Sonntag, 19. Juli 2015

Morland, Isabel: An den Rändern der Nacht


Eine junge Frau leidet an Gedächtnisverlust, spontan und aus der Not geboren nennt sie sich „Audrey Lafayette“. Verloren und von Angst getrieben, irrt sie durch Paris, ehe sie dank eines Zufalls eine Stelle als Hausmädchen in einer Botschaft ergattert. Für Audrey ist dies die Chance auf einen Neuanfang. Schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit von gleich zwei jungen Männern auf sich, doch die behütete Atmophäre in ihrem neuen Zuhause trügt. Audrey ahnt nicht im Geringsten, dass jeder in dieser Botschaft ein falsches Spiel treibt, und nichts so ist, wie es scheint. Denn durch ihre Ankunft gerät eine sorgsam vorbereitete Intrige ins Wanken. Ihre Verletzlichkeit, ihre Attraktivität bringen sowohl Luc, der für den französischen Geheimdienst arbeitet, ebenso wie Philippe, der als Mitglied der korsischen Mafia auf den Botschafter angesetzt ist, dazu, ihre Aufträge zu vernachlässigen. Zunächst kann sie sich nicht zwischen den beiden Männern entscheiden, doch als sie mit Luc eine leidenschaftliche Liebesnacht verbringt, eskaliert das fragile Gefüge in der Botschaft. Audrey befindet sich unversehens in einem mörderischen Intrigenspiel, in dem sie nicht einmal sich selbst vertrauen kann. Denn immer noch weiß sie nicht, warum sie ihr Gedächtnis verloren hat. Doch eine dunkle Ahnung keimt in ihr … 



  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1404 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 282 Seiten
  • Verlag: Edel:eBooks (30. April 2015)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00W1ULUA6









  
 





Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Verlag EDEL : eBOOKS für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen
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Stell dir vor, du fährst in einem Zug, du weißt er bringt dich von Frankfurt nach Paris, du weißt, du bist eine Frau. Aber sonst weißt du nichts. Gar nichts. Nicht, wer du bist, nicht warum du in diesem Zug sitzt, nicht, was geschah.


"Es war wie sterben, dachte sie, nur rückwärts. Sie atmete, schmeckte den Schweiß auf ihren Lippen, spürte die Zugluft auf ihrer Haut. Sie konnte denken, konnte ihre Verzweiflung und ihre Panik spüren. Konnte sehr wohl begreifen, in welch schlimmer Situation sie steckte. Aber erinnern konnte sie sich nicht."


Verwirrt und verängstigt irrt die Frau nach ihrer Ankunft durch Paris, traut sich nicht, ihre Handtasche zu öffnen mit den Initialen A. L., zu groß die Angst vor den Erinnerungen, die dann vielleicht zurückkommen könnten.


"Ihre Finger glitten über die Tasche. A. L. ... Wer verbarg sich hinter diesen Buchstaben? Ein netter Mensch mit einem schüchternen, zurückhaltenden Wesen? Eine egomanische Karrierefrau, die von einem Termin zum nächsten heizte? Eine treu sorgende Gattin, liebevolle Mutter und Schwester? Eine nymphomanische Schlampe, eine Psychopathin, eine Verbrecherin? All das konnte sie sein. All das und nichts zugleich."


Und kurz bevor sie dazu doch den Mut aufbringen kann - wird ihr die Handtasche gestohlen. Die einzige Chance, herauszufinden wer sie ist - weg.
Doch kurz bevor die Verzweiflung sie vollends überrollt, lernt sie zufällig eine ziemlich kleine, ziemlich temperamentvolle Frau mit schwarzem Hut und knallrotem Lippenstift kennen. Die Ehefrau des venezuelanischen Botschafters, Mercedes Rodriguez, sucht zufällig sehr dringend ein Hausmädchen, und als sich herausstellt, dass die namenlose Deutsche neben Französisch auch fließend Spanisch spricht, ist sie auch schon angestellt.


