Donnerstag, 16. April 2015

Habersetzer, Roland: Amakusa Shiro - Gottes Samurai



Religionskriege gab es viele in vielen Jahrhunderten. Selten wird von ihnen jedoch aus fernsten Ländern berichtet, damit meine ich die, welche wir zum Fernen Osten zählen. Vielleicht hat eine Leserin oder ein Leser die Romane des James CLAVELL gelesen. SHOGUN wurde mit Richard CHAMBERLAIN erfolgreich verfilmt. Und SHOGUN gibt auch das Stichwort, wir begeben uns in das alte Japan, in das 14. und 15. Jahr der Ära Kan´ei, oder in das Jahr 1637. Es regiert der Enkel des Begründers des Edo-Shogunats, Tokugawa Ieyasu (jap. 徳川 家康; * 31. Januar 1543; † 1. Juni 1616), und der heißt Tokugawa Iemitsu (jap. 徳川 家光; * 12. August 1604 in Edo; † 8. Juni 1651).
Handelsgesellschaften der Portugiesen kamen bereits im 16. Jahrhundert nach Japan und errichteten Handelsstationen, die Japaner bekamen so Zugang zu Feuerwaffen wie Musketen und Kanonen. Aber es kam auch eine neue Religion in das Land, das Christentum, zu dem auch einige Daimyō (jap. 大名), regionale Provinzfürsten, deren Samurai und die ansässigen Bauern konvertierten. Unter den Tokugawa aber begann die Verfolgung der Christen und davon handelt der Roman AMAKUSA SHIRO – Gottes Samurai von Roland Habersetzer. *

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Zum Inhalt:

Im Dezember des Jahres 1637 erhebt sich wieder mal ein Aufstand, wie er, des Öfteren als Bauernaufstand auftritt und dann von den Provinzherrschern und dem bakufu (Militärregierung des Shogunats) blutig und grausam niedergeschlagen wird. Dieser aber nun auf den Halbinseln Shimabara und Amakusashima, die zu Kyūshū (九州) gehören, ist vor allem ein Aufstand von Christen gegen die unmenschliche Verfolgung durch die Vasallen des bereits erwähnten dritten Shoguns, Tokugawa Iemitsu. Nicht nur Bauern, sondern auch Samurai, christliche und solche, deren Herren christliche Daimyō waren, erheben sich und ziehen vor die Festungen Tomioka und Shimabara, bevor sie sich vor den heranziehenden Heeren des bakufu nach Hara begeben und dort eine alte Festung aufbauen. 



    wikipedia: Hara Castle               www.google.de


Angeführt werden sie von fünf Ronin: Ashikuza Chūemon, Mori Sōiken, Ōye Matsuemon, Ōye Matsuemon und Yamada Zenzaemon, der diesen Krieg überleben wird.

Diese fünf haben ein Aushängeschild: Masuda Shirō Tokisada oder Amakusa Shirō – christlich erzogener und getaufter Abkömmling eines christlichen Samurai, er wird zum Tendō, zum „Gesandten des Himmels“ ausgerufen, er verkörpert den „göttlichen Weg“. Er ist eine Art Messias. Der Shogun will anscheinend nicht einfach den Aufstand niederschlagen, er geht wesentlich subtiler vor: Dieser Glauben muss ausgemerzt werden. Dazu braucht es geschickter "unsichtbarer" Spione. Man nennt sie auch Ninja.
Zehntausende von Bauern, Kriegern, Samurai verteidigen die Festung Hara. Gegen die Armee des Generals Itakura Shigemasa können sie noch einen Sieg davon tragen…

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Religionskriege am anderen Ende der Welt. Egal wo sie stattfinden, sie sind immer grausam. Dabei geht es hier im alten Japan gar nicht so sehr darum, eine Region durch eine andere zu ersetzen, vielmehr geht es darum, dass mit der Anbetung des YASO KIRISHITO (Jesus Christus) eine andere Macht entsteht, diese Religion sucht das Heil im Jenseits, was die Angst vor der Militärregierung verringern könnte. Buddhismus und Shintoismus haben keine oder weniger Auswirkung auf die Politik, hier aber könnte es aus religiösen Gründen zu Aufständen kommen, genau wie es dann auch geschieht.
Die Foltermethoden im alten Japan erscheinen irgendwie besonders grausig, aber dies wohl nur, weil solche Beschreibungen unsere Augen nicht erreichten. Ob Grubenfolter oder Kreuz oder Scheiterhaufen, auf der ganzen Welt geschah das in Jahrhunderten und ist ja heute immer noch nicht vorbei.



