ein Versprechen eingelöst.

(Wird fortgesetzt)

© KaratekaDD

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen