Montag, 27. Juni 2016

Lorenz, Erik: Ein Tuk-Tuk in Angkor

Lesereise Kambodscha
Ein Tuk-Tuk in Angkor.



Ein schmales Buch. Betitelt mit Lesereise Kambodscha. Untertitel: Ein Tuk-Tuk in Angkor. Der Autor: Erik Lorenz. Ein Globetrotter, der mit seinen knapp 30 Jahren schon ganz schön rum gekommen ist. Eigentlich haben wir uns über „Indianer“ kennen gelernt und nun schau ich mir gern seine Reisebücher an. 

Kambodscha. Meine frühesten Erinnerungen haben nicht so sehr mit den Roten Khmer zu tun, dem Schreckensregime des Bruders Nr 1, Pol Pot. Auf irgendeinem Festival des Politischen Liedes der Achtziger trat eine Folkloregruppe auf, die über das neue Kampuchea sang. (gegoogelt: es war 1982 – Die Gruppe der jungen Revolutionäre Campucheas). Bis 1979 herrschte Pol-Pot dort. Es war also schon die Zeit danach, das Regime hatten „unsere vietnamesischen Freunde“ hinweggefegt, die Volksrepublik Kampuchea wurde ausgerufen. Aber noch Jahre dauerte der Bürgerkrieg.

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Quelle Wikipedia
Kambodscha. Ein Reiseland? Das bekannteste Wahrzeichen ist die Tempelanlage von Angkor Wat. Das einzige Bild des vor mir liegenden Büchleins zeigt diese gewaltige Tempelstadt. Erik Lorenz erzählt in elf Kapiteln von seiner Tour natürlich auch in anderen Landesteilen.

Wenn es also eine unbebilderte Lesereise sein soll, dann werde ich mich daranhalten, aber nicht ganz. Schließlich muss man ja aufklären, was ein Tuk-Tuk ist, mit dem Erik Angkor besuchte.



Die Geschichte des Landes erzählt ihm zu Beginn Yim Savy, der unter den Roten Khmer als Kind harte Feldarbeit leisten musste, später dann in Phnom Penh Abitur machte und in Rostock sein Ingenieursstudium aufnahm, wo von er heute seine Familie nicht ernähren könnte. Doch die Fremdsprache Deutsch, die kann er gut gebrauchen. Er hat im wahrsten Sinne „um sein Leben gelernt.“

Die Kunstszene. Erik Lorenz macht uns mit Malern, Bildhauern bekannt und in einem späteren Kapitel mit Kindern, die typisch kambodschanischen Lederbilder der Kleinen Engel herstellen. Aus dem Schatten in das Licht sind diese Kinder gekommen, die, oftmals Waisen hier etwas für sich und ihre Familien verdienen können. In diesem Fall ging es wohl weniger um Kinderarbeit, die sicher sonst weit verbreitet ist. Auch von der schlimmsten Form erzählt Erik, von den Müllsammlern, von Im Eath. Man glaubt dem Autoren seine Betroffenheit ob des Schmutzes, der Armut, dem Elend.

Jahre des Bürgerkrieges haben auch in Kambodscha dafür gesorgt, dass Millionen von Minen, Munition und Blindgängern „herumliegt“. Ein ehemaliger deutscher Oberstleutnant leitet den Mienenräumverband 6. Nicht etwa eine militärische Gruppe von Soldaten, aber ein ähnlich geführter und von der UN bezahlter „Truppenteil“. Etwas skurril in den militärischen Verhaltensweisen seiner Angehörigen, aber vielleicht rettet diese Disziplin tatsächlich Leben. Hautnah erlebt Erik das Minenräumen. Jeder Hektar geräumter Boden wird sofort von den Bauern vereinnahmt und genutzt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ja, die gibt es in Kambodscha und betroffen ist davon eine vietnamesische Minderheit. Um das zu verstehen, immerhin haben die Vietnamesen mit den „killing Fields“ der Roten Khmer Schluss gemacht, muss man wohl weit in die indochinesische Geschichte zurückschauen, bis in das 19. Jahrhundert. Erik Lorenz spricht mit Unterstützen von Sam Rainsy, einem Oppositionsführer („Nicht alle Vietnamesen sind schlecht“) und der erinnert in seinen Äußerungen sehr aktuell an diverse Rechtspopulisten in Europa. In Kambodscha führt das gelegentlich noch zu Mord und Todschlag gegenüber der vietnamesischen Minderheit.

Amüsant am Ende ist die Dschungelwanderung. Erik wollte wohl erstens „dreckig“ werden und zweitens „verrücktes Zeug“ essen. Dies ermöglicht ihm sein Begleiter Nara, der zeitweise den Eindruck macht, dass er sich auch nicht übermäßig auskennt. Jedenfalls kommt Erik Lorenz voll auf seine Kosten. 

So erzählt er von einem Land, dass „zu neuem Leben erwacht“. In diesem schmalen Büchlein schafft er es auf 130 Seiten tatsächlich einen ernsten bis humorigen Bogen zu Geschichte, Politik, Kunst, Land und Leute eben zu schlagen. Dies alles ohne Bilder. Eigentlich schade, aber es war ja eine Lesereise.

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Das Buch erschien im österreichischem Picus Verlag. Dieser hat das Thema "Lesereisen" direkt als eine seiner Rubriken, seiner Themengebiete im Programm.  Bei dieser Reihe ist es die Absicht des Verlages, eben eine Lesereise und kein Fotobuch anzubieten. Warum auch nicht. Auch das Buch Lesereise Laos - Vom Schwinden der Silberfäden von Erik erschien in diesem Verlag. Auch so ein schmales Bändchen, genau wie Hongkong - Ein Flugloch für den Drachen.


Was ist mein Fazit? Nicht nur, dass ich neugierig werde auf die anderen Veröffentlichungen, nein, mit diesem Autor, den ich wegen gänzlich anderer Themen kennen lernte, würde ich schon mal eine Weltreise machen. Sympathisch ist er nämlich auch. Danke Erik für dieses Buch, welches ich mit großer Freude las und nun darüber schrieb.




Auch ohne Bilder kann "lesend reisen" bilden und begeistern.
Aber für alle die, welche dann doch gern fotografisch inspiriert werden wollen, hat Erik eine Bildergalerie eingerichtet.

DNB / Picus - Verlag / Wien 2015 / ISBN 978-3-7117-1057-4 / 132 Seiten
► Erik Lorenz - Webseite

© KaratekaDD

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