Sonntag, 8. November 2015

Mannhardt, Bernd: Tide, Tat & Tod



Der Regio-Krimi boomt. Da kommt der süddeutsche Autor Franz Xaver Stegmayer gerade recht. Stegmayer wird von seinem Verleger auf Recherchereise geschickt: Schleswig-Holstein, Westküste, Nachsaison. Er soll herausfinden, wo am Watt der Mordshund begraben liegt. Dumm nur, dass Stegmayer mit Land und Leuten nicht die Bohne was anfangen kann. Ein Brandbrief an den Verleger wird fällig …

(Klappentext Schardt Verlag)



  • Broschiert: 130 Seiten
  • Verlag: Schardt, M; Auflage: 1., Aufl. (19. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3898418111
  • ISBN-13: 978-3898418119

















BAYERN VS. NORDDEUTSCHLAND...



Franz Xaver Stegmayer ist ein bayrischer Autor, der schon länger einem Erfolg hinterherläuft. Dies stört nicht zuletzt auch seinen Verleger, der schließlich einen innovativen Weg geht. Er fährt mit Stegmayer an die Westküste Schleswig-Holsteins, wo dieser in Ruhe vom Ferienhaus des Verlegers aus Recherchen durchführen und sich nach Möglichkeit zu einem Regional-Krimi inspirieren lassen soll. Denn wem sollen die Eigenheiten des norddeutschen Menschenschlags besser auffallen als gerade einem Bayern?


"Franz Xaver, schreiben Sie eine Geschichte, die das Unmögliche möglich macht, liefern Sie mir eine Story, die aus einer Region scheinbarer Ereignislosigkeit das nackte Grauen herauskitzelt." (S. 29)

Doch mit jedem weiteren Tag fühlt Franz Xaver Stegmeyer sich einsamer und wie ausgesetzt. Die wortkargen Friesen ermuntern ihn keineswegs, einen intensiveren Dialog mit ihnen zu suchen, und die Norseeküste in der Nachsaison bietet nicht gerade eine Vielzahl an Ereignissen. Und so beschließt er, seinem Verleger mal einen deutlichen Brief zu schreiben und sich alles von der Seele zu reden...


Fakt ist: Ich sitz fest im Friesennest! (S. 11)


Ein Krimi ist dieses Buch entgegen der Ankündigung auf dem Cover ganz sicher nicht. Lediglich Prolog und Epilog deuten etwas in der Art an, doch ansonsten dominiert hier der lange Brief Stegmayers an seinen Verleger. Dabei wird nicht nur die Krimibranche ein wenig auf die Schippe genommen, sondern der Leser lernt v.a. den Autor recht gut kennen. Dieser ist schon sehr von sich eingenommen und neigt zur Selbstüberschätzung.  Stegmayer ist die Klischeefigur eines Urbayern und tappt von einem Fettnapf in den nächsten, zeigt dabei aber halbwegs Nehmerqualitäten. Daneben dramatisiert er gerne und hört die Flöhe husten, wo es gar keine gibt. So mutmaßt er alle Nase lang Machenschaften und Verschwörungen und konfrontiert die Verdächtigten damit auch oft gnadenlos...


"Herr Stegmayer, kaum holen Sie Luft, schon wird's eine Unterstellung!" (S. 116)


Franz Xaver erzählt in seinem ausführlichen Bericht von seinen bisherigen 'Recherchen' und Begegnungen im hohen Norden, wie er sich dabei fühlte und was er dachte. Dabei gleitet die Erzählung aber immer wieder in Nebensächlichkeiten ab, der Autor kommt vom Hölzken aufs Stöckchen. Phasenweise ist dies doch eher ermüdend, vor allem wenn die Nebengeschichten so ausführlich geraten.

Einerseits ist der Schreibstil recht flüssig, auch interessant durch die zahlreichen bayrischen Redewendungen. Vor allem der Wortschatz an bayrischen Schimpfwörtern hat sich bei mir nun erheblich erweitert. Andererseits ist der Text teilweise brutalst durchzogen und unterbrochen durch die ewigen Fußnoten, die z.T. mehr Platz auf einer Seite einnehmen als der eigentliche Text. Mich strengte das Hin- und Herspringen beim Lesen eher an, ich hielt es aber auch schlecht aus, die Fußnoten einfach zu überspringen - ich hätte ja was verpassen können. Neben den üblichen Erläuterungen dienen die Fußnoten hier oftmals auch dem Kommentar derjenigen, die in dem Brief angesprochen oder erwähnt werden. Die Fußnoten erfüllen dadurch eher die Funktion einer 'Stimme aus dem Off' und tragen so durchaus dazu bei, das Bild von Franz Xaver zu vervollständigen - so sehen ihn eben 'die anderen'. Aber in der Summe fand ich es einfach zu viel - hier wäre die Devise: weniger ist mehr m.E. angebracht gewesen...

Für mich war das ganze eher zu weich gespült. Franz Xaver ist irgendwie ein tragischer Held, bei dem jeder froh ist, wenn man ihn eben nicht kennt. Ich hätte mir das ganze noch bissiger gewünscht, auch wenn hier manche Klischees gut bedient wurden. Unterhaltsam war das Buch für mich nur bedingt - es gab durchaus humorvolle Stellen, aber wenn beispielsweise der Deich zigmal als Wiesenwand bezeichnet wird, verliert auch dieser Ausdruck an Originalität.

Insgesamt nett zu lesen und mal etwas anderes, vielleicht am ehesten als Groteske zu bezeichnen. Dabei fehlte mir letztlich aber der wirkliche Biss, und auch der Humor konnte mich nur halbwegs überzeugen. Flott zu lesen und dadurch ganz nett für zwischendurch.


© Parden












Der Schardt Verlag schreibt über den Autor:

Bernd Mannhardt wurde 1961 in Berlin geboren und ist ebendort aufgewachsen. Er verfasste Feature und Hörspiele für das Radio, sowie Einakter, die in Off- und Stadttheatern aufgeführt wurden. Im Schardt Verlag erschienen 2013 die Regio-Krimi-Anthologie  »Mordskohl« mit Mannhardt als Herausgeber sowie 2014 die eigene Textsammlung »Du kommst mir gerade richtig! Mordsfidele Geschichten für quietschvergnügte Leser«. Sein Roman-Debüt »Schlussakkord«, ein Moabit-Krimi, veröffentlichte er 2015 beim be.bra-verlag, Berlin.

übernommen vom Schardt Veralg

zur Homepage von Bernd Mannhardt

Kommentare:

  1. Die Idee scheint ganz witzig zu sein.
    Lg walli :-)

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    1. Schien mir vor dem Lesen auch so... Ich hatte mir mehr davon versprochen.

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  2. Da gab es mal ne Serie: Ein Bayer auf Rügen ;)

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