Montag, 6. Juni 2016

Steegmann, Helena: Tage wie Chili und Honig


Nana arbeitet in Hamburg als erfolgreiche Food-Kolumnistin. Wenn sie über Essen und Genuss schreibt, läuft ihren Lesern das Wasser im Mund zusammen. Was niemand weiß: Nana kann in Wirklichkeit rein gar nichts schmecken, denn nach einem Jahr voller schmerzlicher Trennungen hat sie ihren Geschmackssinn verloren. Sie mogelt sich durch ihren Job – doch die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. Als ihr gekündigt wird und die Liebe sich auch nicht auf ihre Seite stellen will, entschließt sie sich zu einer großen Reise. Sie macht sich auf den Weg von Hamburg über Italien nach Istanbul, um zwischen Weingütern, Ölmühlen und Gewürzmärkten ihren Geschmackssinn, sich selbst und die Liebe wiederzufinden.

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518783
  • ISBN-13: 978-3426518786



















KEIN FEUERWERK...




Nana ist eine junge Frau, die vor den Scherben ihres Lebens steht. Ihre Mutter ist seit einigen Monaten tot, und der kleine Delikatessenladen in einem Dorf im Alten Land, den sie gemeinsam mit ihrer Mutter und über ihren Tod hinaus betrieben hat, steht vor dem Aus. Ausgerechnet an Heiligabend schließt Nana den Laden ein letztes Mal ab, doch statt den Abend einsam in der dunklen Wohnung über dem Geschäft zu verbringen, setzt sich die junge Frau kurzerhand in ihr Auto und fährt nach Hamburg.

Einfach alles hinter sich lassen, so ihre Devise, auch wenn es noch keinen Plan gibt, wie es jetzt weitergehen könnte. Nana findet tatsächlich auch zu der späten Stunde noch ein keines Zimmer in einer Pension, und mehr als ein Koffer und ein fast leergeräumtes Konto scheinen ihr nicht mehr geblieben zu sein. Doch die kommenden Tage bergen einige Überraschungen. So erhält Nana
beispielsweise durch Zufall die Möglichkeit, die Kolumne in einer angesehenen Zeitschrift zu übernehmen und sich dort kritisch über die Gourmetrestaurants Hamburgs auszulassen. Rasch steigt ihr Ansehen, und Nanas Ruf eilt ihr voraus - doch gibt es dabei ein Problem, von dem zunächst keiner etwas ahnt. Plötzlich und unerwartet hat Nana nämlich der Geschmackssinn verlassen - und der Geruchssinn gleich noch dazu.

Eine recht üble Methode ermöglicht es Nana noch eine ganze Zeit lang, ihre Kritiken dennoch zu verfassen. Die Besuche der unter die Lupe genommenen Restaurants absolviert sie mit wechselnder Begleitung, die Nana ausgiebig zu den einzelnen Gängen befragt. Und so finden die Äußerungen und Eindrücke ihrer jeweiligen Begleitung ohne deren Wissen oder Zustimmung Einzug in die Kolumne. Klar, dass das irgendwann auffliegen muss - und schon steht Nana wieder vor dem Nichts. Wird eine kulinarische Reise quer durch Italien und über die Gewürzmärkte Istanbuls Klarheit in ihr Leben bringen und den Geschmackssinn wiedererwecken können? Nana beschließt, ihren langgehegten Traum zu leben...


"...und sobald sich doch irgendein Gedanke in meine Hirnwindungen schleicht, löst er sich auf wie die Schäfchenwolken hoch über mir am Himmel. Ich genieße einfach das, was eine Reise für mich ausmacht: wenn 'weit weg' zu 'ganz nah' wird und hinter jeder Kurve etwas wartet, das dem Leben eine neue Richtung geben könnte."


Nana ist ein Charakter, den ich versucht habe, sympathisch zu finden. Auch wenn vieles nachvollziehbar ist wie die Trauer über den Tod ihrer Mutter, die bis dahin Nanas Lebensmittelpunkt war, oder die Wut und Enttäuschung über den Vater, den sie kaum je einmal zu Gesicht bekommen hat oder auch die Ratlosigkeit hinsichtlich ihres weiteren Lebensweges, haben mich die Naivität und Oberflächlichkeit der jungen Frau zunehmend genervt. Auch wenn sie am Ende eher auf dem Weg ist, zu sich selbst zu finden, fand ich es phasenweise kaum erträglich, wenn Nana sich plötzlich wieder auf etwas anders konzentrierte und dafür sich anbahnende Freunschaften fallen ließ oder auch wenn sie vor Problemen entweder wieder einmal die Augen verschloss oder davor weglief. Die einzige Konstanz in Nanas Leben scheint die Liebe zu kulinarsichen Genüssen zu sein - und das war mir letztlich zu wenig, um diesen Charakter wirklich sympathisch zu finden, auch wenn die Begeisterung hinsichtlich besonderer Geschmackserlebenisse spürbar war.

Mir scheint, das Rezept für diesen Roman ist nicht ganz aufgegangen: aus den Zutaten Chaos, Trauer, Zufälle, Liebe, Sebstfindung, Lebensträume und Delikatessen ist eher ein Einheitsbrei denn ein Hochgenuss geworden. Kein kulinarisches oder literarisches Feuerwerk ist hier für mich entbrannt, und insgesamt war die Geschichte in ihrem locker-leichtem Schreibstil zwar eine ganz nette Unterhaltung für Zwischendurch, aber eben nichts, was bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Daran ändert auch der originelle, zum Buch gehörende Blog Chili&Honig leider nichts.


© Parden












Die Verlagsgruppe Dromer Knaur schreibt über die Autorinnen:

Hinter dem Namen Helena Steegmann stecken die beiden Autorinnen Anke Bracht und Antonia Schulemann. Anke Bracht war viele Jahre lang als Marketingberaterin tätig, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Heute arbeitet sie als freie Autorin für Verlage und Werbeagenturen und schreibt Reisereportagen. Wenn sie nicht gerade irgendwo in der Welt unterwegs ist, lebt sie in Hamburg. Nach Aufenthalten in Kapstadt und Addis Abeba arbeitet Antonia Schulemann seit 2013 wieder für verschiedene Medienhäuser in Hamburg, München und Berlin. Zuvor schrieb sie für die Berliner Zeitung in einer wöchentlichen Kolumne über Delikatessen.
übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur

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