Samstag, 24. Oktober 2015

Raab, Thomas: Still - Chronik eines Mörders



Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.
Ein berauschendes Leseerlebnis, aufwühlend, soghaft, eine virtuose literarische Komposition, die sich ­konsequent in den Dienst des Erzählten stellt.


(Klappentext Droemer Knaur Verlag)



  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer HC (14. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426199564
  • ISBN-13: 978-3426199565


















 ANDERS...


Thomas Raab: Still - Chronik eines Mörders

1982 wird in einem kleinen Dorf am Fuße des Kalvarienberges ein Kind geboren. Karl Heidemann, der das Glück seiner Eltern komplettieren soll, durchstößt die Stille der Dorfgemeinschaft. Er schreit. Und er hört nicht auf zu schreien. Tag und Nacht ertönt seine durchdringende Stimme, nur unterbrochen durch kurze Phasen schweißnassen und erschöpften Schlafes.  Der Alptraum seiner Eltern, des ganzen Dorfes. Einzig auf dem Rücken seines Vaters, wortlos durch die Wälder getragen, kommt Karl zur Ruhe. Denn es ist endlich - still.
Karl ist anders. Er hat eine Gabe, die sich für ihn zu einem Martyrium entwickelt. Er hat das sensibelste Gehör, das es je gab, eine Empfindsamkeit, die selbst den hauchzarten Flügelschlag eines Schmetterlings für ihn zu einer unsäglichen Qual werden lässt. Als der Vater zu begreifen beginnt, verlegt er Karls Zimmer in den ruhigen Keller. Dort wächst er auf, versorgt zwar, aber doch isoliert, denn menschliche Gesellschaft scheint ihm unerträglich. Traurig die Mutter, die ihn nicht begreift, die sich ungeliebt fühlt, keinen Zugang finden kann zu ihrem Sohn. Kein Wort kommt über die Lippen dieses seltsamen Jungen, dick, blass und schweigsam stößt er jeden ab, wirkt zurückgeblieben. Und doch ist Karl hochintelligent, begreift schnell, beobachtet, zieht Schlüsse...

Was für ein Buch! Wer einen reinen Thriller erwaret, wird hier womöglich enttäuscht - obwohl es Tote gibt. Viele Tote. Hunderte sicherlich. Denn Karl zieht eine Schneise des Todes durch sein Leben. Doch dieses Buch ist - anders.
Diese 'Chronik eines Mörders' bietet einen tiefen Einblick in das Leben Karl Heidemanns. Leise aber eindringlich lässt Thomas Raab den Leser eintauchen in die Welt des Jungen, lässt begreifen, beinahe fühlen, wie dieser denkt, empfindet, entdeckt. Nicht wirklich sympathisch erscheint Karl - bedauernswert, ja, aber fremd und unheimlich, und doch... Und doch entspinnt sich hier eine ganz eigene Logik, erscheint nachvollziehbar, weshalb Karl handelt, wie er handelt. Langsam, behutsam, gleitet die Geschichte voran - und damit das Leben Karl Heidemanns. Ein Tempo, das zuweilen langatmig erscheinen mag, und das doch einfach der Geschichte den notwendigen Raum gibt, sich zu entwickeln - und mit ihr Karl.

Gerne habe ich das Schicksal Karl Heidemanns verfolgt, und aus einem Befremden wurde ein Verstehen wurde ein Berührtsein. Für mich mehr, als ich erwartet hatte, ein staunendes Überraschtsein. Die Befürchtung, womöglich Parallelen zu 'Das Parfum' von Patrick Süskind präsentiert zu bekommen, bewahrheitete sich nicht, denn auch hier ist das Buch - anders.
Beeindruckend, nachhallend, intensiv - ein sehr tiefer Blick in eine menschliche Seele, präsentiert in einem gelungenen Schreibstil, der der unaufgeregten Geschichte eine ruhige, unaufgeregte Stimmung verleiht und doch der Intensität der Erzählung Rechnung trägt. Hier passt einfach alles zusammen.

Ein ganz besonderes Buch, eine wirkliche Überraschung für mich, der ich gerne die volle Punktzahl vergebe.


© Parden


























Der Verlag Droemer-Knaur schreibt über den Autor:



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