Mittwoch, 6. April 2016

Kampa, Daniel (Hrsg.): Nicht schon wieder Ostern!


Ostergeschichten von Erich Kästner, Patricia Highsmith, Ingrid Noll, Martin Suter und anderen - Herausgegeben von Daniel Kampa


Kaum stehen die letzten Schokoladen-Nikoläuse zum halben Preis an der Kasse, werden sie auch schon eingeschmolzen und zu Eiern gepresst: Nicht schon wieder Ostern!, denken viele. Jetzt gibt es zum Gefühl des Überdrusses die ultimative literarische Sammlung von hinterhältigen Geschichten und Gedichten zum Osterfest.

(Klappentext: Diogenes Verlag)


  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 5 (26. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257237456
  • ISBN-13: 978-3257237450















EIN LITERARISCH BUNT ANGEMALTES OSTEREI...




Erzählt wird hier vom traditionellen Osterspaziergang (Johann Wolfgang Goethe: 'Faust' und Kurt Tucholsky), vom Ostertisch (Siegfried Lenz), den Osterferien (René Goscinny), der Osternacht (Anton Cechov), der Entlarvung des Osterhasen (Erich Kästner) oder gar von ewigen Ostern (Joseph Roth). Daneben schreiben Joachim Ringelnatz, Patricia Highsmith, Friedrich Dürrenmatt, Martin Sutter und viele andere über Hühner, Eier oder Hasen. Ingrid Noll hat exklusiv für dieses Osterlesebuch eine Erzählung geschrieben, in der ein Meister Lampe es faustdick hinter den langen Ohren hat. Und kein Geringerer als Walter Benjamin führt uns ein in die hohe Kunst des Ostereier-Versteckens.


Und der Osterhase legt
(Bald sehr eitel, bald bewegt)
Rührei oder Spiegelei.
Schauerlich stöhnt er dabei.
(Joachim Ringelnatz)



Da eh immer die Rede davon ist, dass Osterhasen umgeschmolzene Weihnachtsmänner seien (oder umgekehrt?), möge mir hier verziehen werden, wenn bei 30 verschiedenen Erzählungen, Reimen und Geschichtchen namhafter Schriftsteller die nicht ganz ernst gemeinte Idee aufkommt, dieses Büchlein als eine Art literarischen Adventskalender zu Ostern zu nutzen. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass sich diese Sammlung nicht einfach so hintereinander weglesen lässt, denn so mancher Text erfordert z.B. aufgrund der altertümlich anmutenden Schreibweise ein gehöriges Maß an Konzentration.

Manche der Texte sind sehr ernst oder auch nachdenklich, die meisten aber wurden mit einem offensichtlichen Zwinkern des Schriftstellers geschrieben. Wie das bei solchen Sammlungen wohl meistens ist: manches ist sehr ansprechend, unterhaltsam, beeindruckend oder auch berührend - anderes nimmt man dagegen eben einfach zur Kenntnis, ohne einen großartigen Zugang zum Text zu finden. Unabhängig davon bekommt der Leser aber einen guten Eindruck von der Art des Schreibens des jeweiligen Verfassers, und so mancher Beitrag weckte in mir die Lust, mehr von dem betreffenden Schriftsteller zu lesen. Gewünscht hätte ich mir noch eine Jahreszahl neben der Überschrift der einzelnen Texte, um noch besser einordnen zu können, wann sie entstanden sind.


Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
die Adelheid mich sitzen lässt?
Das war noch nichts! Zu Ostern jetzt
hat sie mich ebenfalls versetzt!
Nun freu ich mich auf Pfingsten
nicht im Geringsten.
(Heinz Erhardt)



Eine interessante Sammlung von Texten, die deutlich macht, auf wie vielfältige Art ein Thema angegangen werden kann. Ein schönes Ostergeschenk, das auch noch nach den Festtagen unterhalten kann - denn eines ist gewiss: das nächste Osterfest kommt bestimmt!


© Parden


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