Donnerstag, 26. März 2015

John Steinbeck: Die Straße der Ölsardinen


Heute muss ich unserer Lesergemeinde ein Geständnis machen:

Ich bin  (mit Unterbrechungen) als Science Fiction Fan seit mehr als 40 Jahren Leser von Perry Rhodan, der größten deutschen Science Fiction Serie, die nunmehr ununterbrochen seit 1961 in Form von Heftromanen wöchentlich erscheint. Nun hat solcherart von "Groschenromanen" leider den Ruf, nicht anspruchsvoll, sondern eher Trivialliteratur zu sein. Mit Blick auf Jules Verne und auch auf Karl May, dessen Geschichten ursprünglich als sog. "Kolportageromane", als Groschenhefte also, erschienen, möchte ich diese Auffassung aber relativieren: Gerade den Autoren der Perry Rhodan Serie ist es im Laufe der Jahrzehnte nicht nur gelungen, sich eine eigene Fangemeinde aufzubauen und sich am Markt zu behaupten, sondern man
hat es in den Jahren geschafft, eine komplette eigene Perry Rhodan Welt, ein faszinierendes  "Perryversum" erschaffen, das mittlerweile sehr komplex geworden ist. Dennoch ist auch ein  Neueinstieg in die Serie jederzeit möglich, weil die Handlung in "Zyklen" gegliedert ist, die auch spannend und verständlich sind, wenn man sich im Perryversum noch nicht so gut auskennt...
Wie richtungsweisen die Serie ist, zeigt m.E. ein Beispiel, das viele von uns aus der Fernsehserie Star Trek" kennen dürften: Die aus dieser Serie bekannten BORG weisen nämlich viele Parallelen zu den POSBIS aus dem Perryversum auf. Da liegt es nahe, dass die Macher von Star Trek sich auch von Perry Rhodan haben inspirieren lassen. Manchmal ist die Serie darüber hinaus auch lustig, z.B. wenn der Mausbiber Gucky, seines Zeichens
Mausbiber Leutnant Guck, genannt "Gucky":
mag am liebsten frische Mohrrüben
Telepath, Telekinet
und Teleporter oder kurz:Mutant und intelligenter außerirdischer Freund der Menschen, seine Späße treibt oder auch einfach nur, wenn die Autoren Humor und Fantasie beweisen, indem sie dem arkonidischen Geheimdienst den Namen Du Ra Cel verpassen. Nun soll dies kein Artikel über Science Fiction im Allgemeinen oder über Perry Rhodan im Besonderen werden. Dennoch möchte ich in wenigen kurzen Sätzen noch erklären, was mich an der Science Fiction interessiert:
Es ist neben den faszinierenden technischen Zukunftsvisionen die alte Menschheitsfrage nach unserer Herkunft und nach der rätselhaften Existenz unseres Universums. Daneben wird, eingebettet in abenteuerliche
Auf zu den Sternen: Mit terranischen
Raumschiffen der Zukunft: Kein Problem!
Geschichten, dem Leser ein perspektivisch völlig anderer, ja ungewohnter Blick auf viele menschliche Probleme ermöglicht. Das Thema Fremdenfeindlichkeit z.B. lässt sich im Verhältnis Aliens/Menschen vor Augen führen, ohne dass wir uns selbst durch bewusst oder unbewusst in uns verankerte Denkmuster und ja, auch durch Vorurteile, leiten lassen. Ein Klingone erzeugt in uns eben keine Assoziationen, die wir im alltäglichen Leben üblicherweise haben, wenn unsere Urteile und Vorurteile gegenüber Minderheiten oder Volksgruppen unser Denken beeinflussen.
Den Klingonen können wir mögen oder auch hässlich finden. Wir können aber keine Vorurteile gegen Klingonen und ihre Kultur entwickelt haben, weil sie bisher noch nicht mit uns in Kontakt getreten sind. So sehen wir die Dinge plötzlich klarer, wenn sie uns unbeeinflusst und fern von gewohnten Denkstrukturen gezeigt werden.
Ich finde den Gedanken äußerst interessant, was das Erscheinen von Außerirdischen kulturell,
Die BLUES, einst Feinde der Menschheit,
entwickelten sich zu Freunden und
heißen heute politisch korrekt
YÜLZIISCH
weltanschaulich und psychologisch bei den Menschen auslösen würde. Könnten Rassismus, Fremdenhass und (religiöser) Fanatismus weiter bestehen, wenn wir mit außerirdischen Zivilisationen in Kontakt kämen?
Sicher werden die Leser sich seit einiger Zeit fragen: "Wie und wann will er denn jetzt die Kurve kriegen und von diesem Thema zur Straße der Ölsardinen kommen?"
Tja, lieber Leser und  -innen, auch das ist ein Mittel, um Spannung bei Ihnen aufzubauen. Schließlich sollen Sie, sollt Ihr ja meinen Artikel auch bis zum Ende lesen!
Also verlassen wir an dieser Stelle das Universum und die Weiten der Milchstraße und wenden uns stattdessen dem Mikrokosmos der Cannery Row Steinbecks zu.
Cannery Row heißt der Roman von John Steinbeck aus dem Jahre 1945 nämlich in der englischen Originalfassung. Und diese Cannery Row gibt es wirklich, nämlich in der amerikanischen Stadt Monterey, wo auch unsere Geschichte spielt.
"Überirdisch" schöne Frauen dürfen in der
Serie natürlich auch nicht fehlen!
Der Weg aus der Milchstrasse in die Cannery Row ist kurz (in kosmischen Maßstäben gesehen sowieso): Mehrfach las ich in der Serie in den letzten Jahren, dass Perry Rhodan, der nun über einen Zeitraum von über 3000 Jahren die Geschicke der Menschheit lenkt (was ihm durch die Verleihung eines Zellaktivators durch die Superintelligenz ES auf dem Planeten Wanderer möglich wurde, der ihm relative Unsterblichkeit verleiht. Relativ deshalb, weil er dadurch biologisch unsterblich wurde und nicht mehr altert, ansonsten aber durchaus verwundbar ist und z.B. durch eine Pistolenkugel, pardon, ich meine natürlich einen Strahlschuss, getötet werden könnte), dieses Buch seinen Lieblingsroman nennt.

