Samstag, 9. Mai 2015

Redenkämper, Otto: Dat Leben is kein Trallafitti


Wir kennen sie alle: die Fenster-Rentner. Die Arme aufs Kissen gestützt, in weißem Feinripp und mit kritischem Blick entgeht ihnen nichts, was sich vor ihrem Logenplatz abspielt.
Otto Redenkämper aus Gelsenkirchen-Buer – 40 Jahre auf der Zeche malocht und alt geworden mit Wilma – ist einer von ihnen. Rau aber ehrlich und mit einer ordentlichen Portion Potthumor regt er sich von seinem Fensterplatz aus herrlich witzig und herzhaft erfrischend über Gott und die Welt auf.


»Kinners, ich sitz hier doch nicht zum Spaß …!«


  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (25. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596030862
  • ISBN-13: 978-3596030866











GELSENKIRCHENER RENTNERDASEIN...



Otto heißt der Held der Geschichte(n) in diesem Buch. Früher malochte er im Untertagebau in der Zeche, ist nun aber schon länger Rentner und mittlerweile seit 40 Jahren verheiratet mit seiner Wilma. Doch wer da an 'Ruhestand' denkt, der kennt Otto nicht. Der hat weiter seinen eng getakteten Tagesablauf, da kann man auch schon mal in Stress kommen.
Morgens nach ausgedehntem Frühstück mit reichlich Kaffee und Rosinenbrot mit Leberwurst schaut er im Feinrippunterhemd erst mal aus dem Fenster und nach dem Rechten. Dann aber wird es Zeit für sein zweites Wohnzimmer - den Kiosk um die Ecke. Dort trifft er sich mit seinen Rentnerkollegen und diskutiert das aktuelle Tagesgeschehen - bis ausgerechnet dieser Kiosk eines Tages in Gefahr gerät, geschlossen zu werden. Das gibt es doch gar nicht! Klar unternimmt Otto jetzt alles in seiner Macht stehende, um diesen Supergau zu verhindern!

Rund um die Bedrohung des Kiosks erzählt Otto Redenkämper hier Dönekes aus seinem Leben in Gelsenkirchen-Buer. Heimat pur ist das für ihn, und so muss er sich eben kümmern. So um dies und das - und in jedem Fall sehr zum Amüsement des Lesers. Sei es die Auseinandersetzung mit einem Callcenter, ein heiterer Besuch im Schwimmbad oder aber auch der jährliche Wettkampf im Schneeschüppen - immer ein bisschen Gemopper, dann aber wacker in die Hände gespuckt und die Probleme angepackt. Und natürlich darf auch der Fußball nicht zu kurz kommen, auch wenn einem als Fan des FC Schalke 04 schon mal der Herzkasper droht. Ohne die schönste Nebensache der Welt geht eben gar nichts.
Ein bisschen im Hintergrund, aber immer mit von der Partie ist Ottos bessere Hälfte Wilma. Obwohl der Ehemotor inzwischen schon über 40 Jahre auf dem Buckel hat, kann Otto seinem Täubken nichts abschlagen - und weiß immer die richtigen Saiten aufzuziehen, wenn es mal kriselt. Zwischen all dem Gegrummel und der Kodderschnauze wird da plötzlich ganz viel Herz sichtbar, und diese Mischung gefällt!

Kinners, wat für ein Buch! Mir hat es wirklich vergnügliche Lesestunden gebracht, so eingetaucht mitten in den Ruhrpott. Otto und Wilma schlichen sich zunehmend in mein Herz, aber vor allem habe ich oft herzhaft gelacht. Alleine die Wortkreationen - ich liebe so was ja. Beispiele gefällig? Nasenhaartoupet, Übermüffelung, Biotonnenmassacker, Kristall-Mett, Sexypeel, Bauchnabelfusselbingo, joggingbebuxter Hintern... Die Liste könnte noch endlos weitergeführt werden.
Die kurzen Kapitel verleiten dazu, immer weiterzulesen. Dabei werden die einzelnen Episoden durch die Geschichte um den Kiosk zusammengehalten, was mir gut gefallen hat. Das einzige, was an dem Buch störte, war die Tatsache, dass es so schnell ausgelesen war.

Jedenfalls hoffe ich, doch noch einiges von Otto und Wilma lesen zu können, eine Fortsetzung ist ja bereits angekündigt. Rau, ehrlich, humorvoll und mit Herz - so kann es gerne weitergehen!


© Parden












OttoRedenkaemper
Quelle Bild
Geboren in Gelsenkirchen. Als Blagen im Nachkriegsruhrgebiet mit Blindgängern Fußball gespielt. Später mit ordentlicher Lederpille eigene Mannschaft für Straßenfußball gegründet. Dann kamen die Frauen. Knutschen im Autokino, Fummeln am Rhein-Herne-Kanal. Wilma getroffen, gemählt, geschwängert. Auf der Zeche malocht. Opa geworden. Dann Rente. Und heute? Aufstehen, Jupps Kiosk, Schrebergarten, von Wilma bekochen lassen, ins Fenster hängen, Einkäufe erledigen, über die Welt- und Wetterlage moppern – das bin ich, euern Otto. Quelle Text


Und hier gehts zum Blog von 'Ottos Revier'...


1 Kommentar:

  1. Endlich mal ein Ruhrpottbuch um das es nicht um das "Mach mal dat Mäh Ei" geht.

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