Bildquelle
Der eigentliche „Held“ Masuda Shirō Tokisada, ist ein Jugendlicher, der letztlich als Aushängeschild missbraucht wird, von Ronin (herrenlose Samurai), deren Absichten verständlich wirken, sie wollen die grausame Verfolgung der Christen beseitigen, dass dies viele Leben kosten wird, nehmen sie in Kauf. Auch fühlen sie sich wieder als das, was sie einmal waren: Samurai – edle Krieger mit hehren Zielen. Das Christentum jedoch scheint eines bei ihnen und anderen Samurai bewirkt zu haben: Sie sehen in den Bauern nicht mehr nur einen niederen Stand, sie akzeptieren sie als Christen. Gleichzeitig scheuen sie nicht zurück, diese mit der Gestalt des „Gesandten des Himmels“ von der Insel Amakusa zu manipulieren. Die Rolle, der inzwischen hauptsächlich von Jesuiten ausgebildeten japanischen katholischen Priestern und einigen europäischen Priestern, die mit den Aufständigen untergehen, war eine sehr große, sie hielten den Widerstand auch in der größten Hungersnot noch aufrecht. 

Bis zuletzt glaubten die Christen an das göttliche Wunder und dass der "Himmlische Herrscher", der Tennō (jap. 天皇) im fernen Kyoto der Verfolgung Einhalt gebieten und der Shogun seine Armee zurückhalten möge. Es wird aber noch 230 Jahre dauern, bis das Shogunat gegenüber dem Kaisertum weichen muss.

Hauptfiguren sind vor allem die fünf Ronin, historische Gestalten wie überhaupt sehr viele Figuren historisch sind. Habersetzer lässt auch den berühmten Schwertkampfmeister Miyamoto Musashi auftreten (Fünf Ringe), der sich mit einem eher unbekannten aber legendenumwobenen Ninja namens Yagyū Mitsuyoshi, unterhält.

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Das Buch:
Roland Habersetzer gewährt uns mit diesem authentischen und historischen Roman einen Einblick in eine Episode, die eher weniger bekannt ist. Zahlreiche Filme und Serien erzählen von den Samurai vor allem, dieser Kriegerkaste, die die Soldaten der Provinzfürsten stellten. Christen kommen eher selten vor, mit Ausnahme der erwähnten Bücher des James Clavell.
Der französische Autor schreibt, dass er mit diesem Roman ein dreißig Jahre altes Versprechen erfüllt, denn er fand mit seinem japanischen Gastgeber einst mehrere Kisten mit Relikten des Kampfes auf Hara. 


Es ist für den Palisander – Verlag üblich, dass Sachbücher wie auch historische Romane durch umfangreiche Anhänge erweitert werden und so findet der geneigte Leser neben Kartenskizzen auch Abbildungen handelnder Personen und kurze Erläuterung zu deren Leben und Funktion. Historische Daten und ein Glossar der häufig gebrauchten japanischen Begriffe runden das Buch ab. Ein immenses Quellenverzeichnis finden wir am Schluss des Buches. Habersetzer hat schon viele Bücher über das alte Japan und seine Krieger geschrieben (Die Krieger des alten Japan) und so erzählt uns hier ein profunder Kenner und praktizierender Kampfkünstler die Geschichte des Endes der Christen auf Kyūshū.

Übersetzt wurde das Buch von Dr. Frank Elstner aus dem französischen.

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Roland Habersetzer
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Der 1942 geborene Roland Habersetzer ist einer der führenden französischen und weltweiten Kampfkunstexperten. Dem Gründer des Centre de Recherche Budo, (CBR) einer internationalen unabhängigen Organisation liegt der Erhalt der geistigen Werte der chinesischen und japanischen Kampfkünste am Herzen. Er ist 9. Dan im Karate und trägt den Titel Hanshi.

Deutsche Sektion des CBR
► Roland Habersetzer in der DNB

DNB / Palisander / Chemitz 2013 / ISBN: 978-3-938305-19-5 / 354 S.



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* Die japanischen Schriftzeichen und Daten stammen aus wikipedia

© KaratekaDD

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