Die SOL ist ein gigantisches Generationen-Raumschiff






Also, dachte ich mir, wenn Perry Rhodan, der relativ unsterbliche Retter der Menschheit, Sofortumschalter, ehemalige Ritter der Tiefe und Großadministrator, Bezwinger der negativen Superintelligenz Coltoroc und jetzigem Residenten Terras mit dreitausendjährigem Erfahrungsschatz dieses Buch als seine Lieblingslektüre bezeichnet, dann dürfte es sich wohl auch für einen ganz normalen, nicht so weit gereisten und sterblichen Terraner wie mich lohnen, es auch einmal zu lesen! Also ging auch ich mit Perry auf die Reise, aber nicht mit der "Solaren Flotte" und auch nicht an Bord des hantelförmigen, gewaltig großen Generationenschiffs Sol oder an Bord des noch gewaltigeren Raumschiffs Basis zu einem Flug hinter die Materiequellen oder wenigsten bis zum Rand des Universums, nein: Unsere Reise geht "nur" in die Cannery Row und zurück in die 20´iger Jahre des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends.
Dort angekommen lassen wir uns verzaubern von einer flüssig und "literarisch hochwertig" erzählten Geschichte der Menschen in der ärmlichen Straße der Ölsardinen, die von gescheiterten Existenzen, Huren, einfachen Fabrikarbeitern in den Fischfabriken, schlitzohrigen Taugenichtsen, geschäftstüchtigen Kramladenbesitzern und vielen anderen skurrilen Gestalten bevölkert wird. So entsteht vor unseren Augen in vielen Episoden, die untereinander verknüpft sind und sich vielfach kreuzen, der faszinierende Mikrokosmos der Cannery Row.
Das Buch liest sich leicht, denn die fließende Leichtigkeit seiner Story zeugt sowohl von hoher Erzählkunst als auch von dem Vermögen, sich ganz in das Milieu hineinzuversetzen. Hier von einer (unterhaltsamen) Milieustudie zu sprechen, geht sicher auch nicht ganz am Thema vorbei.

"Cannery Row ist mehr als nur eine Straße, es ist die Gegend der Ölsardinen und Konservenbüchsen, ist ein Gestank und ein Gedicht, ein Knirschen und Knarren, ein Leuchten und Tönen, ist eine schlechte Angewohnheit, ein Traum. Cannery Row - in Montery, Kalifornien, zusammen- und auseinandergeschleudert - besteht aus Alteisen, Blech, Rost, Hobelspänen, aufgerissenem Pflaster, Baustellen voll Unkraut und Kehrichthaufen, aus Fischkonservenfabriken in Wellblechschuppen, aus Wirtschaften, Hurenhäusern, Chinesenhütten, Laboratorien, Läden voll mit Kram, aus Lagerhallen mit faulen Fischen. Die Bewohner? Huren, Hurensöhne, Kuppler, Stromer und Spieler, mit einem Wort: Menschen; man könnte mit gleichem Recht sagen: Heilige, Engel, Gläubige, Märtyrer - es kommt nur auf den Standpunkt an."
(Steinbeck, John: Die Straße der Ölsardinen).

Gleich mit den ersten Sätzen beschreibt uns damit John Steinbeck die Cannery Row sehr plastisch und führt den Leser damit von Anfang an hinein in das "pralle Leben" dieses sozialen Biotops, in dem die pralle Atmoshäre nur noch übertroffen wird von der Skurrilität und der manchmal geradezu herzergreifenden Menschlichkeit ihrer Bewohner.

John Steinbeck 1966
Betrachtet man die Cannery Row von außen, dann sieht man die Huren, Hurensöhne, Kuppler, Stromer und Spieler. Von innen betrachtet begegnen wir dagegen Heiligen, Engeln, Gläubigen und Märtyrern. So sind die Protagonisten der Cannery Row alles das, vor allem aber sind sie: Menschen!
Aber: Wie John Steinbeck schrieb: Es kommt (halt wie immer im Leben) nur auf den Standpunkt an.

Perry Rhodan, ich danke Dir, Du alter Terraner, dass Du mich auf dieses Buch aufmerksam machtest.
Dir wünsche ich: "Ad Astra" -
uns aber, liebe Leser:
Noch viele schöne Lesestunden auf unserer guten alten Erde.
Euer "Aushilfsterraner"
TinSoldier!

Bildquellen: Internet

John Steinbeck
Die Straße der Ölsardinen (Cannery Row)
Deutscher Taschenbuch Verlag
dtv - Taschenbuch, 149 Seiten, 6,90 Euro
Deutsch von Rudolf Frank
ISBN: 978-3-423-10625-2
DNB

Copyright: Tinsoldier

1 Kommentar:

  1. Das gehört wieder mal zu den Dingen, von denen ich zwar gehört habe, jedoch sie nie in den Händen hielt.
    Grüße nach Unna.

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