Mittwoch, 11. November 2015

Voß, Tina: Weggeworfen



Bei einer Recherche stößt Journalistin Liv Mika auf einen Fall von Zwangsprostitution, der sie über Deutschland bis in die Ukraine führt. Je weiter sie vordringt, desto grauenhafter werden ihre Entdeckungen – die Täter sind einflussreich und die mit ihnen verbundenen Verbrechen mit Milliardengewinnen verbunden – Zeugen werden ermordet und Freier vorsätzlich infiziert. Doch je weiter Liv bei ihren Ermittlungen rund um den Mädchenhandel vordringt, desto mehr bringt sie sich gleichzeitig selbst in Lebensgefahr …

(Klappentext edel & electric Verlag)


  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 996 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 410 Seiten
  • Verlag: edel & electric (5. Oktober 2015)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B015ZY1KLS
















ÜBLE MACHENSCHAFTEN...


Liv Mika ist eine engagierte Journalistin, der es immer wieder gelingt, spannende Zusammenhänge und unfassbare Skandale zu entdecken und zu publizieren. Seit einigen Jahren in Frankfurt ansässig, verschlägt es Liv im Rahmen einer Recherche in ihre alte Heimatstadt Hannover. Auch wenn sie keine guten Erinnerungen an diese Stadt hat, treibt es sie in ihrem neuesten Fall dahin - immer mehr entpuppt sich dabei ein Fall von Zwangsprostitution, in den einige hochrangige Politiker und andere Größen verwickelt zu sein scheinen.  Die Spuren führen bis in die Ukraine. Einflussreiche Täter, skrupellose Handlanger, korrupte Polizisten, hilflose Opfer - eine Mischung des Grauens, in die Liv tief einzutauchen beschließt. Und verbissen wie sie ist, merkt die Journalistin erst spät, wie sehr sie sich in Gefahr begibt. Und nicht nur sich selbst...


'Ich dachte anfangs, dass wir den Frauen helfen können. Dass wir ihnen zeigen, dass es andere Wege als den der Prostitution gibt. Aber für eine ukrainische Frau ist es oftmals das Wichtigste, einen Mann zu finden, und Sex ist das Werkzeug dafür.'


Nicht ungeschickt, hier statt eines an ein enges Gesetzkorsett gebundenen Kommissars eine Journalistin die Ermittlungen übernehmen zu lassen. Nicht ganz neu spätestens seit Stieg Larsson, doch auch Tina Voß's Hauptcharakter kann sich sehen lassen. Seit einem üblen Vorfall vor einigen Jahren fühlt sich Liv Mika nur sicher in Anwesenheit ihres ausgebildeten Rottweilers Frieda und mit ihrem Pfefferspray in der Tasche - und für alle Fälle gibt es auch eine Schusswaffe, man kan ja nie wissen. Trotz aller Ängste siegt bei ihr aber immer wieder neben der Neugierde auch der Gerechtigkeitssinn, weshalb sie sich auch mit Feuereifer an diesen Fall begibt. Der Informant, der ihr aufschlussreiche Informationen versprach, wird bestialisch umgebracht, und Liv macht sich auf die Suche nach den Hintergründen. Sie ahnt nicht, in welchen Sumpf sie da gerät, und oftmals kann sie daraus nur mit viel Glück entkommen - allerdings nie von Dauer. Aus der Verfolgerin wird eine Verfolgte, doch noch immer weiß sie nicht, weshalb eigentlich. Und ihre Sturheit sowie die phasenweise 'Mit-dem-Kopf-durch-die Wand'-Mentalität machen es auch den Mitstreitern, so sie es denn tatsächlich sind, nicht leicht, Liv zu unterstützen.


'Die Tabletten vergammeln in den Krankenhäusern!' - 'Aber warum?' - 'Ich hatte schon versucht, es dir zu erklären. In diesem Land bist zu eine Prostituierte und drogenabhängig, wenn du AIDS hast. Da beides unter Strafe steht, wird sich keines der Mädchen einer Klinik nähern wollen (...) Kommt jemand zur Behandlung, wird er vielleicht verhaftet.'


Neben der Frage, worum es denn bei dem ganzen letztendlich geht und wer die Drahtzieher sind, spielt dieser Thriller auch mit der Unsicherheit Livs und damit auch des Lesers, wem hier denn überhaupt vertraut werden kann. Diese Mischung sorgt für ein ausreichendes Maß an Spannung, auch wenn der Spannungsbogen nicht durchgehend gehalten werden kann. Dafür sorgten andere Elemente mit dafür, dass mir der Thriller richtig gut gefiel.
Neben dem ausgesprochen flüssigen und abwechslungsreichen Schreibstil sowie der eigentlichen Handlung gefiel mir auch der Humor, der hier immer wieder aufblitzte und der mich einige Male herzhaft lachen ließ. Außerdem ist es Tina Voß gelungen, hier - angefangen von dem aufschlussreichen Vorwort - immer wieder informative Fakten zu bestimmten Themenbereichen einfließen zu lassen ohne dass die Handlung dadurch unangemessen unterbrochen oder der Leser mit Wissensbrocken überfrachtet wurde.


Die Kellnerin kam umgehend zurück, klappte einen mit grünem Samt bezogenen Hocker auseinander und angelte unter dem Tisch nach Livs Tasche. Sie lächelte und stellte die Tasche darauf. - 'Ach ja. Das hätte ich beinahe vergessen.' - 'Was? Dass meine Tasche mit uns isst?' Liv war verwundert. - 'Nein, wenn man seine Tasche auf den Boden stellt, bringt das Unglück und man verliert irgendwann durch solche Untaten auch sein ganzes Geld. Deswegen gibt es diese Klappstühlchen in jedem Restaurant.'



Lange habe ich nicht so viele Seiten an einem Tag gelesen - die Handlung treibt einen geradezu durch die Seiten. Fast schon ärgerlich war ich manchmal, wenn ich die Lektüre unterbrechen musste. Phasenweise gab es richtig Adrenalin beim Lesen - ist das nicht herrlich?
Allein das Ende hat mich nicht vollends überzeugen können, da gab es für meinen Geschmack stellenweise ein bisschen viel des Zufalls, der Naivität und des Glücks. Trotzdem war das Thrillerdebüt der Autorin insgesamt eine überzeugende Vorstellung. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, als ich las, dass die Autorin bereits am nächsten Falll von Liv Mika arbeitet. Gerne würde ich dieser Journalistin in einem weiteren Thriller wiederbegegnen!

In jedem Fall empfehlenswert für Thrillerfans, die neben der Spannung auch eine gute Portion Humor und informative Fakten vertragen.


© Parden











Der edel & electric Verlag schreibt über die Autorin:



Tina Voß wurde 1969 in Seesen/Harz geboren. Sie lebt seit den neunziger Jahren als Unternehmerin in Hannover und leitet dort ihre Firma für Personaldienstleistungen. Nach der Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in der Krimi-Anthologie „Heide, Harz und Hackebeil“ schrieb sie nach vier Jahren Belletristik-Fernstudium die beiden Unterhaltungsromane „Ex & Mops“ sowie „Kein Mops ist auch keine Lösung“. „Weggeworfen“ ist ihr Thriller-Debüt.

übernommen vom edel & electric Verlag



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