Sonntag, 4. Oktober 2015

Langer, Siegfried: Nachschlag - Ich bin dein Herr und Mörder














Ich danke Siegfried Langer ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen!











UNTERHALTSAM, SPANNEND UND INTERESSANT...





Björn Tänzer freut sich auf seinen Angelurlaub, der ihm Erholung von seinem stressigen Dasein als Zahnarzt verspricht. Doch seine Mutter überredet ihn, statt nach Norwegen nach Berlin zu fahren - sein Bruder Ole hat sich auffällig lange nicht gemeldet, und Björn soll dort nach dem Rechten schauen. Zunächst widerwillig, dann selbst zunehmend voller Sorge um seinen Bruder, begibt sich Björn in der Hauptstadt auf Spurensuche.
Nach anfänglicher Skepsis gibt er bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf, doch die Reaktion lässt nicht auf viel Unterstützung von staatlicher Seite hoffen. Seine eigenen Nachforschungen bringen für ihn Unglaubliches zutage - sein Bruder führte offensichtlich ein Doppelleben und war zuletzt in der BDSM-Szene sehr aktiv. Je mehr Björn erfährt, desto fassungsloser wird er, und gleichzeitig kommt er mit Menschen zusammen, die er vor seinem Aufenthalt in Berlin nie zu treffen gewagt hätte. Ole bleibt verschwunden und die Anzeichen mehren sich, dass er sich blindlings in Lebensgefahr begeben hat. Mit jeder Stunde sinkt die Hoffnung, ihn noch lebend zu finden - doch Björn beschließt zu kämpfen...


"Bis vorgestern wusste ich gerade, wie man das Wort DOMINA buchstabiert. Ich suche meinen Bruder und finde eine mir völlig fremde Person." (S. 212)


Siegfried Langer hat ein Händchen für außergewöhnliche Themen. Hat er in 'Alles bleibt anders' die Thematik des Dritten Reiches interessant aufgegriffen, sind es hier außergewöhnliche Sexualpraktiken, um die sich der Thriller dreht. Weil 'SM' lange Zeit als No-Go galt, hat er den Thriller ursprünglich unter dem Pseudonym Ole Tänzer geschrieben. Seit 'Fifty Shades Of Grey' ist das Thema jedoch salonfähiger geworden, und so gibt es die Neuauflage nun unter seinem eigenen Namen. Zur Wahl des Themas schrieb Langer in einer Leserunde selbst: "Es gibt so viele Facetten und so viele Geheimnisse. Praktiken, über die nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Dinge, die im Verborgenen passieren. Auch die Geschichte um den 'Kannibalen von Rotenburg' hat mich sehr fasziniert." Dass Langer hier umfangreiche Recherchen betrieben hat, ist dem Thriller anzumerken.


"Was pervers ist und was nicht, liegt im Auge des Betrachters. Und wer hat das Recht, über die Sexualität anderer zu urteilen und zu entscheiden, ob sie krank oder gesund sei?" (S. 178)


So skeptisch ich anfangs angesichts der Thematik auch gewesen sein mochte - hier gibt es nichts Anstößiges oder Abstoßendes. Zwar werden auch einige sehr spezielle Vorlieben angschnitten, doch ist das ganze weniger voyeuristisch als eher um Verständnis und Toleranz werbend geschrieben. Auf diese Art präsentiert hat mir das Thema sogar gefallen.
Im Vordergrund aber steht natürlich der Thriller, die verzweifelte Suche nach Ole und die bis zum Schluss anhaltende Spannung, was wohl mit ihm geschehen sein mag. Wechselnd wird aus der Perspektive Björns und Oles erzählt, wobei die Kapitel aus Oles Sicht Rückblenden sind und seine Entwicklung der letzten Wochen und Monate vor seinem Verschwinden dokumentieren - eine rasante und gefährliche Spirale. Björn versucht, diese Entwicklung zu nachzuverfolgen und gleichzeitig mit dem plötzlich so anderen Bild seines Bruders klarzukommen. Der Leser entdeckt mit Björn gemeinsam die kleinen und großen Geheimnisse Oles, und für Fassungslosigkeit bleibt wenig Zeit. Die Charaktere der Brüder sind bei allen persönlichen Macken sympathisch gezeichnet, und auch Ulli, eine ganz spezielle Freundin Oles, hat das Herz auf dem rechten Fleck.

Das Ende dann - spannend zwar und mit dem erwarteten Showdown, jedoch mir persönlich ein wenig zu kurz geraten. Da hätte ich mir noch etwas Ausgefeilteres gewünscht. Doch insgesamt war es ein wieder einmal unterhaltsamer, spannender und interessant gestrickter Thriller aus der Feder Siegfried Langers. Gerne mehr davon!


© Parden














Siegfried LangerSiegfried Langer, Jahrgang 1966, verfasste schon in jungen Jahren seine ersten Texte, doch bis zur ersten Buchveröffentlichung sollte zunächst noch etwas Zeit vergehen. In der Zwischenzeit war er als Bankangestellter tätig und widmete sich nebenbei der Schauspielerei. Nach einigen Auftritten in Theater, Musical und sogar beim Fernsehen entschied er sich, sich wieder mehr dem Schreiben zuzuwenden. Und so wurde im Jahr 2008 sein erster Roman "Alles bleibt anders" veröffentlicht, gefolgt von einem weiteren großen Erfolg "Vater, Mutter, Tod". Heute lebt Langer - nach einem mehrjährigen Berlinaufenthalt - wieder in seiner Heimat Memmingen.  Quelle Text und Bild





Kommentare:

  1. Eine tolle Rezension und ein wunderschöner Blog.

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    1. Oh, vielen Dank! Ich würde mich freuen, wenn Du hier jetzt öfter vorbeischaust! :)

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  2. ich bin gerade mitten drin und finde es wieder extrem spannend, wie alle Bücher von Siegfried Langer, die ich bis jetzt gelesen habe!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. So unterschiedlich wie seine Bücher auch sind: bisher haben sie mir auch alle gefallen! :)

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  3. Das mit dem kurzen Ende war doch auch bei ALLES BLEIBT ANDERS schon so. Glaube ich mich zu erinnern.

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  4. Aktuell kann man ein signiertes TB dieses Titels gewinnen (noch bis zum 08.11.). Bei der Aktion wird sogar ein Ausschnitt dieses Beitrages hier von Litterae Artesque zitiert. :)

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    1. http://www.xtme.de/2015/11/gewinnen-sie-mit-siegfried-langer-signierte-taschenbuecher/

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  5. Diesmal hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen. Sicher hast du recht, wenn du schreibst, dass es auch um Toleranz geht, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, über BDSM nichts weiter lesen zu müssen. Es gibt eben Themen, die einem nicht so zusagen. Das Ende war schnell vorhersehbar, auf den Senkel ging mit die Mutter der beiden Brüder, einzig schillernde Figur war "Ulrich / Ulrike".
    Verblüffend, auf den letzten Seiten kann man dann unter umfangreichen Anschauungsmaterial wählen. Wollte das der Verlag so?

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    1. BDSM ist nun auch nicht wirklich meine Sparte... :) Aber auf diese Art im Rahmen eines Thrillers präsentiert war das für mich völlig okay... :)

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