Sonntag, 29. März 2015

Heine, Heinrich: Ein Wintermärchen

Schulstoff. Der kommt an Heinrich Heine nicht vorbei. Wie aber habe  ich Heinrich Heine wieder entdeckt? Zum einen durch dieses Buch des Reclam - Verlages aus dem Jahre 1989, welches ich mal von meiner Großmutter erhielt. Allerdings zog ich es erst wieder aus dem Regal, als ich nach dem Tod des Schauspielers Eberhard Esche mir dessen CD´s zulegte. Da war auch DEUTSCHLAND. EIN WINTERMÄRCHEN dabei.

Nun, es weiß vielleicht nicht gleich jeder, wie sie anfängt, diese lyrische Reise Heinrich Heines, aber jeder weiß, dass folgende Zeilen dazu gehören:


Buch Seite 9

Im traurigen Monat November war´s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar, 
Die Augen begunnen zu tropfen.


Das Wintermärchen ist ein satirischens Versepos, so wird es im Wikipedia-Artikel bezeichnet, manchmal nennt man es auch ein politisches Gedicht.*  Heinrich Heine, dessen Schriften zeitweise verbotern waren, hatte aber auch "politisch unkorrekte" Gedanken. Er hatte ein Ziel:


Buch Seite 15
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Seine Texte und Schriften musste er schmuggeln. Das wurden sie auch. Aber Heine spottete dem "Douanenverein, den misstraischen Preußen:

 Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken..






Das Buch wurde mit Zeichnungen von Max Schwimmer (1890 - 1960) gut geschmückt. Damit wurde es zu einem "Bilderbuch". Der Maler und Grafiker ist Heine nachgereist, er "zeichnete den Abschied von Paris, die preußischen Hemden-, Hosen- und Schnupftuchbeschnüffler des Zolls und den zu Aachen im alten Dom begraben liegenden Carolus Magnus, Das Zopfmilitär... den Vater Rhein... Tacitus... den Kaiser Rotbart... So wird Schwimmer Heines charmanter Bildreporter." (Schutzumschlag Text)



Lyrik lesen, politische Lyrik die hier auch "Geschichtsunterricht" sein kann, ist nicht jedermanns Sache. In diesem Fall hier kann man sie auch hören. Denn der Schauspieler Eberhard Esche hat sich verdient gemacht, um den Heine sowieso und um DAS WINTERMÄRCHEN um so mehr. Der im März 2013 verstorbene Mime reiste mit Goethe und Heine im Gepäck gern umher und gastierte an vielen Theatern. Wenn Esche das Wintermärchen vortrug, dann wurde dies plötzlich wieder hoch aktuell. Das Publikum hatte keine Schwierigkeiten, Heines Verse auf die aktuelle Zeit anzuwenden. Das lag an diesem Schauspieler, dessen unverwechselbare Vortragsart begeisterte. Schade, dass es kein Video gibt davon, weil seine Mimik dem Ganzen bestimmt noch den Punkt auf das bekannte i setzte.

Darum schaut die kleine Bücherraupe auf das bebilderte und das gesprochene Wintermärchen. Es ist ein Genuss, sich dem deklamierenden "Schauspieler, den seine Freunde Ebi nennen" ** hinzugeben, auch das Mitlesen in einem solchen Buch macht Freude. Vielleicht erhöht sich dadurch auch das Verständnis für die 170 Jahre "alten" Texte.


► Heinrich Heine in der DNB
► Max Schwimmer in der DNB
► Eberhard Esche in der DNB
► "Esches" Wintermärchen im Buschfunk

Reclam Verlag / Leipzig 1989 / ISBN: 3-379-00516-9 / 155 Seiten / DNB


* Man sagt, Wikipedia-Artikel sind als wissenschaftlicher Beleg nicht zu gebrauchen. Aber das müssen sie ja auch nicht. Sie taugen vor allem für den Überblick zu Personen, Geschehnissen, Episoden, Litaratur, Theater... Ich finde, da sich so viele Menschen dran beteiligen, sind diese Artikel auch für uns Bücherblogger eine gute Grundlage für Recherchen und Hinweise, sicher aber auch für unsere Leser. 

** Zitat aus DER HAASE IM RAUSCH

© KaratekaDD








Kommentare:

  1. Lieber Uwe, ich finde Deinen Beitrag wirklich schön. Heinrich Heine hat in seinem deutschen Wintermärchen auch meine Heimatstadt Unna verewigt:
    CAPUT X

    Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
    Und ich fühlte in den Gedärmen
    Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
    Zu Unna, im Wirtshaus, erwärmen.
    Ein hübsches Mädchen fand ich dort,
    Die schenkte mir freundlich den Punsch ein;
    Wie gelbe Seide das Lockenhaar,
    Die Augen sanft wie Mondschein.

    Den lispelnd westfälischen Akzent
    Vernahm ich mit Wollust wieder.
    Viel süße Erinnerung dampfte der Punsch,
    Ich dachte der lieben Brüder,

    Der lieben Westfalen, womit ich so oft
    In Göttingen getrunken,
    Bis wir gerührt einander ans Herz
    Und unter die Tische gesunken!

    Ich habe sie immer so liebgehabt,
    Die lieben, guten Westfalen,
    Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
    Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

    Wie standen sie prächtig auf der Mensur
    Mit ihren Löwenherzen!
    Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
    Die Quarten und die Terzen.

    Sie fechten gut, sie trinken gut,
    Und wenn sie die Hand dir reichen
    Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie;
    Sind sentimentale Eichen.

    Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
    Er segne deine Saaten,
    Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
    Vor Helden und Heldentaten.

    Er schenke deinen Söhnen stets
    Ein sehr gelindes Examen,
    Und deine Töchter bringe er hübsch
    Unter die Haube – Amen!

    Das Gasthaus, in dem er damals nächtigte, ist heutzutage ein Wohn- und Geschäftshaus, an dessen Außenmauer heute eine Gedenktafel an seinen Besuch erinnert. Wer Lyrik mag, dem empfehle ich auch Heines "Buch der Lieder" .

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    1. Ach ja, ihr lieben guten Westfalen.
      Schreibt doch mal wieder.

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