Mittwoch, 16. Dezember 2015

Haucke, Ursula: Papa - Charly hat gesagt... (Band 4)



  • Taschenbuch
  • Verlag: Rowohlt Vlg., (1981)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0089HSEIQ












WAS FÜR EINE WIEDERENTDECKUNG...


Sohn: Peter Heeckt | Vater: Gert Haucke
In der damaligen Hörspielreihe ging es um Rededuelle zwischen Vater und Sohn, in denen der Vater mit allen möglichen und unmöglichen zeitgemäßen Fragen (zu Themen wie z. B. Homosexualität, Popmusik, Pille, Ausländerfeindlichkeit u. v. a.) konfrontiert wurde und der Sohn diese Duelle letztendlich immer für sich entschied. Die Dialoge begannen meistens mit dem Satz "Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt…"

Etliche Staffeln (die meisten Folgen geschrieben von Ursual Haucke) gab es von diesem Konzept, und in den 80er Jahren lief beinahe täglich eine Folge im Radio. Da war es bei uns ganz still in der Küche, und alles lauschte gebannt dem neusten Rededuell. Vater und Sohn fehlte es nie an Gesprächsthemen. Gerd Haucke stand seinerzeit (bis auf die letzte Staffel) für die Rolle des Vaters, der Sohn wurde von häufiger wechselnden Jungen gesprochen.

In diesem Buch, das ich in der Hinterlassenschaft meiner Eltern entdeckt habe, sind nun einige der Rededuelle abgedruckt - manches vielleicht nicht mehr ganz so zeitgemäß, anderes jedoch zeitlos aktuell. Papa hat es nicht gerne, wenn man an den Stützpfeilern seiner Wertmaßstäbe herumsägt, Charlys Vater weiß gar nicht, wo er zuerst anfangen soll mit seinen zornigen Verbesserungsvorschlägen, und beider Söhne sind wach, wissbegierig und pfiffig für ihre zehn oder elf Jahre. Hier mal ein Beispiel:


Sohn: Papa, Charly hat gesagt, sein Vater hat gesagt, die werden sich noch so vollfressen mit ihrer Diät, dass sie platzen!!

(...)

Vater: Du meinst die Leute, die von morgens bis abends Riesensteaks essen und die nachher für jedes abgenommene Pfund einen Hunderter bezahlt haben? Das finde ich auch lächerlich. Sollen sie trocken Brot essen, dann...

Sohn: Nee, die mein ich doch nicht. Die ich meine, die wollen nicht dünner werden, die wollen bloß immer mehr Geld haben! Stand in der Zeitung, sagt Charlys Vater.

Vater: Da hast du irgendwas durcheinandergebracht...

Sohn: Gar nicht. Die haben ja sogar ein Gesetz gemacht, dass sie immer mehr Geld kriegen. Und das kriegen sie sogar rückwärts!

Vater: Rückwärts??

Sohn: Ja doch, noch hitnerhergeschmissen. Für die Monate, die schon längst vorbei sind!

Vater: Also, um eine 'rückwirkende' Zahlung geht es. Und für wen und wofür?

Sohn: Für die Politiker, und für ihre Diät! Verstehst du immer noch nicht?

Vater: O doch, langsam schwant mir, worum es geht! [Ärgerlich]: Das kommt davon, wenn man mit der deutschen Sprache so schludrig umgeht! Es handelt sich hier offensichtlich nicht um Diät, sondern um D i ä t e n. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

Sohn: Das ist es ja gerade, dass die das auch noch 'Diät' nennen, wenn sie dem Volk die Haare vom Kopf wegfressen - sagt Charlys Vater!



Wäre ein solches Sendeformat heute noch denkbar? Vermutlich nicht. Zu unkritisch die Zeiten - so will es mir scheinen. Ein wenig wehmütig war daher das Erlebnis der Wiederentdeckung von meiner Seite. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es noch viele wie Charlys Vater. Wo sie wohl geblieben sind?


© Parden














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