" 'Sagen Sie, meine Liebe, wie heißen Sie eigentlich?' - Wie heißen Sie... Die Wände um sie herum begannen sich zu drehen. Verzweifelt versuchte sie, ihren Blick auf einen festen Punkt im Raum zu konzentrieren. - 'Liebchen, Sie müssen doch einen Namen haben. Wie heißen Sie denn?' "


Einer spontanen Eingebung folgend, nennt sich die junge Frau ihren Initialen gemäß nun Audrey Lafayette. Sie kann gleich ihren Dienst im Haushalt des venezualischen Botschafters antreten und so erst einmal zur Ruhe kommen. Vielleicht stellen sich die Erinnerungen dann ja allmählich wieder ein?
Doch zur Ruhe kommt Audrey nicht wirklich. Neben ihr arbeitet noch Philippe in Diensten des Botschafters - angestellt als Hausdiener und Chauffeur, doch der Botschafter hat noch ganz andere Aufträge an den Mann, der in Wirklichkeit der korsichen Mafia angehört. Und in dem Haus wohnt auch noch Luc, ein smarter, gutaussehender Mann, der ein auffallendes Interesse an Audrey zeigt - doch auch dies mit einem Hintergedanken: er spürt, dass Audrey ein Geheimnis verbirgt, und er arbeitet in Wirklichkeit undercover für den französischen Geheimdienst, der den venezualischen Botschafter beschattet.

Ein verwirrendes Knäuel aus Geheimnissen und aufkeimenden Gefühlen - in dieser Mischung versucht Audrey herauszufinden, wer sie ist und was geschah. Luc und Philippe sind beide wider Willen hingerissen von der geheimnisvollen Deutschen und müssen achtgeben, ihren eigentlichen Auftrag dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Doch die Luft beginnt zu knistern, und da fällt es zunehmend schwer, bei der Sache zu bleiben...


"Abertausend Jahre Zeit - Fassen nicht - Die kleine Sekunde Ewigkeit - Da ich dich küsste (Jacques Prévert)"



Jedem der 21 Kapitel ist ein Zitat vorangestellt, was mir persönlich sehr gefallen hat. Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen, und durch die verzweifelte Situation Audreys konnte mich die Geschichte von Anfang an fesseln. Isabel Morland ist es gelungen, mehrere spannende Erzählstränge nebeneinanderher zu entwickeln und sie zunehmend miteinander zu einem komplexen Ganzen zu verflechten. Und auch wenn sich die Vergangenheit Audreys häppchenweise entpuppt, bleibt es in der Gegenwart spannend genug. Das Knistern zwischen den Charakteren ebenso wie das Geschehen um Mafia und Geheimdienst, in das Audrey zunehmend hineingezogen wird. Und spannend auch die Frage nach der Zukunft - kann es angesichts der Ereignisse eine Perspektive geben für Audrey?

Ein wenig klischeehafte aber gut ausgearbeitete Charaktere bietet Isabel Morland hier in ihrem Debüt. Und auch wenn es sich hier um einen Romantik-Thriller handelt, nehmen die erotischen Szenen nicht überhand, was mir sehr entgegen kam. Die Autorin hat hier in meinen Augen ein gutes Gleichgewicht gefunden.

Schön fand ich auch manche Szenen, die geradezu poetisch anmuteten:


"... ließ die Hand mit der Tasse sinken und lauschte. Chopins Nocturne Opus 9, Nr. 2... Schwermütig, sehnsüchtig, sich selbst verzehrend, schwebten die Töne durch die Luft, perlten wie Champagner in die leeren Sektflöten und füllten sie mit schmerzlicher Melancholie."



 


Wer einem Schuss Romantik in einem Thriller nicht abgeneigt ist, dem sei hier eine klare Empfehlung gegeben. Mich konnte das Debüt Isabel Morlands jedenfalls überzeugen, und gerne halte ich Ausschau nach weiteren Büchern dieser Autorin!


© Parden
























Isabel Morland wurde in Deutschland geboren. Sie stammt aus einer Familie mit ausgepägtem Hang zur Literatur. Einen Teil ihres Lebens verbrachte sie in Paris, gefolgt von mehreren Aufenthalten in Großbritannien, das sie bis in die hintersten Winkel Schottlands bereiste. Heute lebt sie mit ihrer Familie und zwei Hunden in Süddeutschland. Ihre Leidenschaft gilt dem Schreiben.
Zur Website von Isabel Morland
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