Mittwoch, 10. Februar 2016

Wilhelm, Peter: Wer zu uns kommt, hat das Gröbste hinter sich


Deutschlands bekanntester Bestatter erzählt


Wie organisiert man das würdige Begräbnis eines ehemaligen Bürgermeisters, wenn zwei verfeindete Ortsvereine um Vorrechte beim Leichenbegängnis streiten? Was tun, wenn Angehörige schon in der Aufbahrungshalle ums Erbe schachern?
Peter Wilhelm weiß Rat. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Bestattungsgewerbe hat er schon so ziemlich alles erlebt. Mit einem guten Schuss Humor erzählt Wilhelm aus dem Alltag seines Trauerhilfe-Instituts und bietet amüsante und anrührende Blicke hinter die Kulissen.


(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)


  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. November 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426786230
  • ISBN-13: 978-3426786239



















DER FLAPSIG FORMULIERTE TITEL DES BUCHES TÄUSCHT ÜBER DIE ERNSTHAFTIGKEIT DES INHALTES HINWEG...



Wenn man fast dreißig Jahre mit der Bestattungsbranche zu tun hat, davon viele Jahre als Inhaber eines eigenen Bestattungshauses, dann hat man so ziemlich alles erlebt. Das kann der Autor Peter Wilhelm jedenfalls von sich behaupten, und so hat er beschlossen, nun auch noch ein drittes Buch mit seinen Erlebnissen aus dieser Branche zu veröffentlichen. Während er in 'Darf ich meine Oma selbst verbrennen?' meist auf humorvolle Weise zahlreiche Fragen rund um den Tod beantwortet hat, erzählt Wilhelm hier von besonderen Ereignissen, die ihm in eindrücklicher Erinnerung geblieben sind.

Peter Wilhelm ist seit über 30 Jahren im Bestattungsgewerbe tätig. Als 'Tom, der Undertaker' betreibt er seit 2007 den preisgekrönten 'Bestatterweblog' und gewährt humorvolle Einblicke in seinen ungewöhnlichen Arbeitsalltag. Doch hier täuscht der flapsig formulierte Haupttitel des Buches über die Ernsthaftigkeit des Inhaltes hinweg.

Natürlich erfährt der Leser auf durchaus unterhaltsame Weise auch wieder Wissenswertes rund um das Thema Bestattungen - so wusste ich beispielsweise nocht nichts von einem Schleifenprotokoll, das mit dem Verzeichnen des Textes der Schleife, der Sorte und Farbe der Blumen, ggf. Foto und Nummer, die sich dann auch auf einem möglicherweise beigefügen Umschlag befindet, dabei hilft, dass die Angehörigen nach der Trauerfeier alles richtig zuordnen können.

Vor allem aber geht es hier um die Hinterbliebenen, diejenigen, mit denen der Bestatter es zu tun bekommt, wenn es darum geht, eine Beerdigung zu organisieren. Von diesen Begegnungen erzählt Peter Wilhelm hier, von skurrilen, schwierigen, bewegenden Situationen. Da, wo Angehörige vor allem den Geltungsdrang ihrer eigenen Person zu unterstreichen versuchen, Unmögliches verlangen, sich über die Wünsche des Verstorbenen oder anderer Angehöriger hinwegsetzen, greift der Autor durchaus einmal zu einer etwas schärferen Wortwahl. Andererseits präsentiert Wilhelm hier auch tragische und bewegende Situationen und beweist dabei oftmals eine ausgesprochene Sensibilität, die über eine distanzierte Professionalität weit hinausgeht.


"Natürlich ist es schwer, jemanden zu bestatten, den man gekannt hat. Es fehlt die notwendige Distanz, die diesen Job überhaupt erst erträglich und machbar werden lässt. Aber das berufliche Tun wird dadurch auch auf besondere Weise geadelt. Alles, was man macht, die Handgriffe, die man erledigt, bekommen einen neuen Sinn und man spürt ganz deutlich, dass es letzten Endes ein Liebesdienst ist, den man einem Menschen erweist. Daraus kann man dann auch wieder die Kraft und Nähe schöpfen, die man benötigt, um fremde Menschen nicht nur als tote Sachen zu sehen."


Skurriles und Bewegendes wird hier auf unterhaltsame Weise präsentiert, und fast schon nebenbei erfährt der Leser interessante Informationen aus dem Bestatterwesen. Skurril, bewegend humorvoll - eine angenehme Mischung, die auch dazu geeignet ist, Berührungsängste mit dem Thema 'Tod' zu verringern. Klasse!



© Parden















Der Knaur Verlag schreibt über den Autor:

Der Publizist Peter Wilhelm ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Heidelberg.
Als Journalist und Autor verfasste er zahlreiche Aufsätze, Artikel und Kolumnen. Seine langjährigen Einblicke in das Bestattungsgewerbe verarbeitet er seit 2004 als "Undertaker TOM" in seinem Bestatterweblog und in zwei Büchern, die auf unterhaltsame Weise einen Blick hinter die Kulissen dieses Gewerbes gewähren.    übernommen vom Knaur Verlaug

1 Kommentar:

  1. Es mög ja noch viel Zeit sein, aber irgendwann leg ich hier ein paar Geldscheine in einen Briefumschlag und notiere darauf eine Grabnummer in Dresden - Tolkewitz: Ab zu den Urnen von Oma und Opa. Da ist noch Platz. Der große Feuerofen ist nicht weit weg, er steht nah an der Elbe.

    Fraglich ist, was die Verwandtschaft mit meinen Büchern machen wird. ;)

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